Trinculo.

Du lügst, du höchst unwissendes Ungeheuer, ich bin im Stand es mit

einem Gerichts-Amman aufzunehmen; wie? du lüderlicher Fisch du,

ist jemals ein Mann eine Memme gewesen, der so viel Sect in einem

Tag getrunken hat als ich? Darfst du so ungeheure Lügen sagen, und

bist nur halb ein Fisch und halb ein Ungeheuer?

Caliban.

Horch, wie er mich schimpfirt; willt du ihm heimzünden, Mylord?

Trinculo.

Mylord, sagt er! Daß ein Ungeheuer so einfältig seyn kan!

Caliban.

Horch, horch, schon wieder; beiß ihn zu tode, ich bitte dich.

Stephano.

Trinculo, stek deine Zunge ein! Wenn du einen Aufruhr anfangst, so

soll der nächste Baum--Das arme Ungeheuer ist mein Unterthan, und

ich werde nicht leiden daß ihm übel begegnet werde.

Caliban.

Ich danke dir, mein edler Gebieter. Gefällt es dir, die Bitte, die

ich an dich gethan habe, noch einmal zu hören?

Stephano.

Beym Element, das will ich; knie nieder und wiederhole sie; ich

will stehen, und Trinculo soll auch stehen. (Ariel kommt

unsichtbar dazu.)

Caliban.

Wie ich dir vorhin gesagt habe, ich bin einem Tyrannen unterthan,

einem Zauberer, der mir durch seine List diese Insel abgetrödelt

hat.

Ariel.

Du lügst.

Caliban (zu Trinculo.)

Du lügst, du Maulaffe du; ich wollte, daß mein dapfrer Meister dich

vernichtete; ich lüge nicht.

Stephano.

Trinculo, wenn ihr ihn noch ein einzig mal in seiner Erzählung

unterbrecht, beym Sapperment, so will ich euch etliche Zähne

supplantiren!

Trinculo.

Was? Ich sagte nichts.

Stephano.

Husch denn, und nichts weiter; fahre fort!

Caliban.

Ich sage, durch Zauberey gewann er diese Insel, von mir gewann er

sie. Wenn deine Hoheit sie ihm wieder abnehmen will, (denn ich

weiß, du hast das Herz dazu, aber dieses Ding hat kein Herz--)

Stephano.

Das ist eine ausgemachte Sache.

Caliban.

So sollt du Herr davon seyn, und ich will dir dienen.

Stephano.

Wie wollen wir das anstellen? Kanst du mir ein Mittel vorschlagen?

Caliban.

Ja, ja, mein Gebieter, ich will ihn dir schlafend überliefern, dann

kanst du ihm einen Nagel in den Kopf schlagen.

Ariel.

Du lügst, das kanst du nicht.

Caliban.

Was für ein elster-mässiger Flegel ist das? du Lumpenkerl du! Ich

bitte deine Hoheit, gieb ihm Maulschellen und nimm ihm diese

Flasche; wenn er sie nicht mehr hat, so muß er lauter Pfüzenwasser

trinken, denn ich will ihm nicht zeigen, wo die Brunnquellen sind.

Stephano.

Trinculo, seze dich keiner fernern Gefahr aus. Unterbrich das

Ungeheuer nur mit einem Wort, und beym Sapperment, ich will meine

Barmherzigkeit zur Thür hinaus stossen, und einen Stokfisch aus dir

machen.

Trinculo.

Wie? Was that ich denn? Ich that nichts; ich will weiter weggehen.

Stephano.

Sagtest du nicht, er lüge?

Ariel.

Du lügst.

Stephano. (Er prügelt den Trinculo.)

Thu ich das? Nimm das, und wenn es dir wohl schmekt, so heisse

mich ein andermal wieder lügen.

Trinculo.

Ich habe dich nicht lügen geheissen--Habt ihr den Verstand

verlohren, und das Gehör dazu? daß der Henker eure Flasche! Das

kan Sect und Trinken thun! Daß die schwere Noth dein Ungeheuer,

und der T** deine Finger--

Caliban.

Ha, ha, ha.

Stephano.

Nun, weiter in deiner Erzählung--

(zu Trinculo)

ich bitte dich, steh weiter zurük.

Caliban.

Schlag ihn bis er genug hat; über eine Weile will ich ihm auch

geben.

Stephano.

Weiter zurük--Komm, fahre fort.

Caliban.

Wie ich dir sagte, er hat die Gewohnheit nachmittags zu schlaffen;

dann kanst du ihm den Kopf spalten, aber du must ihm vorher seine

Bücher nehmen; oder du kanst ihm mit einem Bloke den Hirnschedel

zersplittern, oder ihm mit einem Pfahl den Bauch aufreissen, oder

ihm mit deinem Messer die Gurgel abschneiden. Vergiß nicht, ihm

seine Bücher vorher wegzunehmen; denn ohne sie ist er nur ein

Dummkopf wie ich; und hat nicht einen einzigen Geist mehr, dem er

befehlen könnte. Sie hassen ihn alle mit einem so eingewurzelten

Haß wie ich. Verbrenne nur seine Bücher. Er hat hübsche Möbeln,

wie er sie heißt, womit er sein Haus einrichten will, wenn er eins

hat. Und was am tiefsten dabey zu betrachten ist, das ist die

Schönheit seiner Tochter; er selbst nennt sie sein Tausendschönchen;

ich habe nie mehr als zwey Weibsbilder gesehen, Sycorax, meine

Mutter, und sie; aber sie übertrift Sycorax so weit als das Gröste

das Kleinste.

Stephano.

Ist sie so ein hübsches Mensch?

Caliban.

Ja, mein Gebieter; sie wird dein Bette zieren, ich versichre dich's,

und dir eine brave junge Zucht bringen.

Stephano.

Ungeheuer, ich will diesen Mann umbringen; seine Tochter und ich

sollen König und Königin seyn, (Gott erhalte unsre Majestäten!) und

Trinculo und du, ihr sollt Vice-Könige seyn. Gefällt dir der

Anschlag, Trinculo?

Trinculo.

Vortrefflich.

Stephano.

Gieb mir deine Hand; es ist mir leid, daß ich dich geprügelt habe:

aber so lange du lebst, so halte deine Zunge wohl im Zaum.

Caliban.

In der nächsten halben Stunde wird er eingeschlafen seyn; willt du

ihn alsdann vernichten?

Stephano.

Ja, bey meiner Ehre.

Ariel.

Das will ich meinem Herrn erzählen.

Caliban.

Du machst mich ganz aufgeräumt; ich bin voller Freuden; laß uns

lustig seyn. Wollen wir Bilboquet spielen, das ihr mich nur erst

gelernt habt?

Stephano.

Weil du mich drumm bittest, Ungeheuer, so will ich dir etwas zu

gefallen thun. Komm, Trinculo, wir wollen singen.

(Sie singen ein Gassenlied.)

Caliban.

Das ist nicht die rechte Melodie.

(Ariel spielt ihnen die Melodie auf einer Pfeiffe, mit einer

Biscayer-Trummel.)

Stephano.

Was ist das?

Trinculo.

Es ist die Melodie unsers Lieds, von einem Gemählde von Niemand

gespielt.

Stephano.

Wenn du ein Mensch bist, so zeige dich in deiner Gestalt; und bist

du der Teufel, so zeige dich wie du willst.

Trinculo.

O! vergieb mir meine Sünden!

Stephano.

Wer stirbt, bezahlt alle seine Schulden. Ich biete dir Troz! (Der

Himmel steh uns bey!)

Caliban.

Fürchtest du dich?

Stephano.

Nein, Ungeheuer, nicht ich.

Caliban.

Du must dich nicht fürchten; diese Insel ist voll von Getöse, Tönen

und anmuthigen Melodien, welche belustigen und keinen Schaden thun.

Manchmal sumsen tausend klimpernde Instrumente um mein Ohr;

manchmal Stimmen, die, wenn ich gleich dann aus einem langen Schlaf

aufgewacht wäre, mich wieder einschläfern würden; dann däuchts mir

im Traum, die Wolken thun sich auf, und zeigen mir Schäze, die auf

mich herunter regnen wollen; daß ich, wenn ich erwache, schrey und

weine, weil ich wieder träumen möchte.

Stephano.

Das wird ein braves Königreich für mich werden; ich werde die Musik

umsonst haben.

Caliban.

Wenn Prospero vernichtet ist.

Stephano.

Das soll nicht lange mehr anstehen; ich hab' es nicht vergessen.

Trinculo.

Das Getön geht fort; wir wollen ihm nach, und dann an unsre Arbeit

gehen.

Stephano.

Führ uns, Ungeheuer, wir wollen dir folgen. Ich wollte ich könnte

diesen Trummelschläger sehen. Er hört auf.

Trinculo.

Willt du kommen? Ich gehe nach Stephano.

(Sie gehen ab.)

Dritte Scene.

(Ein andrer Teil der Insel.)

(Alonso, Sebastian, Antonio, Gonsalo, Adrian, Francisco, u.s.w.

treten auf.)

Gonsalo.

Bey Sct. Velten, ich kan nicht weiter, Sire; meine alten Beine

schmerzen mich; wir sind hier in einem Labyrinth: Auf meine Ehre,

alles geht durch Irrwege, und Mäander. Mit eurer Erlaubniß, ich

muß mich niedersezen.

Alonso.

Alter Mann, ich kan dirs nicht verdenken, ich bin selbst bis zur

Betäubung meiner Lebensgeister abgemattet; seze dich und ruhe aus.

Ich gebe die Hoffnung auf, die ich wie einen Schmeichler bisher

geheget habe; er ist umgekommen, den wir so mühsam suchen, und das

Meer spottet unsers Nachforschens auf dem Lande. Wol dann, es mag

seyn.

Antonio (leise zu Sebastian.)

Ich bin sehr erfreut daß er so hoffnunglos ist. Vergesset, um

eines Fehlstreichs willen, das Vorhaben nicht, wozu ihr euch

entschlossen habt.

Sebastian.

Bey der nächsten bequemen Gelegenheit wollen wir unsern Vortheil

besser nehmen.

Antonio.

Laßt es diese Nacht seyn; sie sind von der Reise so abgemattet, daß

sie weder daran denken, noch im Stande sind so viel Vorsichtigkeit

zu gebrauchen, als wenn sie frisch wären.

Sebastian.

Diese Nacht! Nichts weiter.

(Man hört eine seltsame und feyrliche Musik, und Prospero zeigt

sich (den redenden Personen unsichtbar) auf der Spize des Berges.

Verschiedne wunderbare Gespenster treten auf, tragen eine Tafel mit

Speisen und Getränk herzu, tanzen um dieselbe mit freundlichen

Gebehrden, als ob sie den König und seine Gefährten willkommen

heissen wollten, und nachdem sie dieselben eingeladen zu essen,

verschwinden sie wieder.)

Alonso.

Was für eine Harmonie ist diß? meine guten Freunde, horcht!

Gonsalo.

Eine wunderbar angenehme Musik.

Alonso.

Gieb uns freundliche Wirthe, o Himmel! Wer sind diese?

Sebastian.

Das ist ein Haupt-Spaß. Nun will ich glauben, daß es Einhörner

giebt; daß in Arabien ein einziger Baum ist, der Thron des Phönix,

und ein einziger Phönix, der bis auf diese Stunde da regiert.

Antonio.

Ich will beydes glauben, und was sonst nicht viel Credit hat, komme

nur zu mir, ich will schwören es sey wahr. Reisebeschreiber haben

nie gelogen, wenn schon Geken, die hinter dem Ofen sizen, sie

verurtheilen.

Gonsalo.

Wenn ich nach Neapel käme und das erzählte, würde man mir's

glauben? Wenn ich sagte: Ich sahe solche Insulaner (denn gewiß

sind das die Einwohner dieser Insel) und ob sie gleich von

mißgestalteter und abentheurlicher Bildung sind; so sind doch ihre

Manieren leutseliger und artiger als ihr bey manchen finden werdet,

die zum menschlichen Geschlecht gehören; ja, in der That.

Prospero (vor sich.)

Du ehrlicher Alter, du sprichst wohl; denn es sind hier einige

unter euch, die schlimmer als Teufels sind.

Alonso.

Ich kan nicht genug erstaunen; solche Gestalten, solche Gebehrden,

ein solcher Ton, der, (ob es ihnen gleich am Gebrauch der Zunge

fehlt) eine Art von einer vortrefflichen stummen Sprache ausmacht.

Prospero (vor sich.)

Diese Lobsprüche könnten zu voreilig seyn.

Francisco.

Sie verschwanden auf eine seltsame Art.

Sebastian.

Das hat nichts zu sagen, da sie uns zu essen hinterlassen haben;

denn ich denke, wir spüren alle, daß wir einen Magen haben.

Gefällt es Euer Majestät, etwas hievon zu kosten?

Alonso.

Ich habe keine Lust.

Gonsalo.

Auf meine Treue, Gnädigster Herr, ihr habt keine Ursache etwas zu

besorgen. Wie wir noch kleine Jungen waren, welcher unter uns

hätte geglaubt, daß es Leute in Gebürgen gebe, welche einen diken

hautigen Hals hätten wie die Ochsen, oder denen der Kopf in der

Brust stünde? Was man selbst sieht, glaubt man am besten.

Alonso.

Ich will mit zustehen, und essen, wenn es gleich mein leztes wäre;

es ligt mir nichts daran, das beste ist vorbey; Bruder, Herzog,

stehet zu, und machet's wie wir.

Vierte Scene.

(Donner und Blize. Ariel tritt in Gestalt einer Harpye auf,

schlägt mit seinen Flügeln auf die Tafel, und vermittelst einer

unmerklichen Veranstaltung verschwindet die Mahlzeit im gleichen

Augenblik.)

Ariel.

Ihr seyd drey Männer der Sünde, welche das rächende Schiksal (so

sich dieser untern Welt und alldessen was drinn ist, zu Werkzeugen

bedient) im Sturm auf diese unbewohnte Insel ausgeworfen,* als

Leute die höchst unwürdig sind unter Menschen zu leben. Ich hab'

eure Sinnen betäubt, und euch nicht mehr Stärke übrig gelassen, als

ein Mensch nöthig hat, sich selbst zu hängen oder zu ertränken.

Ihr Narren! ich und meine Gesellen sind Diener des Schiksals; die

Elemente woraus eure Schwerdter bereitet sind, könnten eben so wohl

den sausenden Wind verwunden, oder mit lächerlichen Stichen das

stets sich wieder schliessende Wasser tödten, als eine einzige

Pflaumfeder aus meinen Schwingen reissen. Meine Gesellen sind eben

so unverwundbar. Und wenn ihr uns auch verwunden könntet, so sind

eure Schwerdter zu schwer für eure izige Stärke, und ihr seyd nicht

einmal im Stande sie aufzuheben. Erinnert euch dann (denn das ist

mein Geschäft an euch) daß ihr drey es waret, die den rechtschafnen

Prospero aus Meiland vertrieben, und der offnen See, (die es euch

nun vergolten hat) ausgesezt, ihn und sein unschuldiges Kind! Um

dieser Übelthat willen haben die himmlischen Mächte, welche die

Bestrafung des Unrechts zwar verschieben aber nie vergessen, das

Meer und das feste Land, ja alle Geschöpfe wieder euch empört, dich,

Alonso, deines Sohnes beraubt, und sprechen nun durch mich das

Urtheil über euch aus; daß langsames Verderben, schreklicher als

irgend ein schneller Tod, Schritt für Schritt euch und eure Wege

verfolgen soll. Nichts kan euch vor ihrem Zorn (der sonst in

diesem wüsten Eiland auf eure Häupter fallen wird) beschüzen, als

ein reuevolles Herz, und in Zukunft ein reines Leben.

{ed.-* Im Original: "Welche das Schiksal u.s.w. von der gefräßigen

nimmersatten See hat ausrülpsen lassen, und an diese Insel" u.s.w.}

(Ariel verschwindt im Donner, darauf folget eine Symphonie mit

Sordinen; die Gespenster kommen, und tragen nach einem Tanz voller

seltsamer Grimassen die Tafel wieder hinweg.)

Prospero (vor sich.)

Du hast die Role dieser Harpye gut gemacht, mein Ariel--du hast

nichts von meiner Vorschrift ausgelassen--eben so gut in ihrer Art

haben auch meine geringern Diener ihre verschiednen Personen

gespielt; meine Bezauberungen würken, und diese meine Feinde von

betäubendem Schreken gefesselt, sind alle in meiner Gewalt. Ich

verlasse sie nun in diesem Zustand, um den jungen Ferdinand, den

sie für verlohren schäzen, und seinen und meinen Liebling zu

besuchen.

(Prospero geht ab.)

Gonsalo.

Im Namen alles dessen was heilig ist, Sire, warum steht ihr da, als

ob ihr ein Gespenste sähet?

Alonso.

O! es ist entsezlich, entsezlich! Mich däuchte die Wellen redeten

und warfen mir's vor; die Winde heulten mir's entgegen, und der

Donner, diese tieffe fürchterliche Orgelpfeiffe, sprach den Namen

Prospero aus--und gab das Zeichen zu meinem Tod--Um meines

Verbrechens willen ligt mein Sohn in einem nassen Bette; ich will

ihn suchen, tiefer als jemals ein Senkel-Bley gefallen ist, und

dort bey ihm im Schlamme begraben ligen.

(Geht ab.)

Sebastian.

Das war erst ein Teufel; ich will ihrer ganze Legionen zu Boden

fechten.

Antonio.

Und ich will dein Secondant seyn.

(Gehen ab.)

Gonsalo.

Alle drey sind in Verzweiflung; ihre schwere Verschuldung, gleich

einem Gift, das erst nach langer Zeit würken soll, fangt nun an,

ihre Lebensgeister zu nagen. Ich bitte euch, ihr die ihr

biegsamere Gelenke habt als ich, folget ihnen so eilfertig als ihr

könnt, und verhindert sie an dem, wozu die sinnlose Verzweiflung

sie treiben mag.

Adrian.

Folget mir, ich bitte euch.

(Sie gehen ab.)

Vierter Aufzug.

Erste Scene.

(Prospero's Celle.)

(Prospero, Ferdinand und Miranda.)

Prospero.

Wenn ich euch zu strenge begegnet bin, so hoffe ich, der Ersaz den

ich euch gegeben, wird es vergüten; denn ich habe euch einen Faden

von meinem eignen Leben gegeben, oder vielmehr das einzige, wofür

ich lebe. Hier liefre ich sie nochmals in deine Hand: Alle

Kränkungen, die du erduldet hast, waren nur Prüfungen deiner Liebe,

und du hast auf eine ausserordentliche Art die Probe gehalten.

Hier, im Angesicht des Himmels bestätige ich dieses mein reiches

Geschenk. O Ferdinand, lächle nicht über mich, daß ich stolz auf

sie bin; du wirst finden, daß sie alles Lob weit hinter sich zurüke

lassen wird.

Ferdinand.

Ich glaub' es gegen ein Orakel.

Prospero.

So empfange dann, als mein Geschenk und als dein wohlverdientes

Eigenthum, empfange meine Tochter. Aber wofern du ihren

jungfräulichen Gürtel auflösest, eh euer Bündniß durch alle

geheiligten Feyerlichkeiten, nach vollständigem Gebrauch

bekräftiget werden kan: So möge der Himmel alle die segensvollen

Einflüsse zurükhalten, die sonst euere Vereinigung bekrönen würden;

und statt derselben soll unfruchtbarer Haß, sauersehender

Widerwille und Zwietracht euer Bette mit so wildem Unkraut

bestreuen, daß ihr es beyde hassen sollet. Nimm dich also in Acht,

so lieb es dir ist, daß Hymens Fakel dir leuchte.

Ferdinand.

So wie ich ruhige Tage, eine schöne Nachkommenschaft, und ein

langes Leben, mit der unveränderten Dauer einer solchen Liebe, als

ich izt empfinde, mir wünsche; so gewiß soll die finsterste Höle,

die bequemste Gelegenheit und die stärkste Eingebung unsers bösen

Genius nimmermehr vermögend seyn, meine tugendhafte Liebe in

unordentliche Lust zu zerschmelzen, daß ich rauben sollte was jenem

feyerlichen Tag vorbehalten ist, bey dessen Anbruch mich's dünken

wird, entweder die Sonnenpferde seyen steif, oder die Nacht mit

Ketten angeschmiedet worden.

Prospero.

Wohl gesprochen! Size dann nieder und rede mit ihr, sie ist dein

eigen. Wie? Ariel, mein ausrichtsamer Diener, Ariel--

Zweyte Scene.

(Ariel zu den Vorigen.)

Ariel.

Was befiehlt mein mächtiger Gebieter? hier bin ich.

Prospero.

Du und deine geringern Mitgesellen haben vorhin ihren Dienst aufs

beste versehen, und ich will euch izt zu einem andern Spiel

gebrauchen. Geh, bring die Geisterschaar, über die ich dir Gewalt

gegeben habe, an diesen Ort; Muntre sie zu schnellen Bewegungen auf,

denn ich muß die Augen dieses jungen Paars mit irgend einer

Eitelkeit meiner Kunst belustigen; ich hab' es versprochen und sie

erwarten's von mir.

Ariel.

Sogleich?

Prospero.

Ja, in einem Augenblik.

Ariel.

Eh ihr sagen könnt, komm und geh, zweymal athmen, und ruffen, so,

so; soll jeder auf den Zehen tripplend hier seyn, und seine Künste

machen. Liebt ihr mich nun, mein Gebieter?*

{ed.-* Ariel sagt dieses im Original in kleinen Versen, die sich alle

in O reimen, und, weil sie alle ihre Artigkeit daher haben, sich

nicht in Reime übersezen lassen.}

Prospero.

Höchlich, mein sinnreicher Ariel; komm nicht zurük, bis ich dich

ruffe.

Ariel.

Gut, ich verstehe dich.

(Geht ab.)

Prospero (zu Ferdinand.)

Vergiß du nicht dein Wort zu halten; treibe den Scherz nicht zu

weit; die stärksten Eide sind nur Stroh für das Feuer in unserm

Blute; halte besser an dich, oder gute Nacht, Gelübde!

Ferdinand.

Ich versichre euch, mein Herr, dieser weisse kalte jungfräuliche

Schnee an mein Herz gedrükt, kühlt die Hize meiner Leber ab.

Prospero.

Gut; komm izt, mein Ariel; bringe lieber einen Geist zuviel, als

daß einer mangle; erscheine uns munter--Redet ihr kein Wort, seyd

lauter Auge; Still!

(Man hört eine angenehme Musik.)

Dritte Scene.

(Ein allegorisches Schauspiel.)

(Iris tritt auf.)

Iris.

Ceres,* huldreiche Göttin, deine goldnen Felder voll Waizen, Gerste,

Haber, Wiken und Bohnen, deine kräuterreichen Berge, mit grasenden

Schaafen bedekt, und deine ebnen Wiesen, wo sie in strohbedekten

Hürden ligen, deine mit Blumen eingelegte und mit Tulpen bordirte

Bänke, vom schwammichten Aprill auf deinen Befehl so geschmükt, um

für kalte Nymphen keusche Kränze zu machen, und deine braunen

Lauben, deren Schatten der von seinem Mädchen abgewiesene

Junggeselle liebt; deine eingezäunte Weinberge, und deine

unfruchtbaren Seebänke und Felsen, auf denen du dich zu verlüften

pflegst: Alles dieses befiehlt dir die Königin des Himmels, deren

Dienerin ich bin, zu verlassen, und auf diesem grünen Plaz ihrer

gebietenden Majestät Gesellschaft zu leisten. Ihre Pfauen sind in

vollem Anzug. Nähere dich, reiche Ceres, sie zu unterhalten.

{ed.-* Dieses ganze Spiel ist im Original in Reimen.}

(Ceres tritt auf.)

Ceres.

Heil dir, vielfarbichte Bötin und Aufwärterin der Gemahlin des

Jupiters, die du von deinen saffrangelben Schwingen honigtriefende,

erfrischende Regen auf meine Blumen schüttest, und mit jedem Ende

deines blauen Bogens, einer reichen Schärpe für meine stolze Erde,

meine schwellenden Felder und meine nakten Sandhügel bekrönst;

warum hat deine Königin mich hieher beruffen?

Iris.

Ein Bündniß treuer Liebe zu begehen, und die glüklichen Liebhaber

mit einem freywilligen Geschenke zu begaben.

Ceres.

Sage mir, himmlischer Bogen, ist dir nicht bekannt, ob Venus oder

ihr Sohn die Königin begleiten? Denn seitdem sie dem düstern Pluto

Vorschub gethan haben, meine Tochter zu entführen, hab' ich ihre

und ihres blinden Buben ärgerliche Gesellschaft verschworen.

Iris.

Fürchte dich nicht vor ihrer Gesellschaft. Ich begegnete ihrer

Deität, wie sie die Wolken gegen Paphos zu durchschnitt, sie und

ihr Sohn, von Dauben mit ihr gezogen; sie bildeten sich ein, durch

irgend ein leichtfertiges Zauberwerk diesen Jüngling und diß

Mädchen zu bethören, die das Gelübde gethan haben, sich der Rechte

des Ehebettes zu enthalten, bis Hymens Fakel ihnen angezündet wird;

aber die heisse Buhlerin des Kriegs-Gottes ist unverrichter Dingen

zurük gekommen, und ihr wespen-mässiger Sohn hat seinen Bogen

zerbrochen, und schwört, er wolle keinen Pfeil mehr anrühren,

sondern mit Spazen spielen und geradezu ein kleiner Junge seyn.

Ceres.

Die hohe Königin des Götter-Staats, die grosse Juno kommt; ich

erkenne sie an ihrem Gang.

(Juno steigt von ihrem Wagen und tritt auf.)

Juno.

Wie befindet sich meine mildreiche Schwester? Komm mit mir, dieses

Paar zu segnen, daß sie glüklich seyn, und eine ehrenvolle

Nachkommenschaft sehen mögen.

(Juno und Ceres singen ein Lied, worinn jede die Verlobten mit

ihren eignen Gaben beschenkt.)

Ferdinand.

Diß ist ein höchst majestätisches Gesicht, und eine bezaubernde

Harmonie; und darf ich kühnlich glauben, daß es Geister sind?

Prospero.

Geister, die ich durch meine Kunst aus ihren Bezirken hiehergerufen

habe, meine Phantasien auszuführen.

Ferdinand.

O! laßt mich hier ewig leben; ein so wundervoller Vater, und ein

solches Weib machen diesen Ort zu einem Paradiese.

Prospero.

Stille, mein Wehrter! Juno und Ceres lispeln einander ganz

ernsthaft etwas in die Ohren; es wird noch etwas zuthun seyn; husch,

seyd stumm, oder unser Spiel wird verdorben.

(Juno und Ceres reden leise mit einander, und schiken Iris mit

einem Auftrag ab.)

Iris.

Ihr Nymphen der schlängelnden Bäche, Najaden genannt, mit euern

Schilf-Kränzen und immer freundlichen Bliken, verlaßt eure

kräuselnden Canäle und kommt, Juno befiehlt's, auf diese grüne Flur.

Kommt, keusche Nymphen, und helft ein Bündniß treuer Liebe zu

feyern; säumt euch nicht!

(Eine Anzahl Nymphen treten auf.)

Iris (fahrt fort.)

Ihr von der Sonne verbrannten Schnitter, des Augusts müde, kommt

aus euern Furchen, und theilet unsre Lust. Macht Feyertag, sezt

eure Strohhüte auf, und jeder gebe einer von diesen frischen

Nymphen die Hand zum ländlichen Tanz.

Vierte Scene.

(Eine Anzahl von nettgekleideten Schnittern treten auf, und

vereinigen sich mit den Nymphen zu einem anmuthigen Tanz: Gegen das

Ende des Tanzes fährt Prospero plözlich auf, und spricht die

folgende Rede, worauf alles mit einem seltsamen holen und

verworrnen Getöse verschwindet.)

Prospero.

Ich hatte diese schändliche Zusammenverschwörung des Viehes Caliban

und seiner Gesellen gegen mein Leben völlig aus der Acht gelassen;

die Minute die sie zur Ausführung erkießt haben, ist beynahe

gekommen--Gut gemacht; hinweg, nichts mehr!

Ferdinand (leise zu Miranda.)

Diß ist seltsam, unser Vater ist in irgend einem Affect, der mit

Macht auf ihn würkt.

Miranda.

Niemals bis auf diesen Tag sah ich ihn in einem so heftigen

Unwillen.

Prospero.

Ihr seht bestürzt aus, mein Sohn; seyd gutes Muths, unsre Spiele

sind nun zu Ende. Diese unsre Schauspieler, wie ich euch vorhin

sagte, sind alle Geister, und zerflossen wieder in Luft, in dünne

Luft, und so wie diese wesenlose Luftgesichte, so sollen die mit

Wolken bekränzte Thürme, die stattlichen Paläste, die feyrlichen

Tempel, und diese grosse Erdkugel selbst, und alles was sie in sich

faßt, zerschmelzen, und gleich diesem verschwundnen unwesentlichen

Schauspiel nicht die mindeste Spur zurüklassen. Wir sind solcher

Zeug, woraus Träume gemacht werden, und unser kleines Leben endet

sich in einen Schlaf--mein Herr, ich bin beunruhigt, habt Geduld

mit meiner Schwachheit, mein altes Gehirn ist in Unordnung; laßt

euch diesen kleinen Zufall nicht anfechten; geht in meine Celle,

wenn's euch beliebt, und ruhet da--Ein oder zwey Auf- und Abgänge

werden mir wieder leichter machen.

Ferdinand. Miranda.

Wir wünschen euch Friede.

(Ferdinand und Miranda gehen ab.)

Prospero (vor sich.)

Komm in einem Gedanken--

(zu Ferdinand und Miranda.)

Ich danke euch--Ariel, komm.

(Prospero entfernt sich weiter von der Celle; Ariel zu ihm.)

Der Sturm, oder Die bezauberte Insel · 第 3 / 5 段