Und Werner: »Gemein von dir, meine Freundschaft zu mißbrauchen.«

»Du bist ja noch ein Kind,« warf der andere verächtlich hin.

Werner schwieg. Sie rührte sich nicht. Du mußt kämpfen, dachte sie, und sah

auf Sören.

»Einen Menschen braucht sie. Du, ein heruntergekommener Student, bietest

nichts und kannst's auch nicht.«

»Aber ich werde sie mir noch erringen . .« Es klang ganz eingeschüchtert.

»Ich dagegen brauche sie für meine Kunst. Zeige, was du leistest, und dann

wage es, sie von mir zurückzufordern.«

Werner schwieg. Ja, so wird es wohl sein, fühlte er.

Eine Furcht, die in ihr aufstieg, wich. Es war belustigend.

Ich suche mir doch meine Menschen selbst, dachte sie, aber sie schwieg.

Stockend entrang es sich den Lippen Werners: »Du hattest doch gesagt, du

wolltest bei mir bleiben.«

Da lachte sie laut auf, wie ein Peitschenhieb war ihr Lachen.

Aber es wurde gequält und verstummte und Mitleid ergriff sie.

Sie fühlte sich selbst getroffen, und dachte, ein zu dummer Kerl . . . Die

Unterhaltung wurde erregt. Sören schrie. Die Kellner standen um sie herum.

Die Gäste reckten die Hälse. Dann gingen sie. Auf der Straße setzten sie

ihre Reden fort.

Werner fühlte einen Zusammenbruch, ein Ende. Bitterkeit stieg in ihm auf.

Er riß sich los.

»Siehst du, da geht er hin,« sagte Sören und triumphierte.

Sie antwortete ihm nicht. Wenn er wirklich ginge, dachte sie, und voll

bitterer Reue lief sie ihm nach.

»Ich erwarte dich in . . .« hörte sie noch hinter sich herrufen.

Wenn er wirklich ginge . . .

Qualvolle Angst jagte sie durch die Straßen, durch die Schänken.

Sie fand ihn nicht. Stundenlang hockte sie vor seiner Tür.

Da kam er, schleppend, voll dumpfer Gefühle eines neuen Anfangs. Er ging

kopfschüttelnd an ihr vorbei. Sie zwängte sich ins Zimmer. Sie flehte und

beschwor ihn. Sie fiel vor ihm nieder, heulte auf.

Er ging im Zimmer schweigend auf und ab. Sie fühlte: der andere . . . Sie

hing sich an ihn. Er stieß sie zurück.

Da warf sie mit einem Fluch die Tür hinter sich zu. Sekundenlang stand sie

draußen wie gebannt. Dann jagte sie die Treppe hinunter. Er nach und holte

sie unten ein.

Lange sahen sie sich an und fanden sich nicht. Und immer wieder trafen sich

ihre Blicke, und jeder fing den brodelnden Zorn in geballten Fäusten ein.

Da lächelte er, und sie schmiegte sich an ihn.

»Du . . . glaub mir doch . . .«

Und später flüsterte sie:

»Weißt du denn nicht, daß ich immer bei dir bin . . .«

Das Trottelbuch · 第 35 / 46 题