Während des Nachtisches wurde Jakob gerufen und ihm wegen der Hunde,
des Jagdwagens und der Reitpferde Befehle erteilt, alles in größter
Ausführlichkeit unter Nennung jedes einzelnen Pferdes. Wolodjas Pferd
lahmte, deswegen ließ Papa ihm ein Jagdpferd satteln.
Dieses Wort »Jagdpferd« klang Mamas Ohren etwas befremdlich; sie
stellte sich darunter einen feurigen Renner vor, der sicher durchgehen
und Wolodja ums Leben bringen würde. Trotz Papas und Wolodjas
Versicherungen, der mit jugendlichem Eifer beteuerte, daß das nichts
zu bedeuten hätte und daß er es gern sähe, wenn das Pferd durchginge,
wiederholte die arme Mama immerfort, sie würde während der ganzen Jagd
keine Ruhe haben.
Das Essen war zu Ende; die Großen gingen ins Arbeitszimmer, um Kaffee
zu trinken, während wir in den Garten liefen und mit den Füßen auf den
mit gelben Blättern bedeckten Wegen schurrten. Diese Beschäftigung
machte mir damals großes Vergnügen.
Wir unterhielten uns darüber, daß Wolodja ein Jagdpferd reiten würde;
daß Ljubotschka sich schämen müsse, weil sie nicht so schnell laufen
könnte wie Katja, und wie interessant es sein müsse, Grischas Ketten zu
sehen und sein Beten zu hören; -- darüber, daß wir uns trennen mußten,
fiel kein Wort.
Wir sprachen lange über die verschiedensten Dinge; unsere Unterhaltung
wurde erst durch das Rollen des Jagdwagens unterbrochen, auf welchem
hinten an jeder Feder ein Bauernjunge hockte. Hinter dem Wagen ritten
die Jäger mit den Hunden, und dann folgte der Kutscher Parthenius auf
Wolodjas Pferd, das meinige am Zügel führend. Sofort stürzten wir
sämtlich zum Zaun, von wo aus all diese Dinge zu sehen waren.
Als der ganze Zug hinter der Hausecke verschwunden war, liefen wir
mit schrecklichem Gepolter und Geschrei nach oben, um uns anzuziehen,
und zwar möglichst »weidgerecht«. Das Wichtigste dabei war, die Hosen
in die Stiefel zu stecken. Unverzüglich ging es ans Werk, um schnell
fertig zu werden, auf die Treppe laufen, die Hunde sehen, Pferde
riechen und mit den Jägern plaudern zu können.
Der Geruchssinn muß sich mit den Jahren bei mir völlig geändert haben.
Wie wäre es sonst zu erklären, daß, soviel Pferde ich jetzt auch
rieche, dieser Geruch nicht im geringsten die Bedeutung und den Reiz
mehr für mich hat wie in der Kindheit.