Ein Reiter mit einem Papier in der Hand, im Galopp ansprengend! Ihm nach
ein zweiter Reiter, vor sich auf dem Pferd ein halbohnmächtiges,
todtbleiches Mädchen. --
»Halt, halt! Befehl, den Verurteilten Christoph von Denow zurückzuführen
ins Gewahrsam!«
Anneke Mey leblos auf dem leblosen Körper des Erschossenen -- Erdwin
Wüstemann besinnungslos in den Armen Arendt Jungbluths -- -- --
Trompetenschall von der Torwache; von der Stadt her eine neue
Reiterschar: »Der Herzog! der Herzog! -- Zu spät! zu spät!« -- -- -- --
In dem wiedergebildeten Ring hielt der junge Fürst mit seinem Gefolge;
vor ihm stand barhäuptig der Profoß neben der schrecklichen Gruppe am
Boden und erzählte das Vorgefallene. Als er geendet, stieg der junge
Fürst ab von seinem Hengst und näherte sich dem treuen Knecht des Hauses
Denow:
»Weshalb hast du das getan?«
Der Angeredete blickte irr und wirr im Kreise umher, antwortete nicht,
sondern brach nur in ein herzzerreißendes Gelächter aus.
Der Herzog legte die Hand an die Stirn; -- dann wandte er sich:
»Hebt doch das Kind von der Leiche!«
Der Leutnant von der Festung, Johannes Sivers, beugte sich nieder, um
dem Befehl nachzukommen. Es gelang ihm mit Mühe:
»O gnädiger Gott, tot, tot, fürstliche Gnaden!«
Ein dumpfes Gemurmel ging durch die lauschende Menge; der Fürst schritt
finster sinnend einige Minuten auf und ab. Dann hob er das Haupt:
»Bei meinen Vätern, ich glaub', da ist ein bös Ding getan! leget die
Dirne und den toten Knaben auf die Gewehrläufe -- es ist Unsere Meinung
und Wille, daß das Gericht wieder beginne. Wir sind entschlossen,
selbsten im Ring zu sitzen!«
Während dieser letzten Worte hatte sich Erdwin Wüstemann langsam
aufgerichtet; jetzt stand er wieder fest auf den Füßen. Der Herzog
bemerkte es, er legte ihm die Hand auf die Schulter:
»Ihr habet hart und schnell in unser Gericht eingegriffen. Stehet zu mir
nun auch im Ring, daß die Wahrheit an den Tag kommt! Nachher, wenn's
sich ausgewiesen hat, wie ich es mir zusammendenke, wollen Wir, daß Ihr
die dort gen Ungarn führet als Unser Ehrbarer, Mannhafter und Getreuer!
Höret Ihr, Hauptmann Erdwin Wüstemann?! Nun hebet die Leichen und rühret
die Trommeln -- fort! fort!«
Über der blutigen Morgenröte hatten sich die Wolken wieder dunkel
zusammengezogen. Wieder sanken leise einzelne weiße Flocken herab. Sie
mehrten sich von Augenblick zu Augenblick und deckten bald, einem
Leichentuch gleich, die Körper Christophs und Annas, wie sie durch die
Gassen der Stadt Wolfenbüttel, dem Zuge der Krieger und Bürger voran,
dicht hinter dem Gefolge des Herzogs, welcher mit gesenktem Haupte
vorausritt, der Gerichtsstätte am Schloß zugetragen wurden. Der alte
Knecht Erdwin ging neben seinem jungen Herrn her; aber er wußte nichts
davon -- dunkel war es in ihm und um ihn! --
=So starb der Junker Christoph von Denow eines adeligen Todes!=
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* Ein Geheimnis *
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* Lebensbild aus den Tagen Ludwigs XIV. *
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