Die Arbeit erscheint vollständig als Heft VII der Στοιχεῖα,
herausgegeben von Franz Boll.
(Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin.)
Die mystischen Spekulationen über das Alphabet und die Verwendung der
Buchstaben zum Zaubern, wovon im folgenden die Rede sein soll, spielen
eine große Rolle in der Kabbala und in muhammedanischen Kreisen. Es
handelt sich also um Vorstellungen, die noch heute fortleben. Denn
die Kabbala ist noch durchaus lebendig in der Sekte der Chasidim,
der Anhänger des polnischen Messias Baal Schem († 1795)[1] und sonst
im Volk wie in Theosophenkreisen. Ebenso haben die betreffenden
muhammedanischen Sekten noch immer ihre Gemeinde, und der gelehrte
Zauber, der die geheimen Kräfte der Buchstaben nutzt, ist die
Hauptstütze für den Islam bei den wilden Völkern.[2] Die Wurzeln dieser
Superstition liegen im Altertum, wie für so vieles im späteren Judentum
und im Islam. Der reiche Stoff, der dies zeigt, soll hier gesammelt
werden. Es läßt sich auch erkennen, aus welchen ganz bestimmten antiken
Voraussetzungen diese Art der Mystik erwachsen ist, die sich dann als
dauernder Bestandteil der mystischen Formensprache so lange gehalten
hat.
[1] Jewish Encyclopedia s. v. Hasidim. Martin Buber, Vom Geist des
Judentums, Leipzig 1916 S. 108 ff. Eliasberg, Süddeutsche Monatshefte
13 (1916) S. 703 ff.
[2] Becker in der Zeitschrift „Der Islam“ II (1911) S. 31 ff. Besonders
Maghrib gilt bis in die neuesten Zeiten als Hochschule kabbalistischer
Kunst, s. Goldziher, Zeitschr. d. d. morgenl. Ges. 41 (1887) S. 49.