Baptist empfing diese Briefe wie einen Schlag. Zuerst wollte er gleich
mit ihnen zu dem schwarzen Hund von Italiener stürzen, sich über den
Schuft werfen und ihn bis aufs Blut prügeln. Aber er sank gleich wieder
zurück. Er steckte die Briefe in das Kuvert und ging dann Margherita
suchen, um bei ihr Unterstützung und Anteilnahme zu finden.
Sie stand in der offenen Türe zu der Stube der Frauen und schien
gewartet zu haben.
„Wo ist der Brief? Was war’s?“ fragte sie hastig.
Baptist nahm ihn aus der Tasche.
„Da, lesen Sie!“
„Ich habe mir gleich gedacht, daß es etwas sei, als ich Ihren Namen und
Luxemburg las. Er hatte mich zur Post nachfragen geschickt, ob nichts da
sei!“
„Dann weiß er gar nicht, daß ein Brief gekommen ist?“
„Nein, wir werden sie auch gleich zerreißen!“
Baptist übersetzte ihr die Briefe rasch und flüsternd. Als er fertig
war, schaute ihn Margherita an.
„Was tun Sie nun?“ fragte sie laut und triumphierend.
Aber Baptist fand nichts zur Antwort, als ein weiches, geschlagenes
Armzucken.
Die Gemeinheit dieses brutalen Ereignisses verschlug während des Tages
in ihm zu einem unklaren dumpfen Grollen. Baptist war fassungslos und
wie verwirrt. Er fühlte sich von finstern Gewalten dunkel verfolgt,
sehnte sich nach einem Ausweg und zappelte gepeinigt, verwundet und
ermattet in der Fessel seines plötzlichen Schicksals. Die einzige Ruhe,
die er bekam, gab ihm Margherita. Er stand mit einer kindlichen Wärme,
mit einer ungefaßten, schwärmenden Dankbarkeit den Abend über neben ihr
auf dem Podium und wich auch nicht von ihrer Seite, als sie gegen
Mitternacht nach Haus gingen.
Auf einmal sagte Margherita in der dunklen Straße: „Ach, Baptist, ich
bin krank!“
Er beugte sich zärtlich geängstigt in der Dunkelheit zu ihr nieder.
„Was ist denn, Margherita? Kann ich helfen?“ fragte er besorgt. Aber er
sah, wie sie haltlos bebte, daß sich alle ihre Glieder schüttelten.
„Was fehlt dir? sag! Sag’s doch“, bettelte er erschreckt und
fassungslos. Sie antwortete nicht. Das Zittern schlug sie immer stärker.
Mittlerweile waren die andern herangekommen.
„Margherita ist krank, Paolo!“ rief Baptist den Italiener an.