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Grote'sche Sammlung
von
Werken zeitgenössischer Schriftsteller.
Neunundachtzigster Band.
Gustav Frenssen,
Peter Moors Fahrt nach Südwest.
Peter Moors
Fahrt nach Südwest
Ein Feldzugsbericht von
Gustav Frenssen
167. Tausend
G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
Berlin 1912
[Illustration]
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in andere
Sprachen und auch das des Nachdrucks einzelner Teile,
vorbehalten.
~Published, October 18, 1906. Privilege of copyright in the
United States reserved under the Act approved March 3, 1905, by
G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung.~❃
Buchschmuck von Hugo Steiner-Prag.
Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.
Der deutschen Jugend,
die in Südwestafrika gefallen ist,
zu ehrendem Gedächtnis.
Peter Moors
Fahrt nach Südwest
»Grolle dem Sänger doch nicht, daß er singt von dem Leid der Achäer!
Solchem Liede ja geben den Preis vor andern die Menschen,
Welches, die Hörer umschwebend, das jüngst Gescheh'ne verkündet!«
Odyssee. I, 350.
I
Als ich ein kleiner Junge war, wollte ich Kutscher oder Briefträger
werden; das gefiel meiner Mutter sehr. Als ich ein großer Junge war,
wollte ich nach Amerika; da schalt sie mich. So um die Zeit, als
die Schuljahre zu Ende gingen, sagte ich eines Tages, ich möchte am
liebsten Seemann werden; da fing sie an zu weinen. Meine drei kleinen
Schwestern weinten auch.
Aber am Tage nach meiner Schulentlassung stand ich, ehe ich recht
bedachte, was mit mir geschah, in meines Vaters Werkstatt am Amboß, und
unser Geselle, der aus Sachsen zugewandert war und schon lange Zeit bei
Vater arbeitete, sagte: »Siehst Du -- da stehst Du! Und da bleibst Du
stehn, bis Du grau wirst,« und lachte. Da wir gerade eine gute Arbeit
hatten, nämlich vor einem schönen Neubau an der Breiten Straße Tor und
Gitter machten, gab ich mich zufrieden und blieb also die drei Jahre
in der Werkstatt meines Vaters und arbeitete mit ihm und dem Gesellen
und ging abends in die Gewerbeschule. Ich bekam zweimal einen ersten
Preis.
Im zweiten Jahr meiner Lehrzeit, in meinem siebzehnten Lebensjahr,
traf ich auf der Straße Heinrich Gehlsen, den Sohn vom Lehrer Gehlsen,
der früher bei uns angestellt war und jetzt Hauptlehrer in Hamburg
ist, mit dem ich als Junge zuweilen gespielt hatte. Er war einige
Jahre älter als ich und war nun Student in Kiel. Während wir zusammen
die Breitenburger Straße hinunter gingen, erzählte er mir, daß er im
Herbst 1903 als Einjähriger beim Seebataillon eintreten wolle. Ich
fragte: »Warum willst Du gerade da eintreten?« Er sagte: »Es ist eine
feine Truppe. Und dann ist es möglich, daß man einmal auf Reichskosten
übersee kommt. Denn wenn in irgendeiner unserer Kolonien ein Aufstand
ausbricht, oder sonst in der weiten Welt was los ist, kommt zu
allererst das Seebataillon unterwegs.« Ich sagte nichts weiter dazu;
aber ich dachte in meinem Sinn, daß ich später auch zum Seebataillon
gehen könnte. Ich war schon einige Male in Kiel gewesen; und ich mochte
auch die Uniform wohl leiden. Auch gefiel mir, was er von Übersee
gesagt hatte. Ich wußte aber damals noch nicht, wie ich das Ding
anfassen sollte.
Aber im nächsten Jahr erfuhr ich eines Tages von einem älteren
Schulkameraden, der in Kiel bei den Fünfundachtzigern diente, daß das
Seebataillon Dreijährig-Freiwillige annähme. Da fragte ich am selben
Abend meinen Vater, als ich beim Aufräumen war und er mit seiner
halblangen Pfeife durch die Werkstatt ging, um ein wenig die Straße
entlang zu sehen, wie er abends zu tun pflegte: ob ich mich melden
solle. Ihm gefiel das wohl; denn er hatte es bei den Einunddreißigern
in Altona bis zum Unteroffizier gebracht. Er sagte also nichts weiter
als: »Deine Mutter wird vor dem Wort ›See‹ bange werden.« »Ja,« sagte
ich, »aber sie hat doch die drei Mädchen.« »Geh hin,« sagte er, »und
stelle es ihr vor; sie ist in der Küche.« Indem kam sie schon aus der
Küche in die Werkstatt und sagte mißtrauisch: »Was steckt ihr noch
die Köpfe zusammen?« Sie meinte: weil es schon Feierabend war und die
Arbeit getan. Mein Vater sagte: »Der Junge will sich freiwillig beim
Seebataillon in Kiel melden; Du mußt nicht bange werden: das Bataillon
heißt nur darum so, weil es die Seefestung verteidigen muß. Und
außerdem: wenn er sich nicht freiwillig meldet, kommt er vielleicht an
die russische Grenze; und das ist weit weg.« Da ging sie still in die
Küche und sagte nichts weiter dazu, und gab mir im Herbst die Wäsche
mit, alles heil und rein, wie es sich gehört; das meiste war neu. Und
sie war ganz zufrieden, weil Kiel so nah' bei Itzehoe liegt. Auch hatte
ihr unser Kaufmann, der in Kiel Verwandte hat, erzählt, daß viele gute
Handwerkersöhne im Seebataillon dienen.
[Illustration]
II
Ich war gerne Soldat, besonders nachdem wir die Ausbildung hinter uns
hatten. Wir hatten lauter ordentliche Leute auf der Stube, und der
Unteroffizier, der ein Schleswiger war, war nur dann ungemütlich, wenn
einer faul oder dreckig war. Den Leutnant taxierten wir damals nicht
richtig. Wir meinten, er wäre für einen Offizier zu zart. Aber nachher
haben wir erkannt, daß er ein Held war.
Am Anfang meines zweiten Dienstjahres, in den Weihnachtstagen 1903,
war ich auf Urlaub bei meinen Eltern in Itzehoe und tanzte am zweiten
Weihnachtstage auf dem Ball mit Maria Genthien. Ich kannte sie ein
wenig von meiner Kindheit her; aber ich hatte sie nachher niemals
wieder getroffen; ich wußte auch nicht, daß sie seit zwei Jahren
in Kiel in der Holtenauer Straße diente. Als wir zum drittenmal
miteinander tanzten, lachten wir uns an und sagten beide zu gleicher
Zeit: »Das geht schön!« Wir dachten aber mit keinem Gedanken daran,
daß es eine ernste Sache werden könnte. Am Tage nach Neujahr ging ich
wieder nach Kiel in den Dienst.
Vierzehn Tage später, am Abend des 14. Januar, ging ich mit Behrens
und einem andern Kameraden durch die Dänische Straße; da kam Gehlsen
uns entgegen, der nun wirklich als Einjähriger diente und bei meiner
Kompanie stand, und sagte zu mir: »Hast Du schon gelesen?« Ich sagte:
»Was denn?« Er sagte: »In Südwestafrika haben die Schwarzen feige und
hinterrücks alle Farmer ermordet, samt Frauen und Kindern.« Ich weiß
ganz gut in der Erdkunde Bescheid; aber ich war erst doch ganz verwirrt
und sagte: »Sind diese Ermordeten deutsche Menschen?« »Natürlich,«
sagte er: »Schlesier und Bayern und aus allen andern deutschen Stämmen,
und auch drei oder vier Holsteiner. Und nun, was meinst Du, wir vom
Seebataillon ...« Da erkannte ich plötzlich in seinen Augen, was er
sagen wollte. »Wir müssen hin!« sagte ich. Er hob die Schultern: »Wer
sonst?« sagte er. Da schwieg ich eine kurze Weile; es ging mir sehr
viel durch den Kopf. Dann war ich damit fertig und sagte: »Na, denn
man zu!« Und ich freute mich. Und ich sah im Weitergehn die Leute an,
die des Weges kamen, ob sie vielleicht schon wüßten und uns anmerkten,
daß wir nach Südwest gingen, um an einem wilden Heidenvolk vergossenes
deutsches Blut zu rächen.
An einem Vormittag war es wirklich so weit. Der Major hielt auf dem Hof
der Kaserne eine kurze Rede: das und das wäre draußen geschehen; es
sollte ein Bataillon Freiwilliger geschickt werden; wer mit wolle. Da
traten wir fast alle vor. Die Ärzte untersuchten uns, ob wir für den
Dienst in den Tropen fähig wären. Sie fanden mich brauchbar. Am selben
Nachmittag schon bekamen wir in den niedrigen Stuben der Kammer die
gelben Langschäftigen ausgeliefert, dazu die kurze blaue Jacke oder
Litewka. So ausgerüstet gingen wir sogleich in die Stadt.
Was war das für ein Zunicken und ein Anreden! Während sonst Soldaten,
die sich nicht kennen, stumm und ohne Gruß aneinander vorüber gehen,
wurden wir jetzt von allen angeredet. Die Fünfundachtziger waren sehr
zurückhaltend, weil sie zu Hause bleiben mußten; die Matrosen sprachen
mit Würde, als wenn jeder von ihnen dreimal um die Welt gefahren
wäre. Auch viele Bürger redeten uns an, sagten, es würde eine sehr
interessante Fahrt werden und es würde eine angenehme und schöne
Erinnerung fürs ganze Leben bleiben, und wünschten uns gute Heimkehr.
Am andern Tage, als wir in der folgenden Nacht mit der Bahn nach
Wilhelmshaven abreisen sollten, kamen Vater und Mutter auf zwei Stunden
von Itzehoe herüber. Ich holte sie vom Bahnhof ab und ging ein wenig
mit ihnen die Holstenstraße entlang bis nach dem Schloßplatz. Mein
Vater fragte dies und das, ob da wilde Tiere wären, ob die Feinde schon
Alle Gewehre hätten, oder ob sie noch mit Pfeil und Bogen schössen, ob
es dort sehr heiß und fiebrig wäre und dergleichen. Ich konnte nicht
viel drauf antworten; denn ich wußte alles dies nicht. Ich nahm aber
an, daß es so wäre, wie er sagte, und gab ihm in allem recht. Wir saßen
eine Stunde in einer Wirtsstube in der Nähe des Bahnhofs, sahen aus
dem Fenster nach den Leuten, die vorbei gingen, und sagten nicht viel.
Meine Mutter schwieg fast ganz. Sie starrte mit großen, steifen Augen
auf den Fußboden und wenn sie aufsah und mich mit ihren Augen streifte,
sah sie mich an, als ob sie mich das letzte Mal sähe. Als es Zeit
wurde, brachte ich sie wieder nach dem Bahnhof.
Als der Hamburger Zug kam und sie einsteigen mußten, bat mich mein
Vater, ich möchte ihm irgendeine Kleinigkeit mitbringen, ein Horn, oder
einen Schmuck der Feinde, oder so was. Ich glaube: das hatte er sich
aufgespart, damit er im letzten Augenblick etwas zu sagen hätte. Meine
Mutter aber umarmte mich plötzlich mit Weinen. Da sie mich seit meiner
frühesten Kindheit niemals mehr umarmt hatte, erschrak ich und sagte:
»Was tust Du, Mutter?« Sie sagte: »Ich weiß nicht, mein Sohn, ob ich
Dich wiedersehe.« Ich lachte und schüttelte ihre Hände und sagte: »Es
ist ja gar keine Gefahr! Ich will schon wiederkommen!« Die Eltern von
Behrens waren auch auf dem Bahnhof.
Als ich im Dunkeln nach der Kaserne zurück kam, war da ein großes
Leben. Eltern, Geschwister, Verwandte, Bräute und Bekannte waren
gekommen; sie tanzten und tranken und redeten. Da war einer, der hatte
das eiserne Kreuz von 70 her, ein älterer Mann und Vorarbeiter auf
der Werft; dessen Jüngster ging mit hinaus. Der stand auf und sprach
einige Worte von Fahneneid und Tapferkeit, so, als wenn es gegen
einen ernsthaften Feind ginge; aber wir hörten ihm doch gerne zu.
Ja, wir wurden von seinen Worten Feuer und Flamme und vergaßen gern,
daß wir wußten, es ginge gegen Flitzbogen und Holzkeule. Wir wollten
ehrlich streiten, und wenn es sein mußte, auch sterben für die Ehre
Deutschlands.
Um Mitternacht nahmen wir auf dem Hofe Aufstellung und gingen dann mit
vollen Kapellen durch die Stadt.
Wenn ich hundert Jahre alt werde, so vergesse ich doch niemals diese
nächtliche Stunde, als Tausende von Menschen mit uns zogen und in
unsere Sektionen drangen, uns anriefen, grüßten und winkten, und Blumen
auf uns warfen und unsere Gewehre trugen und uns zum Bahnhof brachten.
Der Platz vor dem Bahnhof war schwarz von Menschen.
Auf der Bahnfahrt nach Wilhelmshaven schlief und döste ich so vor mich
hin. Auch die andern waren müde. Als wir ankamen, ging ich mit einigen
andern in eine kleine Wirtschaft nicht weit vom Hafen und bekam für
viel Geld ein wenig schlechtes Essen. Um vier Uhr nachmittags traten
wir wieder an und gingen unter dem Zuschauen vieler Menschen, die aus
der ganzen Umgegend zusammengelaufen waren, zu zweien, mit voller
Bepackung, die lange, schmale Holztreppe hinauf, die vom Kai auf das
hohe Schiffsdeck führte. Es war ein heller, bitterkalter Wintertag.
[Illustration]
III
Wir stiegen zwei kurze Treppen hinunter und kamen in einen ziemlich
großen, niedrigen Raum, der so ganz und gar und so dicht mit
Bettstellen belegt war, daß wir uns wunderten. In zwei Stockwerken
standen sie über- und unter- und hart beieinander. Sehr schmale Gänge
liefen zwischen ihnen hin und an den Wänden entlang. Ich bekam ein
unteres Bett.
Da stellten und legten wir nun an und über unser Bett alles hin,
was wir hatten: Gewehr, Tornister und Kleidersack. Und packten und
hantierten und standen inzwischen an den Bullaugen und sahen aufs
Wasser, und waren sehr lebhaft und guter Dinge, wie immer in einem
neuen Quartier; und wurden nur fortwährend durch das Zittern, das vom
Gang der Maschine her durch das ganze Schiff ging, erinnert, daß dies
unser Quartier uns in die weite Ferne trug. Wir aßen im selben Raum, an
der Seite, an langen Tischen, und bekamen an diesem Abend Erbssuppe
und Kaffee.
Nachher ging ich noch einige Zeit hinauf und stand im Windschutz der
ersten Kajüte an der Reeling und sah nach der Küste hinüber. Ich sah
aber im Dunkeln nichts weiter als von den Lichtern des Schiffes einen
gelblichen, wirren Schein in schwarzen, schwer rauschenden Wellen, und
in der Ferne einige stillstehende Lichter, wohl von Leuchttürmen oder
Feuerschiffen; und am Himmel die Sterne. Da wurde ich von dem Gedanken
bedrückt, daß ich fortgebracht würde und mich nicht dagegen wehren
könnte und in der Fremde vielleicht Furchtbares erleben müßte. Ich fand
aber Hilfe, als ich vor Gott gelobte, daß ich gut und fröhlich und
mutig sein wolle, was mir auch geschähe.
Am andern Morgen sahen wir nichts als weites, dunkelgraues Meer,
soweit das Auge sah. Am Horizont standen einige Rauchwolken und einige
kleine Segel. Wir gingen zum Appell an Deck und bekamen jeder auf
unsern linken Arm einen Anzug aus leichtem braunen Leinen, das Khaki
heißt, und große, topfartige, hellbraune Helme aus Kork, sogenannte
Tropenhelme. Wir wunderten uns und lachten; und gingen in unsern
Schlafraum und probierten die Helme und machten viel Unsinn. Nachher
befestigten wir Knöpfe an die Anzüge. Wir standen aber viel an den
Bullaugen und sahen hinaus. So waren wir den ganzen Tag sehr tätig.
Einige schrieben schon die ersten Ansichtspostkarten.
Am Spätnachmittag stand ich noch längere Zeit mit Heinrich Gehlsen
vorn an der Back und redete mit ihm über die Kinderzeit. Nachher kamen
noch einige andere Einjährige, davon der eine ein Arzt war -- wie ich
nachher erfuhr --; und fingen an mit ihm zu reden. Da sie aber begannen
von gelehrten Dingen zu sprechen, ging ich fort. Ich bin nachher häufig
mit Gehlsen zusammengekommen. Er war nur klein von Figur und von
Gesicht zart; aber es stak ein ganzer Mann in ihm. Er war auch nachher
im Busch umsichtig, anschlägig und tapfer.
Am zweiten Tag standen wir lange an der Steuerbordreeling und sahen
nach der Küste von England hinüber, welche, gar nicht fern, mächtig
schroff und stark aus dem Wasser aufstieg, und nach den Fischerböten,
welche mit ihren grauen oder schwarzen Segeln in großer Zahl auf dem
weiten, bewegten Meer lagen. Als ich dies große, weite Bild sah, dachte
ich daran, daß wohl so klein und noch kleiner jene Fahrzeuge gewesen
waren, mit denen einst vor tausend und mehr Jahren unsere Vorfahren
dicht über den Wogen, ja fast zwischen ihnen, diesen rauhen Weg übers
Meer gefahren waren, den wir jetzt fuhren; und ich malte mir die
wilden Kämpfe aus, die sie bestanden hatten, ehe sie oben auf diesen
hohen, starken Ufern Hütten gebaut und Heimat gefunden hatten. An
dies alles dachte ich und freute mich, daß ich einen so guten Lehrer
gehabt hatte und daß ich wohl als der erste von allen, die mit mir die
Itzehoer Volksschule besucht hatten, diese Gegend mit meinen Augen sah.
Als ich noch so stand, ging der Stabsarzt an mir vorüber; neben
ihm ging ein Oberleutnant zur See. Sie wollten wohl einen Matrosen
besuchen, der krank war. Wir hatten nämlich auch ein Kommando Matrosen
an Bord, welches zum Ersatz für den Habicht hinausfuhr. Sie blieben
eine Weile nicht weit von mir an der Reeling stehen und ich hörte, wie
der Oberleutnant zu dem andern sagte: »Wir Seeleute denken anders über
die Engländer, als die Menschen drinnen im Lande: Wir treffen sie in
allen Häfen der Erde und wissen, daß sie von allen die respektabelsten
Leute sind. Da hinter den hohen Kreidefelsen wohnt doch das erste Volk
der Erde, vornehm, weltklug, tapfer, einig und reich. Wir aber? Eine
einzige ihrer Eigenschaften haben wir von alters her: die Tapferkeit.
Eine andre gewinnen wir langsam: den Reichtum. Ob wir den Rest jemals
bekommen: das ist unsre Lebensfrage.« Ich wunderte mich über das Wort.
Aber nachher sprachen auch die alten Afrikaner, die ich kennen lernte,
mit großer Hochachtung von den Engländern.
Das Wetter war kalt, hell und windig. Wir sahen kleinere Schiffe auf
den Wogen auf- und niedergehen; aber unser großes Schiff rührte sich
nicht viel, und es waren nur Einige ein wenig seekrank. Ich konnte es
nicht ertragen, das lange, lange Deck entlang zu sehn, wie es sich
langsam ein wenig hob und dann wieder hinunterging. Es erschien mir
so unvernünftig und unglaublich, und es legte sich ein Druck auf den
Vorderkopf und auf den Leib. Auch andern ging es so. Aber wenn ich mich
dann zusammennahm und mich aufrichtete und hin und her ging und weit
übers Meer sah, verging es wieder. Aber als wir aus dem Englischen
Kanal heraus und in das Gebiet der Biscaya kamen, da wurde es plötzlich
schlimm.
Ich stand gerade in Gedanken vor meinem Bett, Behrens neben mir; wir
besahen gemeinsam ein Bild seiner Eltern, das sie ihm mitgegeben
hatten. In dem Augenblick hob und schob sich ganz plötzlich der Boden
schräg unter unsern Füßen, während im gleichen Augenblick ein mächtiges
Krachen, Klirren, Fallen und Schreien von überall her kam und wir beide
übereinander und über das Bett fielen, und mit Armen und Beinen nach
allen Richtungen Hilfe und Stützen suchten. Mühsam kamen wir wieder
hoch und griffen nach den eisernen Stangen, welche die Bettstellen
trugen, und torkelten, indem nun die andere Seite des Schiffes gewaltig
hoch fuhr, gegen die andere Bettreihe; und strebten aus den Bettreihen
heraus, als wenn da Rettung wäre. Ich hatte aber erst wenige Schritte
gemacht, da war mir zumute wie damals, als ich zwölfjährig die erste
Zigarre geraucht hatte. Ein Druck lag mir schwer auf dem Kopf, und mein
Magen stieg und stieg zum Hals hinauf. Mein ganzer Mut und all meine
Lebenslust war weg, und Angstschweiß tropfte mir von der Stirn. Da ging
ich taumelnd und kläglich den Gang wieder zurück und warf mich auf mein
Bett. Es war nur gut, daß ich nicht in ein oberes Bett hinauf mußte.
Es war eine schlimme Nacht. Wenn ich jetzt, nach zwei Jahren, daran
denke, wird mir noch wieder schlimm zumute und ich muß schlucken.
Was war das für ein Gespuck und ein Gewürge! Viele jammerten, als
ob ihr letzter Tag gekommen wäre. Bloß einer, der ja wohl von der
Kinderflasche an Seewasser getrunken hatte, oder auf irgendeine andere
Art einen ausgepichten Magen hatte, lachte zuweilen auf, und zwar so
heimlich und von Herzen, als wenn unter lauter heulend Verdammten ein
Engel lacht, aus seiner schönen und sichern Seligkeit heraus.
Als ich gegen Morgen aus schwerem, dumpfem Schlaf erwachte, war es
etwas ruhiger. Doch stöhnten noch viele. Der Ausgepichte aber pfiff
leise und gemütlich. Da wurde ich zornig und überredete mich und nahm
all meinen Willen zusammen und achtete auf das Hin- und Herfallen des
Schiffes und dachte: ›Sieh! Hier geht es hin, da geht es hin. Es kann
nicht anders. Es muß so. Und alles, was dran und drin ist, muß mit. Es
kann nicht anders sein und es ist nichts dagegen zu machen, und daß
man sich dagegen auflehnt, ist ein Unsinn. Geh hier hin! So! Kannst
du nicht weiter? Dann geh dahin! So! Kannst du nicht weiter? Dann geh
wieder nach der andern Seite!‹ So redete ich und wurde munter; und
hörte dem Ausgepichten zu und merkte, daß er gut im Takt pfiff, in dem
das Schiff hin- und herging.
Da merkte ich, daß es besser mit mir wurde, und gleichzeitig, daß eine
schreckliche Luft im Raum war. Ich setzte mich bedächtig aufrecht im
Bett, dann nahm ich vorsichtig die Füße herunter. Dreimal stellte ich
mich auf die Füße, und dreimal setzte ich mich wieder hin. Dann ging
ich stolpernd und ganz langsam und vorsichtig, als hätte ich einen
Magen von dünnem Glas, und kam glücklich hinaus. Ich tappte mit beiden
ausgestreckten Armen nach der Reeling und fiel gegen sie und atmete die
frische Luft und starrte dumm und dumpf in den nachtgrauen Morgen.
Und da, als ich so stand und auf das Zittern des Schiffes und auf sein
schweres Wiegen achtete und auf die großen, schwer aufrauschenden
und schäumenden Wogen starrte, hatte ich noch wieder ein besonderes
Glück. Ich sah, nicht weit von unserm Schiff, einen mächtigen Segler
dahingleiten. Alle seine ungeheuren Segel hoch, lag er schräg vorm
Wind, daß ich im grauenden Morgenschein das ganze Deck sehen konnte und
den Steuermann im dicken Mantel so recht gemütlich auf dem Skylight
sitzen sah, die kurze Pfeife im Mund. Es hob und senkte sich, von der
Back bis zum Heck, schwer und machtvoll; aus zwei Fenstern kam heller
Lichtschein. So zog es, eine mächtige Erscheinung, wie voll von einer
ruhigen, großen Seele, lautlos, schön und mühelos im dunkelgrauen
Morgen die dunkle, wilde Meerbahn. Ich habe niemals etwas Schöneres
gesehen, von Menschen gemacht. Und ich wurde gesund davon.
Es wurde nun Tag für Tag wärmer. Nicht weil der Frühling kam, sondern
weil wir immer weiter nach Süden fuhren und die Sonne also immer
senkrechter auf uns fiel. Die Sonne strahlte, das Meer war wieder
ruhig. Wir waren vormittags sehr fleißig. Es war überm Heck ein Balken
aufgestellt, der an seinem oberen Ende eine Scheibe trug; danach
schossen wir mit unseren neuen Gewehren. Die Offiziere schossen
auch, jeder mit seinem Revolver; und jeder prahlte mit seiner Waffe.
Nachmittags saßen wir auf dem Deck umher, reinigten die Gewehre, oder
flickten, oder wuschen; und unterhielten uns und sangen dazu. Abends
saßen wir im Kreise und erzählten uns Kasernengeschichten aus Kiel,
oder es erzählte jeder aus seiner Heimat. Einige Schelme konnten Stücke
vortragen, die sie gelernt hatten, oder aus der Luft griffen. Es ging
alles auf Hochdeutsch. Sie neckten uns Holsteiner aber, weil wir das
»s« so zwischen die Lippen nahmen, als wäre es eine Nadel. Ich freute
mich, daß wir Schleswig-Holsteiner an Bord zufällig lauter ordentliche
Leute waren. Es gibt ja auch in unserer Provinz kümmerliche Menschen.
Wir sprachen natürlich auch viel über die nächste Zukunft und ärgerten
uns sehr, wenn wir daran dachten, daß der Aufstand vielleicht
niedergeschlagen sein könnte, wenn wir einträfen, und wir also
vielleicht gar nicht von Bord kämen. Wir wollten doch wenigstens
das Land betreten haben und nachher zu Hause von den afrikanischen
Urwäldern, Affenherden und Antilopenrudeln erzählen können und von
Strohhütten unter hohen Palmenschatten.
Einige spielten immer Skat. Ihr Eifer wurde immer größer; ihre Karten
immer schmutziger. Es war ihnen ganz einerlei, was um sie vorging. Ob
wir zu ihnen sagten: »Ihr da, da sind fliegende Fische zu sehen! Sie
schwenken ein wie Schwadronen!« Oder: »Ein großer englischer Dampfer
kommt vorüber!« Oder: »Ihr da, seht mal auf, wie schön die Sonne
untergeht: das ganze Meer bis zu ihr hin ist goldgrün, und jede Welle
hat einen blauschwarzen Kamm.« Oder: »Wir sehen den Rücken von einem
Walfisch!« Oder: »Habt Ihr schon Meerleuchten gesehn? Geht doch mal
nach dem Heck und seht, wie die aufbrodelnden Wellen ganz voll von
warmem, rotem Feuer sind.« Aber sie sahen nicht auf. Sie schüttelten
ärgerlich den Kopf; oder sagten: »Guck Dir das man genau an!« und
spielten weiter. Sie spielten um nichts.
Es waren ziemlich viele Kleine und ganz Junge unter uns, zwanzig Jahre
alt und noch darunter. Ich glaube, von ihnen hatte mancher schweres
Heimweh. Und einige von ihnen erschraken, so schien es mir, über alles
Neue, das sie sahen. Es war ihnen verwunderlich und fast unheimlich
und sie wurden immer stiller. Ich dachte darüber nach: wie wohl diese
so Jungen, so Stillen sich machen würden, wenn wir jetzt in einen
wirklichen, harten Krieg hineingingen. Wir gingen in einen wirklichen,
harten Krieg hinein. Sie haben sich alle gut gemacht.
Andere saßen in einer Ecke und übten stundenlang, eine Kapelle zustande
zu bringen. Der eine hatte einen Kamm quer vorm Mund, der andere
klapperte mit Holzstücken, der dritte pfiff durch die Finger; unsere
Spielleute lieferten Flöte und Trommel. Ein kleiner Schlesier war der
Hauptmakker. Er war es auch, der an jedem Abend die Lieder anstimmte,
die wir zusammen sangen. Und besonders war es ein Lied, das wir sangen,
daß es weit und traurig übers Meer klang: ›Nach der Heimat möcht' ich
wieder.‹ Wenn ich jetzt im Geist die einzelnen Gesichter sehe, die
es damals sangen, wird mir das Herz still, und ich muß die Lippen
zusammenpressen.
Es wurde immer wärmer und sonniger. Wir kamen in die Höhe der Straße
von Gibraltar. Wir zogen die blauen Anzüge aus und zogen die leinenen
braunen Khakisachen an. Immer, Tag und Nacht, zitterte das Schiff vom
Gang der Maschine, wie der menschliche Körper vom Schlag des Herzens.
Gott mag wissen, wie viel mal sie sich gedreht hat. Das Meer war immer
gleicherweise sonnig, scheinend weithin. So jagten wir nach dem Süden,
immer weiter, Tag und Nacht. Ich wunderte mich, wie groß die Welt war.
Eines Tages sah ich auf der großen Karte, welche an der Treppe hing und
auf welcher die tägliche Stellung unsres Schiffes bezeichnet war --
wir standen oft in Haufen vor dieser Karte --, daß nun bald die Insel
Madeira kommen mußte.
Und am andern Morgen schon, in aller Frühe, als ich sofort nach der
Back ging, um Ausschau zu halten -- viele standen schon da --: da lag
vor uns, nicht mehr fern im Meer, ein buntes Eiland. Es erhoben sich
rauhe Felsen breit, wuchtig und kahl, von denen der mittlere alte
breite Festungsmauern als schwere Krone trug. Davor aber, vom Strand
sanft aufsteigend, breitete und dehnte sich eine ziemlich große Stadt
von weißen, plattdachigen Häusern, die sich weiter nach oben hin, rund
zu Füßen der alten Feste, in üppigem Grün, in Wäldern und Blumenfeldern
verloren.
Immer näher kamen wir dem schönen Wunder. Wir standen und staunten
und glitten in die Bucht hinein, wie neugierige Kinder dem Bilderbuch
näherrücken, bis wir dicht davor waren. Da hörten wir auf das Schreien
und Zurufen unter uns und sahen unter uns Böte dicht am Schiff,
deren Insassen aussahen wie Italiener, dunkelbraun von Haut und bunt
gekleidet. Sie standen aufrecht in Böten und hielten Fruchtkörbe in die
Höhe und riefen zu uns hinauf. Wir kauften aber nichts, da wir wußten,
daß wir an Land kommen würden.
Am Vormittag noch ging ich mit vielen andern die schmale Holztreppe
hinunter, die draußen an der Schiffswand hinabgelassen war, und stieg
in eins unsrer großen Boote, und wurde an Land gerudert. Wie war alles
neu! Und wie war alles bunt! Unser Leutnant hatte uns gewarnt: »Ich
will Euch was sagen: Kauft nicht so dumm drauf los! Es ist nicht alles,
was bunt ist, schön und echt. Und nehmt Euch mit dem Wein in acht!«
Aber es dauerte nicht lange, da standen hier zwei, dort drei, dort fünf
und sechs in den weit geöffneten und niederen Läden und kauften für
ihre Schwestern und Bräute Blusen und Tücher, alles aus leuchtender
Seide in allerschönsten Farben. Und sie riefen mich an und sagten:
»Du mußt doch auch ein Andenken mitbringen, Moor. Vielleicht ist der
Aufstand vorbei, wenn wir in Swakopmund ankommen und wir kommen gar
nicht an Land. Wenn Du dann nachher zu Hause sagst, Du wärst auch mit
gewesen und hast nichts aufzuweisen, glaubt es Dir keiner.« Da schien
mir richtig, was sie sagten, und ich ging hinein und kaufte zwei
kleine seidene Halstücher für die beiden ältesten Schwestern; denn
einen Schatz hatte ich nicht, und meine Mutter würde so Buntes niemals
anlegen. Als wir endlich wieder heraus kamen, ging gerade der Leutnant
vorüber, der vorhin so großartig von »Ich warne Euch« geredet hatte und
hatte auch schon ein Paket in der Hand und ich mußte ein wenig lachen
und er lachte auch.
Es war überhaupt, als wenn wir alle, sobald wir das Land betreten
hatten, von lieblichem Wein trunken waren: so schön hell und weich
schien die Sonne und so prächtig glänzte alles in Farben und so
fröhlich waren die Menschen. Ich dachte: ›Mach Deine Augen auf, daß
Du jetzt etwas siehst; wer weiß, ob Du noch einmal im Leben wieder
unterwegs kommst.‹ Ich ging durch mehrere Straßen und wunderte mich
über alles, was ich sah, so über das langohrige Pferd, das vor seinem
Karren ging, und erkannte plötzlich, daß es ein Maultier war, das ich
zuweilen auf Bildern gesehen hatte. Ich besah die fremden Worte auf den
Schildern der Läden und merkte mir am Inhalt des Ladens einige Worte.
Ich sah nach den Frauen in bunten Kopf- und Schultertüchern und nach
den Männern, die breite Schärpen um den Leib trugen; wunderte mich über
den Stolz um den Mund und das dunkle Feuer im Auge. Ein Soldat kam
langsam des Weges, ein schöner Mensch, aber in schlampiger Uniform. Er
legte die Hand an die Mütze und sah mich freundlich an; da grüßte ich
ihn ebenso.
Nachdem ich so eine Weile allein gegangen war, kam ich wieder an den
Strand und fand einige Kameraden in einer offnen Weinstube sitzen,
dicht an der Straße, fast auf dem Bürgergang. Sie saßen um kleine
Tische und schrieben eifrig Ansichtspostkarten und tranken dabei aus
kleinen Gläsern. Ich setzte mich zu ihnen, winkte und bekam auch ein
Glas und schrieb auch eine Karte an meine Eltern. Ich wollte auch noch
an meinen Onkel in Hamburg schreiben, aber ich kam nicht dazu. Ich
mußte immer um mich sehn. Meine Mutter hat mich oft gescholten, daß
ich so neugierig sei und in ihrem Nähtisch jedes Schubfach und jede
Schachtel öffnete. Aber als sie es einst meinem Lehrer klagte, lachte
er und sagte: »Das ist Lernbegierde.«
Nach einiger Zeit kamen einige der Unsrigen vorüber, die sangen und
waren laut und wankten ein wenig. Da drängte ich die andern, daß
wir weiter gingen. Der Wirt, in roter Weste und Hemdärmeln, konnte
sicher kein einzig deutsches Wort sonst, aber die Namen der deutschen
Geldstücke kannte er. Als ich den Leutnant am Kai stehen sah, war ich
neugierig, ob er sich zu seinem schönen Tuch auch schönen Wein gekauft
hatte; aber als ich ihm nahekam, sah ich, daß seine Augen nur trunken
waren von all dem Schönen und Bunten und Freundlichen, das er gesehen
hatte. Noch einen ganzen Tag lang, als wir schon wieder auf dem Meer
schwammen, sah ich in träumender Seele schöne Menschen auf bunten,
sonnigen Straßen gehn, dahinter erhoben sich weiche Hügel in schöner,
frischer Fruchtbarkeit.
Am dritten Morgen hiernach stand ich ziemlich früh an der Reeling und
wartete auf den Dienst und sah so in Gedanken verloren übers Wasser,
ob ich wohl etwa in der Ferne eine der Kanarischen Inseln entdecken
könnte, in deren Nähe wir nun waren. Es schien mir aber ziemlich
zwecklos; denn es war noch nebelig.
Da sah Behrens, der neben mir stand, so von ungefähr nach dem Himmel
auf und sagte: »Sieh mal, was für eine merkwürdige weiße Wolke da!«
Ich sah auf und sah, ganz oben am Himmel, eine schwere, stillstehende,
schneeweiße Wolke, von einem sanften Glanz, wie weißes Vogelgefieder,
und stand noch und sah und dachte: ›Was ist das für eine merkwürdige
Wolke.‹ Da kam Gehlsen nach vorne gelaufen, flink wie er war, und sagte
in seiner raschen, kühnen Art: »Siehst Du schon? Dort? Siehst Du? Das
ist der Berg von Teneriffa. Aus dem Meer steigt er auf, zu solcher
Höhe, und sein Kopf ist mitten im Sonnenbrand weiß von Schnee.« Da
erschrak ich, daß ich zitterte. So ergriff mich das Wunder, das Gott
hier mitten ins weite Wasser und unter die brennende Sonne gestellt
hatte. Sie standen alle und sahen hinauf. Einige redeten laut; aber
viele sahen still hinauf. Und sahen, wie die Nebel da oben in der
ungeheuren Höhe zur Seite glitten, und die glatten, schrecklich
steilen Felsen sichtbar wurden, die wie alte, ungeheure Festungsmauern
sich auftürmten, eine auf die andre. Und auf der obersten, breiten,
zerfallenen Mauer lag der ewige Schnee. Langsam glitten wir an seinem
steinernen Fuß dahin.
Es ging immer weiter, Tag und Nacht, immer nach Süden. Es ist ein
Wunder, wie groß die Welt ist. Wie leicht und rasch gleitet auf der
Landkarte die Hand von Hamburg nach Swakopmund; aber wie arbeitet die
Maschine hastig, eintönig, dumpf, fleißig, unermüdet, durch Tag und
Nacht, über drei Wochen lang. Was haben die Menschen doch für Kraft in
sich und harten Willen, daß sie so in die Ferne fahren und dort leben,
handeln, forschen und herrschen wollen.
Wir übten vormittags fleißig. Es knallte stundenlang; es wurde auch
ein wenig exerziert. Die Stimmung war immer sehr gut. Wir steuerten
südöstlich, der afrikanischen Küste zu. Wir sollten hier unterwegs
siebzig Neger an Bord nehmen, wie die meisten Schiffe tun, die nach
Swakopmund hinunterfahren. Diese siebzig Neger sind unterwegs Trimmer,
Heizer und Helfer aller Art und da unten Schauerleute, laden ein und
aus, und fahren nachher wieder mit dem Schiff zurück und werden an
ihrer Küste wieder an Land gesetzt.
Am siebenten Tag nach Teneriffa sahen wir die Küste von Afrika
aufsteigen. Sie war ganz so, wie wir sie uns gedacht hatten: liebliche
Hütten unter Palmen, viele hohe und schöne Bäume an sanft aufsteigenden
grünen Hügeln und es wimmelte von Menschen. Daß sie schwarz waren,
konnten wir noch nicht sehen.
Als wir nicht mehr fern waren, kam Gehlsen zu mir und erzählte mir,
daß die Väter und Großväter dieser Neger einst Sklaven in Nordamerika
gewesen wären. Die dortige Regierung hatte sie wieder hierher in
ihre Heimat zurück geführt und hilft ihnen bis heute, daß sie freie
Republikaner sind. Als er mir das erzählt hatte, ging er nach vorn, um
besser zu sehen; denn wir kamen nun schon dicht heran. Ich aber ging
noch rasch nach unserm Schlafraum um eine Karte zu schreiben; denn es
ging Post an Land. Als ich so saß und schrieb, ganz in Gedanken, kam
von draußen ein Wundern und Schreien und dummes Gekreische, und ein
Schleifen, und Rutschen, und Gleiten, daß ich aufsprang und hinausging.
Da erschrak ich und staunte mit offenem Munde. Denn über beide Borde
kam es, mit Katzenschleichen und Schlangengleiten, schwarz und lang
und halbnackt, mit großen entblößten Gebissen, mit lachenden wilden
Menschenaugen, ältere und jüngere, und kleine Jungen, um Brust und Leib
ein wenig buntes Zeug, mit Säcken und Töpfen und Kisten. Sie liefen
schwatzend und lachend über Deck ganz unbekümmert um unser Staunen und
verkrochen sich unter Deck und richteten sich ein. Wir lagen nur einige
Stunden dort. Dann ging die Fahrt weiter, Tag für Tag und die ganzen
hellen Nächte hindurch.
An einem dieser Tage machte ich mich an den dritten Maschinisten,
der ein Eckernförder war, sagte ihm, daß ich ein gelernter Schlosser
wäre und bat ihn, mich in den Maschinenraum mitzunehmen. Wir kamen
durch viele Gänge und Räume, die ich noch nicht kannte; stiegen kurze
eiserne Treppen hinunter, die ich noch nicht gesehen hatte, immer
tiefer und tiefer. Immer stärker stieß und schütterte es unter meinen
Füßen, immer näher hörte ich das wuchtige Gleiten schwerer Wellen und
Kolben. Dann öffnete er eine eiserne Tür und ich stand in der Maschine.
Die größte Maschine, die ich bisher gesehen hatte, war die in einer
Hamburger Bierbrauerei. Diese war fünfmal so groß. Die Kurbeln waren
so lang und breit wie der Körper eines zehnjährigen Jungen, massiv
von Eisen. Sie schwangen sich leicht und sicher im Kreise und die
beiden mächtigen Wellen, an deren Ende draußen die Schrauben sind,
stark wie zwanzigjährige Lindenstämme, drehten sich fleißig. Ein
Mann von mittleren Jahren, ziemlich fett und ölig, den ich noch nie
gesehen hatte, obgleich ich nun schon drei Wochen lang mit ihm auf
demselben Schiff wohnte, stand ruhig in all dem Auf und Ab und dem Hin-
und Herspiel auf der durchlöcherten eisernen Plattform, die heftig
zitterte, und sah so gleichmütig um sich, wie ein Bauer im Viehstall
über seine wiederkäuenden Tiere schaut. Ich ging auch vorsichtig die
Plattform entlang und eine Treppe hinunter durch ein offenes Schott
nach dem rötlichbraunen eisernen Heizraum, in dem zwischen Steinkohlen
und eisernen Schiebern und zischenden Hähnen halbnackte Leute vor den
Kesseln standen, unter denen die mächtigen Feuer glühten. Ich sah alles
rasch und scharf an und wäre gern noch länger geblieben, aber ich
schämte mich, den im heißen Raum schwer Arbeitenden untätig zuzusehen.
In meiner freien Zeit stand ich oft bei den Schwarzen und beobachtete
sie, wie sie friedlich beieinander saßen und in gurgelnden Tönen
miteinander schwatzten und wie sie um die großen Eßtöpfe hockten, mit
den Fingern eine Unmenge Reis zum Munde führten, und mit ihren großen
knarrenden Tiergebissen Beine, Gekröse und Eingeweide ungereinigt
fraßen; es schien ihnen gar nicht drauf anzukommen, etwas Schmackhaftes
zu essen, sondern nur, ihren Bauch zu füllen. Und es schien mir, daß es
so stand, nämlich, daß die Leute von Madeira zwar Fremde für uns sind,
aber wie Vettern, die man selten sieht, daß diese Schwarzen aber ganz,
ganz anders sind als wir. Mir schien, als wenn zwischen uns und ihnen
gar kein Verständnis und Verhältnis des Herzens möglich wäre. Es müßte
lauter Mißverständnisse geben.
Wie von Anbeginn der Fahrt redeten wir viel von unsern Erwartungen,
von den Palmen und Affen, die wir sehen würden und von den bunten
Tierfellen und Vögeln und schönem Flechtwerk, das wir mit nach
Hause nehmen wollten. Wir sprachen auch wieder von der Furcht, daß
der Aufstand zu Ende sein könnte, wenn wir ankämen. Es wurde auch
viel darüber gescherzt, daß wir dem Äquator näher kämen. Die ein
wenig unbeholfen oder träumerisch waren, wurden geneckt, sie sollten
aufpassen, daß sie den Strich auf dem Meer sehen könnten und sollten
sich gut festhalten, wenn es nun bergab ginge, und dergleichen mehr.
Ich nahm an diesen Neckereien nicht teil, da ich gar nicht dazu
veranlagt bin; auch taten mir die leid, auf die sie zielten. Die waren
nämlich lange nicht die Dummen. Sondern oft waren die, welche neckten,
die Dummen und Gedankenlosen; sie hatten nur ein großes Maulwerk.
Darum zog ich gern ihren Spott von jenen auf mich, indem ich mich
dumm stellte. Wenn ich dann wollte, schüttelte ich die Hunde leicht
wieder ab und lachte inwendig über ihr Bellen und Beißen. Gegen Abend
fingen wir an zu singen, und am liebsten und meisten sangen wir von
dem bekannten Liede den dritten Vers, und es klang schön über das
abendliche Meer:
»Doch mein Schicksal will es nimmer,
Durch die Welt ich wandern muß.
Trautes Heim, dein denk' ich immer.« ...
Die Nacht war in dem engen Raum sehr heiß, ja fast unerträglich.
Einige schalten; aber die Vernünftigen sahen ein, daß es nicht
anders sein könnte. Wenn man einmal erwachte, war es fast unmöglich
wieder einzuschlafen. Einmal, als ich so schlaflos und unruhig lag,
schien mir, als wenn der kleine Schlesier, der, welcher so gern
und so fröhlich sang -- er lag rechts neben mir --, heiß und kurz
aufschluchzte. Als ich ihn fragte, was los war, schwieg er erst. Dann
sagte er mit leiser, ruhiger Stimme: »Dies Fahren wird langweilig,
meinst Du nicht auch? Immer, Tag für Tag, ich weiß nicht wie viele
Meilen ... es ist ja gar nicht möglich, daß wir einen so weiten Weg
wieder zurückfinden.« Dann lag er wieder still.
Am siebenten Tage, nachdem die Neger über die Reeling geglitten waren,
an einem Morgen, sagte uns ein Matrose, daß wir Swakopmund heute noch
erreichen würden. Da standen wir stundenlang vorn an Backbord und sahen
hinüber; aber ein Nebel verbarg uns die Küste. Gegen Mittag aber wich
der Nebel und wir sahen am Himmelsrand einige große Dampfer liegen, und
dahinter einen endlosen Streifen rötlichweißer Sanddüne aus dem Meer
herausragen. Auf Meer und Dünen brannte grelle Sonne. Wir meinten erst,
es wäre eine Barre, die vor dem Land läge, damit die schöne und große
Stadt Swakopmund und die Palmen und Löwen nicht nasse Füße bekämen;
aber bald, da der Nebel sich vollends verzog, sahen wir in der
flimmernden Luft auf dem kahlen Sande weiße Häuser und lange Baracken
stehen und einen Leuchtturm. Da standen alle und staunten und sprachen
ihre Meinung aus. Viele sahen still und ernst nach dem ungastlichen,
öden Lande; andere spotteten und sagten: »Eines solchen Landes wegen so
weit fahren!«
Wir wurden an diesem Tage nicht ausgebootet. Einige sagten, wir kämen
überhaupt nicht an Land, da der Aufstand schon niedergeschlagen
wäre, andere sagten, die Sache würde noch sehr lange dauern. Es war
eine große Unruhe und viel Hin- und Herreden unter uns. Zwischen dem
Kanonenboot Habicht und uns wurden eifrige Flaggenzeichen gegeben bis
an den Abend. So lagen wir, in ziemlich starkem Wellengang schaukelnd,
diese Nacht vor Swakopmund.
[Illustration]
IV
Am andern Morgen in aller Frühe stiegen wir der Reihe nach, den
Tornister mit der weißen Schlafdecke auf dem Rücken, das Gewehr über
der Schulter, den Patronengurt um den Leib, daran den Wassersack, den
braunen Brotbeutel am Riemen, die Feldflasche daran, über die Reeling
und kletterten die Strickleiter hinab nach dem sehr großen, flachen
Boot, das in den starken Wellen wohl sieben Meter auf und nieder fuhr.
Man mußte sehn, daß man zu rechter Zeit, nämlich, wenn das Boot oben
auf einer Welle war, die Strickleiter los ließ; aber, obgleich ich es
ganz richtig machte, fiel ich doch schwer gegen die Wandung. Als die
Boote zwanzig bis dreißig Mann aufgenommen hatten, spannte sich ein
kleiner flacher Dampfer davor und schleppte uns dem Lande zu.
Je näher wir dem Strande kamen, desto unruhiger wurde das Wasser.
Das Boot warf sich immer heftiger und unruhiger durch die
wühlenden, springenden Wassermassen. Wir lagen oft tief zwischen
zwei hochlaufenden Wellenbergen und sahen von dem Dampfer vor uns
nichts. Im nächsten Augenblick waren wir oben und meinten, wir würden
herunterschlagen. Zuletzt fuhren wir durch lauter Gischt und Schaum,
der hoch rund um uns aufsprang und seine Spritzer übers Boot warf und
uns ganz und gar durchnäßte. Das Boot wurde eine Zeitlang in dem Gewirr
der kurzen, schweren, sich überschlagenden Wogen hin und her, auf und
nieder gestoßen, daß ich dachte, es müßte ineinander fallen. Viele
wurden von plötzlicher und heftiger Seekrankheit befallen und lagen
totenbleich an den Planken. Aber nach einer Weile waren wir hindurch,
und kamen in flaches, ruhiges Wasser und stiegen an Land.
Durch den unendlich tiefen und heißen Sand, unter brennender Sonne,
ungefähr sechzig Pfund auf den Schultern zogen wir landeinwärts.
Wir hatten gedacht, daß ganz Swakopmund am Strand stehen würde,
überglücklich, daß endlich Hilfe käme; aber es war kein einziger Mensch
da. Wir kamen an einzelnen Häusern vorüber, die da im kahlen Sande
standen, aber es zeigte sich kein Mensch, der uns einen freundlichen
Gruß bot. Wo wir näher oder ferner im Schatten einer Veranda einen
Menschen zu Gesicht bekamen, schien es uns, daß er uns gleichmütig
und fast spöttisch zusah. Hinter uns hörten wir das schwere Tosen der
Brandung -- es klang uns fast schon lieblich --, rund um uns, so weit
wir sehen konnten, war nichts als dürrer, heißer Sand, auf den die
Sonne mit grellem Flimmern brannte. Die Augen zogen sich zusammen; ein
heißes, trockenes Gefühl zog die Kehle herunter. Wir waren ziemlich
still.
Wir erreichten den weiten, sandigen Bahnhof und sahen mißtrauisch und
verwundert auf unsern Zug, der mit Rattern und Knattern vorfuhr. Er
bestand aus einer endlosen Reihe von kleinen rohen Sandwagen; davor
waren fünf oder sieben ganz kleine Maschinen gespannt. Wir wurden auf
die Wagen verteilt und stiegen ein. Dann ging es langsam mit Fauchen
und Stoßen und Klappern hinein ins Land.
Es ging immer bergan, Stunde auf Stunde. Soweit wir zu beiden Seiten
und nach vorne sahen, war nichts da als weißgelbe Sanddünen, die
zuweilen machtvoll emporstiegen. Wir standen und hockten und saßen
dicht gedrückt in den kleinen offenen Wagen. Von der drückenden
Hitze immer durstig, waren wir eifrig und sorglos bei unsern
Wassersäcken. Wir waren noch so sorglos, daß wir den Kaffee, den wir
uns in Swakopmund auf dem Bahnhof gebraut hatten, weggossen, als wir
schmeckten, daß er sauer wurde. Ein- oder zweimal wurde gehalten,
damit wir die lahm gestandenen oder gesessenen Beine ein wenig
vertraten. Am Spätnachmittag wurde an einer Stelle die Steigung so
stark, daß der Zug in drei Teile geteilt wurde, damit er so stückweise
auf die mächtige Höhe käme. Da wir alle Mann nachschoben, kam er
glücklich hinauf. Dann ging es wieder etwas rascher weiter, immer durch
gelbe Sanddünen, immer weiter bergan. Abends erreichten wir die Höhe.
Hinter uns lief der abfallende gelbe Sandweg bis zum Meer, das fünfzig
Kilometer zurück, unten in der Ferne lag. Dicht vor uns stand ein
ungeheures, schrecklich wildes Gebirge.
Ich hatte niemals ein Gebirge gesehen. Aber nicht allein ich und
die andern Norddeutschen, sondern auch die Bayern staunten. Ganz
nah vor uns, und fern und ferner ragten ungeheure nackte Felsen zum
blauen Himmel empor. Einige waren von der Abendsonne beschienen
und leuchteten hell und hart; andere, der Sonne abgewandt, drohten
finster und fürchterlich, oft dicht über uns. Hier und da hatten alte
ungeheure Mächte gewaltet, Stücke vom Felsen abgeschlagen und in die
Tiefe gestürzt, andere Stücke, schon angerillt, hingen in ungeheurer
Höhe, als ob sie jeden Augenblick abstürzen wollten. Kleine Mächte
konnten auch hier nicht existieren. Wir sahen keinen Strauch, nicht
einmal einen Grashalm, und kein Tier. Nur wir Menschen rollten auf
unsern knarrenden Wägelein, drollig anzusehn, durch das ungeheure tote
Wunderwerk.
Wir hielten an einer kleinen Station, einem kahlen Wellblechhaus,
und kochten uns Kaffee und Reis. Als wir wieder aufstiegen, wurde
uns befohlen, den Mündungsdeckel von unsern Gewehren abzunehmen und
zu laden. Ich tat es mit einem wunderlich unbehaglichen Gefühl. Dann
ging es mit lautem Getöse, das häßlich und hart widerhallte, in die
helle graue Nacht hinein. Es ging immer in einem tiefen, schmalen Tal
entlang; zu beiden Seiten stiegen hohe Felsen empor. Viele von uns
kauerten schlaftrunken, andere standen, andere saßen auf dem Wagenrand;
jeder hatte seine weiße Wolldecke um sich gelegt. Wir sagten nicht
viel. Viele waren wohl mit ihren Gedanken zu Hause, oder sahen sich
heimkommen und von allen geschauten Wundern fröhlich erzählen. Viele
dachten wohl, wie der Feind von jedem Felsen herab auf unser Knäuel
von Menschen schießen könnte, während wir, fast wehrlos, langsam
vorüberfuhren. So brüteten wir müde und hungrig und an den Gliedern
zerschlagen. Am weiten, klaren Himmel standen auf hellem blauen Grunde
unzählige goldblinkende Sterne. Das war wohl ein schönes, erhabenes
Bild. Doch war es nicht so schön, weder so mächtig, noch so ruhevoll,
wie in der Heimat. Wir fuhren die ganze Nacht hindurch. Die Nacht war
unfreundlich kalt.
Wir fuhren auch noch den größten Teil des andern Tages, der wieder sehr
heiß und sonnig war, in den Tälern des schrecklichen, kahlen Gebirges.
Da wir meinten, daß wir unsere Wassersäcke an einer der nächsten
Stationen wieder füllen könnten, tranken wir, bis sie leer waren. Als
wir aber dann am Mittag wirklich an einer Station hielten und die
Maschine Wasser bekam und wir uns auch nehmen durften, konnten wir es
nicht trinken, weil es widerlich salzig war. Zu der Zeit war uns auch
das Brot ausgegangen. Wir kochten von unserm Reis eine Handvoll halb
gar und aßen es. Die Geschirre wischten wir ein wenig mit Sand aus.
Dann ging es weiter. Mancher griff zu den eisernen Portionen, die er
im Tornister hatte, obgleich verboten war, davon zu nehmen. Aber viel
schlimmer als der Hunger war der Durst. Wir hatten keine Feuchtigkeit
im Munde, die Lippen ein wenig naß zu machen. Dürr und heiß ging der
Atemzug durch die Mundhöhle. Brandige Trocknis stieg wie mit Sporen und
Stacheln immer tiefer in den Hals hinab.
Am Nachmittag kamen wir endlich aus dem Gebirge heraus und kamen auf
eine weite Ebene.