Um einen Tisch des Café du Dôme saßen mehrere Herren. Eine Frau schritt
draußen am Fenster vorbei.
Sie hatten sie alle gekannt, und einige kannten sie noch.
Einer las vor:
Zwei junge Burschen stolpern aus einer Vorstadtkneipe in die Nacht.
Blutjunge Burschen und sehr betrunken.
Sie schlagen das Pflaster mit ihren Stöcken, sie johlen, krümmen sich vor
Lachen, und sie schleppen die schwergewordenen Füße hinter sich her, daß
sie von fern wie hinkende Greise erscheinen.
Eine Katze huscht über den Weg.
Die Betrunkenen bleiben stehen, die Lässigkeit ist aus ihren Gliedern
gewichen, ein Rausch ballt sich zusammen. Sie jagen dem Tier nach,
verstellen den Weg, sie schlagen mit ihren Stöcken -- -- als ob das Tier
schuld wäre an ihrer Jugend und ihrer Betrunkenheit, so schlagen sie.
Die Katze hält einen Baum an der Straße umkrallt und windet sich mit
letzter Kraft hinauf.
Die Burschen halten keuchend inne.
Das Tier ist fast aus dem Bereich ihrer Stöcke, da holt der eine nochmals
zum Schlag aus und trifft . . . . trifft das Rückgrat . . .
Das Tier wendet den Kopf und starrt durch die Nacht -- starrt -- und
gleitet dann -- ruckweise -- den Stamm herunter.
Die beiden haben sich dann ohne Gruß getrennt.
Einer warf ein:
»Aber in jener Nacht schliefen sie nicht. Die Krallen gruben sich in ihr
Hirn und lösten Krampf und Zuckungen aus.«
Als niemand etwas sagte, fügte er schüchtern hinzu:
»Wenigstens bei einem . . .«
Da lachten sie alle.
Plötzlich sagte wieder einer:
»Ihr erinnert euch, ich sah sie einmal mit einem Commis oder Offizier oder
sowas im Café. Ich ging damals an ihren Tisch und sagte: Du . . . du gehst
nicht mit dem . . . komm. Ihr wißt, daß sie damals zu mir kam. Wir gingen
in eine Kirche. Sie weinte. Es war sehr peinlich. Neulich war ich wieder in
dieser Kirche, ich sah sie wieder vor mir . . . ich könnte mich heute
ohrfeigen.«
Sie nickten alle zustimmend.
»Wenn ich damals an den vertrottelten Major geschrieben hätte . . .« sagte
einer.
Der andere las wieder vor:
»Kann ich dafür, daß in Montmartre die Lichter stechen, kann ich dafür
. . .?«
»Hör auf, du zerreißt mich, bitte . . . bitte . . du -- du --«
Weiter raste der Tanz.
»Bleib bei mir. Komm, mich friert hier.«
»Laß nur, Kleiner.«
»Du . . .« es war ein Schrei.
Ein Lächeln antwortet.
Aber er liest eine Bitte um Verzeihung heraus und nickt.
Das Weib rast und spiegelt sich in den Blicken aller.
Weiter. Rausch. Schreie. Violinen.