Selbstkritik

von

Wilhelm Busch.

Die Selbstkritik hat viel für sich.

Gesetzt den Fall, ich tadle mich;

so hab’ ich erstens den Gewinn,

daß ich so hübsch bescheiden bin;

zum zweiten denken sich die Leut’,

der Mann ist lauter Redlichkeit;

auch schnapp’ ich drittens diesen Bissen

vorweg den andern Kritiküssen;

und viertens hoff’ ich außerdem

auf Widerspruch, der mir genehm.

So kommt es denn zuletzt heraus,

daß ich ein ganz famoses Haus.

Er stellt sich vor sein Spiegelglas...

von

Wilhelm Busch.

Er stellt sich vor sein Spiegelglas

und arrangiert noch dies und das.

Er dreht hinaus des Bartes Spitzen,

sieht zu, wie seine Ringe blitzen,

probiert auch mal, wie sich das macht,

wenn er so herzgewinnend lacht,

übt seines Auges Zauberkraft,

legt die Krawatte musterhaft,

wirft einen süßen Scheideblick

auf sein geliebtes Bild zurück,

geht dann hinaus zur Promenade,

umschwebt vom Dufte der Pomade,

und ärgert sich als wie ein Stint,

daß andre Leute eitel sind.

Es wird mit Recht ein guter Braten...

von

Wilhelm Busch.

Es wird mit Recht ein guter Braten

gerechnet zu den guten Taten;

und daß man ihn gehörig mache,

ist weibliche Charaktersache.

Ein braves Mädchen braucht dazu

mal erstens reine Seelenruh’,

daß bei Verwendung der Gewürze

sie sich nicht hastig überstürze.

Dann zweitens braucht sie Sinnigkeit,

ja, sozusagen, Innigkeit,

damit sie alles appetitlich,

bald so, bald so und recht gemütlich

begießen, drehn und wenden könne,

daß an der Sache nichts verbrenne.

In Summa braucht sie Herzensgüte,

ein sanftes Sorgen im Gemüte,

fast etwas Liebe insofern,

für all die hübschen, edlen Herrn,

die diesen Braten essen sollen

und immer gern was Gutes wollen.

Ich weiß, daß hier ein jeder spricht:

Ein böses Mädchen kann es nicht.

Drum hab’ ich mir auch stets gedacht

zu Haus und anderwärts:

Wer einen guten Braten macht,

hat auch ein gutes Herz.

Durch das Feld ging die Familie...

von

Wilhelm Busch.

Durch das Feld ging die Familie,

als mit glückbegabter Hand

sanft errötend Frau Ottilie

eine Doppelähre fand.

Was die alte Sage kündet,

hat sich öfter schon bewährt:

Dem, der solche Ähren findet,

wird ein Doppelglück beschert.

Vater Franz blickt scheu zur Seite.

Zwei zu fünf, das wäre viel.

„Kinder,“ sprach er, „aber heute

ist es ungewöhnlich schwül.“

Deutsche Humoristen, 4. und 5. Band (von 8) · 第 131 / 182 题