SIEBENTES KAPITEL.

Spinozismus und Neuspinozismus sowie Neuidealismus.

Der ~Spinozismus~ ist im Wesen aufs äußerste getriebener Idealismus.

Er hat trotz seiner Bezeichnung als ~Pantheismus~ mit religiösen

Überzeugungen nichts zu tun. ~Gott ist hier allein das transzendente

Ding-an-sich~. Und wenn man sich vor dem Spinozismus als einem

~Atheismus~ gefürchtet hat und von gewissen Seiten noch fürchtet,

so hat das seine Berechtigung für diejenigen, welche sich Gott

nur mit persönlichen Eigenschaften begabt denken konnten und nur

denken können. Der Spinozismus in seiner reinen Form schließt einen

~persönlichen~ Gott völlig aus. Aber gerade deshalb konnte sich ihm

die moderne Naturwissenschaft anpassen. Und so hat er in unserer Zeit

eine Bedeutung erlangt, die in Verbindung mit Kants und Schopenhauers

transzendenten Anschauungen die aller anderen Philosophien weit

überragt und in der Form des ~Neuspinozismus~ allmählich sich zur

wissenschaftlichen Herrschaft aufschwingt. Dieses ist auch mit ein

Grund, warum der Spinozismus erst an dieser Stelle behandelt wird.

Außerdem wollte ich ihn auch äußerlich vom Cartesianismus ablösen, mit

dem er, wie früher ausgeführt (S. 337), gar keine Beziehung hat, außer

etwa, daß er auf ihn folgt und daß der Urheber sich mit ihm eifrig

beschäftigt hat und seiner öfter gedenkt und seiner Nomenklatur sich

bedient.

Der Neuidealismus ist vom Spinozismus schwer zu trennen, er ist darum

mit diesem zusammen behandelt.

Welt- und Lebenanschauungen; hervorgegangen aus Religion, Philosophie und Naturerkenntnis · 第 99 / 108 题