Physische Welt- und Lebenanschauungen.
Trennen wir Welt und Leben, so haben wir also eine Anschauung in bezug
auf die Welt und eine solche in bezug auf das Leben. Wenn wir aber die
ganze Natur, unbelebt und belebt, nur unter dem einen Gesichtspunkt des
Materiellen und der in und zwischen den Materien wirkenden Kräfte und
Vorgänge betrachten, so schließen wir uns an die allgemeine ~physische
Welt- und Lebenanschauung~ an. Übernatürliche und geistige Wirkungen
und Vorgänge werden weder für die Welt noch für das Leben angenommen,
ebensowenig Stoffe, die andere Eigenschaften besitzen, als die wir an
der Materie kennen. Sollten Elektrizität, Magnetismus und elektrischer
Strom nicht unter der gewöhnlichen trägen Materie einzubegreifen sein,
so fügen wir sie trotzdem an diese an, indem wir unter Materie als
Stoff alles das verstehen, wovon wir rein physische Eigenschaften,
also physikalisch-chemische, kennen und in unveränderlicher Weise
finden. Was aber die Vorgänge anbetrifft, so dürfen wir sie zunächst
in drei Typen einreihen: ~Bewegungen~, ~Induktionen~, ~chemische
Umsetzungen~. Über Bewegungen und chemische Umsetzungen ist nichts
zu sagen. Zu den Induktionen rechnen wir solche Vorgänge, wie das
Hervorrufen oder Vernichten von Elektrizität, Magnetismus, Strom. Indem
wir von ~Umsetzungen~ allgemein sprechen, wollen wir diese Induktionen
mit den chemischen Umsetzungen vereint denken. Und sollten wir alle
drei Typen zusammen nehmen, so sprechen wir von mechanistischen
Vorgängen, ohne damit sagen zu wollen, daß sie der gewöhnlichen
Mechanik angehören, sie könnten auch dem Elektromagnetismus oder einem
anderen Erscheinungsgebiet zuzuschreiben sein. Neuerdings hat man auch
die Energien in Rücksicht gezogen, und so müssen wir von einem weiteren
Typus handeln, dem der ~Energieumwandlungen~. Ob diese, nun vier,
Typen in einen Typus übergeführt werden können und in welchen, etwa
in den der Bewegung oder der Energieumwandlung, hat die Wissenschaft
zu ermitteln; einstweilen wissen wir noch nichts Sicheres und bleiben
die Typen besser noch getrennt. Es macht auch für die folgenden
Untersuchungen nichts aus, ob wir von einem Typus oder von allen Typen
ausgehen. Das allein Wesentliche ist das Physische. Indessen bietet
der Typus der Energieumwandlungen soviele Besonderheiten, und hat er
in der Wissenschaft eine so umfassende Eigenwichtigkeit erlangt, daß
wir ihn später für sich untersuchen werden. Und so wollen wir, jene
drei ersten Typen vereinigend, von einer ~mechanistischen~ Welt- und
Lebenanschauung sprechen, hinsichtlich des vierten Typus aber von
einer ~energetischen~, und, wo beide Anschauungen verbunden sind, von
einer ~mechanistisch-energetischen~. ~Materialistisch~ nennen wir
eine Anschauung, in der alles auf Materie begründet ist. Eine solche
Anschauung müssen wir, je nachdem die Seele als ein Besonderes, wenn
auch gleichwohl Stoffliches, behandelt wird oder nicht, indem im
letzteren Falle eine Seele überhaupt nicht in Frage kommt, in zwei
Klassen trennen, in ~psychischen~ und in ~physischen Materialismus~.
Alle diese Namen sind nicht sehr bezeichnend; aber da sie eben erklärt
sind, mögen sie, als gewohnt, so stehen bleiben. Die Geschichte des
reinen Materialismus ist bekanntlich von F. A. ~Lange~ (1828-1875)
in einem umfangreichen Werke behandelt. Ich darf mich darum auf die
allerwichtigsten Angaben beschränken und den Raum mehr zu kritischen
Bemerkungen verwenden.