FÜNFTES KAPITEL.

Anschauungen aus Theosophie, Deismus und Emanismus.

Die ~Theosophie~ und die mit ihr meist verbundene ~Emanationslehre~

beruhen außer auf dem Glauben, wie an einer anderen Stelle bereits

hervorgehoben, weniger auf logischen Verstandesfolgerungen und auf

Naturbetrachtungen, als vielmehr auf Eingebungen, innerem Schauen

(contemplatio), auf Intuition, meist aus dem Fühlen heraus. Es wird

dieser Intuition, mitunter höchster Phantasie und Verzückung, ihr Recht

eingeräumt, selbst gegen den Widerstand der kühlen Vernunft. Zugleich

tritt die irdische Welt als Selbständigkeit in den Hintergrund. Verband

der Pandeismus Gott mit der Welt, so schließt die Theosophie umgekehrt

die Welt an Gott an. Gleichwohl neigt sie meist zu einem gewissen

~Pandeismus~, wofür wir manche Beispiele kennen lernen werden. So ist

die Theosophie doppeldeutig zu verstehen, als eine Erkenntnis Gottes

durch die Welt und als eine Erkenntnis der Welt durch Gott; letzteres

also als eine Erkenntnis, wie Gott sie besitzt, als eine absolute

Erkenntnis. Fast alle Schulen und Vereinigungen, die sich in dieser

Weise mit der Theosophie beschäftigt haben und noch beschäftigen, wie

unsere modernen Theosophen, haben die zweite Art der Erkenntnis in

ihren wesentlichen Teilen geheim, esoterisch behandelt. So verband und

verbindet sich mit der Theosophie ein ~Occultismus~, der, soweit er

an die Öffentlichkeit tritt, naturgemäß als ~Mystizismus~ erscheint.

Und sie führt zu ~Supranaturalismus~. Ja in den Auswüchsen zu

~Theurgie~, ~Nekromantie~ und manchem Spuk, den wir vom ~Spiritismus~

kennen. Es ist auch vielfach das Gebiet der ~Geheimgesellschaften~,

deren Lehren nur den Eingeweihten, Mysten, Adepten bekannt waren

oder bekannt sind. Ob die griechischen Mysterien hierhergehören,

läßt sich nicht feststellen. Da wir nicht mehr sagen können, als wir

wissen, beschäftigen wir uns hier nur mit den exoterischen Lehren.

Sie enthalten viel Bedeutendes und Hohes neben manchem, das wir nur

kopfschüttelnd vernehmen mögen. Ich erinnere aber zum Verständnis des

Folgenden, namentlich in nichtheidnischen Kreisen entstandenen, daß,

frei von allem Mystizismus, schon in der Bibel die Wesensgleichheit des

Geistes des Menschen mit dem Odem Gottes vorgetragen ist. Um solche

Wesensgleichheiten in allgemeinerem Sinne handelt es sich in allen zu

beschreibenden theosophischen Anschauungen. Für Gott werden wir auch

~Urgeist~ setzen.

Welt- und Lebenanschauungen; hervorgegangen aus Religion, Philosophie und Naturerkenntnis · 第 81 / 108 题