Spinozismus und Neuspinozismus sowie Neuidealismus.
Der ~Spinozismus~ ist im Wesen aufs äußerste getriebener Idealismus.
Er hat trotz seiner Bezeichnung als ~Pantheismus~ mit religiösen
Überzeugungen nichts zu tun. ~Gott ist hier allein das transzendente
Ding-an-sich~. Und wenn man sich vor dem Spinozismus als einem
~Atheismus~ gefürchtet hat und von gewissen Seiten noch fürchtet,
so hat das seine Berechtigung für diejenigen, welche sich Gott
nur mit persönlichen Eigenschaften begabt denken konnten und nur
denken können. Der Spinozismus in seiner reinen Form schließt einen
~persönlichen~ Gott völlig aus. Aber gerade deshalb konnte sich ihm
die moderne Naturwissenschaft anpassen. Und so hat er in unserer Zeit
eine Bedeutung erlangt, die in Verbindung mit Kants und Schopenhauers
transzendenten Anschauungen die aller anderen Philosophien weit
überragt und in der Form des ~Neuspinozismus~ allmählich sich zur
wissenschaftlichen Herrschaft aufschwingt. Dieses ist auch mit ein
Grund, warum der Spinozismus erst an dieser Stelle behandelt wird.
Außerdem wollte ich ihn auch äußerlich vom Cartesianismus ablösen, mit
dem er, wie früher ausgeführt (S. 337), gar keine Beziehung hat, außer
etwa, daß er auf ihn folgt und daß der Urheber sich mit ihm eifrig
beschäftigt hat und seiner öfter gedenkt und seiner Nomenklatur sich
bedient.
Der Neuidealismus ist vom Spinozismus schwer zu trennen, er ist darum
mit diesem zusammen behandelt.