Mir ist's wieder eine Zeit her für Wohl u. Weh, dass ich nicht
weis ob ich auf der Welt bin, und da ist mir's doch als wär ich
im Himmel. Dies liebe Schwester den 19. Merz Nachts um eilfe.
Gute Nacht!
Den 23. Abends bald sieben. Ich komme von meiner Mutter herauf,
noch einige Worte dir o du liebe. Heut nach Tisch kam dein
Brief, eben da ich beym Braten gemurrt hatte, dass so lang
keiner kam. Ich dancke dir tausendmal. um 2 Uhr musst ich zu
einem verdrüslichen Geschäfft, da ging ich unter allerley Leuten
herum und dacht an dich und schrieb mit Bleystifft beigehendes
Zettelgen. So recht! Tritt u. Schritt muss ich wissen von meinen
lieben, denn ich bilde mir ein dass euch von mir das all auch so
werth ist; also dancke dancke für die Schildrung dein und deines
Lebens, wie wahr, wie voraus von mir gefühlt! -- O könnt ich
auch! -- -- Behalt mich lieb --
Jetzt bitt ich noch um die Silhouetten all deiner lieben, deines
Ehlers der mir verzeihen soll dass ich ihm nicht schreibe, ich
habe warrlich nimmer nichts zu sagen, nur ihr Mädgen kriegt
mich doch wieder dran. Dann die Schattenrisse deiner Brüder von
denen ich auch Briefe habe, meiner Brüder, und deiner innigen
Freundin. #NB.# alle wie sie auf der Wand gezeichnet worden ohn
ausgeschnitten.
Jetzt gute Nacht und weg mit dem Fieber! -- doch wenn du leidest,
schreib mir -- ich will alles theilen -- o dann lass mich auch
nicht stecken edle Seele zur Zeit der Trübsaal, die kommen
könnte, wo ich dich flöhe und alle Lieben! Verfolge mich ich
bitte dich, verfolge mich mit deinen Briefen dann, und rette mich
von mir selbst.
Auf beyliegendem Blättgen ist abgeschrieben das Bleystifft
Zettelgen wovon ich vorhin sprach. Liebe! liebe! und so leb wohl.
d. 25. Merz 1775.
Nicht doch du musst das Original haben! -- Was wär' ein Kuss in
#Copia#! --