Die Haare hatten sich gelöst, die Miene war straff und hart. Er krallte
sich tiefer ein.
Sie heulte auf wie ein verwundetes Tier und suchte sich seiner mit den
Füßen zu erwehren.
Da schlug er sie.
Er schlug mitten hinein ins Gesicht, ruckweise, überlegen, wie ein Schütze,
der ins Schwarze zielt.
Ihre Augen zuckten. Immer neue und fremde Gesichter sah er erstehen, und in
jedes schlug er sie.
Er fühlte, daß er manchen Vorgänger zu töten hätte.
Immer wieder, maschinenmäßig.
Es wurde für Sekunden totenstill. Dann gellten Schreie, kalt, wie hinter
dem eigentlich Menschlichen, sie bohren, fressen. Schreie. Sie stand mitten
im Zimmer, das Gesicht verzerrt, schrie. Der Schweiß rann ihm von der
Stirn, er stürzte ihr nach, sprach auf sie ein. Er riß an den
krampfzitternden Wangen und küßte sie. Die Schreie lösten sich in ein
monotones Heulen auf. Er ging wieder zitternd auf und ab.
Unter ihnen wurde geklopft, im Hause gingen Türen, Stimmen wurden laut.
»Sei doch wenigstens jetzt still« -- flüsterte er.
Seine Annäherung peitschte ihre Sinne, sie schrie wilder, stoßender.
Es klopfte an der Tür. Hausgenossen lugten scheu herein.
Er brummte etwas von einem Anfall, Hysterie.
Der im zweiten Stock wohnende Trambahnschaffner schrie ihn an: »Sehn Sie
denn nicht, daß die Frau krank ist!?«
Das Blut rann aus ihren Kratzwunden.
Einige Weiber sprachen ihr gut zu und gaben ihr Wasser. Eine streichelte
ihr Haar.
Anna beruhigte sich langsam.
Einer brummte etwas von »Skandal« und »gebildete Leute sein«, die Frauen
warfen auf Bittner giftige Blicke.
Dann gingen sie.
Er saß am Bettrand und murmelte vor sich hin: »So weit ist es also
gekommen. Alles hat sie sich vernichtet. So weit.« Dann wurde es wieder
eine ganze Weile still.
Sie stand in einer Ecke und weinte leise.
Er dachte: Das arme Ding. So dumm und unüberlegt. Soll ich wieder gut sein
oder ihr an die Gurgel fahren -- für das alles wieder --
Und während er noch so grübelte, ging er zur Tür hinaus. Langsam tastete er
die dunkle Treppe wieder hinunter, er hörte die Ketten hinter sich
nachschleifen.
Eigentlich bin ich dumm, fühlte er, ich hätte mich versöhnen sollen, wenn
auch -- und so. Und morgen wird uns der Wirt rauswerfen. Schließlich ist
sie doch auch schwanger. Zu dumm.
Langsam sperrte er das Tor wieder auf und ging schleppenden Schrittes in
die Nacht hinaus.
Ab und zu fuhr er zusammen. Ein Auto jagte vorüber. Wenn er jetzt darunter
läge. Es schrie jemand.
Er schleppte sich weiter. Durch endlose Straßen, Schritt für Schritt. Er
dachte nichts mehr. Zuweilen noch zuckte es in ihm nach und polterte dumpf.