Wir haben schon oben angedeutet, daß an hundert stellen des buches uns

die person des verfaßers entgegentritt, daß wir darin ein deutliches

bild von der physiognomie der guten alten stadt erhalten. Mitten

unter der trockenen, lang gedehnten verzeichnung der handwerker und

ihrer pflichten, der arbeiter und ihrer löhne erscheint, gelegentlich

hingeworfen, ein satz, der leben in die todte masse bringt, der unser

interesse auch an der prosaischen umgebung, in der er auftritt,

erhöht, um so mehr, als dieß kein künstliches experiment ist. Der

wackere Endres Tucher hat wohl nie daran gedacht, daß sein werk jemals

die schwelle des rathhauses oder der Peunt überschreiten werde. Es

sind also keine schriftstellerischen manöver, denen wir da begegnen,

sondern es ist die gesunde natürlichkeit des mannes, der wir diese

reizenden einschiebsel zu verdanken haben. Er gibt darin sich und

seine zeit ganz wie sie waren. Es war ein sparsamer mann, unser

baumeister. Zu unnöthigen ausgaben entschließt er sich nie, dieß

zeigt sich bei jeder gelegenheit, aber auch bei den unvermeidlichsten

weiß er eine einrichtung zu treffen, durch die er der stadt ein paar

groschen erspart. Wir erinnern uns, daß der rath vorsorglich die

bewohner von Hersbruck und Lauf angieng, ihm vom steigen der Pegnitz

sofort nachricht zu geben; der baumeister muß das ersuchen alle

jahre um weihnachten erneuern; diesen brief schickt er jenen durch

ihren bäcker hinaus, damit er keinen boten verlohnen muß und keine

kosten verursacht.[25] Er scheut sich nicht, eines noch weiter als

sparsamkeit gehenden verfahrens der viertelmeister erwähnung zu thun.

Das gras in den zwingern ist für die findelhäuser bestimmt; aber die

viertelmeister, denen die aufsicht über die zwinger zusteht, haben,

erzählt er, zuweilen selbst kühe und brauchen die weide für sich,

oder gönnen sie guten freunden vor der findel.[26] Mit derselben

harmlosen gemüthsruhe verzeichnet er das benehmen des waldamtmannes

bei dem verbot, eichenlaub zur stadt zu bringen, wovon früher die

rede war. Aufgefordert, 20 pfund als strafe zu zahlen, erklärte

Endres, daß er das keineswegs aus seinen mitteln bestreiten, sondern

aus der losungsstube nehmen werde, dahin könne es der amtmann wieder

zurückbringen. Als dieser hartnäckig auf seiner forderung stehen

blieb, schickte Endres endlich die 20 pfund, von denen der amtmann 30

pfennige behielt und ihm das andere wieder zurückgab.[27] Ebenso naiv

läßt er uns erkennen, wie wenig grund man hatte, sich vor dem raschen

eingreifen einer hohen polizei zu fürchten. Eine anzahl unternehmender

Handwerker vermuthet im vestnerberge einen schatz; sie beginnen danach

zu graben und stoßen dabei auf unterirdische gänge, die von der burg

herab nach verschiedenen puncten der stadt führen. Diese arbeit konnten

sie sechs wochen lang betreiben, ohne daß dem rath etwas davon zu ohren

kam. Endlich ward man davon in kenntnis gesetzt, Endres untersuchte

den fall, man ließ die leute auf ihr ansuchen weiter graben, und da

sie natürlich nichts fanden, hatte der rath noch die annehmlichkeit,

die löcher, die sie da und dort geöffnet hatten, wieder verschütten zu

laßen.[28]

Ein anderer passus charakterisiert nicht minder scharf die zustände

der stadt in jener zeit. Ein gewisser Zeringer hatte an der steinernen

brücke am neuen bau eine »marter« setzen laßen, der rath verbot ihm,

daran noch ein Schild anzubringen. Er that es dennoch und da er auf

wiederholte abmahnung der behörde sich nicht entschloß, dasselbe

abzunehmen, fand man es eines tages mit brauner farbe überstrichen; »ob

das der Zeringer befohlen, setzt Endres dieser erzählung bei, oder wer

das gethan hat, das weiß gott wohl.«[29]

In seiner aufrichtigkeit verhehlt er auch nicht ein misgeschick, das

ihn während seiner amtsführung getroffen. Er hat unter anderm das

bohren der brunnröhren zu überwachen. Da kommt im jahre 1462 ein Jude

her, des namens Josep von Ulm, der sich anheischig macht, auf der stadt

kosten ein bohrzeug herstellen zu wollen, durch dessen hilfe ein mann

in einem tage so viele röhren bohrt als sonst zwei gesellen in zwei

oder drei tagen fertig bringen; wenn ihm der versuch mislingt, will

er den schaden tragen; wenn er gut ausfällt, begehrt er, daß ihm ein

ehrbarer rath das bürgerrecht schenke. Man geht darauf ein, Endres läßt

umfaßende vorkehrungen treffen, ein gerüst errichten u. s. w.; als

bereits 50 gulden dafür verausgabt waren, stirbt der Jude in Stuttgart

und das werk bleibt in seinen anfängen wieder stehen.[30] Nicht minder

aber weiß er die energie zu betonen, mit der er im nothfall die

verordnungen des raths durchführt. Jeremias Holzschuher baute sich ein

Haus hinter St. Egidien. Er brach deshalb etliche kleine häuser ab,

die ihm im wege standen und erhielt die erlaubnis des rathes, um eine

gerade linie herstellen zu können, unentgeltlich ein stückchen weit in

den gemeindegrund herauszubauen. Aber er oder sein werkmeister versah

es und fuhr weiter heraus, als der rath erlaubt hatte, was zu großen

conflicten führte, in denen doch Endres standhaft alle nachgiebigkeit

verweigerte.[31] Auch sonst berichtet er wohl einmal über die mühe,

die er sich im interesse der humanität und seines dienstes gibt. Es

waren bauern verpflichtet, die reinigung von gräben in der umgegend

der stadt vorzunehmen. Im weigerungsfall sollten sie gepfändet und die

reinigung auf ihre kosten vorgenommen werden. Aber obwohl es nie ohne

weigerung von ihrer seite abging, so wuste er sie in der regel durch

seine überredungskunst zum gehorsam zu bewegen, so daß es fast niemals

bis zur execution kam.[32]

Der werth der aufzeichnung wird dadurch erhöht, daß sie dann und wann

eine notiz über sitten und gebräuche der zeit und der stadt gibt.

Eine der hübschesten stellen ist der bericht über die sulzfische, die

Endres nach altem herkommen den werkmeistern und werkleuten der stadt

am heiligen christabend sendet, deren bereitung, die unserem geschmack

schlechterdings unbegreiflich ist, ausführlich geschildert wird. Eine

auserwählte schaar derselben werkleute, der werkmeister, der maurer,

der zimmermann und der schaffer erhalten außerdem am vorabend von St.

Johannis tag zu sonnwenden auf der stadt kosten ein viertel guten meths

und an St. Martins abend ein viertel guten Frankenweins. Endres selbst,

der ersichtlich mit seinen leuten im besten einvernehmen steht, hat

denselben zuweilen aus eigenem säckel zu St. Martins tag jedem eine

gans und zu weihnachten einen weck geschickt, auch wohl zu Walpurgis

jedem der nachtmeister einen kreuzkäse zukommen laßen.[33]

Ein andere stelle belehrt uns über die art und weise, in der gewisse

amtliche ankündigungen proclamiert wurden. Jährlich ein mal muß der

Fischbach gereinigt, also das waßer auf etliche tage abgesperrt werden.

Dieß läßt der baumeister auf des raths geheiß am sonntag, vor die

arbeit beginnt, in der St. Lorenzkirche von der kanzel herab durch

einen büttel oder einen schreiber ausrufen, nach dem der segen gegeben

ist und ehe man den weihbrunnen gibt, während der priester in der

sacristei die heiligen gewänder ablegt; denn da ist das meiste volk in

der kirche.[34]

Anderswo wird berichtet, daß eine arme dorfschaft, der das hochwaßer

eine brücke weggerißen hat, die erlaubnis erhält, an gewissen tagen vor

u. l. frauen kirche auf dem markt beiträge zur aufführung einer neuen

sammeln zu laßen, und wieder an einer andern stelle, daß jungfrauen und

»geisterinnen« im criminalgefängnis, im »loch« eine truhe stehen haben,

in der sie kissen, laken, polster und anderes geräthe bewahren, das

benützt wird, wenn man den gefangenen das leben absagt und ihnen die

heiligen sacramente spendet, und daß ein »ewiges geld« zur erhaltung

dieser sitte gestiftet ist.[35]

Sollen wir endlich noch die genauigkeit der aufzeichnung constatieren,

so wird genügen, wenn wir als probe anführen, wie Endres sogar nöthig

findet, zu notieren, daß er zu zeiten dem Ludwig Pfinzing, der stadt

weiermeister, ein paar waßerstiefel aus der Peunt geliehen habe, aber

sofort, um ja kein präjudiz für seine nachfolger zu bilden, beisetzt,

daß er dazu keineswegs verpflichtet gewesen sei.[36]

Wenn wir uns nach den quellen umsehen, welche der bearbeitung des

baumeisterbuches zu grunde liegen, so finden wir die schriftlichen

bedeutend in der minderheit. Verträge, rathsverläße u. s. w. hat

Endres Tucher ohne zweifel vorliegen gehabt, dann und wann weist er

direct auf solche hin, namentlich im nachtrag ist eine reihe in den

text aufgenommen; er hat auch die schrift eines vetters, Berthold

Tucher über die gräben um die stadt, benutzt[37] und die bücher seines

vorgängers im amte, Hans Graser durchgesehen.[38] Diese letzteren hat

er freilich nicht in der besten ordnung gefunden, aber er gibt doch

etliches daraus im auszug und gerade das ist für uns von der höchsten

wichtigkeit, da es die unterschiede der preise, arbeitslöhne u. s. w.

zu Grasers zeiten und etwa 20 jahre später in der klarsten weise

darlegt. Die hauptquelle aber, die Endres Tucher seiner darstellung

zu grunde legte, war die mündliche überlieferung. Und da hat er einen

trefflichen dolmetscher zur seite gehabt an dem schaffer und anschicker

auf der Peunt, Conrad Gürtler. Als Tucher das material zu seiner

aufzeichnung zu sammeln begann, war Gürtler schon 27 jahre lang in

seiner stelle und hatte vier baumeistern hinter einander verständig und

treu gedient. Endres hat ihn aber auch fest ins herz geschloßen und

unterläßt nie, seinen rath zu erholen und in zweifelhaften fällen seine

ansicht gewißenhaft zu verzeichnen.

Um aber noch einmal auf die urkunden zurückzukommen, die Endres Tucher

benutzt hat, so möchten wir nicht versäumen, zum troste neuerer

forscher, die mit getäuschten hoffnungen ein archiv verlaßen, zu

constatieren, daß auch dem städtischen baumeister zu Nürnberg im 15

jahrhundert diese schriftstellerische calamität nicht erspart war. Er

berichtet mit großem kummer, daß er lange zeit nach einem vertrage

gefahndet habe, aber die losunger hätten ihn nicht finden können und

ihm gesagt, nachdem sie noch viele briefe hätten, die nicht registriert

seien, so wüsten sie die verlangte urkunde nicht zu finden. Sie möge

wohl auch unter den unregistrierten liegen.[39]

Nachdem wir uns so lange mit dem baumeisterbuche Endres Tuchers

beschäftigt haben, bleibt uns noch übrig, einen blick auf die person

des verfaßers zu werfen. Wir erhalten über ihn kurze auskunft in

dem »~Tucherbuch~«, dem prachtvoll ausgestatten pergamentnen

geschlechtsbuche der noch in Nürnberg blühenden familie der freiherrn

von Tucher, dessen einsicht mit freundlichster liberalität gestattet

wurde. Im anfage des 17 jahrhunderts angefertigt, liegen diesem

geschlechtsbuch zum grösten theil die materialien zu grunde, welche

dr. Christoph Scheurl, der berühmte Nürnberger gelehrte, und sammler

für die familie zusammengestellt hatte. Über Endres wird bl. 51

folgendermaßen berichtet:

Herr Endres Tucher, der ander diß namens, Endressen Tuchers und

Margaretha Baumbgartnerin sohn ward geborn den funften aprilis am

andern ostertag und negsten tag nach Ambrosii [5 April] umb ein ur auf

den tag anno 1423; Wilhelm Scheuhenpflug hueb ihn auß der tauff; hielt

hochzeit mit junckfrawen Adelheit Gundlachin von Bamberg mittwoch nach

deß hailigen creutz erfindungs tag 1446 [4 Mai], ward deß raths an

stadt seines vaters brudern Bertholden Tuchers anno 1454, der vorderst

alt genant und paumeister, beschrieb ein ordentlich, nutzlich buch von

gemainer statt gebewen, von rath vnd ordnungen, das er einem erbern

rath zuletzt schencket und heutiges tags in der peundt gebraucht wird,

thailet mit seinen dreyen brüdern Bertholden, Hannßen und Sebalden

donerstag nach Urbani 1462 [27 Mai], ubergab Bertholden und Hannßen,

seinen brudern sein antheil an ihrem vaterlichen hauß und andern seinen

guettern freytags nach Urbani 1476 [31 Mai] und ward mit bewilligung

seines unfruchtbaren weibs ein convers bruder zu den cartheusern an s.

Ambrosii tag 1476 [4 April], als er zwei und zwaintzig jar in rath

gangen war, und ward Hannß Volckhaimer an sein statt baumeister. .. ..

Er lebet im orden ain und dreißig jar, ward alt vier und achtzig jar

und neun tag, starb den vierzehnten aprilis anno 1507 daselbsten (in s.

Sebalds kirche) im chor vor dem hohen altar begraben.

Wir können noch hinzufügen, daß eine chronikalische aufzeichnung,

welche von Endres vater herrührt, vorhanden ist und in dem 1 bande der

Nürnberger chroniken gedruckt vorliegt, daß Endres selbst seit 1454 bis

zu seinem rücktritt aus der welt alter genannter blieb, und seit 1459

ein jahr um das andere elector war, endlich daß er seine stelle als

der stadt baumeister im jahr 1461 antrat. (Raths- und ämterbücher der

genannten jahre im Nürnberger archiv.)

Sein bild in dem Tucherbuch, welches freilich kaum auf

porträtähnlichkeit wird anspruch machen dürfen, in doch ganz in der

weise aufgefaßt, wie wir ihn uns denken, nachdem wir sein buch gelesen

haben. Ein ernster, wohlwollender mann steht er da vor uns, wie wir ihn

auf jeder seite des baumeisterbuches finden.

Ich habe zum schluße noch wenige worte über meine bearbeitung zu

sagen, die sich fast einzig auf topographische und die nöthigsten

sachlichen erläuterungen beschränkt, und nur an ein paar stellen durch

notizen aus dem Nürnberger k. archiv bereichert worden ist. Was die

topographischen anmerkungen betrifft, so bin ich mir wohl bewust,

daß sie an zahlreichen und nicht unbedeutenden mängeln leiden. Wenn

die publication eine Nürnberger im eigentlichsten sinne des wortes

wäre, so würde wohl eine reihe sehr eingehender untersuchungen in

dieser richtung nothwendig gewesen sein, die unter den verhältnissen,

unter denen diese edition erscheint, unterbleiben konnten und musten.

Hier galt es nur, so viel zu erklären, als man mit den vorhandenen

hilfsmitteln erklären konnte. Da hat sich freilich schnell und

empfindlich genug gezeigt, wie sehr die topographie Nürnbergs noch

im argen liegt. Das büchlein von Nopitsch (Wegweiser für fremde in

Nürnberg. 1801) erwies sich noch immer als das brauchbarste, um so

mehr, als der verfaßer es zu einer zeit niederschrieb, in der die

alten bezeichnungen der straßen, häuser, höfe, etc. noch in aller

mund waren, während sie täglich mehr den modernen namen, die man

ihnen zu substituieren beliebte, weichen und so nach und nach ganz

der vergeßenheit anheimzufallen drohen. Manche hilfe gewährte auch

die kleine schrift: »Die noch vorhandenen abzeichen Nürnberger häuser

von einem forscher in alten dingen.« Nürnberg 1855, die eine reiche

menge von andeutungen gibt, die ich dankbar benuzte. Wenn der verfaßer

dieses werkchens, der sich so lang und viel mit Nürnberger geschichte

beschäftigt hat, sich nur angewöhnen wollte, seine behauptungen nicht

immer lediglich in die luft zu stellen, sondern sich herbei ließe, sie

durch citate zu stützen. Um wie viel verdienstlicher würde dadurch

dieses schriftchen, das freilich nicht einmal das erfüllt, was es in

seiner jetzigen gestalt verspricht, da es nicht die vollständigkeit

aufzuweisen hat, die man doch wohl fordern darf. Man könnte dem

verfaßer eine anzahl von häusern mit abzeichen und gerade in belebten

straßen bezeichnen, die man in seinem buche vergebens gesucht hat.

In dem alphabetischen verzeichnis am schluße, das die topographischen

anmerkungen enthält, sind die namen von straßen, welche heute noch

dieselben sind, wie ehedem, nicht verzeichnet worden. Man kann sie

leicht auf jedem plane der stadt Nürnberg, deren eine große zahl

existiert, finden. Für solche, die sich eingehender für diesen theil

der arbeit interessieren, darf auf den stadtplan verwiesen werden, der

dem 1 bande der Nürnberger chroniken beigegeben ist.

Zum schluße erlaube ich mir noch einen wunsch auszusprechen. Möchte

doch das baumeisterbuch Endres Tuchers, das so viel werthvolles

material enthält, einen berufenen mann anregen, seine kräfte der

erforschung der Nürnbergischen topographie zuzuwenden. Unsere

philologen haben sich so viele mühe gegeben, die topographien

Roms und Athens bis in die kleinsten einzelheiten zu ergründen

und festzustellen; sollte unser altehrwürdiges Nürnberg nicht

einer gleichen mühe werth sein? Das wäre eine aufgabe für die

localhistoriker, die hier eine arbeit fänden, durch welche sie sich

wirkliche und nachhaltige verdienste um die wißenschaft erwerben

könnten und zu der sie sicher mehr beruf und geschick hätten, ab zu

den elaboraten, womit ihre mehrzahl in der regel die gelehrte weit

heimsucht.

Dr. Friedrich von Weech.

1461.

[ij^a] Nachdem und herr Hanns Coler des paumeister amptz abstunt und

das einem erbern ratt aufgabe in dem ein und sechtzigsten jare in

der vasten, also ward ich Endres Tucher von einem erbern ratt hie

bestellet zu der stat paumeister ampt, und darnach in dem selben jare

zu dem newen rat thet ich gehorsam und pin nun in das viert jare

der stat paumeister gewest. also hab ich gemerckt ettliche ordenung

altes herkomens, auch bestellung der werckleut, allerlei zeugs und

mancherlei, das einem der stat paumeister zu steet, angeet und im nöt

ist zu wissen, des alles doch kein eigentliche verzeichnus vorhanden

gewest ist. darumb hab ich mit hilf Conrat Gürtlers, ietzunt auf der

Peunt gesessen, der dann ein schaffer und anschicker ob der stat

pewen pei sibenundzweintzig jaren gewesen ist, nemlich pei Hansen

Graser, Stefan Schuller, Lutzen Steinlinger seligen und herrn Hansen

Coler, alle paumeister, und nun pei mir im vierden jare schaffer und

anschicker ist, die hernach geschriben stuck auf gezeichent, wie der

ettliche vor alter mit guter gewonheit herkomen sein, auch wie ich

das ietzunt halt und außricht, darauß und darnach sich kunftiglichen

ein stat paumeister gerichten mag. nit das es pei den hernach

geschriben stucken und artickeln allweg also besteen oder beleiben

solle, oder das ich kunftige paumeister lernen oder unter richten

wolle, des sie vor mer dann ich wissen etc. dann sich die ding alle

sam teglichs verkeren und endern in ein und ander, so mag aber doch

ein paumeister auß dem allen abnemen, wie es vor gehalten worden ist,

und sich auch dester paß kunftiglichen darnach wissen zu richten etc.

und soliche verzaichnuss ist gescheen und gemacht worden nach Cristi

gepurt viertzehenhundert und in dem vier und sechtzigsten jare zu

aller heiligen tag [Nov. 1]. mer so ist darnach und darzu in das puch

geschriben und das alles geendt und beslossen worden zu aller heiligen

tag im sibenzigsten jare.

[xxj^a] Durch anzeigung dieses nachgeschriben kolenders vindet man

eins ieden tags was ein paumeister desselben tags oder in derselben

wochen gescheft oder zu thun hatt, die er dann auf die selben oder

ander tag wenn es im eben ist außrichten mag etc. und wie woll in dem

hernachgeschriben puch gar vill stuck sein, die ein paumeister wissen

und in acht haben soll über jare, dieselben man aber nit alle nach

dem kolender außrichten mag, sunder unter allen anderen hab ich die

außgezeichent und in den kolender pracht, die dann ein paumeister auf

dieselben tag und wochen ungeverlichen außrichten mag oder bestellen,

das die außgericht werden, dardurch dester minder saumnuss geschicht.

nachdem der stuck und artickel on zall und so vil ist, das die ein

paumeister nit woll alle in dem sinne allewege pei anderen teglichen

zufellen und gescheften getragen mag, darumb hab ich diesen kolender zu

einer vermanung gemacht.

Am ersten so steet in dem hernachgeschriben kolender, das aber in

anderen gemeinen kolendern nit steet, nemlich der vassnacht, die ostern

und pfingst veiertag und der tag, so man das hochwirdig heiligtumb hie

weist, auch die vier goltfasten tag, unsers herren leichnams tag; und

das G ist suntag pustaben gerechent. und dieselben tag der vassnacht,

ostern, pfingsten sein doch also außgemessen, das die über viertzehen

tag nit mugen hinfur noch hinter nimmer mer kunftiglichen keines jars

gefallen; wo die tag aber hin fur oder hin hinter gefallen anders dann

sie ietzunt steen, so prenget es doch an diesem furnemen kein irrung,

wann darinnen doch allweg zu vinden ist, was man thun sol etc.

Zu dem andern so ist der kolender also zu versteen, das man muß suchen

in der liny eines ieden tags, den man wissen oder haben will, do steet

am ersten nach dem heiligen tag: folio 165 oder 27 etc. das bedeutet

dasselb plat hinden in dem puch, das muß man erstlichen suchen, und

so man dasselb plat hat so muß man wider sehen in den kolender und in

derselben liny suchen, was pustaben noch der zale des folio geschriben

steet. den oder dieselben pustaben muß man dann suchen, an dem

vorgeschriben plat, das man gefunden hat, do steen der oder dieselben

pustaben versals weiß mit ruberiken geschriben, und alsdann den oder

dieselben artickel lesen, der oder dieselben artickel zu erkennen

geben und klerlichen innhalten, was desselbigen tags oder wochen

ungefehrlichen zu thun ist, und also mag man verrer suchen desselben

tags in derselben liny die ander zall der folio und nach den pustaben,

die darnach steen, dieselben versale, so vindet man desgleichen in

denselben artickeln über jar eins ieden tags, was ein paumeister zu

thun hat.

Kal. =Der jener hat 31 tag.=

=A. der jarstag.=

b. Steffan achter. folio 165. =N. A.=

c. Johanus achter.

d. der kindlein achter. folio 27. =N= etc. 28.

=F.= 29. =W. N.= 30. =V. N. S. A. M.=

31. =D. S.=

e. Symon pischof. folio 26. =D.=

f. =der oberst tag.=

g. Lucius pischoff. folio 22. =D. N= etc. 23. =E.=

=A.= Erhart pischof. folio 48. =A. E.=

b. Julius marterer. folio 165. =N. A.=

c. Paulus einsidel.

d. Peter prediger. folio 165. =N. A.=

e. Johanus pischof. folio 27. =N= etc. 28. =F.= 29.

=W. N.= 30. =V. N. S. A. M.= 31. =D. S.=

f. Hilarius pischof. folio 26. =D.=

g. Felix priester. folio 47. =W.=

=A.= Maur. apt. folio 165. =N. A.=

b. Marcell pabst. folio 65. =A. J= etc.

c. Anthonig apt. folio 165. =N. A.=

=10 hore= d. Prisca junckfr. folio 26. =A.=

e. Germanicus mart. folio 27. =N= etc. 28.

=F.= 29. =W. N.= 30. =V. N. S. A. M.=

31. =D. S.=

f. Fabian Sebastian. folio 26. =D.=

g. Agnes junckfr.

=A.= Vincent mart. folio 66. =S.= 165.

=N. A.=

b. Emerenciana. folio 171. =E.=

c. Tymotheus junger. folio 165. =N. A.=

d. =Paulus bekerung.=

e. Policarp pischof. folio 27. =N= etc. 28.

=F.= 29. =W. N.= 30. =V. N.=

=S. A. M.= 31 =D. S.=

f. Johans mit dem gul. folio 26. =D.=

g. Thomas prediger.

=A.= Valerius pischof. folio 167. =B.= 165.

=N. A.=

b. Adelheid junckfr. 12. =Z.=

c. Metranus mart. 165. =N. A.=

Kal. =Der febrer hat 28 tag.=

d. Brigida junckfr. folio 27. =N= etc. 28. =F.=

29. =W. N.= 30. =V. N. S. A. M.= 31.

=D. S.=

e. =unser frawen liecht.=

f. Blasius pischoff. folio 26. =D.=

g. Gelasius pischof.

=A.= Agatha junckfr. folio 43. =A. P. W= etc.

165. =N. A.=

b. Dorothea junckfr. folio 121. =B. J.=

c. Reichart kunig. folio 165. =N. A.=

d. Helena kungin.

e. Apollonia junck. folio 27. =N. A.= (u. s. w.

wie oben am 1.)

=11 hore= f. Scolastica junck. folio 26. =D.=

25. =N.=

g. Eufrasia junck.

=A.= Eulalia junck. folio 162. =D.= 165.

=N. A.=

b. Steffan pischof. folio 52. =E. B. D= etc.

c. Valentin mart. folio 160. =M.=

d. Faustin marterer. folio 165. =N. A.=

e. Juliana junckfr. folio 27. =N= etc. (u. s. w. wie

oben am 1.)

f. Donatus pischof. folio 26. =D.= 169. =M.=

g. Concordia junck. folio 32. =A. W. N= etc.

2. =A.=

=A.= Gabinus marterer. folio 160. =W.= 165.

=N. A.=

b. =Fasennacht.=

c. Siriccius. folio 27. =N= etc (u. s. w. wie oben

am 1.)

d. =Peter stulfeier.= folio 7. =M.= 9.

=A.= 31. =J.=

e. ........ folio 26. =D.= 160. =E. A. D.=

161. =S. V. J. A. D.= 162. =W.=

f. =Mathias XII pot.=

g. Walpurg schidung. folio 163. =D.=

=A.= Fortunat mart. folio 165. =N. A.=

b. Leander pischoff.

c. =Goltfasten.= folio 91. =E.= 158. =D.=

12. =Z.= 165. =N. A.=

Kal. =Der martzo hat 31 tag.=

d. Albanus marterer. folio 27. =N x= 28. =F.=

29. =W. N.= 30. =V. N.=

=S. A. M.= 31. =D. S.=

e. Marinus mart. folio 4. =M.= 5. =J.=

26. =D.=

f. =Kungund schidung.=

=12 hore= g. Adrian marterer. folio 25. =M.=

=A.= Quiriacus mart. folio 171. =Z.=

b. Milarius pisch. folio 165. =N. A.=

c. Perpetua felicitas.

d. Poncius diacon. folio 162. =Z.= 165. =N. A.=

e. Candidus mart. folio 27. =N= etc. (u. s. w. wie

oben am 1.)

f. Vocus marterer. folio 26. =D.=

g. Gumprecht. folio 45. =E. N. W= etc.

=A.= Gregorius pabst. folio 69. =D.= 165.

=N. A.=

b. Macedon. folio 69. =S.=

c. Glodeswind mart. folio 165. =N. A.=

d. Matrona junck.

e. Patricius pisch. folio 27. =N= etc. (u. s. w.

wie ob. am 1.)

f. Gerdraut junck. folio 26. =D.=

g. Eleutherus folio 59. =E. J= etc.

=A.= Joseph pfleger. folio 165. =N. A.=

b. Gutprecht mart.

c. Benedict apt. folio 165. =N. A.=

d. Matheus pisch. folio 173. =A.=

e. Theoder pischof. 27. =N= etc. (u. s. w. wie

oben am 1.)

f. Banfast. folio 26. =D.=

g. =unser frawen kündung.=

=A.= Castul marterer. folio 165. =N. A.=

=13 hore= b. Rupertus mart. folio 63. =M. D= etc.

25. =M.=

c. Gottramin mart.

d. Kungunden. folio 165. =N. A.=

e. Weidon apt. folio 27. =N= etc. (u. s. w. wie

oben am 1.)

f. Sabin junckfr. folio 26. =D.=

Kal. =Der aprill hat 30 tag.=

g. Maria Mag.

=A.= Abundi mart. folio 77. =G.= 165. =N. A.=

b. Benignus mart. folio 12. =Z.=

c. Ambrosius pisch. folio 165. =N. A.=

d. Celestinus pisch.

e. Herena junck. folio 27. =N= etc. 28. =F.= 29.

=W. N.= 30. =V. N.=

=S. A. M.= 31. =D. S.=

f. Marina junck. folio 26. =D.= 77. =A.=

169. =M.=

g. =der ostertag.=

=A. ander ostertag.=

b. =drit ostertag.=

c. =vierd ostertag.= folio 77. =D.=

d. Constantinus. folio 77. =V.= 78. =S. E= etc.

79. =M.= 165. =N. A.=

e. Eufemia. folio 27. =N= etc. (u. s. w. wie am 6.)

f. Tiburtz. Valerian. folio 26. =D.= 159. =D.=

g. Nicomedis mart.

=A.= Marcial marterer. folio 60. =E.= 79.

=E. D. S.= 80. =A.= 165. =N. A.=

b. Hermogenes. folio 164. =A.= 171. =E.= 172.

=S.= 173. =S.=

c. Terrena junck. folio 79. =A. J= etc. 80.

=V. B. E. D. J.= 159. =Z.= 169. =M.=

12. =Z.=

Endres Tuchers Baumeisterbuch der Stadt Nürnberg · 第 2 / 35 段