1 Million 825560 Franken.

Baptist legte das Heft auf den Stoß der Papiere, die er schon

durchblättert hatte. In der Ledermappe war noch ein kleines, in

Wachstuch gebundenes Büchlein. Als er es öffnete, sah er, daß es ein

Sparkassenbuch war. Aber alle die schwarzliniierten Seiten mit den von

der Zeit gebräunten Rändern waren unberührt. Nur auf der ersten stand:

‚Sparkassenbuch, gehörend Baptist und Jeanne Biver. Eingezahlt

zehntausend Mark‘. Dann ein Datum, das neun Jahre zurücklag, und unten

am Rand mit der Handschrift des Vaters ‚Meinen lieben Kindern Baptist

und Jeanne zum Fest ihrer ersten Kommunion 10000 Mark, die sie zu

gleichen Teilen und zu beliebiger eigener Verfügung bekommen, wenn

Jeanne großjährig ist‘.

Baptist blinzelte diese hastig gezogene nervöse Schrift an, als sei es

nicht möglich, daß er sie richtig gedeutet habe; daß das so nahe vor ihm

zu lesen stand. Er las ein paarmal die Wörter und stockte beim Lesen.

Dann schaute er auf, irgendwohin und dann schlug er mit dem Kopf nieder

und weinte.

Er schämte sich, daß er anders über seinen Vater gedacht hatte, und daß

er hinter dem verbitternden Hadern, der hartherzig erscheinenden

Verständnislosigkeit des Vaters für die anders gerichteten Absichten und

Wünsche seiner Kinder nie die Liebe für diese Kinder gesehen hatte. Daß

er ungerecht und verstockt an einer anders gearteten Seele

vorbeigegangen war. Aber er empfand zugleich ganz klar, daß, wenn auch

er selber seinen Vater nicht richtig eingeschätzt hatte, so dieser doch

niemals seine Stellung zu den Daseinszielen des Sohnes nur das geringste

ändern konnte, und er kam sich geschützt und stark vor in seinen jungen

Absichten, wie in einer stählernen Rüstung.

Baptist packte die Papiere wieder in die Mappe und stellte sie in den

Schrank zurück. Aber das Sparkassenbüchlein steckte er in seine

Brieftasche. Er schloß den Schrank, legte die Schlüssel, wo er sie

gefunden hatte, und ging auf sein Zimmer.

Jetzt hatte er Geld! Er kam sich wie bewahrt vor, daß er nicht aus dem

Schrank zu nehmen brauchte, und die Freude an seinem Unternehmen schlug

reiner und freier auf. Er ging erregt auf und ab in dem Raum und

versuchte sich kühl zu berechnen, wie lange er mit fünftausend Mark

durchkommen könnte. Natürlich: leitendes Prinzip – Sparsamkeit ...

Sparsamkeit ... Sparsamkeit! Das kam immer wieder. Aber darüber kam er

nicht hinweg. Die Lust an seiner beginnenden Tat schlug jauchzend über

ihm zusammen.

Er begab sich in die Schlafkammer und suchte in seinen Schränken, was er

mitnehmen sollte, und legte es zusammen.

Ja, er muß doch Jeanne schreiben, sagte er sich während dieser Arbeit

und er eilte nebenan zum Schreibtisch und legte einen Bogen Papier

zurecht. Die Gedanken, Pläne, Hoffnungen umbrausten ihn, wie

Orgelrauschen, das zwischen Kirchensäulen verschallt, und von dem

ganzen, prachtvollen, wundererfüllten Choral kam folgendes aufs Papier:

„Jeanne, ich muß fort. Ich gehe fort mit einem Jauchzen, ich würde dich

am liebsten mitnehmen. Nun wird alles schön und frei. Ach, ich kann

nicht mehr schreiben. Adieu, Schwester. Ich liebe dich. Baptist.“

Ach, was soll ich mehr schreiben. Ich kann auch gar nicht. Ich hab ja

keine Zeit dazu und keine Geduld. Und es steht ja auch alles drin!

entschuldigte er sich, während er den Zettel in ein Kuvert steckte.

Dann ging er wieder zu den Schränken und suchte weiter in den Kleidern

und in der Wäsche; er wählte mit Bedacht die besten und die

praktischsten Sachen.

* * * * *

Schon lange vor Mitternacht hatte er das Licht gelöscht und sich aufs

Fensterbrett gesetzt. Kaum hatte das Glockenspiel auf der Niklauskirche

hinter den zwölf Schlägen ausgeklungen, so war es Baptist, als hörte er

ein Geräusch im Garten. Er bückte sich über die Brüstung.

„_Signor!_“ rief unten eine flüsternde Stimme, „_Signor Battisto!_“

Der Hafen(#76486) · 第 15 / 55 题