Da erkannte ihn der Wirt wieder. „Sie, Sie!“ rief er, als sei es ganz
unmöglich, und er schaute Baptist an, indem er ihn ins Licht drehte.
„Was hat man denn mit Ihnen gemacht?“
„Wissen Sie das nicht?“ fragte Baptist gleichgültig.
„Nein, nein, kein Wort. Wie sehen Sie aus! Als hätten Sie im Grab
gelegen! Und diese Wunde über dem Mund!“
„Über dem Mund?“ fragte Baptist und fuhr sich ein wenig erstaunt mit der
Hand an die Lippen. Er hatte im Krankenhaus niemals in einen Spiegel
geschaut. Als der Wirt ihn vor einen solchen führte, sah Baptist eine
rote Narbe, von der Backe aus über den rechten Mundwinkel bis ans Kinn
schneiden.
„So, so! Auch da!“ sagte er dann wie verwundert. „Das wußte ich nicht!“
Er erzählte dann dem Wirt mit kurzen Worten von seiner Verletzung. Der
kleine gemütliche Mann konnte kaum mehr zu sich kommen über solche
schwarze Schlechtigkeit und über solche unerhörten, heftigen
Geschehnisse.
Sie plauderten eine Weile über diese aufregenden Dinge, als der Wirt
plötzlich auffuhr.
„Nun erinnere ich mich, die kleine Schwarze gab mir damals, als die
Italiener weggingen, ein Paket für Sie. Sie kämen es holen! sagte sie,
und ich solle sehr, sehr darauf aufpassen! Das bring’ ich doch mal
gleich.“
Als er wiederkam, legte er ein langes, papierumhülltes und gut
verschnürtes Paket vor Baptist hin. Dieser band es bedächtig auf. Es war
seine Geige.
„Ja, meine Geige!“ sagte er, ohne darüber verwundert zu sein. „Es sind
ja auch noch andere Sachen von mir im Haus!“
Aber der Wirt schaute ihn mißtrauisch an.
„Ein Koffer mit Kleidern und Wäsche!“ fuhr Baptist fort.
„Ohne Kleider und Wäsche!“ sagte aber der Wirt auf einmal kühl.
„Ohne Kleider und Wäsche?“ fragte Baptist ruhig dagegen.
„Ja, sie haben einen leeren Koffer hiergelassen.“
Baptist schaute den Wirt an. „Wer?“ fragte er verständnislos.
„Ihre Italiener!“
„So, einen leeren Korb? Dann haben sie meine Kleider und alles
mitgenommen. Wo sind sie denn?“
„Verdamm mich, soll ich’s wissen! Sie sind schon im Mai, gleich als Sie
nicht mehr kamen, weggezogen.“
„Dann haben sie ja meine Sachen gestohlen!“ sagte Baptist wie
teilnahmslos. „Was mach ich denn jetzt?“
Den Wirt verließ nun doch sein Mißtrauen. Er faßte Bedauern zu dem
Rekonvaleszenten, dem seine Freunde so niederträchtig mitgespielt
hatten. Aber er wollte Baptist doch erinnern, daß er noch in seinem
Buche stehe.
„Wieviel ist’s?“ fragte Baptist.
... „Ja, ja ... es pressiert aber nicht!“ wehrte der Wirt.
„Ich hab’ kein Geld!“ sagte Baptist.
„Nu, vielleicht können Sie sich von irgendwo welches verschaffen. Oder
vielleicht haben Sie einen Vater, der mal einspringt?“
„Nein, ich habe niemanden, von dem ich Geld bekommen kann.“
„So!“ machte der Wirt enttäuscht. Als er ein wenig, wie überlegend,
geschwiegen hatte, sagte er: „Ich bin ein kleiner Mann, es sind doch
gegen hundertzehn Franken!“
„Ja!“ antwortete Baptist.
„Hm, hm! Ja, ja!“ Der Wirt drückte sich und wand sich. „Aber so eine
Garantie sagen wir, so eine Garantie, könnten wir nicht irgendwie so
eine Garantie haben?“