Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es
auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren
zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer
Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen
oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße,
Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich
in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben
Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das
Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das
Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle
macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen
Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand
eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich
stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um
die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier
kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit
den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es
einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder
Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand
um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz
bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt
und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf
kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen
kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage.
Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt
Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers
kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und
geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton
schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand
des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_
diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das
Ansehen einer Radierung außerordentlich.
[Illustration: »Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche
entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben.
Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr
vornehm.
Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck
unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung
»Originalradierung von N. N.« enthält.
Schlußwort.
Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude
nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen,
in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer
Kunstbetätigung.
Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der
Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem
Lernenden so bald als möglich zu gute komme.
Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre
von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen
anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern
aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als
wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem
Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente,
wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in
technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit
künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will.
Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte
Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen
Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese
entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die
Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das
Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht,
oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten
der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer
solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver,
gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und
Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den
Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung
ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.
Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt,
da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten
Platte ist.
Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig
sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder
leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen
Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten
Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei,
daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als
die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen
muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner
harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt
neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten,
die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit
der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde
beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige
Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen
mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur
Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen,
sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde.
* * * * *
Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die
Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln
betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im
Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung
unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser
muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes
Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine
_gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt
gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen
aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute
mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen
Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird
dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem
Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf
Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets
ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet).
[Illustration: Der heilige Franziskus
Original-Radierung von Alois Seibold]
Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine
glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser
bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung
auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in
Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja
nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll
doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen,
ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.
Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit
einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir
das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen
Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber,
die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit
begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und
Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist
nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn
nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, --
vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind
Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden
soll!
Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar
zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt,
selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr
zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein
vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche
Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern
mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen
wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen
Achsenlager nicht vergessen werden.
Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die
Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien.
* * * * *
Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche
Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei,
allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren
ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand
des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum
Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen,
nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß
dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren
berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.
Alphabetisches Verzeichnis.
Abblättern des Ätzgrundes 12, 71
Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82
Abfärben der Rauchschicht 18
Abgestuftes Ätzen 38, 82
Abschleifen der Platte 74
Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15
Aquatinta 81, 95
Arbeitsprogramme 41
Asphalt 9
Asphaltlack 32, 33, 63
Ätzdamm 31
Ätzgruben-»Nester« 27
Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8
Ätzprozeß 2, 28
Ätzschalen 32, 35
Ätzwachs 34
Ätzwasser für Kupfer 28, 37
Ätzwasser für Zink 96
Aufätzen 61
Aufpausen der Zeichnung 21
Aufbewahren von Ätzgrund 11
Aufbewahren von Ätzwachs 35
Aufbewahren von Druckfarbe 49
Aufbewahren von Pinselfirnis 39
Aufbewahren der Platten 8, 19
Aufbewahren des Polierstahls 67
Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62
Aufbringen der Konturen 21
Auflagetuch (Abb. 14) 59
Aufmachen des fertigen Bildes 93
Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97
Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81
Beißzange 12
Beizemittel 78
Bequeme Plattengröße 6
Bienenwachs 9, 35
Bildgröße 89, 92
Bimsstein 75
Blasenbildung 36, 71
Blattrand und Blattgröße 92
Blaustein 75
Böttchers Ätzwasser 37
Brennöl 35
Chlorsaures Kali 29, 37
Deckfirnis 38, 70, 82
Druck 45
Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51
Drucken (maschinelles) 57
Druckfarbe 48
Druckpapier 46
Duplikatplatten 61
Einleiten der Ätzung 35
Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50
Engelrot 76
Entfetten 11
Facette, Facettieren 8
Farbkissen 4
Feilklobe 12
Fetthauch auf der Platte 11
Fettrötel 21
Filtrierpapier 37, 46, 47, 72
Filzfeile 76
Fisch- oder Marderpinsel 39
»Flammen« 78
Flanelltuch 8, 19, 58
Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73
Flüssiger Ätzgrund 63
Führung der Nadel 25, 65
Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56
Führung des Druckballens (Abb. 9) 51
Gänsefeder 36
Gasentwicklung (schädliche) 36
Glasmensur 29
Glastafelmethode (Abb. 6) 33
Globuspasta 67, 76
Graphische Künste 5
Graphit 18, 56
Grate 96
Gravieren 25
Griffel zum Pausen 22
Grundieren 11, 68
Grundierwalze (Abb. 2) 14
Handabzug 45
Handbänkchen (Abb. 7) 43
Handwalzenpresse 98
Herrichten und Prüfen der Nadeln 24
Hochdruck 4, 61
Japanpapier 47, 93
Kalte Nadel 95
Kampmann: »Die graphischen Künste« 5
Karborundstein 75
Klecksige Abzüge 72
Kochsalz 96
Kolophonium 9
Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10
Kupferdruckfarbe 48
Kupferdruckfirnis 49
Kupferdruckpapier 46
Kupferplatte 6
Leinöl 49
Manierismus 85
Marder- oder Fischpinsel 39
Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57
Maschinelle Tonungsmittel 79
Mastix 9, 70
Mißerfolge 68
Modellierholz 33
Nadelführung 25, 64
Nadel (Herrichten und Prüfen) 24
»Nester« = Ätzgruben 27
Offenhalten der Strichlagen 26
Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54
Pausen 21
Photographie 20, 87
Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
Pinselfirnis 38, 70, 82
Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12
Plattieranstalt 7, 76
Polieren 8, 66
Polierpasta 78
Polierstahl 66
Probedrucke 65, 67
Radiernadel (Abb. 5) 24
Reinigen der Platte 43
Retouche-Arbeiten 62
Rezept für Ätzgrund 8
Rezept für Ätzwachs 34
Rezept für Ätzwasser 28
Rezept für Deckfirnis 38
Rezept für Druckfarbe 48
Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12
Salpetersäure 28
Salzsäure 37, 96
Säureflaschen 28
Schabeisen 74
Schadenätzungen 33, 63
Schlemmkreide 11
Schlichtfeile 74
Schmierseife 49
Schmirgelpapier 81
Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
Schräge -- Facette 8
Schreibfeder 85
Schwefelmilch 78
Sodalösung 31
Spachtel (Abb. 10) 52
»Springende Nadel« 77, 78
Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82
Steinsalzmethode 81
Strichlagen 26
Strich und Ton 77
Teilätzungen 38, 40, 82
Terpentin 38, 44
Terpentinessenz 38
Tiefdruck 3
Tonen beim Drucken 61
Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81
Überhitzen der Platte 13
Unschlitt 35
Unterfressen der Stege 27, 71
Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27
Verstählen 62
Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10
Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16
Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31
Wachsfackel 16
Wahl des Motivs 20
Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14
Walzendruck 58
Walzenpresse 59, 99
Wasserdichter Ätzdamm 31
Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34
Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und
Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27
Weißer Ton 11
Wischer 59
Zahl der erreichbaren Abzüge 61
Zahl der Teilätzungen 40
Zeitungspapier 44
Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18
Raum für Bemerkungen.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt.