»Nachdem ich auf allerhöchsten Königl. Befehl die Reiße nach Africa

übernommen und zu gewißenhafter Verwaltung meines Ampts bereits den Eyd

der Treue abgelegt, habe ich zu Ausfertigung meiner Instruktion nach

Vorschrifft theils derer von Ihro Königl. Majesté erhaltenen Befehle,

theils derer von dem Herrn Hoffrath und Leib Medico von Heucher

gegebene Nachrichten folgende puncte entworffen:

Ich soll zwar in allen Reichen der Natur das seltsamste und der

~attention~ eines Königs würdigste aufnehmen, vornehmlich aber ist Ihro

Kgl. Maj. allerhöchster Wille, lebendige Tiere von allen möglichst

zu erhaltenden Arten zu übersenden, von welchem Hauptpunkte als der

vornehmsten Absicht ich durchaus nicht abweichen soll. Darnach werde

ich mich bemühen, nachdem ich verstanden, daß dieses des Königs Wille

sey

1.) Einige wohlgewachßene junge gesunde, meiner Statur gleich seyende

oder auch übertreffende Mohren auf dem Sklaven Handel zu Guinea oder

sonst woher zu erkauffen, und werde ich mich, wegen der Anzahl dieser,

nach der Bequemlichkeit des Transports richten.

2.) Barbarische Pferde, von der wahrhaften Race, so wie solche in denen

Ställen derer Deys und Könige allein unterhalten werden, zu erhandeln,

wobey ich mich des Raths der Sache Kundiger bedienen und da bekandt,

daß gedachte Pferde gegen Gewehre vertauscht werden, den Handel mit

Zuziehung eines Consuls einer Europäischen Nation, welcher die Garantie

über sich nehmen soll, zu seiner Richtigkeit bringen werde.

3.) Ich werde etliche Elephanten erkauffen, die ich baldmöglichst in

denen Europa näher gelegenen Küsten aufnehme, umb diesen Thieren die

Ihnen beschwehrliche Schiff Fahrt kürtzer zu machen, und da ein weiter

Weg zu Lande biß hieher gleichfalls zu ~evitieren~, werde ich solche

auf Amsterdam gehen laßen, und soll ich zu dererselben und anderer

Thiere und Sachen, deren ich soviel als möglich eine Anzahl auf einmahl

senden will, Begleitung einen meiner Gefehrten mitsenden, welcher die

Verpflegung, Speiße, Gewohnheiten und Krankheiten derer Thiere und

deren Cur erlernet habe; bemeldetem ~Studioso~ kan ein oder mehrere

Thier Wärter zugeordnet werden.

4.) Ich will einige Strauße verschiedenes Geschlechts aufnehmen, und

diejenigen Nachrichten einziehen, welche zu der Vermehrung dieser

Thiere allhier etwas beytragen können.

5.) Ich werde mich bemühen, junge Löwen beiderley Geschlechtes, junge

Leoparden, Panther, seltene Arten von Affen und Pavians, Africanische

Esel und Maulthiere, Afrikanische Hirsche und Rehe, insofern solche

von denen bereits gegenwärtigen unterschieden sind, Rhinocerose, auch

Casuarios, ~Vauvaux~, ~oiseaux de Couronne~, auch andere Thiere wie sie

Nahmen haben mögen, daferne sie frembde und in denen Königlichen Thier

Häußern noch nicht vorräthig sind, zu bekommen, welche alle ich doppelt

nehmen und wohl besorgen will.

6.) Gedachter Thiere Squelette, Häute, sonderlich schöne Vögel so

wie sie Nahmen haben mögen, will ich auf möglichste Art und Weiße

zu acquirieren suchen, und diejenigen, welche unmöglich lebendig zu

überbringen sind, ausgestopft oder gemahlt, auch genugsam beschrieben

einsenden.

7.) Ich will die Historie derer Fische auf das genaueste untersuchen,

und nach dem mir dießfalls gemachten Entwurf dieselben getrocknet oder

in ~Spiritu Vini~ conserviret, samlen, auch mich bemühen, von denen

großen Meer Fischen zum wenigsten einige Theile zu erhalten.

8.) Hiernächst will ich nach dem schon bemeldeten Haupt Entzwecke große

Thiere zu erhalten, die ~Conchylien~, auch fliegende oder kriechende

~Insecta~, insonderheit Schlangen und dererselben verschiedene Arten,

genau observiren, und was von denenselben ganz oder in Theilen oder

genau gezeichnet überkommen werden kan, sammlen und wohl verwahren und

überhaupt nichts verabsäumen, was zu der Vollkommenheit der Natürlichen

Historie von denen Thieren einigen Beytrag thun kan.

9.) Insonderheit befehlen Ihro Königliche Majestät, aller Nationen,

welche ich zu sehen Gelegenheit haben werde, Kleidungen, Getränke,

Speiße und darzu und zu andern Verrichtungen bei Ihnen übliches

Geräthe, auch Kriegs-Instrumente, Bogen, Pfeile und Gewehr, wie es

Nahmen haben mag, wie nicht weniger die aus Häuten verschiedener Thiere

bei Ihnen gemachte impenetrablen Schilder, die daselbst gewöhnlichen

Vergifftungen derer Pfeile und dergleichen, auch Pagoden, und was sonst

zum Heydnischen Gottesdienst gehört, wie auch Musikalische und zu

denen Spielen gebräuchliche Instrumente, nebst Betten und Haußgeräthe

und andere die Sitten und Gewohnheiten derer Völker angehende Dinge

aufzunehmen und einzubringen.

10.) Aus dem Reiche der ~Vegetabilia~ werde ich die frembden

Africanischen Kräuter in möglichster Vollkommenheit auflegen,

dererselben Saamen frisch sammeln und zu künfftigem Wachßthum frembder

Kräuter in Ihro Majestät Garten Anstalt machen, auch von denen eßbaren

Früchten, die bey uns nicht bekandt sind, die Arten zu bekommen

trachten, die fruchttragenden und andere seltene Africanische Bäume, so

viel es sich tun läßt aufnehmen, sonderlich die Cultur des Zucker Rohrs

und deßen Zubereitung erlernen, überhaupt alles thun, was zu Vermehrung

der Kräuter Wißenschaft dienen kan.

11.) Die Meergewächse will ich genau untersuchen und große

Cabinet-Stücke von allen Arten derer Corallen, Schwamm und Horn

Gewächße, wie auch ~Botanophyta~ und was vermöge der in Händen habenden

Notiz von diesen Sachen zu Vermehrung derer Samlungen in denen

Königlichen Cabinets gereichen kann, aufnehmen und übersenden.

12.) In dem Reiche derer Mineralien will ich die vorfallenden

Gelegenheiten allerhand Stuffen und Berg Arten, Quartze, Drußen,

Steine, Marmor, Achat, Jaspis und was in diese Sammlung gehört, zu

erhalten, wohl inacht nehmen, insoferne hierinne etwas gefunden werden

kan, das in dem Berg-Cabinet Ihro Königl. Majestät noch nicht vorräthig

ist.

13.) Hiernächst werde ich besorgt seyn, die vorkomenden Antiquitäten,

Monumenta, Inscriptiones, Manuscripta, Mahlereyen, auch Contrefaits

derer Königlichen und anderer der ~attention~ würdigen Persohnen zu

acquiriren, wie nicht weniger die alten Punischen, Vandalischen und

andern ~Nummos~ (Münzen), nach einer besonderen von Herrn Hoffrath

Fritschen gegebenen Instruction aufzunehmen.

14.) Sollte ich auf meiner Reiße durch Europa biß Marseille in einigen

Cabinets derer Curiosen etwas seltenes observiren, werde ich, umb die

Zeit nicht zu verliehren, von demselben an des Herrn Geheim Raths von

Brühl Excellentz genaue Nachricht geben, oder auch nach Beschaffenheit

der Sache dasselbe würcklich ankauffen.

15.) Und da ein mehreres Gelegenheit, Zeit und Art angeben dürffte,

werde ich auf alle Umbstände genau acht haben, und was auch gegenwärtig

nicht übersehen werden kan, dennoch sobald sich der Fall ereignet, ohne

Vorschrift nach Pflicht und Gewißen untersuchen und aufbringen.

16.) Zu dieser Reiße haben Ihro Königl. Majestät mir dreyer Jahre Zeit

allergnädigst ohngefähr vorgeschrieben.

17.) Auch habe ich Erlaubniß erhalten, nach vorfallenden Umbständen

in einigen Orten nach Erforderung der Nothwendigkeit zu bleiben oder

auch von dem ordentlichen Wege hier oder dahin abzuweichen, wenn Ihro

Königl. Majestät Nutzen dadurch befördert werden kann.

18.) Und da ich in Erfahrung bringen könnte, daß in denen entlegenen

Provinzen mit einigen Waaren vortheilhaftig gegen andere Seltenheiten

könte umbgesetzt werden, haben Ihro Königl. Majestät erlaubt, einigen

Vorrath statt baaren Geldes in Marseille oder sonst zu nehmen.

19.) Es haben Ihro Königl. Majestät die Gnade gehabt zu versichern,

daß dieselben die ohngefehren Unglücks Fälle bey möglichst gebrauchter

Vorsicht mir oder meiner Gesellschaft nicht zurechnen wollen.

Es haben Ihro Königl. Majestät aus dero Procuratur Amte mir jährlich

200 Rthlr. pension allergnädigst ausgemacht.

Es haben Ihro Königl. Majestät zu meiner Verpflegung mir täglich 2

Rthlr., jedwedem derer Gefehrten 16 Gr. allergnädigst angewiesen, über

welche tägliche 16 Gr. ich einen jedweden zu fernerer Nothwendigkeit

jährlich 200 Rthlr. reichen soll.

Ich soll die auf ~Voiture~, Quartiergeld und würckliche Ankäuffe

gewendete Gelder berechnen und ordentlich, soviel es die Gelegenheit

erlaubet, die Belege und Rechnungen hiervon einschicken.«

Auf Grund dieses Reiseplans ist nun, vielleicht vom Hofrat von

Heucher, von dem der Gedanke der Afrikareise zu stammen scheint,

eine Instruktion[6] ausgearbeitet worden, die sich in ihren

wissenschaftlichen Bestimmungen ziemlich eng an Hebenstreits Reiseplan

anschließt. Als neu dem Reiseplan gegenüber tritt auf, daß Hebenstreit

seine Untersuchungen in der Barbarei beginnen soll: »Von dar soll er

nach Guinea, und nach vollbrachter Expedition daselbst nach Capo di

Bonna Espenanza abgehen und von dar nach denen andern Ländern, wie er

vor gut befinden wird.« –

Dreizehn Monate (vom 16. Februar 1732 bis 14. März 1733) dauerten die

Landreisen durch Algerien, Tunesien und Tripolis, über deren Ergebnisse

Hebenstreit sagt: »Wir kamen glücklich nach Tunis zurück nachdem wir

Alles gethan, was ein Frembder in einem feindseeligen Lande verrichten

kann, gestalten wir biß an das Ende des bewohnten Africa 60 Teutsche

Meilen gegen Süd gereiset und einen Vorrath von seltenen Kräutern,

Versteinerungen, alten Römischen Aufschrifften und Nachrichten von den

Sitten und Gewohnheiten dieser Völker erlanget hatten.«

Am 17. April 1733 reiste Ludwig, dessen Gesundheitszustand eine

Weiterreise verbot, mit einem Transport lebender Tiere zu Schiff von

Tunis über Gibraltar nach Hamburg (Ankunft am 15. Juli). Dort wurde

er belästigt »durch die Neugier der Leuthe, die vorwitzig waren, die

mitgebrachten Sachen zu sehen.« Er dang einen magdeburgischen Schiffer

zum Transport der Tiere nach Dresden; die Fahrt elbaufwärts dauerte

vom 6. August bis 12. September. »Er übergab am 13. September die

Thiere im Beyseyn Ihro Excellenz des H. Oberlandjägermeisters H. von

Erdmannsdorff und den 14. geschahe ein gleiches mit den Curiosis welche

in die Gallerien unter der Aufsicht des H. Hofraths und Leib-Medici

Baron von Heuchers kamen.« Außer den lebendigen Tieren sind also

»allerhand Curiositäten, an ausgestopften raren Vögeln, Insecten,

Fischen, Kräutern, Zeichnungen, Abriß und dergleichen mehr« nach

Dresden gebracht worden.

Am gleichen Tage wie Ludwig verließ auch Hebenstreit mit seinen

Begleitern den afrikanischen Boden. Er ging zunächst nach Marseille,

um von dort aus mit einem Schiffe der »Compagnie des Indes« die

Weiterreise nach Westafrika anzutreten. Inzwischen war (am 1. Februar,

nicht am 1. Dezember) August der Starke gestorben. Der Kunde davon

folgte bald der Befehl zur Rückreise zugleich mit der Ernennung

Hebenstreits zum Professor an der Universität Leipzig. In Briefen aus

Marseille (vom 15. Mai) an den Kurfürsten und an den Grafen Brühl bat

Hebenstreit unter Hinweis auf den unsterblichen Nachruhm, den die

Ausführung der Reise in dem geplanten Umfang, also bis Guinea und Kap

der Guten Hoffnung, »Ihro Höchstseeliger Majestät« bringen werde, und

unter Betonung der Bedeutung der Reise für die Wissenschaft, seinem

ursprünglichen Plane folgen zu dürfen, »zumahl ich von der noch übrigen

Summa derer 7000 fl. Holl. das Werck auszuführen gedächte,« aber die

Bitte fand kein geneigtes Ohr. Enttäuscht trat der kühne Forscher,

dessen Berichte von nun an verstummen, mit seinen Gefährten die

Rückreise nach Dresden an, wo sie am 20. September eintrafen.

Die Gesamtkosten der Reise beliefen sich auf 14958 Rthlr. 17 Gr. 1

Pf. Die Bitte Hebenstreits, den Überschuß der Reise (1304 Thaler)

verwenden zu dürfen »zur Anfertigung einer Reisebeschreibung mit

Kupfer-Stichen nach dem Sinn und Meinung Höchstseeligster Majestät und

zum Andencken einer der großen Thaten Augusti, gestalten diese Reise

von aller Welt dazu gezählet wird,« wurde nicht gewährt. Ist es unter

diesen Umständen zu verwundern, daß die Afrikaforscher und ihr Werk

vergessen wurden? Leider vernichtete ein unglückseliges Schicksal auch

die Sammlungen, die den Ruhm der sächsischen Afrikareisenden späteren

Geschlechtern hätten künden können; sie befanden sich in dem Teile des

Zwingers, der bei den Dresdner Maiunruhen 1849 durch eine Feuersbrunst

zerstört wurde. Unersetzlich ist vor allem der Verlust der zahlreichen

Zeichnungen des Malers der Expedition, Christian Friedrich Schubarth.

Daß die mitgebrachten Samen afrikanischer Pflanzen zur Bereicherung

der botanischen Garten verwendet worden sind, läßt sich von Dresden

annehmen, für Leipzig nachweisen. Die Ansicht jedoch, daß die ältesten

Stämme der jetzt in Pillnitz und Großsedlitz befindlichen Orangerie

ein »Mitbringsel« von der afrikanischen Reise seien, ist unhaltbar.

Nicht nur, weil zeitgenössische Zeugnisse fehlen, sondern auch wegen

der Unmöglichkeit der physischen Voraussetzungen muß man es als Legende

bezeichnen, daß Hebenstreit »eine Anzahl (400) von Orangenbäumen, zu

Drechselholz bestimmt, mitgebracht habe, welche in Dresden umgekehrt

eingepflanzt, Wurzel geschlagen hätten.«

So müssen wir uns bescheiden, in den handschriftlichen Berichten der

beiden Reisenden die einzigen, und daher um so wertvolleren, uns

übermittelten Reiseergebnisse zu sehen. Die obenerwähnte Arbeit aus

dem Jahre 1902 hatte sich nur das Biographische über die Teilnehmer,

ferner Vorgeschichte, Verlauf und Nachgeschichte der Reise sowie das

Schicksal der Sammlungen, endlich die Stellung der Expedition und

der Reiseberichte in der Wissenschaft zum Ziele gesetzt. Von dem

reichen naturwissenschaftlichen, völkerkundlichen und geographischen

Inhalt der Hauptberichte ist noch nichts wissenschaftlich bearbeitet

worden außer den Inskriptionen. Die von Hebenstreit gesammelten sind

1881 im ~Corpus Inscript. Latin.~ erschienen. Das Tagebuch Ludwigs

enthält zweiundfünfzig römische Inschriften, von denen zwölf nur in

seinen Abschriften erhalten zu sein scheinen. Diese hat Professor

~Dr.~ Fiebiger, Dresden, in den Jahresheften des Österreich. Archäol.

Instituts veröffentlicht. (Wien, 1902.)

Trotz zahlreicher kürzerer Erwähnungen in der sächsischen Literatur,

die allerdings die Bedeutung der Hebenstreitschen Forschungsreise

nicht ahnen ließen, hat sich niemand veranlaßt gesehen, sie

näher zu erforschen. Kein Wunder also, wenn die Geschichten der

Entdeckungsreisen Hebenstreit gar nicht erwähnen oder nur mit wenig

Worten abfertigen. Für Ludwig dasselbe nachzuweisen, erübrigt sich, da

dessen Reisebericht bis vor zwei Jahrzehnten unbekannt geblieben ist.

Von der _Naturwissenschaft_ sind die beiden Forscher mehr gewürdigt

worden. Ihr großer Zeitgenosse Linné (1707/78) hat den Reisenden

Pflanzengattungen gewidmet, eine ~Hebenstreitia~ und eine ~Ludwigia~.

Auch tragen nach einer Mitteilung Georg Schweinfurths, des Nestors der

deutschen Afrikaforscher, verschiedene Pflanzenarten Ludwigs Namen,

so u. a. die in Nordafrika und Syrien weitverbreitete Wüstenpflanze

~Althaea Ludwigii~.

Daß Hebenstreit wie Ludwig Deutsche waren, daß sie gerade an unsrer

sächsischen »~alma mater~« gelernt und gelehrt haben, erfüllt uns

mit freudigem Stolz. In Sachsen und seiner Hauptstadt, die einen

wesentlichen Teil ihrer Schönheit August dem Starken verdankt, feiert

man diesen Fürsten naturgemäß in erster Linie als genialen Bauherrn

und Veranstalter von prunkvollen Festen. Es ist mir eine Freude, daß

ich ihn im vorstehenden auch als Förderer der Naturwissenschaften

habe bezeichnen und das Interesse weiterer Kreise auf die von

ihm ausgesandte Afrika-Expedition habe lenken dürfen, die in der

kulturgeschichtlichen Entwicklung unsres engeren Vaterlandes einzig

dasteht.

Fußnoten:

[5] ~Dr.~ _Martin Große_: Die beiden Afrikaforscher _Johann

Ernst Hebenstreit_ und _Christian Gottlieb Ludwig_, ihr

Leben und ihre Reise. (Leipz. Diss. v. 1902.) _Anmerkung

des Herausgebers_: Der Verfasser hat eine beschränkte

Anzahl Exemplare für Heimatschutzzwecke zur Verfügung

gestellt; sie können von der Geschäftsstelle (Schießgasse

24) zu einem Grundpreise von 0,75 M. (multipliziert mit der

jeweiligen Teuerungsziffer) bezogen werden.

[6] Siehe »Die beiden Afrikaforscher Hebenstreit und

Ludwig« ..., S. 26–28.

Am Dresdner Altmarkt

Von _Cornelius Gurlitt_

Eines Tages besuchte mich Prof. William Lossow, der Mitbesitzer der

Architektenfirma Lossow und Viehweger, und zeigte mir den Entwurf

zu einem Geschäftshaus für die Firma Herzfeld, das am Altmarkt zu

errichten sei. Bedingung sei, daß die Fassade als Reklame für die

Firma wirke, und daß das alle Geschosse in Anspruch nehmende Warenhaus

möglichst _ein_ großes Schaufenster darstelle, also möglichst viel

Glasfläche biete. Lossow hatte den damals üblichen Barockstil gewählt,

d. h. den Stil, der sich im Überbieten des heimischen Barock gefiel.

Er erklärte, daß er versucht habe, die Firma Herzfeld zu einem

Herabstimmen ihrer Anforderungen an Aufwand und Auffälligkeit zu

bewegen, daß das aber vergeblich gewesen sei.

[Illustration: Früher]

[Illustration: Jetzt]

Es war wohl auf Lossows Einfluß zurückzuführen, daß mich die Baupolizei

einlud, an der entscheidenden Sitzung teilzunehmen. Wenigstens ist dies

der einzige Fall geblieben, in dem ich gehört wurde. Der Dezernent,

Stadtrat Kretschmar, stellte mir nach dem Wortlaut der Bauordnung

für die Stadt Dresden die Frage, ob der Bau »der Stadt zur Unzierde

gereiche«. Ich wies auf einzelne Punkte hin, nämlich zunächst auf die

Gestalt der Öffnungen und die praktischen Fehler, die die Kaufleute

machen, wenn sie zu große Glasflächen verlangen. Wer heute solche an

anderen Bauten betrachtet, wird sehen, daß sie in den Obergeschossen

bis zu zwei Meter vom Fußboden mit Teppichen oder dergleichen verhängt

sind, weil sie die Benutzung des Innenraumes beeinträchtigen,

ohne für den Beschauer von außen nur einigermaßen ersprießliche

Schaufläche zu bieten. Zweitens, daß an Schmuckwerk gespart werden

könne. Allerdings seien ähnlich überladene Schauseiten nicht lange

vorher am Rathausplatze genehmigt worden. Und drittens bat ich, daß

die Abschrägung der Ecke unterbliebe, da sie die Geschlossenheit der

Marktwand beeinträchtige. Sollte die Schauseite etwa am Ende einer

Straße als Abschluß stehen, so sei ihre Ablehnung nicht berechtigt.

Aber da sie durch Maßstab und Formgebung den älteren Bauten des

Altmarktes widerspreche, lautete mein Gutachten: Die Fassade gereicht

nicht der Stadt, wohl aber dem Altmarkt zur Unzierde!

Dabei sprach ich mein Bedauern darüber aus, daß nicht auf Grund des

Gesetzes gegen Verunstaltung von Stadt und Land ein Ortsregulativ

für den Altmarkt geschaffen worden sei. Man sagte mir, dies sei im

Augenblick nicht möglich und die Bewilligung oder Ablehnung der Fassade

dränge. Ich mußte zugeben, daß dies berechtigt sei. Denn es hat wenig

Aussicht auf Erfolg, wenn man in die Feuerversicherungsgesellschaft

geht mit dem Ruf: Schnell versichern, mein Haus brennt schon! Mein

Gutachten wurde als »unstatthaft« abgelehnt, die Fassade genehmigt.

Nun hat _J. A. Bohlig_, Architekt (~BDA.~), mit verständnisvoller

Unterstützung der Bauherrin, der Disconto-Gesellschaft, den Bau

umgestaltet, und zwar dabei so gründlich als möglich mit dem Beiwerk

aufgeräumt. Es ist nichts mehr »dran« an der Schauseite, aber sie ist

ruhig, einfach, der Umgebung angemessen geworden, hat somit an sich

und als Teil der Wand des Marktes in künstlerischer Beziehung ganz

außerordentlich gewonnen. Die Schäfte sind breiter, die Teilungen

der Fenster schlichter und würdiger geworden, das Ganze hat Ruhe und

Vornehmheit erlangt. Das zu erreichen war auch in technischer Hinsicht

keine Kleinigkeit. Aber Dresden kann sich beglückwünschen, nun dort ein

Haus zu haben, das dem Altmarkt nicht zur Unzierde gereicht, wie so

manche andere es noch tun.

Wann aber kommt das Ortsgesetz für den Altmarkt? Dabei handelt es

sich viel weniger um die Erhaltung der einzelnen Formen: Es ist nicht

mehr eben viel, was an ihm Altertumswert hat. Aber es handelt sich

um die Fortsetzung seiner Entwicklungsgeschichte: Im Mittelalter

umgaben ihn Häuser mit einem Obergeschoß und Giebeln; Renaissance,

Barock und Rokoko bauten auf diese mehrere Geschosse auf. Ich halte

es nicht für unkünstlerisch, wenn die Not an umbauten Raum drängt, in

diesem »Aufstocken« noch weiterzugehen, wenn dabei nur eine feste Hand

unkünstlerische Lösungen verhindern kann, wenn nur ein einheitlicher

Wille den verschiedenen zum Bau berufenen Architekten nicht etwa Formen

aufzwingt, sondern sie vor lästigen Eigenbrödeleien des Bauherrn

schützt.

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt –

Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden

Deutsche Landschaften in topographischen Aufnahmen

Herausgegeben und verlegt vom Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin NW

40, Kronprinzenufer 15

Wir hatten schon öfter Gelegenheit festzustellen, in welch

erfreulicher Weise es das Reichsamt für Landesaufnahme und seine

Unterabteilungen verstanden haben, sich der neuen Zeit anzupassen

und Kartenwerke herauszubringen, die den Bedürfnissen des Wanderers

ebenso entgegenkommen wie den Wünschen des Heimatforschers und

Erdkundelehrers. Ich erinnere nur an die vielen bereits erschienenen

Einheitsblätter (Zusammendrucke von je vier »Generalstabskarten«),

die Spezialkarte des Schrammsteingebiets 1 : 10000 und ähnliche

Erscheinungen. Das ist um so erfreulicher, als durch die

Volkshochschule, die Schule (vgl. z. B. die neuen sächsischen

Lehrpläne) und die Wander- und Jugendorganisationen die amtlichen

Karten zu einer Verbreitung gelangt sind wie nie zuvor. Schon vor

dem Kriege war eine Sammlung von vierzig Blättern der Karte 1 :

100000 erschienen, die der Berliner Verein für Erdkunde durch seinen

Assistenten ~Dr.~ Walter Behrmann mit hervorragenden Erklärungen

für Unterrichtszwecke hatte erscheinen lassen. Es dürfte heutzutage

keine Schule und keinen Verein, der Bildungsarbeit treibt, mehr

geben, der diese Sammlung nicht in seinem Besitz hätte. Ihr stellt

sich nun die neue Sammlung von dreißig Meßtischblättern würdig

zur Seite. Auch derjenige, der sich täglich mit Karten und ihrer

Ausdeutung beschäftigt, ist erstaunt, wenn er eine solche Sammlung von

topographischen Karten aus den verschiedensten deutschen Gegenden vor

sich hat, wieviel sich aus ihnen herauslesen läßt. Die Steilküsten

Rügens wie die Flachküsten der Nordsee, Marsch und Geest, Heide und

Moor, das Weichseldelta, der Oderbruch und das Wassergeäder des

Spreewalds, die Dünen Borkums und die Diluvialhügel Holsteins, die

abenteuerlichen Schlingen der Mosel und die Altwässer des Rheins, die

sanften Höhen von Harz, Thüringer Wald und Odenwald wie die Steilformen

von Jura und Sächsischer Schweiz ziehen an uns vorüber, deutlicher und

eindrucksvoller als im schönsten Bilderbuch. Daneben kommen die Werke

des Menschen nicht zu kurz: Die verschiedensten Siedlungsformen, vom

germanischen Haufendorf und Einzelhof bis zur modernen Industrie und

Bergwerkssiedlung, kommen ebenso zur Darstellung wie die Häfen von

Ruhrort, alte und neue Straßen, Talsperren und der Nordostseekanal.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XII, Heft 4-6 · 第 6 / 7 段