Die Rechte nahm von der Linken Abschied, gab ihr viele freun

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24. bis 28. Tausend

Geschichten

vom lieben Gott

Von

Rainer Maria Rilke

1921

Im Insel-Verlag zu Leipzig

MEINE FREUNDIN, EINMAL HABE ICH DIESES BUCH IN IHRE HÄNDE GELEGT, UND

SIE HABEN ES LIEB GEHABT WIE NIEMAND VORHER. SO HABE ICH MICH DARAN

GEWÖHNT, ZU DENKEN, DASS ES IHNEN GEHÖRT. DULDEN SIE DESHALB, DASS ICH

NICHT ALLEIN IN IHR EIGENES BUCH, SONDERN IN ALLE BÜCHER DIESER NEUEN

AUSGABE IHREN NAMEN SCHREIBE; DASS ICH SCHREIBE:

DIE GESCHICHTEN VOM LIEBEN GOTT

GEHÖREN ELLEN KEY.

RAINER MARIA RILKE

ROM, IM APRIL 1904.

DAS MÄRCHEN VON DEN HÄNDEN GOTTES

Neulich, am Morgen, begegnete mir die Frau Nachbarin. Wir begrüßten uns.

»Was für ein Herbst!« sagte sie nach einer Pause und blickte nach dem

Himmel auf. Ich tat desgleichen. Der Morgen war allerdings sehr klar und

köstlich für Oktober. Plötzlich fiel mir etwas ein: »Was für ein

Herbst!« rief ich und schwenkte ein wenig mit den Händen. Und die Frau

Nachbarin nickte beifällig. Ich sah ihr so einen Augenblick zu. Ihr

gutes gesundes Gesicht ging so lieb auf und nieder. Es war recht hell,

nur um die Lippen und an den Schläfen waren kleine schattige Falten.

Woher sie das haben mag? Und da fragte ich ganz unversehens: »Und Ihre

kleinen Mädchen?« Die Falten in ihrem Gesicht verschwanden eine Sekunde,

zogen sich aber gleich, noch dunkler, zusammen. »Gesund sind sie, Gott

sei Dank, aber --«; die Frau Nachbarin setzte sich in Bewegung, und ich

schritt jetzt an ihrer Linken, wie es sich gehört. »Wissen Sie, sie sind

jetzt beide in dem Alter, die Kinder, wo sie den ganzen Tag fragen. Was,

den ganzen Tag, bis in die gerechte Nacht hinein.« »Ja,« murmelte ich,

-- »es gibt eine Zeit ...« Sie aber ließ sich nicht stören: »Und nicht

etwa: Wohin geht diese Pferdebahn? Wieviel Sterne gibt es? Und ist

zehntausend mehr als viel? Noch ganz andere Sachen! Zum Beispiel:

Spricht der liebe Gott auch chinesisch? und: Wie sieht der liebe Gott

aus? Immer alles vom lieben Gott! Darüber weiß man doch nicht

Bescheid --.« »Nein, allerdings,« stimmte ich bei, »man hat da gewisse

Vermutungen ...« »Oder von den Händen vom lieben Gott, was soll man

da --«

Ich schaute der Nachbarin in die Augen: »Erlauben Sie,« sagte ich recht

höflich, »Sie sagten zuletzt die Hände vom lieben Gott -- nicht wahr?«

Die Nachbarin nickte. Ich glaube, sie war ein wenig erstaunt. »Ja« --

beeilte ich mich anzufügen, -- »von den Händen ist mir allerdings

einiges bekannt. Zufällig« -- bemerkte ich rasch, als ich ihre Augen

rund werden sah -- »ganz zufällig -- ich habe -- -- -- nun,« schloß ich

mit ziemlicher Entschiedenheit, »ich will Ihnen erzählen, was ich weiß.

Wenn Sie einen Augenblick Zeit haben, ich begleite Sie bis zu Ihrem

Hause, das wird gerade reichen.«

»Gerne,« sagte sie, als ich sie endlich zu Worte kommen ließ, immer noch

erstaunt, »aber wollen Sie nicht vielleicht den Kindern selbst?...« »Ich

den Kindern selbst erzählen? Nein, liebe Frau, das geht nicht, das geht

auf keinen Fall. Sehen Sie, ich werde gleich verlegen, wenn ich mit den

Kindern sprechen muß. Das ist an sich nicht schlimm. Aber die Kinder

könnten meine Verwirrung dahin deuten, daß ich mich lügen fühle ... Und

da mir sehr viel an der Wahrhaftigkeit meiner Geschichte liegt -- Sie

können es den Kindern ja wiedererzählen; Sie treffen es ja gewiß auch

viel besser. Sie werden es verknüpfen und ausschmücken, ich werde nur

die einfachen Tatsachen in der kürzesten Form berichten. Ja?« »Gut,

gut,« machte die Nachbarin zerstreut.

Ich dachte nach: »Im Anfang ...« aber ich unterbrach mich sofort. »Ich

kann bei Ihnen, Frau Nachbarin, ja manches als bekannt voraussetzen, was

ich den Kindern erst erzählen müßte. Zum Beispiel die Schöpfung ...« Es

entstand eine ziemliche Pause. Dann: »Ja -- -- und am siebenten

Tage ...« die Stimme der guten Frau war hoch und spitzig. »Halt!« machte

ich, »wir wollen doch auch der früheren Tage gedenken; denn gerade um

diese handelt es sich. Also der liebe Gott begann, wie bekannt, seine

Arbeit, indem er die Erde machte, diese vom Wasser unterschied und Licht

befahl. Dann formte er in bewundernswerter Geschwindigkeit die Dinge,

ich meine die großen wirklichen Dinge, als da sind: Felsen, Gebirge,

einen Baum und nach diesem Muster viele Bäume.« Ich hörte hier schon

eine Weile lang Schritte hinter uns, die uns nicht überholten und auch

nicht zurückblieben. Das störte mich, und ich verwickelte mich in der

Schöpfungsgeschichte, als ich folgendermaßen fortfuhr: »Man kann sich

diese schnelle und erfolgreiche Tätigkeit nur begreiflich machen, wenn

man annimmt, daß eben nach langem, tiefem Nachdenken alles in seinem

Kopfe ganz fertig war, ehe er ...« Da endlich waren die Schritte neben

uns, und eine nicht gerade angenehme Stimme klebte an uns: »O, Sie

sprechen wohl von Herrn Schmidt, verzeihen Sie ...« Ich sah ärgerlich

nach der Hinzugekommenen, die Frau Nachbarin aber geriet in große

Verlegenheit: »Hm,« hustete sie, »nein -- das heißt -- ja, -- wir

sprachen gerade, gewissermaßen --.« »Was für ein Herbst,« sagte auf

einmal die andere Frau, als ob nichts geschehen wäre, und ihr rotes,

kleines Gesicht glänzte. »Ja« -- hörte ich meine Nachbarin antworten:

»Sie haben recht, Frau Hüpfer, ein selten schöner Herbst!« Dann trennten

sich die Frauen. Frau Hüpfer kicherte noch: »Und grüßen Sie mir die

Kinderchen.« Meine gute Nachbarin achtete nicht mehr darauf; sie war

doch neugierig, meine Geschichte zu erfahren. Ich aber behauptete mit

unbegreiflicher Härte: »Ja, jetzt weiß ich nicht mehr, wo wir

stehengeblieben sind.« »Sie sagten eben etwas von seinem Kopfe, das

heißt --« die Frau Nachbarin wurde ganz rot.

Sie tat mir aufrichtig leid, und so erzählte ich schnell: »Ja sehen Sie

also, solange nur die Dinge gemacht waren, hatte der liebe Gott nicht

notwendig, beständig auf die Erde herunterzuschauen. Es konnte sich ja

nichts dort begeben. Der Wind ging allerdings schon über die Berge,

welche den Wolken, die er schon seit lange kannte, so ähnlich waren,

aber den Wipfeln der Bäume wich er noch mit einem gewissen Mißtrauen

aus. Und das war dem lieben Gott sehr recht. Die Dinge hat er sozusagen

im Schlafe gemacht; allein schon bei den Tieren fing die Arbeit an, ihm

interessant zu werden; er neigte sich darüber und zog nur selten die

breiten Brauen hoch, um einen Blick auf die Erde zu werfen. Er vergaß

sie vollends, als er den Menschen formte. Ich weiß nicht, bei welchem

komplizierten Teil des Körpers er gerade angelangt war, als es um ihn

rauschte von Flügeln. Ein Engel eilte vorüber und sang: 'Der du alles

siehst ...'

Der liebe Gott erschrak. Er hatte den Engel in Sünde gebracht, denn eben

hatte dieser eine Lüge gesungen. Rasch schaute Gottvater hinunter. Und

freilich, da hatte sich schon irgend etwas ereignet, was kaum

gutzumachen war. Ein kleiner Vogel irrte, als ob er Angst hätte, über

die Erde hin und her, und der liebe Gott war nicht imstande, ihm

heimzuhelfen, denn er hatte nicht gesehen, aus welchem Walde das arme

Tier gekommen war. Er wurde ganz ärgerlich und sagte: 'Die Vögel haben

sitzenzubleiben, wo ich sie hingesetzt habe.' Aber er erinnerte sich,

daß er ihnen auf Fürbitte der Engel Flügel verliehen hatte, damit es

auch auf Erden so etwas wie Engel gäbe, und dieser Umstand machte ihn

nur noch verdrießlicher. Nun ist gegen solche Zustände des Gemütes

nichts so heilsam wie Arbeit. Und mit dem Bau des Menschen beschäftigt,

wurde Gott auch rasch wieder froh. Er hatte die Augen der Engel wie

Spiegel vor sich, maß darin seine eigenen Züge und bildete langsam und

vorsichtig an einer Kugel auf seinem Schoße das erste Gesicht. Die

Stirne war ihm gelungen. Viel schwerer wurde es ihm, die beiden

Nasenlöcher symmetrisch zu machen. Er bückte sich immer mehr darüber,

bis es wieder wehte über ihm; er schaute auf. Derselbe Engel umkreiste

ihn; man hörte diesmal keine Hymne, denn in seiner Lüge war dem Knaben

die Stimme erloschen, aber an seinem Mund erkannte Gott, daß er immer

noch sang: 'Der du alles siehst.' Zugleich trat der heilige Nikolaus,

der bei Gott in besonderer Achtung steht, an ihn heran und sagte durch

seinen großen Bart hindurch: 'Deine Löwen sitzen ruhig, sie sind recht

hochmütige Geschöpfe, das muß ich sagen! Aber ein kleiner Hund läuft

ganz am Rande der Erde herum, ein Terrier, siehst du, er wird gleich

hinunterfallen.' Und wirklich merkte der liebe Gott etwas Heiteres,

Weißes, wie ein kleines Licht hin und her tanzen in der Gegend von

Skandinavien, wo es schon so furchtbar rund ist. Und er wurde recht bös

und warf dem heiligen Nikolaus vor, wenn ihm seine Löwen nicht recht

seien, so solle er versuchen, auch welche zu machen. Worauf der heilige

Nikolaus aus dem Himmel ging und die Türe zuschlug, daß ein Stern

herunterfiel, gerade dem Terrier auf den Kopf. Jetzt war das Unglück

vollständig, und der liebe Gott mußte sich eingestehen, daß er ganz

allein an allem schuld sei, und beschloß, nicht mehr den Blick von der

Erde zu rühren. Und so geschah's. Er überließ seinen Händen, welche ja

auch weise sind, die Arbeit, und obwohl er recht neugierig war, zu

erfahren, wie der Mensch wohl aussehen mochte, starrte er unablässig auf

die Erde hinab, auf welcher sich jetzt, wie zum Trotz, nicht ein

Blättchen regen wollte. Um doch wenigstens eine kleine Freude zu haben

nach aller Plage, hatte er seinen Händen befohlen, ihm den Menschen erst

zu zeigen, ehe sie ihn dem Leben ausliefern würden. Wiederholt fragte

er, wie Kinder, wenn sie Verstecken spielen: 'Schon?' Aber er hörte als

Antwort das Kneten seiner Hände und wartete. Es erschien ihm sehr lange.

Da auf einmal sah er etwas durch den Raum fallen, dunkel und in der

Richtung, als ob es aus seiner Nähe käme. Von einer bösen Ahnung

erfüllt, rief er seine Hände. Sie erschienen ganz von Lehm befleckt,

heiß und zitternd. 'Wo ist der Mensch?' schrie er sie an. Da fuhr die

Rechte auf die Linke los: 'Du hast ihn losgelassen!' 'Bitte,' sagte die

Linke gereizt, 'du wolltest ja alles allein machen, mich ließest du ja

überhaupt gar nicht mitreden.' 'Du hättest ihn eben halten müssen!' Und

die Rechte holte aus. Dann aber besann sie sich, und beide Hände sagten

einander überholend: 'Er war so ungeduldig, der Mensch. Er wollte immer

schon leben. Wir können beide nichts dafür, gewiß, wir sind beide

unschuldig.'

Der liebe Gott aber war ernstlich böse. Er drängte beide Hände fort;

denn sie verstellten ihm die Aussicht über die Erde: 'Ich kenne euch

nicht mehr, macht, was ihr wollt.' Das versuchten die Hände auch

seither, aber sie können nur beginnen, was sie auch tun. Ohne Gott gibt

es keine Vollendung. Und da sind sie es endlich müde geworden. Jetzt

knien sie den ganzen Tag und tun Buße, so erzählt man wenigstens. Uns

aber erscheint es, als ob Gott ruhte, weil er auf seine Hände böse ist.

Es ist immer noch siebenter Tag.«

Ich schwieg einen Augenblick. Das benützte die Frau Nachbarin sehr

vernünftig: »Und Sie glauben, daß nie wieder eine Versöhnung zustande

kommt?« »O doch,« sagte ich, »ich hoffe es wenigstens.«

»Und wann sollte das sein?«

»Nun, bis Gott wissen wird, wie der Mensch, den die Hände gegen seinen

Willen losgelassen haben, aussieht.«

Die Frau Nachbarin dachte nach, dann lachte sie: »Aber dazu hätte er

doch bloß heruntersehen müssen ...« »Verzeihen Sie,« sagte ich artig,

»Ihre Bemerkung zeugt von Scharfsinn, aber meine Geschichte ist noch

nicht zu Ende. Also, als die Hände beiseitegetreten waren und Gott die

Erde wieder überschaute, da war eben wieder eine Minute, oder sagen wir

ein Jahrtausend, was ja bekanntlich dasselbe ist, vergangen. Statt eines

Menschen gab es schon eine Million. Aber sie waren alle schon in

Kleidern. Und da die Mode damals gerade sehr häßlich war und auch die

Gesichter arg entstellte, so bekam Gott einen ganz falschen und (ich

will es nicht verhehlen) sehr schlechten Begriff von den Menschen.«

»Hm,« machte die Nachbarin und wollte etwas bemerken. Ich beachtete es

nicht, sondern schloß mit starker Betonung: »Und darum ist es dringend

notwendig, daß Gott erfährt, wie der Mensch wirklich ist. Freuen wir

uns, daß es solche gibt, die es ihm sagen ...« Die Frau Nachbarin freute

sich noch nicht: »Und wer sollte das sein, bitte?« »Einfach die Kinder

und dann und wann auch diejenigen Leute, welche malen, Gedichte

schreiben, bauen ...« »Was denn bauen, Kirchen?« »Ja, und auch sonst,

überhaupt ...«

Die Frau Nachbarin schüttelte langsam den Kopf. Manches erschien ihr

doch recht verwunderlich. Wir waren schon über ihr Haus hinausgegangen

und kehrten jetzt langsam um. Plötzlich wurde sie sehr lustig und

lachte: »Aber, was für ein Unsinn, Gott ist doch auch allwissend. Er

hätte ja genau wissen müssen, woher zum Beispiel der kleine Vogel

gekommen ist.« Sie sah mich triumphierend an. Ich war ein bißchen

verwirrt, ich muß gestehen. Aber als ich mich gefaßt hatte, gelang es

mir, ein überaus ernstes Gesicht zu machen: »Liebe Frau,« belehrte ich

sie, »das ist eigentlich eine Geschichte für sich. Damit Sie aber nicht

glauben, das sei nur eine Ausrede von mir (sie verwahrte sich nun

natürlich heftig dagegen), will ich Ihnen in Kürze sagen: Gott hat alle

Eigenschaften, natürlich. Aber ehe er in die Lage kam, sie auf die Welt

-- gleichsam -- anzuwenden, erschienen sie ihm alle wie eine einzige

große Kraft. Ich weiß nicht, ob ich mich deutlich ausdrücke. Aber

angesichts der Dinge spezialisierten sich seine Fähigkeiten und wurden

bis zu einem gewissen Grade: Pflichten. Er hatte Mühe, sich alle zu

merken. Es gibt eben Konflikte. (Nebenbei: das alles sage ich nur Ihnen,

und Sie müssen es den Kindern keineswegs wiedererzählen.)« »Wo denken

Sie hin,« beteuerte meine Zuhörerin.

»Sehen Sie, wäre ein Engel vorübergeflogen, singend: 'Der du alles

weißt', so wäre alles gut geworden ...«

»Und diese Geschichte wäre überflüssig?«

»Gewiß,« bestätigte ich. Und ich wollte mich verabschieden. »Aber wissen

Sie das alles auch ganz bestimmt?« »Ich weiß es ganz bestimmt,«

erwiderte ich fast feierlich. »Da werde ich den Kindern heute zu

erzählen haben!« »Ich würde es gerne anhören dürfen. Leben Sie wohl.«

»Leben Sie wohl,« antwortete sie.

Dann kehrte sie nochmals zurück: »Aber weshalb ist gerade dieser

Engel ...« »Frau Nachbarin,« sagte ich, indem ich sie unterbrach, »ich

merke jetzt, daß Ihre beiden lieben Mädchen gar nicht deshalb soviel

fragen, weil sie Kinder sind --« »Sondern?« fragte meine Nachbarin

neugierig. »Nun, die Ärzte sagen, es gibt gewisse Vererbungen ...« Meine

Frau Nachbarin drohte mir mit dem Finger. Aber wir schieden dennoch als

gute Freunde.

* * * * *

Als ich meiner lieben Nachbarin später (übrigens nach ziemlich langer

Pause) wieder einmal begegnete, war sie nicht allein, und ich konnte

nicht erfahren, ob sie ihren Mädchen meine Geschichte berichtet hätte

und mit welchem Erfolg. Über diesen Zweifel klärte mich ein Brief auf,

welchen ich kurz darauf empfing. Da ich von dem Absender desselben nicht

die Erlaubnis erhalten habe, ihn zu veröffentlichen, so muß ich mich

darauf beschränken, zu erzählen, wie er endete, woraus man ohne weiteres

erkennen wird, von wem er stammte. Er schloß mit den Worten: »Ich und

noch fünf andere Kinder, nämlich, weil ich mit dabei bin.«

Ich antwortete, gleich nach Empfang, folgendes: »Liebe Kinder, daß euch

das Märchen von den Händen vom lieben Gott gefallen hat, glaube ich

gern; mir gefällt es auch. Aber ich kann trotzdem nicht zu euch kommen.

Seid nicht böse deshalb. Wer weiß, ob ich euch gefiele. Ich habe keine

schöne Nase, und wenn sie, was bisweilen vorkommt, auch noch ein rotes

Pickelchen an der Spitze hat, so würdet ihr die ganze Zeit dieses

Pünktchen anschauen und anstaunen und gar nicht hören, was ich ein

Stückchen tiefer unten sage. Auch würdet ihr wahrscheinlich von diesem

Pickelchen träumen. Das alles wäre mir gar nicht recht. Ich schlage

darum einen anderen Ausweg vor. Wir haben (auch außer der Mutter) eine

große Anzahl gemeinsamer Freunde und Bekannte, die nicht Kinder sind.

Ihr werdet schon erfahren, welche. Diesen werde ich von Zeit zu Zeit

eine Geschichte erzählen, und ihr werdet sie von diesen Vermittlern

immer noch schöner empfangen, als ich sie zu gestalten vermöchte. Denn

es sind gar große Dichter unter diesen unseren Freunden. Ich werde euch

nicht verraten, wovon meine Geschichten handeln werden. Aber, weil euch

nichts so sehr beschäftigt und am Herzen liegt wie der liebe Gott, so

werde ich an jeder passenden Gelegenheit einfügen, was ich von ihm weiß.

Sollte etwas davon nicht richtig sein, so schreibt mir wieder einen

schönen Brief, oder laßt es mir durch die Mutter sagen. Denn es ist

möglich, daß ich mich an mancher Stelle irre, weil es schon so lange

ist, seit ich die schönsten Geschichten erfahren habe, und weil ich

seither mir viele habe merken müssen, die nicht so schön sind. Das kommt

im Leben so mit. Trotzdem ist das Leben etwas ganz Prächtiges: auch

davon wird des öfteren in meinen Geschichten die Rede sein. Damit grüßt

euch -- Ich, aber auch nur deshalb Einer, weil ich mit dabei bin.«

DER FREMDE MANN

Ein fremder Mann hat mir einen Brief geschrieben. Nicht von Europa

schrieb mir der fremde Mann, nicht von Moses, weder von den großen, noch

von den kleinen Propheten, nicht vom Kaiser von Rußland oder dem Zaren

Iwan, dem Grausen, seinem fürchterlichen Vorfahren. Nicht vom

Bürgermeister oder vom Nachbar Flickschuster, nicht von der nahen Stadt,

nicht von den fernen Städten; und auch der Wald mit den vielen Rehen,

darin ich jeden Morgen mich verliere, kommt in seinem Briefe nicht vor.

Er erzählt mir auch nichts von seinem Mütterchen oder von seinen

Schwestern, die gewiß längst verheiratet sind. Vielleicht ist auch sein

Mütterchen tot; wie könnte es sonst sein, daß ich sie in einem

vierseitigen Briefe nirgends erwähnt finde! Er erweist mir ein viel,

viel größeres Vertrauen; er macht mich zu seinem Bruder, er spricht mir

von seiner Not.

Am Abend kommt der fremde Mann zu mir. Ich zünde keine Lampe an, helfe

ihm den Mantel ablegen und bitte ihn, mit mir Tee zu trinken, weil das

gerade die Stunde ist, in welcher ich täglich meinen Tee trinke. Und bei

so nahen Besuchen muß man sich keinen Zwang auferlegen. Als wir uns

schon an den Tisch setzen wollen, bemerke ich, daß mein Gast unruhig

ist; sein Gesicht ist voll Angst, und seine Hände zittern. »Richtig,«

sage ich, »hier ist ein Brief für Sie.« Und dann bin ich dabei, den Tee

einzugießen. »Nehmen Sie Zucker und vielleicht Zitrone? Ich habe in

Rußland gelernt, den Tee mit Zitrone zu trinken. Wollen Sie versuchen?«

Dann zünde ich eine Lampe an und stelle sie in eine entfernte Ecke,

etwas hoch, so daß eigentlich Dämmerung bleibt im Zimmer, nur eine etwas

wärmere als früher, eine rötliche. Und da scheint auch das Gesicht

meines Gastes sicherer, wärmer und um vieles bekannter zu sein. Ich

begrüße ihn noch einmal mit den Worten: »Wissen Sie, ich habe Sie lange

erwartet.« Und ehe der Fremde Zeit hat zu staunen, erkläre ich ihm. »Ich

weiß eine Geschichte, welche ich niemandem erzählen mag als Ihnen;

fragen Sie mich nicht warum, sagen Sie mir nur, ob Sie bequem sitzen, ob

der Tee genug süß ist und ob Sie die Geschichte hören wollen.« Mein Gast

mußte lächeln. Dann antwortete er einfach: »Ja.« »Auf alles drei: Ja?«

»Auf alles drei.«

Wir lehnten uns beide zugleich in unseren Stühlen zurück, so daß unsere

Gesichter schattig wurden. Ich stellte mein Teeglas nieder, freute mich

daran, wie goldig der Tee glänzte, vergaß diese Freude langsam wieder

und fragte plötzlich: »Erinnern Sie sich noch an den lieben Gott?«

Der Fremde dachte nach. Seine Augen vertieften sich ins Dunkel, und mit

den kleinen Lichtpunkten in den Pupillen glichen sie zwei langen

Laubengängen in einem Parke, über welchem leuchtend und breit Sommer und

Sonne liegt. Auch diese beginnen so, mit runder Dämmerung, dehnen sich

in immer engerer Finsternis bis zu einem fernen, schimmernden Punkt: dem

jenseitigen Ausgang in einen vielleicht noch viel helleren Tag. Während

ich das erkannte, sagte er zögernd und als ob er sich nur ungern seiner

Stimme bediente: »Ja, ich erinnere mich noch an Gott.« »Gut,« dankte ich

ihm, »denn gerade von ihm handelt meine Geschichte. Doch zuerst sagen

Sie mir noch: Sprechen Sie bisweilen mit Kindern?« »Es kommt wohl vor,

so im Vorübergehen, wenigstens --« »Vielleicht ist es Ihnen bekannt, daß

Gott infolge eines häßlichen Ungehorsams seiner Hände nicht weiß, wie

der fertige Mensch eigentlich aussieht?« »Das habe ich einmal irgendwo

gehört, ich weiß indessen nicht von wem« -- entgegnete mein Gast, und

ich sah unbestimmte Erinnerungen über seine Stirn jagen. »Gleichviel,«

störte ich ihn, »hören Sie weiter. Lange Zeit ertrug Gott diese

Ungewißheit. Denn seine Geduld ist wie seine Stärke groß. Einmal aber,

als dichte Wolken zwischen ihm und der Erde standen viele Tage lang, so

daß er kaum mehr wußte, ob er alles: Welt und Menschen und Zeit nicht

nur geträumt hatte, rief er seine rechte Hand, die so lange von seinem

Angesicht verbannt und verborgen gewesen war in kleinen unwichtigen

Werken. Sie eilte bereitwillig herbei; denn sie glaubte, Gott wolle ihr

endlich verzeihen. Als Gott sie so vor sich sah in ihrer Schönheit,

Jugend und Kraft, war er schon geneigt, ihr zu vergeben. Aber

rechtzeitig besann er sich und gebot, ohne hinzusehen: 'Du gehst

hinunter auf die Erde. Du nimmst die Gestalt an, die du bei den Menschen

siehst, und stellst dich, nackt, auf einen Berg, so daß ich dich genau

betrachten kann. Sobald du unten ankommst, geh zu einer jungen Frau und

sag ihr, aber ganz leise: Ich möchte leben. Es wird zuerst ein kleines

Dunkel um dich sein und dann ein großes Dunkel, welches Kindheit heißt,

und dann wirst du ein Mann sein und auf den Berg steigen, wie ich es dir

befohlen habe. Das alles dauert ja nur einen Augenblick. Leb wohl.'

Die Rechte nahm von der Linken Abschied, gab ihr viele freundliche

Namen, ja es wurde sogar behauptet, sie habe sich plötzlich vor ihr

verneigt und gesagt: 'Du, heiliger Geist.' Aber schon trat der heilige

Paulus herzu, hieb dem lieben Gott die rechte Hand ab, und ein Erzengel

fing sie auf und trug sie unter seinem weiten Gewand davon. Gott aber

hielt sich mit der Linken die Wunde zu, damit sein Blut nicht über die

Sterne ströme und von da in traurigen Tropfen herunterfiele auf die

Erde. Eine kurze Zeit später bemerkte Gott, der aufmerksam alle Vorgänge

unten betrachtete, daß die Menschen in den eisernen Kleidern sich um

einen Berg mehr zu schaffen machten als um alle anderen Berge. Und er

erwartete, dort seine Hand hinaufsteigen zu sehen. Aber es kam nur ein

Mensch in einem, wie es schien, roten Mantel, welcher etwas schwarzes

Schwankendes aufwärts schleppte. In demselben Augenblicke begann Gottes

linke Hand, die vor seinem offenen Blute lag, unruhig zu werden, und mit

einem Mal verließ sie, ehe Gott es verhindern konnte, ihren Platz und

irrte wie wahnsinnig zwischen den Sternen umher und schrie: 'O, die arme

rechte Hand, und ich kann ihr nicht helfen.' Dabei zerrte sie an Gottes

linkem Arm, an dessen äußerstem Ende sie hing, und bemühte sich

loszukommen. Die ganze Erde aber war rot vom Blute Gottes, und man

konnte nicht erkennen, was darunter geschah. Damals wäre Gott fast

gestorben. Mit letzter Anstrengung rief er seine Rechte zurück; sie kam

blaß und bebend und legte sich an ihren Platz wie ein krankes Tier. Aber

auch die Linke, die doch schon manches wußte, da sie die rechte Hand

Gottes damals unten auf der Erde erkannt hatte, als diese in einem roten

Mantel den Berg erstieg, konnte von ihr nicht erfahren, was sich weiter

auf diesem Berge begeben hat. Es muß etwas sehr Schreckliches gewesen

sein. Denn Gottes Rechte hat sich noch nicht davon erholt, und sie

leidet unter ihrer Erinnerung nicht weniger als unter dem alten Zorne

Gottes, der ja seinen Händen immer noch nicht verziehen hat.« Meine

Stimme ruhte ein wenig aus. Der Fremde hatte sein Gesicht mit den Händen

verhüllt. Lange blieb alles so. Dann sagte der fremde Mann mit einer

Stimme, die ich längst kannte: »Und warum haben Sie mir diese Geschichte

erzählt?«

»Wer hätte mich sonst verstanden? Sie kommen zu mir ohne Rang, ohne Amt,

ohne irgendeine zeitliche Würde, fast ohne Namen. Es war dunkel, als Sie

eintraten, allein ich bemerkte in Ihren Zügen eine Ähnlichkeit --« Der

fremde Mann blickte fragend auf. »Ja,« erwiderte ich seinem stillen

Blick, »ich denke oft, vielleicht ist Gottes Hand wieder unterwegs ...«

Die Kinder haben diese Geschichte erfahren, und offenbar wurde sie ihnen

so erzählt, daß sie alles verstehen konnten; denn sie haben diese

Geschichte lieb.

WARUM DER LIEBE GOTT WILL, DASS ES ARME LEUTE GIBT

Die vorangehende Geschichte hat sich so verbreitet, daß der Herr Lehrer

mit sehr gekränktem Gesicht auf der Gasse herumgeht. Ich kann das

begreifen. Es ist immer schlimm für einen Lehrer, wenn die Kinder

plötzlich etwas wissen, was er ihnen nicht erzählt hat. Der Lehrer muß

sozusagen das einzige Loch in der Planke sein, durch welches man in den

Obstgarten sieht; sind noch andere Löcher da, so drängen sich die Kinder

jeden Tag vor einem anderen und werden bald des Ausblicks überhaupt

müde. Ich hätte diesen Vergleich nicht hier aufgezeichnet, denn nicht

jeder Lehrer ist vielleicht damit einverstanden, ein Loch zu sein; aber

der Lehrer, von dem ich rede, mein Nachbar, hat den Vergleich zuerst von

mir vernommen und ihn sogar als äußerst treffend bezeichnet. Und sollte

auch jemand anderer Meinung sein, die Autorität meines Nachbars ist mir

maßgebend.

Er stand vor mir, rückte beständig an seiner Brille und sagte: »Ich weiß

nicht, wer den Kindern diese Geschichte erzählt hat, aber es ist

jedenfalls unrecht, ihre Phantasie mit solchen ungewöhnlichen

Vorstellungen zu überladen und anzuspannen. Es handelt sich um eine Art

Märchen --.« »Ich habe es zufällig erzählen hören,« unterbrach ich ihn.

(Dabei log ich nicht, denn seit jenem Abend ist es mir wirklich schon

von meiner Frau Nachbarin wiederberichtet worden.) »So,« machte der

Lehrer; er fand das leicht erklärlich. »Nun, was sagen Sie dazu?« Ich

zögerte, auch fuhr er sehr schnell fort: »Zunächst finde ich es unrecht,

religiöse, besonders biblische Stoffe frei und eigenmächtig zu

gebrauchen. Es ist das alles im Katechismus jedenfalls so ausgedrückt,

daß es besser nicht gesagt werden kann ...« Ich wollte etwas bemerken,

erinnerte mich aber im letzten Augenblick, daß der Herr Lehrer

»zunächst« gebraucht hatte, daß also jetzt nach der Grammatik und um der

Gesundheit des Satzes willen ein »dann« und vielleicht sogar ein »und

endlich« folgen mußte, ehe ich mir erlauben durfte, etwas anzufügen. So

geschah es auch. Ich will, da der Herr Lehrer diesen selben Satz, dessen

tadelloser Bau jedem Kenner Freude bereiten wird, auch anderen

übermittelt hat, die ihn ebensowenig wie ich vergessen dürften, hier nur

noch das aufzeichnen, was hinter dem schönen, vorbereitenden Worte: »Und

endlich« wie das Finale einer Ouvertüre kam. »Und endlich ... (die sehr

phantastische Auffassung hingehen lassend) erscheint mir der Stoff gar

nicht einmal genügend durchdrungen und nach allen Seiten hin

berücksichtigt zu sein. Wenn ich Zeit hätte, Geschichten zu

schreiben --« »Sie vermissen etwas in der bewußten Erzählung?« konnte

ich mich nicht enthalten, ihn zu unterbrechen. »Ja, ich vermisse

manches. Vom literarisch-kritischen Standpunkt gewissermaßen. Wenn ich

zu Ihnen als Kollege sprechen darf --« Ich verstand nicht, was er

meinte, und sagte bescheiden: »Sie sind zu gütig, aber ich habe nie eine

Lehrtätigkeit ...« Plötzlich fiel mir etwas ein, ich brach ab, und er

fuhr etwas kühl fort: »Um nur eins zu nennen: es ist nicht anzunehmen,

daß Gott (wenn man schon auf den Sinn der Geschichte so weit eingehen

will), daß Gott, also -- sage ich -- daß Gott keinen weiteren Versuch

gemacht haben sollte, einen Menschen zu sehen, wie er ist, ich meine --«

Jetzt glaubte ich den Herrn Lehrer wieder versöhnen zu müssen. Ich

verneigte mich ein wenig und begann: »Es ist allgemein bekannt, daß Sie

sich eingehend (und, wenn man so sagen darf, nicht ohne Gegenliebe zu

finden) der sozialen Frage genähert haben.« Der Herr Lehrer lächelte.

»Nun, dann darf ich annehmen, daß, was ich Ihnen im folgenden

mitzuteilen gedenke, Ihrem Interesse nicht ganz ferne steht, zumal ich

ja auch an Ihre letzte, sehr scharfsinnige Bemerkung anknüpfen kann.« Er

sah mich erstaunt an: »Sollte Gott etwa ...« »In der Tat,« bestätigte

ich, »Gott ist eben dabei, einen neuen Versuch zu machen.« »Wirklich?«

fuhr mich der Lehrer an, »ist das an maßgebender Stelle bekannt

geworden?« »Darüber kann ich Ihnen nichts Genaues sagen --« bedauerte

ich -- »ich bin nicht in Beziehung mit jenen Kreisen, aber wenn Sie

dennoch meine kleine Geschichte hören wollen?« »Sie würden mir einen

großen Gefallen erweisen.« Der Lehrer nahm seine Brille ab und putzte

sorgfältig die Gläser, während seine nackten Augen sich schämten.

Ich begann: »Einmal sah der liebe Gott in eine große Stadt. Als ihm von

dem vielen Durcheinander die Augen ermüdeten (dazu trugen die Netze mit

den elektrischen Drähten nicht wenig bei), beschloß er, seine Blicke auf

ein einziges hohes Mietshaus für eine Weile zu beschränken, weil dieses

weit weniger anstrengend war. Gleichzeitig erinnerte er sich seines

alten Wunsches, einmal einen lebenden Menschen zu sehen, und zu diesem

Zwecke tauchten seine Blicke ansteigend in die Fenster der einzelnen

Stockwerke. Die Leute im ersten Stockwerke (es war ein reicher Kaufmann

mit Familie) waren fast nur Kleider. Nicht nur, daß alle Teile ihres

Körpers mit kostbaren Stoffen bedeckt waren, die äußeren Umrisse dieser

Kleidung zeigten an vielen Stellen eine solche Form, daß man sah, es

konnte kein Körper mehr darunter sein. Im zweiten Stock war es nicht

viel besser. Die Leute, welche drei Treppen wohnten, hatten zwar schon

bedeutend weniger an, waren aber so schmutzig, daß der liebe Gott nur

graue Furchen erkannte und in seiner Güte schon bereit war, zu befehlen,

sie möchten fruchtbar werden. Endlich unter dem Dach, in einem schrägen

Kämmerchen, fand der liebe Gott einen Mann in einem schlechten Rock, der

sich damit beschäftigte, Lehm zu kneten. 'Oho, woher hast du das?' rief

er ihn an. Der Mann nahm seine Pfeife gar nicht aus dem Munde und

brummte: 'Der Teufel weiß woher. Ich wollte, ich wär Schuster geworden.

Da sitzt man und plagt sich ...' Und was der liebe Gott auch fragen

mochte, der Mann war schlechter Laune und gab keine Antwort mehr. -- Bis

er eines Tages einen großen Brief vom Bürgermeister dieser Stadt bekam.

Da erzählte er dem lieben Gott, ungefragt, alles. Er hatte so lange

keinen Auftrag bekommen. Jetzt, plötzlich, sollte er eine Statue für den

Stadtpark machen, und sie sollte heißen: die Wahrheit. Der Künstler

arbeitete Tag und Nacht in einem entfernten Atelier, und dem lieben Gott

kamen verschiedene alte Erinnerungen, wie er das so sah. Wenn er seinen

Händen nicht immer noch böse gewesen wäre, er hätte wohl auch wieder

irgendwas begonnen. -- Als aber der Tag kam, da die Bildsäule, welche

die Wahrheit hieß, hinausgetragen werden sollte, auf ihren Platz in den

Garten, wo auch Gott sie hätte sehen können in ihrer Vollendung, da

entstand ein großer Skandal, denn eine Kommission von Stadtvätern,

Lehrern und anderen einflußreichen Persönlichkeiten hatte verlangt, die

Figur müsse erst teilweise bekleidet werden, ehe das Publikum sie zu

Gesicht bekäme. Der liebe Gott verstand nicht, weshalb, so laut fluchte

der Künstler. Stadtväter, Lehrer und die anderen haben ihn in diese

Sünde gebracht, und der liebe Gott wird gewiß an denen -- aber Sie

husten ja fürchterlich!« »Es geht schon vorüber --« sagte mein Lehrer

mit vollkommen klarer Stimme. »Nun, ich habe nur noch ein weniges zu

berichten. Der liebe Gott ließ das Mietshaus und den Stadtpark los und

wollte seinen Blick schon ganz zurückziehen, wie man eine Angelrute aus

dem Wasser zieht, mit einem Schwung, um zu sehen, ob nicht etwas

angebissen hat. In diesem Falle hing wirklich etwas daran. Ein ganz

kleines Häuschen mit mehreren Menschen drinnen, die alle sehr wenig

anhatten, denn sie waren sehr arm. 'Das also ist es --,' dachte der

liebe Gott, 'arm müssen die Menschen sein. Diese hier sind, glaub ich,

schon recht arm, aber ich will sie so arm machen, daß sie nicht einmal

ein Hemd zum Anziehen haben.' So nahm sich der liebe Gott vor.«

Hier machte ich beim Sprechen einen Punkt, um anzudeuten, daß ich am

Ende sei. Der Herr Lehrer war damit nicht zufrieden; er fand diese

Geschichte ebensowenig abgeschlossen und gerundet wie die vorhergehende.

»Ja« -- entschuldigte ich mich -- »da müßte eben ein Dichter kommen, der

zu dieser Geschichte irgendeinen phantastischen Schluß erfindet, denn

tatsächlich hat sie noch kein Ende.« »Wieso?« machte der Herr Lehrer und

schaute mich gespannt an. »Aber, lieber Herr Lehrer,« erinnerte ich,

»wie vergeßlich Sie sind! Sie sind doch selbst im Vorstand des hiesigen

Armenvereins ...« »Ja, seit etwa zehn Jahren bin ich das und --?« »Das

ist es eben; Sie und Ihr Verein verhindern den lieben Gott die längste

Zeit, sein Ziel zu erreichen. Sie kleiden die Leute --« »Aber ich bitte

Sie,« sagte der Lehrer bescheiden, »das ist einfach Nächstenliebe. Das

ist doch Gott im höchsten Grade wohlgefällig.« »Ach, davon ist man

maßgebenden Orts wohl überzeugt?« fragte ich arglos. »Natürlich ist man

das. Ich habe gerade in meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied des

Armenvereins manches Lobende zu hören bekommen. Vertraulich gesagt, man

will auch bei der nächsten Beförderung meine Tätigkeit in dieser Weise

-- -- -- Sie verstehen?« Der Herr Lehrer errötete schamhaft. »Ich

wünsche Ihnen das Beste,« entgegnete ich. Wir reichten uns die Hände,

und der Herr Lehrer ging mit so stolzen, gemessenen Schritten fort, daß

ich überzeugt bin: er ist zu spät in die Schule gekommen.

Wie ich später vernahm, ist ein Teil dieser Geschichte (soweit sie für

Kinder paßt) den Kindern doch bekannt geworden. Sollte der Herr Lehrer

sie zu Ende gedichtet haben?

WIE DER VERRAT NACH RUSSLAND KAM

Ich habe noch einen Freund hier in der Nachbarschaft. Das ist ein

blonder, lahmer Mann, der seinen Stuhl, winters wie sommers, hart am

Fenster hat. Er kann sehr jung aussehen, ja in seinem lauschenden

Gesicht ist manchmal etwas Knabenhaftes. Aber es gibt auch Tage, da er

altert, die Minuten gehen wie Jahre über ihn, und plötzlich ist er ein

Greis, dessen matte Augen das Leben fast schon losgelassen haben. Wir

kennen uns lang. Erst haben wir uns immer angesehen, später lächelten

wir unwillkürlich, ein Jahr lang grüßten wir einander, und seit Gott

weiß wann erzählen wir uns das eine und das andere, wahllos, wie es eben

passiert. »Guten Tag,« rief er, als ich vorüberkam, und sein Fenster war

noch offen in den reichen und stillen Herbst hinaus. »Ich habe Sie lange

nicht gesehen.«

»Guten Tag, Ewald --.« Ich trat an sein Fenster, wie ich immer zu tun

pflegte, im Vorübergehen. »Ich war verreist.« »Wo waren Sie?« fragte er

mit ungeduldigen Augen. »In Rußland.« »O so weit« -- er lehnte sich

zurück, und dann: »Was ist das für ein Land, Rußland? Ein sehr großes,

nicht wahr?« »Ja,« sagte ich, »groß ist es und außerdem --« »Habe ich

dumm gefragt?« lächelte Ewald und wurde rot. »Nein, Ewald, im Gegenteil.

Da Sie fragen: was ist das für ein Land? wird mir verschiedenes klar.

Zum Beispiel woran Rußland grenzt.« »Im Osten?« warf mein Freund ein.

Ich dachte nach: »Nein.« »Im Norden?« forschte der Lahme. »Sehen Sie,«

fiel mir ein, »das Ablesen von der Landkarte hat die Leute verdorben.

Dort ist alles plan und eben, und wenn sie die vier Weltgegenden

bezeichnet haben, scheint ihnen alles getan. Ein Land ist doch aber kein

Atlas. Es hat Berge und Abgründe. Es muß doch auch oben und unten an

etwas stoßen.« »Hm --« überlegte mein Freund, »Sie haben recht. Woran

könnte Rußland an diesen beiden Seiten grenzen?« Plötzlich sah der

Kranke wie ein Knabe aus. »Sie wissen es,« rief ich. »Vielleicht an

Gott?« »Ja,« bestätigte ich, »an Gott.« »So« -- nickte mein Freund ganz

verständnisvoll. Erst dann kamen ihm einzelne Zweifel: »Ist denn Gott

ein Land?« »Ich glaube nicht,« erwiderte ich, »aber in den primitiven

Sprachen haben viele Dinge denselben Namen. Es ist da wohl ein Reich,

das heißt Gott, und der es beherrscht, heißt auch Gott. Einfache Völker

können ihr Land und ihren Kaiser oft nicht unterscheiden; beide sind

groß und gütig, furchtbar und groß.«

»Ich verstehe,« sagte langsam der Mann am Fenster. »Und merkt man in

Rußland diese Nachbarschaft?« »Man merkt sie bei allen Gelegenheiten.

Der Einfluß Gottes ist sehr mächtig. Wieviel man auch aus Europa bringen

mag, die Dinge aus dem Westen sind Steine, sobald sie über die Grenze

sind. Mitunter kostbare Steine, aber eben nur für die Reichen, die

sogenannten 'Gebildeten', während von drüben aus dem anderen Reich das

Brot kommt, wovon das Volk lebt.« »Das hat das Volk wohl in Überfluß?«

Ich zögerte: »Nein, das ist nicht der Fall, die Einfuhr aus Gott ist

durch gewisse Umstände erschwert --« Ich suchte ihn von diesem Gedanken

abzubringen. »Aber man hat vieles aus den Gebräuchen jener breiten

Nachbarschaft angenommen. Das ganze Zeremoniell beispielsweise. Man

spricht zu dem Zaren ähnlich wie zu Gott.« »So, man sagt also nicht:

Majestät?« »Nein, man nennt beide Väterchen.« »Und man kniet vor

beiden?« »Man wirft sich vor beiden nieder, fühlt mit der Stirn den

Boden und weint und sagt: 'Ich bin sündig, verzeih mir, Väterchen.' Die

Deutschen, welche das sehen, behaupten: eine ganz unwürdige Sklaverei.

Ich denke anders darüber. Was soll das Knien bedeuten? Es hat den Sinn

zu erklären: Ich habe Ehrfurcht. Dazu genügt es auch, das Haupt zu

entblößen, meint der Deutsche. Nun ja, der Gruß, die Verbeugung,

gewissermaßen sind auch sie Ausdrücke dafür, Abkürzungen, die entstanden

sind in den Ländern, wo nicht so viel Raum war, daß jeder sich hätte

niederlegen können auf der Erde. Aber Abkürzungen gebraucht man bald

mechanisch und ohne sich ihres Sinnes mehr bewußt zu werden. Deshalb ist

es gut, wo noch Raum und Zeit dafür ist, die Gebärde auszuschreiben, das

ganze schöne und wichtige Wort: Ehrfurcht.«

»Ja, wenn ich könnte, würde ich auch niederknien --,« träumte der Lahme.

»Aber es kommt --« fuhr ich nach einer Pause fort -- »in Rußland auch

vieles andere von Gott. Man hat das Gefühl, jedes Neue wird von ihm

eingeführt, jedes Kleid, jede Speise, jede Tugend und sogar jede Sünde

muß erst von ihm bewilligt werden, ehe sie in Gebrauch kommt.« Der

Kranke sah mich fast erschrocken an. »Es ist nur ein Märchen, auf

welches ich mich berufe,« eilte ich ihn zu beruhigen, »eine sogenannte

Bylina, ein Gewesenes zu deutsch. Ich will Ihnen kurz den Inhalt

erzählen. Der Titel ist: Wie der Verrat nach Rußland kam.« Ich lehnte

mich ans Fenster, und der Gelähmte schloß die Augen, wie er gerne tat,

wenn irgendwo eine Geschichte begann.

»Der schreckliche Zar Iwan wollte den benachbarten Fürsten Tribut

auferlegen und drohte ihnen mit einem großen Krieg, falls sie nicht Gold

nach Moskau, in die weiße Stadt, schicken würden. Die Fürsten sagten,

nachdem sie Rat gepflogen hatten, wie ein Mann: 'Wir geben dir drei

Rätselfragen auf. Komm an dem Tage, den wir dir bestimmen, in den

Orient, zu dem weißen Stein, wo wir versammelt sein werden, und sage uns

die drei Lösungen. Sobald sie richtig sind, geben wir dir die zwölf

Tonnen Goldes, die du von uns verlangst.' Zuerst dachte der Zar Iwan

Wassiljewitsch nach, aber es störten ihn die vielen Glocken seiner

weißen Stadt Moskau. Da rief er seine Gelehrten und Räte vor sich, und

jeden, der die Frage nicht beantworten konnte, ließ er auf den großen,

roten Platz führen, wo gerade die Kirche für Wassilij, den Nackten,

gebaut wurde, und einfach köpfen. Bei einer solchen Beschäftigung

verging ihm die Zeit so rasch, daß er sich plötzlich auf der Reise fand

nach dem Orient, zu dem weißen Stein, bei welchem die Fürsten warteten.

Er wußte auf keine der drei Fragen etwas zu erwidern, aber der Ritt war

lang, und es war immer noch die Möglichkeit, einem Weisen zu begegnen;

denn damals waren viele Weise unterwegs auf der Flucht, da alle Könige

die Gewohnheit hatten, ihnen den Kopf abschneiden zu lassen, wenn sie

ihnen nicht weise genug schienen. Ein solcher kam ihm nun allerdings

nicht zu Gesicht, aber an einem Morgen sah er einen alten bärtigen

Bauer, welcher an einer Kirche baute. Er war schon dabei angelangt, den

Dachstuhl zu zimmern und die kleinen Latten darüberzulegen. Da war es

nun recht verwunderlich, daß der alte Bauer immer wieder von der Kirche

herunterstieg, um von den schmalen Latten, welche unten aufgeschichtet

waren, jede einzeln zu holen, statt viele auf einmal in seinem langen

Kaftan mitzunehmen. Er mußte so beständig auf und nieder klettern, und

es war gar nicht abzusehen, daß er auf diese Weise überhaupt jemals alle

vielhundert Latten an ihren Ort bringen würde. Der Zar wurde deshalb

ungeduldig: 'Dummkopf,' schrie er (so nennt man in Rußland meistens die

Bauern), 'du solltest dich tüchtig beladen mit deinem Holz und dann auf

die Kirche kriechen, das wäre bei weitem einfacher.' Der Bauer, der

gerade unten war, blieb stehen, hielt die Hand über die Augen und

antwortete: 'Das mußt du schon mir überlassen, Zar Iwan Wassiljewitsch,

jeder versteht sein Handwerk am besten; indessen, weil du schon hier

vorüberreitest, will ich dir die Lösung der drei Rätsel sagen, welche du

am weißen Stein im Orient, gar nicht weit von hier, wirst wissen

müssen.' Und er schärfte ihm die drei Antworten der Reihe nach ein. Der

Zar konnte vor Erstaunen kaum dazu kommen, zu danken. 'Was soll ich dir

geben zum Lohne?' fragte er endlich. 'Nichts,' machte der Bauer, holte

eine Latte und wollte auf die Leiter steigen. 'Halt,' befahl der Zar,

'das geht nicht an, du mußt dir etwas wünschen.' 'Nun, Väterchen, wenn

du befiehlst, gib mir eine von den zwölf Tonnen Goldes, welche du von

den Fürsten im Orient erhalten wirst.' 'Gut --,' nickte der Zar. 'Ich

gebe dir eine Tonne Goldes.' Dann ritt er eilends davon, um die Lösungen

nicht wieder zu vergessen.

Später, als der Zar mit den zwölf Tonnen zurückgekommen war aus dem

Orient, schloß er sich in Moskau in seinen Palast, mitten im fünftorigen

Kreml, ein und schüttete eine Tonne nach der anderen auf die glänzenden

Dielen des Saales aus, so daß ein wahrer Berg aus Gold entstand, der

einen großen schwarzen Schatten über den Boden warf. In Vergeßlichkeit

hatte der Zar auch die zwölfte Tonne ausgeleert. Er wollte sie wieder

füllen, aber es tat ihm leid, so viel Gold von dem herrlichen Haufen

wieder fortnehmen zu müssen. In der Nacht ging er in den Hof hinunter,

schöpfte feinen Sand in die Tonne, bis sie zu drei Vierteilen voll war,

kehrte leise in seinen Palast zurück, legte Gold über den Sand und

schickte die Tonne mit dem nächsten Morgen durch einen Boten in die

Gegend des weiten Rußland, wo der alte Bauer seine Kirche baute. Als

dieser den Boten kommen sah, stieg er von dem Dach, welches noch lange

nicht fertig war, und rief: 'Du mußt nicht näher kommen, mein Freund,

reise zurück samt deiner Tonne, welche drei Vierteile Sand und ein

knappes Viertel Gold enthält; ich brauche sie nicht. Sage deinem Herrn,

bisher hat es keinen Verrat in Rußland gegeben. Er aber ist selbst daran

schuld, wenn er bemerken sollte, daß er sich auf keinen Menschen

verlassen kann; denn er hat nunmehr gezeigt, wie man verrät, und von

Jahrhundert zu Jahrhundert wird sein Beispiel in ganz Rußland viele

Nachahmer finden. Ich brauche nicht das Gold, ich kann ohne Gold leben.

Ich erwartete nicht Gold von ihm, sondern Wahrheit und Rechtlichkeit. Er

aber hat mich getäuscht. Sage das deinem Herrn, dem schrecklichen Zaren

Iwan Wassiljewitsch, der in seiner weißen Stadt Moskau sitzt mit seinem

bösen Gewissen und in einem goldenen Kleid.'

Nach einer Weile Reitens wandte sich der Bote nochmals um: der Bauer und

seine Kirche waren verschwunden. Und auch die aufgeschichteten Latten

lagen nicht mehr da, es war alles leeres, flaches Land. Da jagte der

Mann entsetzt zurück nach Moskau, stand atemlos vor dem Zaren und

erzählte ihm ziemlich unverständlich, was sich begeben hatte und daß der

vermeintliche Bauer niemand anderes gewesen sei als Gott selbst.«

»Ob er wohl recht gehabt hat damit?« meinte mein Freund leise, nachdem

meine Geschichte verklungen war.

»Vielleicht --,« entgegnete ich, »aber, wissen Sie, das Volk ist --

abergläubisch -- indessen, ich muß jetzt gehen, Ewald.« »Schade,« sagte

der Lahme aufrichtig. »Wollen Sie mir nicht bald wieder eine Geschichte

erzählen?« »Gerne, -- aber unter einer Bedingung.« Ich trat noch einmal

ans Fenster heran. »Nämlich?« staunte Ewald. »Sie müssen alles

gelegentlich den Kindern in der Nachbarschaft weitererzählen,« bat ich.

»O, die Kinder kommen jetzt so selten zu mir.« Ich vertröstete ihn: »Sie

werden schon kommen. Offenbar haben Sie in der letzten Zeit nicht Lust

gehabt, ihnen etwas zu erzählen, und vielleicht auch keinen Stoff, oder

zu viel Stoffe. Aber wenn einer eine wirkliche Geschichte weiß, glauben

Sie, das kann verborgen bleiben? Bewahre, das spricht sich herum,

besonders unter den Kindern!« »Auf Wiedersehen.« Damit ging ich.

Und die Kinder haben die Geschichte noch an demselben Tage gehört.

WIE DER ALTE TIMOFEI SINGEND STARB

Was für eine Freude ist es doch, einem lahmen Menschen zu erzählen. Die

gesunden Leute sind so ungewiß; sie sehen die Dinge bald von der, bald

von jener Seite an, und wenn man mit ihnen eine Stunde lang so gegangen

ist, daß sie zur Rechten waren, kann es geschehen, daß sie plötzlich von

links antworten, nur, weil es ihnen einfällt, daß das höflicher sei und

von feinerer Bildung zeuge. Beim Lahmen hat man das nicht zu befürchten.

Seine Unbeweglichkeit macht ihn den Dingen ähnlich, mit denen er auch

wirklich viele herzliche Beziehungen pflegt, macht ihn, sozusagen, zu

einem den anderen sehr überlegenen Ding, zu einem Ding, das nicht nur

lauscht mit seiner Schweigsamkeit, sondern auch mit seinen seltenen

leisen Worten und mit seinen sanften, ehrfürchtigen Gefühlen.

Ich mag am liebsten meinem Freund Ewald erzählen. Und ich war sehr froh,

als er mir von seinem täglichen Fenster aus zurief: »Ich muß Sie etwas

fragen.«

Geschichten vom lieben Gott · 第 1 / 7 段