Als im dritten Hafenbecken nun auch ein Wasserspiegel glänzte und an
den Kais eine Tankanlage für zwei Millionen Liter Benzin errichtet war,
konnte man endlich sagen, daß hier ein fertiger Hafen sei.
Im Norden ragt der mächtige Getreidespeicher, und schon wird die Frage
aufgeworfen, ob er auch ausreichen werde. Es steht nur noch nicht fest,
ob der Mühlenbesitzer Pohl, die Genossenschaft der Brotfabrik oder die
Hafengesellschaft den neuen Speicher bauen. Diese drei muß man nun in
einem Atemzuge nennen, denn sie gehören zusammen. Der Kapitän geht zum
Beispiel zum Nachbarn hinüber und sagt:
»Nun komme ich, um Ihrer Brotfabrik ~unseren~ Speicher anzubieten.
Vor nicht zu langer Zeit haben Sie uns ausgeholfen.« Und der mächtige
Herr Pohl nimmt dankend an. Er ist nun ein Faktor, den niemand mehr
übersehen darf.
Aber bei ihm finden wir nur Getreide, Mehl und bald auch Brot -- was
ist jedoch im Hafen? An seinem Mittelbecken wird alles in Empfang
genommen, eingelagert und verzollt, was aus dem Lande und aus fernsten
Erdteilen nur herangeschafft werden kann. Da sind viele tausend
Oxhoft Weine aus Frankreich und Spanien, Talg aus Skandinavien,
Eier aus Holland, Tabak aus Bulgarien, Fleisch, Schmalz und Speck
aus Amerika, Därme aus China, da sind alle Lebensmittel, die eine
Riesenstadt braucht: Mehl, Kaffee, Kakao, Zucker, Butter, Öl, und ganze
Dampferladungen von Heringen werden bis an die Decke der Schuppen
gestapelt.
Im Süden legen die flachen schweren Tankschiffe an, die Kesselwagen
rollen hin und her, und wenn man einen Blick auf die große und
imposante Kohlenverladeanlage wirft, dann glaubt man, in einem der
berühmten Industriebezirke zu weilen und nicht im einfachen Binnenhafen
einer großen Stadt, die sich in kurzer Zeit zum Stapelplatz für den
ganzen Handel des Landes heraufgearbeitet hat.
Nun ist die Mauer zum Gelände der verschollenen Verhüttungsgesellschaft
gefallen, und die riesigen Freilagerplätze mit ihren Bergen von Kohle,
Koks, Eisen, Sandsteinen, Zement, Holz und vielem anderen mehr sind
dorthin verlegt.
Es sieht alles so mächtig und imponierend aus, daß endlich die große
Eröffnungsfeier veranstaltet werden könnte. Aber es scheint noch nicht
genug zu sein.
Man will jetzt den Riesenkran aufstellen, der alles in einem
Binnenhafen Dagewesene überbieten soll. Dann erst dürfen die Gäste
kommen. Wie man einen besonders schönen Blumenstrauß für den Ehrengast
auf den Tisch stellt, so wird der Kran für die erste öffentliche
Besichtigung in den Hafen gepflanzt.
Was weiß ein Laie von einem Kran? Wer aber zur Hafengesellschaft
gehört, ist von der Wichtigkeit des Ereignisses erfüllt, als das
Ungetüm nach mühevoller Arbeit endlich dasteht und seine Leistungen
vollbringt.
»Das ist ein Bulle, was?« sagt Karle Töndern bewundernd.
Bodenmeister Ulrich meint: »In den Seehäfen, bei den großen Werften,
gibt es noch andere Dinger. Die können einen ganzen großen Ozeandampfer
heben.« Er weiß zwar nicht genau, ob das stimmt, aber es macht einen
guten Eindruck.
»Na,« sagt Schiffer Jensen, »meinen Kahn nimmt der jedenfalls mit
Leichtigkeit hoch.« So wenig Respekt hat er vor seinem Kahn.
Wer hätte gedacht, welche unheilvolle Bedeutung dieser Riesenkran,
neben dem die anderen zahlreichen Kranarme wie Kinder wirken, noch
erlangen sollte?
Es war eine unglückliche Idee von Frau Adelheid, dem schwarzen Koloß,
den ihr Bruder nicht genug preisen konnte, einen Besuch abzustatten.
Als einen Wahnsinn jedoch bezeichnete man es später, daß sie auf
diesen Weg ihre kleine Tochter mitnahm, die gerade laufen konnte und
mit ihren runden Augen recht eigenartig in die Welt guckte. Wer diesen
traurigen Ausdruck, der das hübsche Kindergesichtchen so traumhaft
verschleierte, gekannt hatte, meinte später, dem Kinde Frau Adelheids
sei eine Ahnung seines fürchterlichen Geschicks schon von Geburt an
mitgegeben.
Kann man es aber der tapferen kleinen Frau Joachim Beckers verdenken,
daß sie ihrer Tochter einen Eindruck von dem gigantischen Werk ihres
Vaters vermitteln wollte? Sie verstand zwar noch nichts davon, sie
plauderte in einem reizenden Kauderwelsch und war so ahnungslos, wie
man es mit zwei Jahren noch ist. Doch sie könnte zuweilen fragen, ach,
Kinder fragen so oft, sie fragen zum Beispiel nach ihrem Vater. Dann
könnte sie also antworten:
»Der ist dort, wo wir neulich waren, im Hafen, wo das viele Wasser ist
und der große, große schwarze Zeiger!« Das würde sie verstehen. Darum
nahm sie ihre kleine Tochter mit, als der vom Hafen fiebrig erfüllte
+Dr.+ Friemann ihr keine Ruhe mehr ließ.
Felix Friemann ist mit allen seinen Gedanken und Gefühlen im Hafen.
Er könnte in einem prächtigen schloßartigen Hause bei seinen Eltern
wohnen, er hätte sogar das Geld, auf einer Jacht im Mittelmeer zu
kreuzen, aber er schlägt seine Sommerwohnung im Hafen auf und läuft
immer noch einer kleinen standhaften Fürsorgeschwester nach. So ist der
Mensch mit allen seinen Widersprüchen!
Schließlich muß er wohl selbst am besten wissen, was ihm gefällt. Es
macht ihm nun einmal Spaß, im Sommer eine Stunde früher aufzustehen und
vor der Hafenwirtschaft zu promenieren, damit er als erster der frisch
gewaschenen und geputzten Schwester Emmi mit den Lackschuhen begegnet.
Zuweilen fällt doch ein Lächeln und ein freundliches Wort für ihn ab,
denn an manchen Tagen funkelt die Sonne gar zu blank über dem Hafen mit
seinem Wasser und der herrlichen Weite, so daß eine Fürsorgeschwester
ihren Frohsinn siegen läßt.
Dann kann sie ein Liedchen summen oder die Arme recken, daß alle ihre
zierlichen Formen sich unter dem hellen Kleide abzeichnen, und in den
Frühlingstag hineinjubeln:
»Ach, es gibt nichts Schöneres als Sonne im Hafen!«
Das ist ihr zweiter Hafenfrühling, und drei Jahre ist es her, seitdem
an einer langen Tafel unter den Linden der erste Spatenstich gefeiert
wurde. Daran hatte Schwester Emmi noch nicht teilgenommen, aber für das
Fest der Einweihung erträumt sie sich schon ein Kleid, einen Hut und
Schuhe, die den Staat aller vornehmen Damen in den Schatten stellen
sollen. Die Frau des Generaldirektors mit eingerechnet, denn Schwester
Emmi hat gelegentlich festgestellt, daß Frau Adelheid ungeschickte Füße
habe.
Zuweilen kann Schwester Emmi zwar noch ihrem treuen Anbeter, dem
+Dr.+ Friemann, schnippische Antworten geben und ihn streng
ersuchen, sie in Ruhe zu lassen. Sie ist sogar so grausam, sich über
seinen Sprachfehler lustig zu machen.
»Ist der Kapitän schon da, der Kapitän --« fragt sie ihn zum Beispiel
mit spöttischem Augenblitzen.
Er aber blickt sie nur mit seinen Friemannschen Lichtern traurig an,
und sein gesenkter runder Kopf auf dem langen dünnen Körper ist dann
wahrhaftig so trostlos wie eine Gaslaterne, die am hellichten Tage
brennt.
Aber einmal sagte Schwester Emmi: »Bitte sehr, wenn Sie etwas von mir
wollen -- ich bin noch unverheiratet!«
So, das war geradeheraus gesagt! Es fiel ihr nicht ein, sich aus purer
Gutmütigkeit noch einmal zu opfern. Dafür waren ihre Erfahrungen zu
teuer erkauft.
Warum sollte sie nicht Frau +Dr.+ Friemann werden, wenn sie seiner
Liebe würdig war? Ist sie vielleicht geringer oder weniger klug als
diese lächerliche Bohnenstange? Oh, sie hat so wenig Achtung vor ihm,
wie man es von der Frau, die einen Mann seines Geldes wegen heiratet,
nur erwarten kann. Sie ist fest davon überzeugt, daß sie aus diesem
Manne noch etwas machen könnte, wenn es einmal soweit wäre. Sie würde
schon seine Schätze würdig repräsentieren. In solch einem Anzuge und
mit diesen Krawatten dürfte er dann auf keinen Fall mehr herumlaufen!
Was ihren Toilettenaufwand aber betraf -- Nun, das fällt in das Gebiet
ihrer heimlichsten Träume, die sie keinem offenbart.
Ob der +Dr.+ Friemann nicht eine gewisse Absicht damit verband,
wenn er Frau Adelheid durchaus in den Hafen lotsen wollte und noch dazu
mit dem Kinde? Es wäre eine so zwanglose Gelegenheit, sie mit Schwester
Emmi bekanntzumachen, um einen Bundesgenossen in der Familie zu haben,
denn wenn er sich Schwester Emmi neben seinen Eltern vorstellt, so wird
ihm doch himmelangst. Felix Friemann hat durchaus alles berechnet, er
denkt sogar daran, daß Schwester Emmi bei Kindern sehr beliebt ist; sie
würde sich also im Verkehr mit Frau Adelheids kleinem Mädchen besonders
vorteilhaft ausnehmen.
So kommt Frau Adelheid in den Hafen und zum großen unerbittlichen Kran.
Der Kapitän empfängt sie am Wagenschlag und hilft ihr beim Aussteigen.
Dann hebt er ihre kleine Tochter heraus. Er faßt sie behutsam um den
schmalen Körper und spürt ihren frischen Atem, den unvergleichlich
liebreizenden Duft gepflegter Kinderhaut.
Was mochte in diesem steifbeinigen Kapitän wohl vorgehen, als das zarte
Gesicht dabei seinen Kopf leise streifte? Ob er nicht auch zuweilen an
weiche Kinderhände gedacht hatte, als er im letzten Winter so einsam
und frierend hier hockte und so viel Hoffnungen auf den neuen Frühling
und das Ende einer langen Reise setzte?
Frau Adelheids Tochter in dem weißen duftigen Kleidchen begrüßt den
Onkel Kapitän mit einem Knicks, der ihre Beine bis zum kurzen Saum des
Spitzenröckchens verschwinden läßt. Sie kann fast von der Erde nicht
wieder hochkommen. Dabei sind ihre runden dunklen Augen so ängstlich in
die Höhe gerichtet, daß der Kapitän mit seinen spröden Händen zärtlich
über ihre seidenweichen Locken fährt. Dieser einsame und gesottene
Junggeselle.
Da kommt Felix Friemann gestikulierend an. Das ist eine vertraute
Gestalt für die Kleine. Sie tappt ihm entgegen, und er hockt nieder, um
sie mit seinen langen Armen aufzufangen.
So, nun hat er sie in seinem Reich. Er bittet sich die Erlaubnis aus,
die Nichte führen zu dürfen und trippelt mit ihr davon. Er muß sich
ein wenig bücken, damit sein Arm bis zu dem winzigen Geschöpfchen
herabreicht, und stolpert bei den zierlichen Schritten fast über seine
dünnen Beine.
Die Schiffer auf den Kähnen und die Hafenarbeiter stoßen einander an
und ziehen die Gesichter krampfartig zusammen. Felix Friemann nickt
ihnen zu und lacht. Da lachen sie auch. Und die kleine Tochter des
Generaldirektors jauchzt und findet kein Ende mit ihren Fragen.
Frau Adelheid und der Kapitän folgen langsam nach. Zuweilen bleiben sie
stehen, um einiges zu besichtigen.
Felix Friemann geht nun schon weit voraus. Er kann es nicht erwarten,
der Kleinen Schwester Emmi und den großen Kran zu zeigen.
»Ach,« sagt Frau Adelheid zum Kapitän, als er ihre Tochter lobt, »ich
wüßte wirklich nicht, was ich anfangen sollte, wenn ich sie nicht
hätte.«
Sie bleiben stehen und plaudern noch über etwas, das Frau Adelheid
sehr bewegt. Sie hat sich im geselligen Verkehr, der sie oft mit dem
Kapitän zusammenführte, so vertrauensvoll an ihn angeschlossen, daß sie
ihm manches Geheimnis ihres tapferen Herzens preisgibt.
»In letzter Zeit«, sagt sie mit zärtlichem Lächeln, »zeigt er viel mehr
Interesse für sie. Er wird es wohl nie verschmerzen, daß er keinen Sohn
hat und daß sie so gar nicht nach ihm geartet ist, aber denken Sie: er
setzt sich mit ihr auf den Teppich und läßt sich an den Haaren zupfen
und die Puppen zeigen. Neulich hat er eine Eisenbahn und ein kleines
Schiff gekauft. Das hat er ihr dann alles erklärt, ach wissen Sie, so
ungeschickt für Kinder, sie hat gar nichts verstanden und machte bald
alles entzwei. Aber es war so schön, wie er da mit ihr saß und sprach
und sprach, daß ich -- ach, jetzt werden Sie mich sentimental finden.
Ich mußte rasch hinausgehen und weinen.«
Der Kapitän schweigt.
»Manchmal«, erzählt sie weiter, »ist er zu lebhaft für sie. Er macht
zu heftige Bewegungen oder er wird ungeduldig, weil sie ihn nicht
versteht, dann weint sie und will von ihm fort. Das trifft ihn immer so
hart, daß er schweigend in sein Zimmer geht und niemand sprechen mag.
Zuweilen kann er das tagelang nicht vergessen, und ich zerbreche mir
den Kopf, wie die Kleine ihn wieder versöhnen könnte.«
»Aber es ist doch noch ein unvernünftiges Kind,« meint der Kapitän
tröstend, »man darf ihm doch keinen Vorwurf machen.«
»Nein, das darf man nicht.«
»Ich glaube,« sagt der Kapitän langsam, während sein Blick Frau
Adelheids blasses Gesicht mitleidsvoll streift, »ich glaube, ihm fehlt
die Güte.«
»Nein!« protestiert Frau Adelheid lebhaft, »nein -- die Güte fehlt ihm
nicht!«
Der Kapitän sieht bestürzt zu Boden. Hat er nicht zum erstenmal seinen
Platz in der Mitte verlassen?
»Verzeihen Sie mir,« sagt er leise, »Sie müssen es wohl besser wissen
--«
Indessen erklärt Felix Friemann dem Kinde den großen Zeiger, der in
weitem Bogen seine Lasten herumführt und neben ihnen absetzt.
»Sieh, da oben ist der Mann, der ihn lenkt. Er drückt auf einen Hebel,
und da wandert das schwarze Ungeheuer wieder leer zum Schiff zurück.«
Aber seine Nichte hat kein Interesse dafür. Vielleicht fürchtet sie
sich auch vor dem Kran. Jedenfalls zieht sie das Gesicht weinerlich
herab. Nicht einmal Schwester Emmis Überredungskunst gelingt es,
ihr einen Begriff von der Großartigkeit der Hafeneinrichtungen
beizubringen. Sie muß sich etwas anderes ausdenken, bis Frau Adelheid
mit dem Kapitän nachkommen und ihre Tochter in Empfang nehmen wird.
»Ach --,« sagt sie sehr wichtig, »ich habe ja etwas ganz Reizendes für
dich. Das will ich dir sofort bringen --«
Die Kleine blickt ihr voll stummer Erwartung nach. Schwester Emmi kann
einen gar zu verheißungsvollen Ton anschlagen.
»Wohin, Schwester eins?« fragt +Dr.+ Friemann, während er
hinter ihr herrennt. Er hat sich so daran gewöhnt, Schwester Emmi
nachzulaufen, daß er nun sogar das Kind im Stich läßt, um zu erfahren,
wohin sie geht.
Das kleine Geschöpf trippelt, sich selbst überlassen, wie ein verirrter
Vogel umher und merkt nicht, was über ihm geschieht. Es sieht drüben
an der Kaimauer etwas Helles aufblitzen und eilt hin, es sich zu
holen. Die Sonne hat sich in ein paar Wasserpfützen gespiegelt, aber
nun sind ihre Strahlen verdeckt, denn der große Arm des Drehkrans ist
stehengeblieben und läßt langsam seine mächtige breite Ladung sinken.
Vielleicht glaubt die Kleine, daß eine große Wolke über den Himmel
ziehe. Sie setzt sich auf den sonnengewärmten Steinen des breiten Kais
nieder und hält nach geeigneten Spielen Umschau. Doch es wird immer
dunkler über ihr, und plötzlich, als ahne sie die Gefahr, beginnt sie
leise zu weinen.
Ein Arbeiter schreit mit rauher Stimme auf. Er stolpert über einen
Kameraden und reckt beide Arme, um das Kind zu packen, die breite
schwere Ladung anzuhalten oder was er sonst in seinem Wahnsinn zu
tun gedenkt. Da hören auch die anderen einen kläglichen verlorenen
Kinderschrei, und die Last hat sich herabgesenkt.
Heisere Kehlen rufen zu dem Manne im Portal hinauf, die Ketten beginnen
wieder zu arbeiten; Felix Friemann packt die Männer bei den Schultern,
schafft sich zu der verhängnisvollen Stelle Zutritt und erlebt als
erster den grauenvollen Anblick, als der ungeheure, von schwarzen
Ketten umschlungene Kasten langsam wieder hochgewunden wird.
Schwester Emmi stürzt mit bleichem Gesicht herbei, sie ahnt, daß Felix
Friemann eben in rasendem Lauf sie streifte, sehen konnte sie ihn
nicht. Sie hält sich am Arm eines Arbeiters fest und legt die Hand vor
die Augen.
Frau Adelheid hört die Rufe, sie sieht ihren Bruder wie einen
Besinnungslosen stumm vorbeieilen -- der Kapitän und sie laufen in
dumpfer Ahnung zu der Menschenansammlung. Niemand hätte diese Eile und
Kraft vermutet, die Frau Adelheid vorwärts stößt -- durch die Mauer der
Arbeiter zum fürchterlichen Platz unter der schwebenden Last des Krans.
Sie fällt steif gegen die hilflos blickenden Männer zurück. Man fängt
sie auf, und nun kann man einer Ohnmächtigen helfen, ihr Kind wagt
keine Hand mehr zu berühren.
Schwester Emmi wird gerufen. Sie lehnte mutlos gegen die Mauer der
Lagerhalle. Nun gibt sie Anordnung, Frau Adelheid zur Kantine zu
tragen, denn hier sind keine Belebungsmittel, und es ist gut, wenn Frau
Adelheid beim Erwachen den Kran nicht mehr sieht. Der Kapitän stimmt
ihr mit wortlosem Nicken zu. Die Fürsorgeschwester kann wieder einmal
zuerst klar denken und helfend eingreifen.
Felix Friemann fällt ihr auch wieder ein. Sie blickt sich um. Da sieht
sie ihn weit drüben an der anderen Seite des Hafenbeckens in das
Verwaltungsgebäude laufen.
Hat er so viel Besinnung behalten, daß er nach einem Arzt telephoniert?
Immer wieder blickt sie auf das Haus, während sie den Männern folgt,
die Adelheid tragen.
Plötzlich reißt sie die Arme hoch, schreit:
»Da -- da --«
Der Kapitän, die Männer schrecken auf, sie folgen Schwester Emmis Blick
bis oben zum Turm des Verwaltungsgebäudes. Dort, im zehnten Stockwerk,
auf der Balustrade steht eine hohe schmale Gestalt, jetzt hängt sie in
der Luft --, und sie schließen alle die Augen, um nichts mehr zu sehen.
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