Wenn ich nun vermeine, jetzt um ein paar Jahrhunderte Voltai

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Der Wille zur Macht

Eine Auslegung alles Geschehens

von

Friedrich Nietzsche

Neu ausgewählt und geordnet von

Max Brahn

Große Dinge verlangen, daß man von

ihnen schweigt oder groß redet: groß,

das heißt zynisch und mit Unschuld.

1917

Alfred Kröner Verlag in Leipzig

Altenburg

Pierersche Hofbuchdruckerei

Stephan Geibel & Co.

[Der Plan, der dieser Anordnung zugrunde gelegt wurde, lautet in

Nietzsches Niederschrift:]

Der Wille zur Macht

Versuch einer Umwertung aller Werte

Erstes Buch

Der europäische Nihilismus

Zweites Buch

Kritik der bisherigen höchsten Werte

Drittes Buch

Prinzip einer neuen Wertsetzung

Viertes Buch

Zucht und Züchtung

entworfen

den 17. März 1887

Nizza

Vorwort.

Nietzsche hatte die Absicht, in einem zusammenhängenden Werke den

Gesamtertrag seiner Lehre darzustellen. Die Titel des beabsichtigten

Werkes und die Gesichtspunkte seiner Ordnung wechselten, aber die

einheitliche Idee, seine Philosophie übersichtlich darzustellen, blieb

bestehen. Es sollten keine neuen Grundideen in dem Werke stehen,

keine wichtige Grundlehre verändert werden; das Werk hätte vielmehr

beweisen sollen, daß sein Gedankenkreis vom ersten bis zum letzten Werk

der gleiche geblieben ist. Alle so verschieden erscheinenden Lehren

der einzelnen Entwicklungsperioden sind nur Variationen des gleichen

Themas; eine Grundmelodie tönt dem aufmerksam Hinhörenden stets durch.

Sie herauszuhören, ist nicht leicht. Denn seine Neigung, die gerade im

Vordergrunde stehenden Gedanken, den augenblicklich herrschenden Affekt

fast gewaltsam zu betonen, ihm die ganze Kraft seiner eindrucksvollen,

überwältigenden Sprache zu leihen, läßt oft die Nebentöne deutlicher

vernehmen als den Grundton. Daher wenige Denker so bedächtig gelesen

werden müssen, wie der anscheinend so leicht eingehende Nietzsche.

Volle, leichte Klarheit hätte daher nur ein solches, die Hauptgedanken

allein hervorhebendes Werk bringen können. Darum ist es ein so

trauriger Gedanke, daß seine Erkrankung die Vollendung gerade dieses

Werkes verhinderte, an dem er vom Jahre 1882 an stets gearbeitet,

zu dem er sich ununterbrochen Einzelaufzeichnungen gemacht und

Dispositionen entworfen hat. Aus diesem Gedankenkreise entnahm er

wesentliche Teile und vereinigte sie zu seinen letzten Werken,

besonders zum Antichrist, der in den letzten Monaten vor seiner

Erkrankung entstanden ist und in einem erregten Ton geschrieben ist,

der sich von der Stilart der Niederschriften völlig unterscheidet.

Was dann vom Gesamtwerke übrigblieb, das war eine unendliche Fülle

von einzelnen Notizen, die sich in einer großen Anzahl von Heften

finden. Die bisherigen Ausgaben stellten sich die Aufgabe, von diesem

Gedankenreichtum nichts verloren gehen zu lassen, und ordneten alles

Vorhandene unter die von Nietzsche selbst angegebenen Gesichtspunkte.

Durch zahlreiche Stichproben durfte ich mich davon überzeugen,

mit wie großer Sorgfalt und treuer Gewissenhaftigkeit Elisabeth

Förster-Nietzsche und Peter Gast die mühevolle Aufgabe gelöst haben,

die schwer lesbaren Manuskripte zu entziffern und die Aphorismen

unter die gegebenen Gesichtspunkte zu bringen. In den Heften fand

sich vielerlei, was dem Denker bei Gelegenheit der Niederschrift oder

zufällig zu gleicher Zeit einfiel, ohne daß es unmittelbar für das

neue Ganze nötig war. Es ist nicht leicht, diese oft so lockenden

Gedanken wegzulassen; es war auch für eine erste Ausgabe das Rechte,

sie dem Leser nicht vorzuenthalten. Doch erschweren sie oft das

Sichzurechtfinden in den leitenden Ideen und geben auch durch ihre

große Zahl dem Werke einen übermäßigen Umfang.

Da schien es angebracht, den Versuch zu machen, aus den Manuskripten

wenigstens dem Sinne nach das zu machen, was Nietzsche selbst

vorschwebte: eine Darstellung seiner Grundlehre; zugleich aber dem

neugeordneten Werke eine Form zu geben, die eine leichte Übersicht

gestattet und so durch die Änderung der äußeren Form das Eindringen

in die Hauptlinien des Inhaltes erleichtert. So konnte ich in

Übereinstimmung mit Elisabeth Förster-Nietzsche das herausheben, was

den Grundgedanken, des „Willen zur Macht“, erklärt. Dann kam es darauf

an, das Vorhandene so zu verteilen, daß ein Führer durch Nietzsches

Grundlehren entstand. Da fehlen freilich Begriffe als wesentlich, die

sonst oft im Vordergrund zu stehen scheinen, wie der „Übermensch“;

andere, wie die „ewige Wiederkehr“, treten nur gelegentlich auf.

Nicht ein Wechsel der Lehre liegt aber in diesen Fällen vor; der

systematische Aufbau läßt vielmehr das an früheren Stellen laut Betonte

hier nur als einen Unterteil eines größeren Ganzen erscheinen. So

geht der Übermensch unter in der Gesamtauffassung des neuen, großen

Menschen überhaupt, und die ewige Wiederkehr aller Dinge, von der

es einst scheinen konnte, sie zähle zu den Hauptlehren, wird eines

unter den verschiedenen Mitteln zur Zucht des großen Menschen, wenn

auch eines der entscheidenden. Gerade in dieser Ausgeglichenheit der

Werte liegt die große Bedeutung, die das Werk selbst als unvollendetes

hat. In Zarathustra hatte Nietzsche prophetenhaft zur Nachfolge

seiner Lehre aufgerufen; kein Wunder, daß ein so geartetes Werk, dem

Eindruck bestimmt, ihn auch im weitesten Kreise machte. Der Prophet

will wirken, beeinflussen -- dazu gehört Affekt, der mitreißt, gehört

starke Betonung dessen, was der Prophet in den Vordergrund stellen

will. Der „Wille zur Macht“ will lehren, klarlegen, aus Geschichte und

Natur erläutern, wohl gar beweisen. Hier ist der ordnende Intellekt an

der Arbeit, der systematisch aufbaut, nicht um zur Tat aufzurufen, den

heiligen Krieg für eine neue Lehre zu verkünden, sondern um zu zeigen,

aus welchen Wurzeln die eigene Lehre erwachsen ist, und wie sie die

Gesamtheit der Welt dem willig Folgenden zu erklären vermag.

Eine Weltdeutung kann aber aus sehr verschiedenen Wurzeln erwachsen,

je nach der Persönlichkeit des Philosophen. Die Versenkung ins

All, in die unmittelbare Tiefe der Dinge kennzeichnet den Typus

des Metaphysikers und Mystikers. Die Vereinigung der letzten

wissenschaftlichen Ergebnisse den wissenschaftlichen Philosophen. Das

Ausgehen vom Menschen als dem Geschichte schaffenden und nur in der

Geschichte bekannten Wesen den Kulturphilosophen, dem der Mensch das

interessanteste Problem ist. Vom ersten bis zum letzten seiner Werke

ist Nietzsche Kulturphilosoph. Von der Kultur der Griechen -- dem

höchsten Kulturtypus -- schlug er in seinem Erstlingswerk die Brücke

zu Wagner, also zur Kultur der Gegenwart. Das Christentum stand im

Hintergrunde; es brauchte gar nicht genannt zu werden, um doch da zu

sein. Vom Christentum führt auch der „Wille zur Macht“ zur Gegenwart,

noch mehr zur neu zu schaffenden Zeit, zu *der* Zukunft, die durch den

starken Willen des Menschen aus dieser Gegenwart werden soll.

Von unserer Zeit redet dieses Buch zunächst, nicht von einer Ewigkeit,

einem stets Gleichen, wie die Metaphysiker tun. Eine Zeit ist nur aus

den Werten bestimmbar, an die sie glaubt: denn alles Handeln ist ein

Werten, jede Bewegung will etwas, also wertet sie etwas. Alle Werte

ordnen sich letzten Endes einem letzten, höchsten, einem Oberwert

unter, wie Raoul Richter in seinem Nietzschebuch ausgeführt hat.

*Unsere Zeit hat keine festen Werte*; „das Eis, das uns noch trägt, ist

so dünn geworden: wir fühlen alle den warmen, unheimlichen Atem des

Tauwindes.“ Uns fehlt jeder bestimmte Glaube an den Wert der Dinge,

da der einzige bisher zusammenhaltende Glaube im Niedergang ist, der

christliche. Er gab dem Menschen einen absoluten Wert, den man genau

kannte, gab ihm Selbstachtung und dem Übel einen Sinn. An sich selbst

hat Nietzsche das Dahinschwinden des christlichen Glaubens empfunden,

er, der Abkömmling von Theologen bis ins dritte und vierte Geschlecht.

Er kannte die Feinheiten des Glaubens, er wußte, daß sie Erbgut in

ihm waren, besonders jener vom Christentum anerzogene Glaube an die

Wahrhaftigkeit. Schwindet er dahin, so tritt leicht die Meinung auf,

daß es überhaupt keinen Sinn der Welt gibt, wenn dieser nicht gilt: die

*Ziellosigkeit* an sich wird der Wert, der *Nihilismus* ist da.

Wie aber konnte ein solches letztes Ziel verloren gehen, woher mußte

die Auflehnung gegen das Christentum entstehen? Nach Nietzsche ist die

Ablehnung des Christentums Abweisung der ~décadence~, das heißt der

Lehre der Erschöpften, der Schwachen, der Gegner des Lebens, derer,

die nicht das Wachstum, die Größe, die Schönheit der Dinge der Welt

wünschen. Unsre bisherige Moral ist im Grunde christliche; sie ist

aber gleichzeitig die Moral der schwachen Menge, die sich gegen die

gefährlichen Starken auflehnt, die aber durch ihre Zahl, ihre größere

Klugheit, feinere Geistigkeit den Sieg über die Starken davonträgt.

In dieser Erkenntnis sieht er wohl die kritische Grundlehre seines

Systems, auf die sich alles Positive aufzubauen hat.

Denn aufbauend will er sein; alles Kritische, Verneinende ist ihm

zuwider, er benutzt es nur als Mittel, sein Bejahendes deutlich zu

machen, als nötig zu erweisen. Zu *Taten* will er die Menschheit

befähigen, da er ein Philosoph ist, das heißt für ihn ein

Werteschaffer; unserer Zeit aber „fehlt der Philosoph, der Ausdeuter

der Tat, nicht nur der Umdichter“. Daher auch der Kern dieses Werkes

nicht im ersten und zweiten Buch liegt, die nur Schutt wegräumen

wollen, ehe das Gebäude im dritten und vierten Buch aufgerichtet wird:

in diesen liegt nach der Absicht Nietzsches die Deutung der Zukunft.

Worauf es also bei ihm hinausläuft, das ist mit einem Worte zu sagen:

auf eine neue Moral. Wo er Moral bekämpft, da kürzt er nur das Wort;

es müßte da stets heißen: bisherige Moral, für deren entwickeltste

Form er die christliche ansieht. Was seine Moral mit der christlichen

verbindet, das sagt ganz deutlich seine schöne Bestimmung: „Ich

verstehe unter Moral ein System von Wertschätzungen, welches mit den

Lebensbedingungen eines Wesens sich berührt.“ *Daher kann es für ihn

keine allgemeine Moral geben.* Streng genommen gibt es nur eine Moral

für jeden Einzelnen; faßt man die Einzelnen zu Typen, Arten zusammen,

so gibt es Moralen für die Starken und die Schwachen, die Gesunden

und die Kranken. Hier berührt sich die Lehre mit modernen Ideen, die,

von ihr unbewußt oder bewußt abhängig oder nicht, die Menschen nach

Anlagen einteilen und verlangen, daß unsere Erziehung in jedem die

Anlage voll entwickelt und nicht versucht, aus jedem alles zu machen.

In strenger Selbstuntersuchung, sich selbst verantwortlich, hat ein

jeder festzustellen, „wer bin ich?“ und sein Leben so zu gestalten,

daß sein Ich ungebrochen zur Entwicklung kommt, nicht nur die Freuden

seiner Eigenart und seiner Lebensform suchend, nein, alle Leiden gern

als notwendig mit auf sich nehmend. Streng und unerbittlich, hart gegen

sich, wie nur je ein Asket es sein kann, vielleicht aber im Strome des

Lebens viel leidender, viel gequälter.

Die Moral, die hier gelehrt wird, ist die der Starken, die den Mut zu

diesem strengen, harten, nur sich selbst verantwortlichen Leben haben.

Wer diese lehrt, wird notwendig manches angreifende, kriegerische Wort

für die entgegengesetzte Art, die Schwachen, haben. Aber „möchten

wir eigentlich eine Welt, in der die Nachwirkung der Schwachen, ihre

Feinheit, Rücksicht, Geistigkeit, Biegsamkeit fehlte?“ Die Moral

der Schwachen wird von Nietzsche nicht etwa nur geduldet -- ein ihm

furchtbares Wort --, sie wird gewünscht, weil für nötig befunden.

Aber sie soll nicht die herrschende sein, sie soll nicht sich alle

„Moral“ zuschreiben; sie muß einsehen, daß sie genau so moralisch und

unmoralisch, weil genau so nur aus einer bestimmten Perspektive der

Welt hervorgehend ist wie die der Starken. Sie will Erhaltung, oft

Stillstand: sie lasse der Moral des Schaffens freie Bahn, die das

Alte oft zerbrechen muß, um neue Maßstäbe aufzustellen. Nietzsche sah

voraus, daß es „dem nächsten Jahrhundert hier und da gründlich im Leibe

rumoren wird“, daß neue Werte in jeder Hinsicht kommen werden -- hat

unser Geschlecht, das des größten Krieges der Weltgeschichte, wirklich

das Gefühl in sich, daß es den alten Werten gehorcht? Neues, Starkes

kommt, weil es kommen muß, weil es sich mit unseren Lebensbedingungen

berührt, die nicht mehr die gleichen sein werden. Ob nicht gar der

Prophet dieser neuen Zeit schon gelebt hat?

Woher nimmt nun Nietzsche diese neue Wahrheit über die Moral; glaubt

er allgemeingültige Sätze aufzustellen, deren Gegensatz falsch sein

muß? Nein, auch diese Wahrheit ist ihm wie jede andere nur „eine Art

von Irrtum, ohne welche eine bestimmte Art von lebendigen Wesen nicht

leben könnte. Der Wert für das *Leben* entscheidet zuletzt.“ Jeder

Sinn, der in den Dingen liegt, ist ihm nur eine Beziehung, die sich

der Mensch schafft, letzten Endes, um der Dinge Herr zu werden, um

sein *Machtgefühl* über die Dinge zu steigern, um seinen unbezähmbaren

Willen zur Macht auszuüben. Es gibt vielerlei Wahrheiten von den

Dingen, jede Art macht sich die Dinge so zurecht, daß sie seinem

Leben dienen, macht sich die ihm nützlichsten Fiktionen vom Sein und

Wesen der Dinge. Darin steht Nietzsche der Philosophie sehr nahe, die

neuerdings unter dem Namen der „Philosophie des Als-Ob“ so großes

Aufsehen gemacht hat. Man kann, wenn man das dritte Buch dieses Werkes

liest, nicht mehr behaupten, daß Nietzsche nur Moralphilosoph sei --

von seinen Anschauungen über die Erkenntnis ist stärkste Anregung auf

unsere Zeit ausgegangen. Er hat, mag er auch Darwin bekämpfen, so doch

aus dem Geiste der Entwicklungslehre letzte Folgerungen gezogen. Und

nun verfolgt er diese Grundidee, daß es der Wille zur Macht ist, der

unsere Wahrheiten schafft durch alles Sein hindurch, in alle Tiefen

unserer Weltanschauung hinein. Aber nicht unser Erkennen allein --

selbst nur eine Sonderart der Natur -- ist Wille zur Macht, die Natur

ist es in ihrem tiefsten Kern. Alles Sein ist Leben -- alles Leben

Machtwille. Kräfte des Willens, die immer neue Kräfte anhäufen, die

ihnen innewohnende Macht steigern und organisieren möchten, sind die

letzten Erklärungen, die es für alles Sein gibt. Alles Geschehen, alle

Veränderung läßt sich auf den Willen zur Macht zurückführen, der nie

ruht, stets zu neuen Formen größerer Macht sich wandeln will -- mit

dieser Einsicht, die selbst keine absolute ist, gewinnen wir die für

uns brauchbarste „perspektivische Schätzung“ der Welt, Macht über sie.

„Diese Welt ist der Wille zur Macht -- und nichts außerdem. Und auch

ihr selber seid dieser Wille zur Macht -- und nichts außerdem.“

Soviel Macht einer in sich birgt, so viel ist er dieser

Beurteilungsweise wert. So entsteht eine Rangordnung der Menschen nach

ihren Machtgrößen. Ist es wirklich nötig, darauf hinzuweisen, daß es

sich hier nicht um jene äußere Macht handelt, die mit Kanonen sich

durchsetzt? Daß es sich dabei um eine innere Haltung der Seele handelt,

die stark ist und nichts will, als ihre Kraft, ihre Macht erweitern,

die sich nicht genug tun kann, ihren Mut zu erweisen, die so stark

strömt, daß sie wissentlich ihre Kräfte verschwendet, die im Herrschen

über sich und andere ihre Pflicht findet. Solche Aristokratie ist

angeboren, ist „Geblütsadel“. „Ich rede hier nicht vom Wörtchen ‚von‘

und vom Gothaischen Kalender: Einschaltung für Esel.“ So darf man auch

denen zurufen, die das Wort Macht bei Nietzsche vergröbern, um dagegen

zu kämpfen.

Diese Menschen voll Willen, Kraft, Macht sind die Erschaffer des Neuen;

sie geben allem neue Werte, sie rechtfertigen die Welt einfach dadurch,

daß sie da sind. Nicht ihre Leistung, ihr Sein ist das Wesentliche. Es

geht hier mit dieser von Nietzsches Lehren wie mit anderen: in seiner

grandiosen, übersteigenden Sprache klingen sie oft so weltfremd, so

erfunden, so lebensunbrauchbar. Und doch drücken sie nur Wahrheiten

aus, die sich in der Menschheit stets wieder als ganz natürliche

Erlebnisse erweisen. Hat nicht die Erregung der Kriegszeit gezeigt,

wie sehr die Menschen dazu neigen, sich Heroen zu schaffen, führende,

herrschende Naturen, denen alle anderen gern, als ob es nicht anders

sein könnte, sich unterwerfen! Willig folgen sie dem, der neue Werte

aufstellt und beweist, daß er einen starken, langen Willen hat, der

imstande ist, sich gegen eine Welt von Hindernissen durchzusetzen. Auf

seinen Wink tun sie alles, leiden sie alles, opfern sie sich hin bis

zum Aufgeben des Lebens. Eine ganze Nation erlebt dann plötzlich die

Wahrheit der Lehre, daß es auf diese geborenen Führernaturen ankommt,

daß sie herangezogen werden müssen, wenn die anderen nicht untergehen

sollen. Dann sieht man auch deutlich, daß nicht Lust und Unlust,

wenigstens nicht die Formen, von denen Optimismus und Pessimismus zu

sprechen pflegen, großes Handeln des Menschen bestimmen. Das Glück

dieser Großen liegt allein „in dem herrschend gewordenen Bewußtsein

der Macht und des Sieges.“ Darf man von ihnen die Moral des Mitleids,

Rücksichtnahme, Milde verlangen -- oder wünscht nicht die Menge sie

hart, unbeugsam, stark, Macht durch und durch? Groß sollen sie sein und

vornehm -- die beiden Haupteigenschaften, die Nietzsche von „seinen“

Menschen verlangt.

Diese großen schaffenden Menschen -- der Theorie oder der Praxis --

greifen mit mächtiger Hand in das Rad des Daseins; sie drehen seine

Speichen ein Stück vorwärts, indem sie das Gefühl in sich tragen, der

Welt neue Kräfte gewinnen zu *müssen*, nicht anders zu können, als Welt

zu gestalten, indem sie sich selbst gestalten. Sie fragen nicht nach

dem Werte des Lebens, sie fühlen die furchtbaren Gründe, auf denen es

ruht, sie kennen seine Furchtbarkeit und seine Untiefen -- und gewinnen

daraus Einsicht und Kraft, es neu zu gestalten, ihren Willen zur Macht

daran zu erproben, selbst wie göttliche Kräfte, darin zu zerstören,

zu vernichten, Altes zu zerbrechen, Verbrecher am Gesetz zu werden,

um Neues, Größeres werden zu lassen. Sie sagen „Ja“ zum Gesamtdasein

und können darum zu keinem Teil „Nein“ sagen: denn die Notwendigkeit

verschlingt alle Dinge untrennbar ineinander, daß man alles Sein

bejahen muß, wenn man den kleinsten Teil bejaht. Ihre unendlich

strömende Kraft freut sich des Gestaltens an dieser Welt, der einzigen

Aufgabe des Menschen, seines Künstlerberufs. Sie kennen keine seiende

Welt, nur eine werdende, eine sein sollende, an der Menschen ihr und

der Welt Geschick zimmern. An den Widerständen, die sie ihnen bietet,

wächst ihre Kraft; ihr Wille zur Macht kann sich nie genug tun, dieser

Welt immer neue Gestalten zu geben, von ihrer Fülle, dem Reichtum

ihrer Geistes- und Willenskräfte in die Welt hinüberströmen zu lassen.

Sie sehen auf diese Welt als *ihr* Werk und wünschen sich nur eins:

stets wieder an ihr zu formen bis in alle Unendlichkeit, immer von

neuem wieder, unendlich oft. Sie bejahen dieses Dasein und wünschen,

so wie es ist, wie es durch sie und ihren Machtwillen wird, möchte es

wiederkehren: in gleicher Form unendlich oft in ewiger Wiederkehr.

Diese Sehnsucht, ihrem Machtwillen entstammend, gibt ihnen Kraft -- und

diese neue Kraft gibt ihnen neue Sehnsucht. Die Schwachen aber gehen

an dem Gedanken zugrunde, daß dieses Leben unendlich oft wiederkehren

möge -- und hier wie überall trennen sich denn die Menschen in

ihrem Glauben, ihrem Wissen, ihrer Kunst, ihrem Handeln und Wünschen

notwendig in die Starken und die Schwachen, weil dieser Unterschied

ruht auf dem letzten Grunde des Seins: dem Grade des Willens zur Macht.

Max Brahn.

Inhalt.

Seite

Vorwort V-XIV

Erstes Buch: Der europäische Nihilismus 1-45

1. Geschichte 1

2. Wesen und Ursache 14

3. Krisis 32

Zweites Buch: Kritik der höchsten bisherigen Werte 46-120

(Einsicht in das, was durch sie Ja und Nein sagte.)

I. Moral:

1. Entstehung und Sieg 46

2. Die moralischen Ideale 71

3. Philosophie und Moral 99

4. Philosophie und Wissenschaft 107

5. Freie Philosophie 116

II. Religion:

1. Entstehung 120

2. Christentum 131

Drittes Buch: Prinzip einer neuen Wertsetzung 156-307

I. Die neue Deutung der Welt 156

II. Der Geist -- ein Machtwille:

1. Wahrnehmung 163

2. Erkenntnis 177

a. Allgemeines 177

b. Logik und Wissenschaft 185

c. Ursache und Wirkung 195

d. Ich und Außenwelt 204

3. Metaphysik 206

Die „wahre“ Welt 206

III. Die Natur -- ein Machtwille:

1. Die anorganische Natur 219

2. Die organische Natur 229

3. Der Mensch als Naturwesen 239

IV. Die Gesellschaft -- ein Machtwille:

1. Der Mensch als geselliges Wesen 253

2. Der Staat 266

V. Kunst -- ein Machtwille 277

Viertes Buch: Zucht und Züchtung 308-376

1. Die Rangordnung 308

2. Der züchtende Gedanke 347

Erstes Buch.

Der europäische Nihilismus.

1. Geschichte.

1.

Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte.

Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: *die

Heraufkunft des Nihilismus*. Diese Geschichte kann jetzt schon erzählt

werden: denn die Notwendigkeit selbst ist hier am Werke. Diese Zukunft

redet schon in hundert Zeichen, dieses Schicksal kündigt überall sich

an; für diese Musik der Zukunft sind alle Ohren bereits gespitzt.

Unsere ganze europäische Kultur bewegt sich seit langem schon mit einer

Tortur der Spannung, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wächst, wie auf

eine Katastrophe los: unruhig, gewaltsam, überstürzt: wie ein Strom,

der *ans Ende* will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat,

sich zu besinnen.

2.

-- Der hier das Wort nimmt, hat umgekehrt nichts bisher getan als *sich

zu besinnen*: als ein Philosoph und Einsiedler aus Instinkt, der seinen

Vorteil im Abseits, im Außerhalb, in der Geduld, in der Verzögerung,

in der Zurückgebliebenheit fand; als ein Wage- und -- Versuchergeist,

der sich schon in jedes Labyrinth der Zukunft einmal verirrt hat; als

ein Wahrsagevogel-Geist, der *zurückblickt*, wenn er erzählt, was

kommen wird; als der erste vollkommene Nihilist Europas, der aber den

Nihilismus selbst schon in sich zu Ende gelebt hat, -- der ihn *hinter

sich, unter sich, außer sich* hat.

3.

Denn man vergreife sich nicht über den Sinn des Titels, mit dem

dies Zukunftsevangelium benannt sein will. „*Der Wille zur Macht.*

Versuch einer Umwertung aller Werte“ -- mit dieser Formel ist eine

*Gegenbewegung* zum Ausdruck gebracht in Absicht auf Prinzip

und Aufgabe; eine Bewegung, welche in irgendeiner Zukunft jenen

vollkommenen Nihilismus ablösen wird, welche ihn aber *voraussetzt*,

logisch und psychologisch, welche schlechterdings nur *auf ihn* und

*aus ihm* kommen kann. Denn warum ist die Heraufkunft des Nihilismus

nunmehr *notwendig*? Weil unsre bisherigen Werte selbst es sind, die

in ihm ihre letzte Folgerung ziehen, weil der Nihilismus die zu Ende

gedachte Logik unsrer großen Werte und Ideale ist, -- weil wir den

Nihilismus erst erleben müssen, um dahinter zu kommen, was eigentlich

der *Wert* dieser „Werte“ war.... Wir haben, irgendwann, *neue Werte*

nötig....

4.

Die Verdüsterung, die pessimistische Färbung kommt notwendig im Gefolge

der Aufklärung. Gegen 1770 bemerkte man bereits die Abnahme der

Heiterkeit; Frauen dachten mit jenem weiblichen Instinkt, der immer

zugunsten der Tugend Partei nimmt, daß die Immoralität daran schuld

sei. Galiani traf ins Schwarze: er zitiert Voltaires Vers:

~Un monstre gai vaut mieux

Qu'un sentimental ennuyeux.~

Wenn ich nun vermeine, jetzt um ein paar Jahrhunderte Voltairen und

sogar Galiani -- der etwas viel Tieferes war -- in der Aufklärung

voraus zu sein: wie weit mußte ich also gar in der Verdüsterung

gelangt sein! Dies ist auch wahr: und ich nahm zeitig mich mit einer

Art Bedauern in acht vor der deutschen und christlichen Enge und

Folgeunrichtigkeit des Schopenhauerschen oder gar Leopardischen

Pessimismus und suchte die prinzipiellsten Formen auf (-- Asien --).

Um aber *diesen* extremen Pessimismus zu ertragen (wie er hier und da

aus meiner „Geburt der Tragödie“ herausklingt), „ohne Gott und Moral“

allein zu leben, mußte ich mir ein Gegenstück erfinden. Vielleicht

weiß ich am besten, warum der Mensch allein lacht: er allein leidet

so tief, daß er das Lachen erfinden *mußte*. Das unglücklichste und

melancholischste Tier ist, wie billig, das heiterste.

5.

Die drei Jahrhunderte.

Ihre verschiedene *Sensibilität* drückt sich am besten so aus:

*Aristokratismus*: Descartes, Herrschaft der *Vernunft*, Zeugnis von

der Souveränität des *Willens*;

*Femininismus*: Rousseau, Herrschaft des *Gefühls*, Zeugnis von der

Souveränität der *Sinne*, verlogen;

*Animalismus*: Schopenhauer, Herrschaft der *Begierde*, Zeugnis von

der Souveränität der *Animalität*, redlicher, aber düster.

Das 17. Jahrhundert ist *aristokratisch*, ordnend, hochmütig gegen das

Animalische, streng gegen das Herz, „ungemütlich“, sogar ohne Gemüt,

„undeutsch“, dem Burlesken und dem Natürlichen abhold, generalisierend

und souverän gegen Vergangenheit: denn es glaubt an sich. Viel

Raubtier ~au fond~, viel asketische Gewöhnung, um Herr zu bleiben. Das

*willensstarke* Jahrhundert; auch das der starken Leidenschaft.

Das 18. Jahrhundert ist vom *Weibe* beherrscht, schwärmerisch,

geistreich, flach, aber mit einem Geiste im Dienst der Wünschbarkeit,

des Herzens, ~libertin~ im Genusse des Geistigsten, alle Autoritäten

unterminierend; berauscht, heiter, klar, human, falsch vor sich, viel

Kanaille ~au fond~, gesellschaftlich....

Das 19. Jahrhundert ist *animalischer*, unterirdischer, häßlicher,

realistischer, pöbelhafter, und ebendeshalb „besser“, „ehrlicher“,

vor der „Wirklichkeit“ jeder Art unterwürfiger, *wahrer*; aber

willensschwach, aber traurig und dunkel-begehrlich, aber fatalistisch.

Weder vor der „Vernunft“, noch vor dem „Herzen“ in Scheu und

Hochachtung; tief überzeugt von der Herrschaft der Begierde

(Schopenhauer sagte „Wille“: aber nichts ist charakteristischer für

seine Philosophie, als daß das eigentliche *Wollen* in ihr fehlt).

Selbst die Moral auf einen Instinkt reduziert („Mitleid“).

Auguste Comte ist *Fortsetzung des 18. Jahrhunderts* (Herrschaft

von ~cœur~ über ~la tête~, Sensualismus in der Erkenntnistheorie,

altruistische Schwärmerei).

Daß die *Wissenschaft* in dem Grade souverän geworden ist, das beweist,

wie das 19. Jahrhundert sich von der Domination der *Ideale losgemacht*

hat. Eine gewisse „Bedürfnislosigkeit“ im Wünschen ermöglicht uns erst

unsere wissenschaftliche Neugierde und Strenge -- diese *unsere* Art

Tugend....

Die Romantik ist *Nachschlag* des 18. Jahrhunderts; eine Art

aufgetürmtes Verlangen nach dessen Schwärmerei großen Stils (--

tatsächlich ein gut Stück Schauspielerei und Selbstbetrügerei: man

wollte die *starke Natur, die große Leidenschaft* darstellen).

Das 19. Jahrhundert sucht instinktiv nach *Theorien*, mit denen

es seine *fatalistische Unterwerfung unter das Tatsächliche*

gerechtfertigt fühlt. Schon *Hegels* Erfolg gegen die „Empfindsamkeit“

und den romantischen Idealismus lag im Fatalistischen seiner

Denkweise, in seinem Glauben an die größere Vernunft auf Seiten des

Siegreichen, in seiner Rechtfertigung des wirklichen „Staates“ (an

Stelle von „Menschheit“ usw.). -- Schopenhauer: wir sind etwas Dummes

und bestenfalls sogar etwas Sich-selbst-Aufhebendes. Erfolg des

Determinismus, der genealogischen Ableitung der früher als absolut

geltenden *Verbindlichkeiten*, die Lehre vom Milieu und der Anpassung,

die Reduktion des Willens auf Reflexbewegungen, die Leugnung des

Willens als „wirkender Ursache“; endlich -- eine wirkliche Umtaufung:

man sieht so wenig Wille, daß das Wort *frei* wird, um etwas anderes

zu bezeichnen. Weitere Theorien: die Lehre von der *Objektivität*,

„willenlosen“ Betrachtung, als einzigem Weg zur Wahrheit; *auch zur

Schönheit* (-- auch der Glaube an das „*Genie*“, um ein Recht auf

*Unterwerfung* zu haben); der Mechanismus, die ausrechenbare Starrheit

des mechanischen Prozesses; der angebliche „Naturalismus“, Elimination

des wählenden, richtenden, interpretierenden Subjekts als Prinzip --

Kant, mit seiner „praktischen Vernunft“, mit seinem *Moral-Fanatismus*

ist ganz 18. Jahrhundert; noch völlig außerhalb der historischen

Bewegung; ohne jeden Blick für die Wirklichkeit seiner Zeit, zum

Beispiel Revolution; unberührt von der griechischen Philosophie;

Phantast des Pflichtbegriffs; Sensualist, mit dem Hinterhang der

dogmatischen Verwöhnung --.

Die *Rückbewegung auf Kant* in unserem Jahrhundert ist eine

*Rückbewegung zum achtzehnten Jahrhundert*: man will sich ein Recht

wieder auf die *alten Ideale* und die alte Schwärmerei verschaffen,

-- darum eine Erkenntnistheorie, welche „Grenzen setzt“, das heißt

erlaubt, ein *Jenseits der Vernunft nach Belieben anzusetzen*....

Die Denkweise *Hegels* ist von der *Goethe*schen nicht sehr entfernt:

man höre Goethe über *Spinoza*. Wille zur Vergöttlichung des Alls und

des Lebens, um in seinem Anschauen und Ergründen *Ruhe* und *Glück* zu

finden; Hegel sucht Vernunft überall, -- vor der Vernunft darf man sich

*ergeben* und *bescheiden*. Bei Goethe eine Art von fast *freudigem*

und *vertrauendem Fatalismus*, der nicht revoltiert, der nicht

ermattet, der aus sich eine Totalität zu bilden sucht, im Glauben, daß

erst in der Totalität alles sich erlöst, als gut und gerechtfertigt

erscheint.

6.

*Voltaire* -- *Rousseau*. -- Der Zustand der Natur ist furchtbar, der

Mensch ist Raubtier; unsere Zivilisation ist ein unerhörter *Triumph*

über diese Raubtiernatur: -- *so schloß Voltaire*. Er empfand die

Milderung, die Raffinements, die geistigen Freuden des zivilisierten

Zustandes; er verachtete die Borniertheit, auch in der Form der Tugend;

den Mangel an Delikatesse auch bei den Asketen und Mönchen.

Die *moralische Verwerflichkeit* des Menschen schien *Rousseau zu

präokkupieren*; man kann mit den Worten „ungerecht“, „grausam“ am

meisten die Instinkte der Unterdrückten aufreizen, die sich sonst unter

dem Bann des ~vetitum~ und der Ungnade befinden: *so daß ihr Gewissen

ihnen die aufrührerischen Begierden widerrät*. Diese Emanzipatoren

suchen vor allem *eins*: ihrer Partei die großen Akzente und Attitüden

der *höheren Natur* zu geben.

7.

*Rousseau*: die Regel gründend auf das Gefühl; die Natur als Quelle

der Gerechtigkeit; der Mensch vervollkommnet sich in dem Maße, in dem

er sich der *Natur nähert* (-- nach Voltaire in dem Maße, in dem er

sich *von der Natur entfernt*). Dieselben Epochen für den einen die des

Fortschritts der *Humanität*, für den andern Zeiten der Verschlimmerung

von Ungerechtigkeit und Ungleichheit.

Voltaire noch die ~umanità~ im Sinne der Renaissance begreifend,

insgleichen die ~virtù~ (als „hohe Kultur“), er kämpft für die Sache

der „~honnêtes gens~“ und „~de la bonne compagnie~“, die Sache des

Geschmacks, der Wissenschaft, der Künste, die Sache des Fortschritts

selbst und der Zivilisation.

*Der Kampf gegen 1760 entbrannt*: der Genfer Bürger und ~le seigneur de

Ferney~. Erst von da an wird Voltaire der Mann seines Jahrhunderts, der

Philosoph, der Vertreter der Toleranz und des Unglaubens (bis dahin nur

~un bel esprit~). Der Neid und der Haß auf Rousseaus Erfolg trieb ihn

vorwärts, „in die Höhe“.

~Pour „la canaille“ un dieu rémunérateur et vengeur~ -- Voltaire.

Kritik beider Standpunkte in Hinsicht auf den *Wert der Zivilisation*.

Die *soziale Erfindung*, die schönste, die es für Voltaire gibt: es

gibt kein höheres Ziel, als sie zu unterhalten und zu vervollkommnen;

eben das ist die ~honnêteté~, die sozialen Gebräuche zu achten; Tugend

ein Gehorsam gegen gewisse notwendige „Vorurteile“ zugunsten der

Erhaltung der „Gesellschaft“. *Kultur-Missionär*, Aristokrat, Vertreter

der siegreichen, herrschenden Stände und ihrer Wertungen. Aber Rousseau

blieb *Plebejer*, auch als ~homme de lettres~, das war *unerhört*;

seine unverschämte Verachtung alles dessen, was nicht er selbst war.

Das *Krankhafte* an Rousseau am meisten bewundert und *nachgeahmt*.

(Lord Byron ihm verwandt; auch sich zu erhabenen Attitüden

aufschraubend, zum rankünösen Groll; Zeichen der „Gemeinheit“; später,

durch *Venedig* ins Gleichgewicht gebracht, begriff er, was *mehr

erleichtert* und *wohltut*, .... ~l'insouciance~.)

Rousseau ist stolz in Hinsicht auf das, was er ist, trotz seiner

Herkunft; aber er gerät außer sich, wenn man ihn daran erinnert ....

Bei Rousseau unzweifelhaft die *Geistesstörung*, bei Voltaire eine

ungewöhnliche Gesundheit und Leichtigkeit. Die *Ranküne des Kranken*;

die Zeiten seines Irrsinns auch die seiner Menschenverachtung und

seines Mißtrauens.

Die Verteidigung der *Providenz* durch Rousseau (gegen den Pessimismus

Voltaires): er *brauchte* Gott, um den Fluch auf die Gesellschaft und

die Zivilisation werfen zu können; alles mußte an sich gut sein, da

Gott es geschaffen; *nur der Mensch hat den Menschen verdorben*. Der

„gute Mensch“ als Naturmensch war eine reine Phantasie; aber mit dem

Dogma von der Autorschaft Gottes etwas Wahrscheinliches und Begründetes.

*Romantik* ~à la~ *Rousseau*: die Leidenschaft („das souveräne Recht

der Passion“); die „Natürlichkeit“; die Faszination der Verrücktheit

(die Narrheit zur Größe gerechnet); die unsinnige Eitelkeit des

Schwachen; die Pöbel-Ranküne als *Richterin* („in der Politik hat man

seit hundert Jahren einen Kranken als Führer genommen“).

8.

Die *beiden großen Tentativen*, die gemacht worden sind, das 18.

Jahrhundert zu überwinden:

*Napoleon*, indem er den Mann, den Soldaten und den großen Kampf um

Macht wieder aufweckte -- Europa als politische Einheit konzipierend;

*Goethe*, indem er eine europäische Kultur imaginierte, die die volle

Erbschaft der schon *erreichten* Humanität macht.

Die deutsche Kultur dieses Jahrhunderts erweckt Mißtrauen -- in der

Musik fehlt jenes volle, erlösende und bindende Element Goethe --

9.

*Schopenhauer als Nachschlag (Zustand vor der Revolution)*: --

Mitleid, Sinnlichkeit, Kunst, Schwäche des Willens, Katholizismus der

geistigsten Begierden -- das ist gutes achtzehntes Jahrhundert ~au

fond~.

*Schopenhauers* Grundmißverständnis des *Willens* (wie als ob Begierde,

Instinkt, Trieb das *Wesentliche* am Willen sei) ist typisch:

Werterniedrigung des Willens bis zur Verkennung. Insgleichen Haß gegen

das Wollen; Versuch, in dem Nicht-mehr-wollen, im „Subjektsein *ohne*

Ziel und Absicht“ (im „reinen willensfreien Subjekt“) etwas Höheres,

*ja das* Höhere, das Wertvolle zu sehen. Großes Symptom der *Ermüdung*

oder der *Schwäche* des *Willens*: denn dieser ist ganz eigentlich das,

was die Begierden als Herr behandelt, ihnen Weg und Maß weist....

10.

Henrik Ibsen ist mir sehr deutlich geworden. Mit all seinem robusten

Idealismus und „Willen zur Wahrheit“ hat er sich nicht von dem

Moral-Illusionismus frei zu machen gewagt, welcher „Freiheit“ sagt und

sich nicht eingestehen will, was Freiheit ist: die zweite Stufe in der

Metamorphose des „Willens zur Macht“ seitens derer, denen sie fehlt.

Auf der ersten verlangt man Gerechtigkeit von Seiten derer, welche die

Macht haben. Auf der zweiten sagt man „Freiheit“, das heißt, man will

„loskommen“ von denen, welche die Macht haben. Auf der dritten sagt man

„*gleiche Rechte*“, das heißt, man will, so lange man noch nicht das

Übergewicht hat, auch die Mitbewerber hindern, in der Macht zu wachsen.

11.

*Kritik des modernen Menschen*: -- „der gute Mensch“, nur verdorben

und verführt durch schlechte Institutionen (Tyrannen und Priester);

-- die Vernunft als Autorität; -- die Geschichte als Überwindung von

Irrtümern; -- die Zukunft als Fortschritt; -- der christliche Staat

(„der Gott der Heerscharen“); -- der christliche Geschlechtsbetrieb

(oder die Ehe); -- das Reich der „Gerechtigkeit“ (der Kultus der

„Menschheit“); -- die „Freiheit“.

Die *romantische* Attitüde des modernen Menschen: -- der edle

Mensch (Byron, Victor Hugo, George Sand); -- die edle Entrüstung;

-- die Heiligung durch die Leidenschaft (als wahre „Natur“); -- die

Parteinahme für die Unterdrückten und Schlechtweggekommenen: Motto

der Historiker und Romanziers; -- die Stoiker der Pflicht; -- die

„Selbstlosigkeit“ als Kunst und Erkenntnis; -- der Altruismus als

verlogenste Form des Egoismus (Utilitarismus), gefühlsamster Egoismus.

Dies alles ist achtzehntes Jahrhundert. Was dagegen *nicht* sich aus

ihm vererbt hat: die ~insouciance~, die Heiterkeit, die Eleganz,

die geistige Helligkeit. Das Tempo des Geistes hat sich verändert;

der Genuß an der geistigen Feinheit und Klarheit ist dem Genuß an

der Farbe, Harmonie, Masse, Realität usw. gewichen. Sensualismus im

Geistigen. Kurz, es ist das achtzehnte Jahrhundert *Rousseaus*.

12.

Meine Freunde, wir haben es hart gehabt, als wir jung waren: wir haben

an der Jugend selber gelitten wie an einer schweren Krankheit. Das

macht die Zeit, in die wir geworfen sind -- die Zeit eines großen

inneren Verfalles und Auseinanderfalles, welche mit allen ihren

Schwächen und noch mit ihrer besten Stärke dem Geiste der Jugend

entgegenwirkt. Das Auseinanderfallen, also die Ungewißheit, ist dieser

Zeit eigen: nichts steht auf festen Füßen und hartem Glauben an sich:

man lebt für morgen, denn das Übermorgen ist zweifelhaft. Es ist alles

glatt und gefährlich auf unserer Bahn, und dabei ist das Eis, das uns

noch trägt, so dünn geworden: wir fühlen alle den warmen, unheimlichen

Atem des Tauwindes -- wo wir noch gehen, da wird bald niemand mehr

gehen *können*!

13.

Zur Geschichte der modernen Verdüsterung.

Die Staatsnomaden (Beamte usw.): ohne „Heimat“ --

Der Niedergang der Familie.

Der „gute Mensch“ als Symptom der Erschöpfung.

Gerechtigkeit als Wille zur Macht (Züchtung).

Geilheit und Neurose.

Der Anarchist.

Menschenverachtung, Ekel.

Tiefste Unterscheidung: ob der Hunger oder der Überfluß schöpferisch

wird? Ersterer erzeugt die *Ideale der Romantik*. --

Nordische Unnatürlichkeit.

Das Bedürfnis nach ~Alcoholica~: die Arbeiter-„Not“.

Der philosophische Nihilismus.

14.

Das langsame Hervortreten und Emporkommen der mittleren und niederen

Stände (eingerechnet der niederen Art Geist und Leib), welches schon

vor der französischen Revolution reichlich präludiert und ohne

Revolution ebenfalls seinen Weg vorwärts gemacht hätte, -- im Ganzen

also das Übergewicht der Herde über alle Hirten und Leithämmel --

bringt mit sich

1. Verdüsterung des Geistes (-- das Beieinander eines stoischen und

frivolen *Anscheins* von Glück, wie es vornehmen Kulturen eigen ist,

nimmt ab; man läßt viele Leiden *sehen* und *hören*, welche man früher

ertrug und verbarg);

2. die *moralische* Hypokrisie (eine Art, sich durch Moral

*auszeichnen* zu wollen, aber durch die Herden-Tugenden: Mitleid,

Fürsorge, Mäßigung, welche nicht außer dem Herden-Vermögen erkannt und

gewürdigt werden);

3. eine *wirkliche* große Menge von Mitleiden und Mitfreude (das

Wohlgefallen im großen Beieinander, wie es alle Herdentiere haben --

„Gemeinsinn“, „Vaterland“, alles, wo das Individuum nicht in Betracht

kommt).

15.

Was heute am tiefsten angegriffen ist, das ist der Instinkt und der

Wille der *Tradition*: alle Institutionen, die diesem Instinkt ihre

Herkunft verdanken, gehen dem modernen Geiste wider den Geschmack....

Im Grunde denkt und tut man nichts, was nicht den Zweck verfolgte,

diesen Sinn für Überlieferung mit den Wurzeln herauszureißen. Man

nimmt die Tradition als Fatalität; man studiert sie, man erkennt sie

an (als „Erblichkeit“ --), aber man *will* sie nicht. Die Anspannung

eines Willens über lange Zeitfernen hin, die Auswahl der Zustände und

Wertungen, welche es machen, daß man über Jahrhunderte der Zukunft

verfügen kann -- das gerade ist im höchsten Maße antimodern. Woraus

sich ergibt, daß die *desorganisierenden* Prinzipien unserem Zeitalter

den Charakter geben. --

16.

Die ehemaligen Mittel, *gleichartige*, dauernde Wesen durch lange

Geschlechter zu erzielen: unveräußerlicher Grundbesitz, Verehrung der

Älteren (Ursprung des Götter- und Heroen-Glaubens als der Ahnherren).

Jetzt gehört die *Zersplitterung des Grundbesitzes* in die

entgegengesetzte Tendenz: eine *Zeitung* (an Stelle der täglichen

*Gebete*), Eisenbahn, Telegraph. Zentralisation einer ungeheuren Menge

verschiedener Interessen in einer Seele: die *dazu* sehr stark und

verwandlungsfähig sein muß.

17.

Die „*Modernität*“ unter dem Gleichnis von Ernährung und Verdauung. --

Die Sensibilität unsäglich reizbarer (-- unter moralistischem Aufputz:

die Vermehrung des *Mitleids* --); die Fülle disparater Eindrücke

größer als je: -- der *Kosmopolitismus* der Speisen, der Literaturen,

Zeitungen, Formen, Geschmäcker, selbst Landschaften. Das *Tempo*

dieser Einströmung ein *Prestissimo*; die Eindrücke wischen sich aus;

man wehrt sich instinktiv, etwas hereinzunehmen, *tief* zu nehmen,

etwas zu „verdauen“; -- Schwächung der Verdauungskraft resultiert

daraus. Eine Art *Anpassung* an diese Überhäufung mit Eindrücken

tritt ein: der Mensch verlernt zu *agieren*; *er reagiert nur noch*

auf Erregungen von außen her. Er *gibt seine Kraft aus* teils in der

*Aneignung*, teils in der *Verteidigung*, teils in der *Entgegnung*.

*Tiefe Schwächung der Spontaneität*: -- der Historiker, Kritiker,

Analytiker, der Interpret, der Beobachter, der Sammler, der Leser, --

alles *reaktive* Talente, -- alle Wissenschaft!

Künstliche *Zurechtmachung* seiner Natur zum „Spiegel“; interessiert,

aber gleichsam bloß epidermal-interessiert; eine grundsätzliche Kühle,

ein Gleichgewicht, eine festgehaltene *niedere* Temperatur dicht unter

der dünnen Fläche, auf der es Wärme, Bewegung, „Sturm“, Wellenspiel

gibt.

Gegensatz der *äußeren* Beweglichkeit zu einer gewissen *tiefen Schwere

und Müdigkeit*.

18.

Die *Zuchtlosigkeit des modernen Geistes* unter allerhand moralischem

Aufputz. -- Die Prunkworte sind: die Toleranz (für „Unfähigkeit zu

Ja und Nein“); ~la largeur de sympathie~ (= ein Drittel Indifferenz,

ein Drittel Neugierde, ein Drittel krankhafte Erregbarkeit); die

„Objektivität“ (= Mangel an Person, Mangel an Wille, Unfähigkeit

zur „Liebe“); die „Freiheit“ gegen die Regel (Romantik); die

„Wahrheit“ gegen die Fälscherei und Lügnerei (Naturalismus); die

„Wissenschaftlichkeit“ (das „~document humain~“: auf Deutsch der

Kolportageroman und die Addition -- statt der Komposition); die

„Leidenschaft“ an Stelle der Unordnung und der Unmäßigkeit; die „Tiefe“

an Stelle der Verworrenheit, des Symbolen-Wirrwarrs.

19.

Man kennt die Art Mensch, welche sich in die Sentenz ~tout comprendre

c'est tout pardonner~ verliebt hat. Es sind die Schwachen, es sind vor

allem die Enttäuschten: wenn es an allem etwas zu verzeihen gibt, so

gibt es auch an allem etwas zu verachten! Es ist die Philosophie der

Enttäuschung, die sich hier so human in Mitleiden einwickelt und süß

blickt.

Das sind Romantiker, denen der Glaube flöten ging: nun wollen sie

wenigstens noch *zusehen*, wie alles läuft und verläuft. Sie nennen's

~l'art pour l'art~, „Objektivität“ usw.

20.

Überarbeitung, Neugierde und Mitgefühl -- unsere *modernen Laster*.

21.

Wohin gehört unsre moderne Welt: in die Erschöpfung oder in den

Aufgang? -- Ihre Vielheit und Unruhe bedingt durch die höchste Form des

*Bewußtwerdens*.

22.

Die Deutschen *sind* noch nichts, aber sie *werden* etwas; also haben

sie noch keine Kultur, -- also können sie noch keine Kultur haben! Das

ist mein Satz: mag sich daran stoßen, wer es muß. -- Sie sind noch

nichts: das heißt, sie sind allerlei. Sie *werden* etwas: das heißt,

sie hören einmal auf, allerlei zu sein. Das letzte ist im Grunde nur

ein Wunsch, kaum noch eine Hoffnung; glücklicherweise ein Wunsch, auf

dem man leben kann, eine Sache des Willens, der Arbeit, der Zucht, der

Züchtung so gut, als eine Sache des Unwillens, des Verlangens, der

Entbehrung, des Unbehagens, ja der Erbitterung, -- kurz, wir Deutschen

*wollen* etwas von uns, was man von uns noch nicht wollte -- wir wollen

etwas *mehr*!

Daß diesem „Deutschen, wie er noch nicht ist“ -- etwas Besseres

zukommt, als die heutige deutsche „Bildung“; daß alle „Werdenden“

ergrimmt sein müssen, wo sie eine Zufriedenheit auf diesem Bereiche,

ein dreistes „Sich-zur-Ruhe-setzen“ oder „Sich-selbst-anräuchern“

wahrnehmen: das ist mein zweiter Satz, über den ich auch noch nicht

umgelernt habe.

2. Wesen und Ursache.

23.

Was bedeutet Nihilismus? -- *Daß die obersten Werte sich entwerten.* Es

fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das „Warum?“

24.

Der *radikale Nihilismus* ist die Überzeugung einer absoluten

Unhaltbarkeit des Daseins, wenn es sich um die höchsten Werte, die

man anerkennt, handelt; hinzugerechnet die *Einsicht*, daß wir nicht

das geringste Recht haben, ein Jenseits oder ein An-sich der Dinge

anzusetzen, das „göttlich“, das leibhafte Moral sei.

Diese Einsicht ist eine Folge der großgezogenen „Wahrhaftigkeit“: somit

selbst eine Folge des Glaubens an die Moral.

25.

Nihilismus. Er ist *zweideutig*:

A. Nihilismus als Zeichen der *gesteigerten Macht des Geistes*: *der

aktive Nihilismus*.

B. Nihilismus als *Niedergang und Rückgang der Macht des Geistes*:

*der passive Nihilismus*.

26.

Der Nihilismus ein *normaler* Zustand.

Er kann ein Zeichen von *Stärke* sein, die Kraft des Geistes kann so

angewachsen sein, daß ihr die *bisherigen* Ziele („Überzeugungen“,

Glaubensartikel) unangemessen sind (-- ein Glaube nämlich drückt im

allgemeinen den Zwang von *Existenzbedingungen* aus, eine Unterwerfung

unter die Autorität von Verhältnissen, unter denen ein Wesen *gedeiht,

wächst, Macht gewinnt*....); andrerseits ein Zeichen von *nicht

genügender Stärke*, um produktiv sich nun auch wieder ein Ziel, ein

Warum, einen Glauben zu *setzen*.

Sein *Maximum* von relativer Kraft erreicht er als gewalttätige Kraft

der *Zerstörung*: als *aktiver Nihilismus*.

Sein Gegensatz wäre der *müde* Nihilismus, der nicht mehr *angreift*:

seine berühmteste Form der Buddhismus: als *passivischer* Nihilismus,

als ein Zeichen von Schwäche: die Kraft des Geistes kann ermüdet,

*erschöpft* sein, so daß die *bisherigen* Ziele und Werte unangemessen

sind und keinen Glauben mehr finden --, daß die Synthesis der Werte

und Ziele (auf der jede starke Kultur beruht) sich löst, so daß die

einzelnen Werte sich Krieg machen: *Zersetzung* --, daß alles, was

erquickt, heilt, beruhigt, betäubt, in den Vordergrund tritt, unter

verschiedenen *Verkleidungen*, religiös oder moralisch, oder politisch,

oder ästhetisch usw.

27.

Der Nihilismus stellt einen pathologischen *Zwischenzustand* dar

(pathologisch ist die ungeheure Verallgemeinerung, der Schluß auf

*gar keinen Sinn*): sei es, daß die produktiven Kräfte noch nicht

stark genug sind, -- sei es, daß die ~décadence~ noch zögert und ihre

Hilfsmittel noch nicht erfunden hat.

*Voraussetzung dieser Hypothese*: -- Daß es *keine Wahrheit* gibt;

daß es keine absolute Beschaffenheit der Dinge, kein „Ding an sich“

gibt. -- *Dies ist selbst nur Nihilismus, und zwar der extremste.* Er

legt den *Wert* der Dinge gerade dahinein, daß diesen Werten *keine*

Realität entspricht und entsprach, sondern daß sie nur ein Symptom von

Kraft auf Seiten der *Wert-Ansetzer* sind, eine Simplifikation zum

*Zweck des Lebens*.

28.

Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens · 第 1 / 29 段