NEUNTES KAPITEL.

Physische Welt- und Lebenanschauungen.

Trennen wir Welt und Leben, so haben wir also eine Anschauung in bezug

auf die Welt und eine solche in bezug auf das Leben. Wenn wir aber die

ganze Natur, unbelebt und belebt, nur unter dem einen Gesichtspunkt des

Materiellen und der in und zwischen den Materien wirkenden Kräfte und

Vorgänge betrachten, so schließen wir uns an die allgemeine ~physische

Welt- und Lebenanschauung~ an. Übernatürliche und geistige Wirkungen

und Vorgänge werden weder für die Welt noch für das Leben angenommen,

ebensowenig Stoffe, die andere Eigenschaften besitzen, als die wir an

der Materie kennen. Sollten Elektrizität, Magnetismus und elektrischer

Strom nicht unter der gewöhnlichen trägen Materie einzubegreifen sein,

so fügen wir sie trotzdem an diese an, indem wir unter Materie als

Stoff alles das verstehen, wovon wir rein physische Eigenschaften,

also physikalisch-chemische, kennen und in unveränderlicher Weise

finden. Was aber die Vorgänge anbetrifft, so dürfen wir sie zunächst

in drei Typen einreihen: ~Bewegungen~, ~Induktionen~, ~chemische

Umsetzungen~. Über Bewegungen und chemische Umsetzungen ist nichts

zu sagen. Zu den Induktionen rechnen wir solche Vorgänge, wie das

Hervorrufen oder Vernichten von Elektrizität, Magnetismus, Strom. Indem

wir von ~Umsetzungen~ allgemein sprechen, wollen wir diese Induktionen

mit den chemischen Umsetzungen vereint denken. Und sollten wir alle

drei Typen zusammen nehmen, so sprechen wir von mechanistischen

Vorgängen, ohne damit sagen zu wollen, daß sie der gewöhnlichen

Mechanik angehören, sie könnten auch dem Elektromagnetismus oder einem

anderen Erscheinungsgebiet zuzuschreiben sein. Neuerdings hat man auch

die Energien in Rücksicht gezogen, und so müssen wir von einem weiteren

Typus handeln, dem der ~Energieumwandlungen~. Ob diese, nun vier,

Typen in einen Typus übergeführt werden können und in welchen, etwa

in den der Bewegung oder der Energieumwandlung, hat die Wissenschaft

zu ermitteln; einstweilen wissen wir noch nichts Sicheres und bleiben

die Typen besser noch getrennt. Es macht auch für die folgenden

Untersuchungen nichts aus, ob wir von einem Typus oder von allen Typen

ausgehen. Das allein Wesentliche ist das Physische. Indessen bietet

der Typus der Energieumwandlungen soviele Besonderheiten, und hat er

in der Wissenschaft eine so umfassende Eigenwichtigkeit erlangt, daß

wir ihn später für sich untersuchen werden. Und so wollen wir, jene

drei ersten Typen vereinigend, von einer ~mechanistischen~ Welt- und

Lebenanschauung sprechen, hinsichtlich des vierten Typus aber von

einer ~energetischen~, und, wo beide Anschauungen verbunden sind, von

einer ~mechanistisch-energetischen~. ~Materialistisch~ nennen wir

eine Anschauung, in der alles auf Materie begründet ist. Eine solche

Anschauung müssen wir, je nachdem die Seele als ein Besonderes, wenn

auch gleichwohl Stoffliches, behandelt wird oder nicht, indem im

letzteren Falle eine Seele überhaupt nicht in Frage kommt, in zwei

Klassen trennen, in ~psychischen~ und in ~physischen Materialismus~.

Alle diese Namen sind nicht sehr bezeichnend; aber da sie eben erklärt

sind, mögen sie, als gewohnt, so stehen bleiben. Die Geschichte des

reinen Materialismus ist bekanntlich von F. A. ~Lange~ (1828-1875)

in einem umfangreichen Werke behandelt. Ich darf mich darum auf die

allerwichtigsten Angaben beschränken und den Raum mehr zu kritischen

Bemerkungen verwenden.

Welt- und Lebenanschauungen; hervorgegangen aus Religion, Philosophie und Naturerkenntnis · 第 105 / 108 题