Aber Baptist wehrte ab. „Seid nicht bös, ich bin müde!“

Dann wandte er sich an den Wirt: „Was kostet die ganze Flasche Kognak

da?“

„Oh, mit vier Franken wär’ sie nicht zu teuer bezahlt!“

„Überlassen Sie sie dann den Herren!“ bat Baptist. Er gab den dreien die

Hand. „Ich danke euch denn! Gute Nacht, also! Gute Nacht, die Herren!“

verabschiedete er sich.

Und er ging hinaus.

Die Droschke polterte gemächlich in der Finsternis, die den ersten

Morgenstrahl witterte, über das unbebaute alte Glacis, das zwischen dem

Bahnhof und der neuen Brücke lag. Als sie über die Brücke fuhr, die mit

einem Bogen das Petrustal schlank überspannte, lag über den Dächern der

Stadt, zwischen dunklen Wolkenmassen die erste Helligkeit, wie ein

ernstes, unendlich fern herblickendes Auge. Der Turm der Niklauskirche

stach mit seiner kurzen Spitze plump daneben auf.

„Ach Gott, weshalb, wozu nun das alles?“ klagte Baptist und seufzte.

„Weshalb, wozu?“

Seine Lippe schmerzte ein wenig. Er tupfte das nasse Taschentuch an die

kleine Wunde, sie leise kosend, wie ein trauriges Mal.

„Ja, ja, wozu alles? Ach mir ist so ...“

Er stieß mit dem Fuß auf.

„Lächerlich! Jetzt wein ich auch noch! Puh! Es ist geschehn. Ich werde

morgen Nacht mit der Rosa schlafen gehn. Hol’s der Teufel!“

Aber er dachte an seine Schwester Jeanne.

„Nein, ich geh nicht! Es genügt, daß ich mir der Möglichkeit bewußt bin,

es zu können.“

So räsonnierte er, dessen Sinnlichkeit noch keine Erhörung gefunden und

auch noch niemals im Ernst gesucht hatte. Wie ein großer zauberhafter

Vogel stand nur immer über allem, was er dachte und tat, der fromme

Glauben, daß die Erfüllung dieser Wünsche sich wie ein wahr gewordenes

Märchen, wie ein mit Sternen besäter, weiter, dunkler Mantel, der voll

weißer Blumen und voll rätselhaften Jasminduftes sei, auf ihn

niedersenken müßte, ganz von selbst, ohne daß er die Hand oder den Fuß

drum rührte.

Diese Gedanken erfüllten ihn auch, als er vorsichtig auf den Socken die

Gesindetreppe hinauf zu seinem Zimmer schlich. Als er ins Bett sank, war

ihm eine ganze Weile, als läge er in einem wundersamen Bade. Dann

gaukelten die verschwiegenen Wünsche wieder empor, aber während er mit

offenen Augen und mit einer kleinen, harten Melancholie im Herzen das

Licht draußen über den Bäumen des Parkes erwachen sah, zog auf einmal

das Gespräch des Auswanderers in der Kneipe in seiner Erinnerung klar

auf. Einer seiner Kameraden wollte mit dem Arbeiter nach Amerika gehn! –

War das Kraft und Willen! Und schließlich seufzte Baptist, mürbe und

sich hingebend: „Könnt ich das auch!“

Der Hafen(#76486) · 第 9 / 55 题