Aufruf an unsere Jugend.
Indem ich nunmehr zum Schluß meiner Reisebeschreibung schreite, möchte
ich als Resultat meiner Erfahrungen unserer Jugend die Mahnung dringend
ans Herz legen: Möge jeder, der es mit seinen Verhältnissen irgend
vereinbaren kann, Reisen ins Ausland unternehmen! Ich meine damit
natürlich nicht, daß die jungen Japaner ihre Studien aufgeben und ihren
Vergnügungen nachgehen sollen -- durchaus nicht! Allein unserer
Jugend, der männlichen nämlich, mangelt bis jetzt noch immer der
Unternehmungsgeist und frische Wagemut, hinauszugehen und fremde Länder
und Leute mit ihren Sitten und Gebräuchen aus eigener Anschauung kennen
zu lernen. Immer war unser Land seit alter Zeit ein abgeschlossenes
Inselreich und erst seit drei Jahrzehnten hat es den Verkehr mit fremden
Völkern angebahnt, aber der Riesenfortschritt, den wir in dieser kurzen
Zeit gemacht haben, und die dadurch geschaffenen Verhältnisse erlauben
nicht mehr, länger zu Hause zu sitzen und angenehm der Ruhe zu pflegen.
Von allem Nutzen abgesehen, den eine Studienreise auf wissenschaftlichen
Gebieten gewährt, ist es für junge Geschlechter von großem Wert, wenn
sich ihr Blick für alles erweitert und sie sich daran gewöhnen, Gefahren
und Zufälligkeiten aller Art zu begegnen. Kommt einem nicht schon
durch das Lesen einer Beschreibung aus dem Innern Afrikas oder einer
Nordpolfahrt der Gedanke, den kühnen Forschern nachzuahmen und nicht
tatenlos zuzuschauen? Ich will selbstverständlich damit unserer
Jugend nicht das Wort zu Abenteuern reden, ihr auch nicht dazu raten,
blindlings in die Ferne zu ziehen; ich möchte sie nur dringend
mahnen, nicht zu Hause müßig sitzen zu bleiben, sondern auf dem großen
Schauplatz der Welt ihre Kraft auf die Probe zu stellen.
In Europa ist es etwas ganz Gewöhnliches, daß selbst königliche Prinzen
weite Reisen unternehmen, um einerseits den Wissenschaften zu dienen,
andererseits aber ihre Erfahrungen und Kenntnisse zu bereichern. Die
Europäer sind überhaupt zu Unternehmungen viel leichter geneigt als wir.
Auf meiner Reise durch Europa habe ich nicht selten gefunden, daß sogar
junge Damen, ihre geschnürten Bündel und Ränzel selbst tragend, allein
in die weite Welt hinausreisten. Oben auf der Höhe der Jungfrau, die ich
erstieg, im Reiche des ewigen Eises und Schnees versetzte mich eins noch
mehr in Bewunderung als die kolossale Alpenlandschaft, nämlich, daß
ich unter den Bergsteigern nicht wenig Vertreterinnen des zarten
Geschlechtes erblickte. In dieser schwindelnden Höhe, wohin man nur
mit Hilfe von Bergstöcken, Haken und Seilen, sowie an der Hand sicherer
Führer gelangen kann, waren Frauen zugegen! Bei uns zu Hause würde dem
schönen Geschlecht nie in den Sinn kommen, sich den Strapazen
einer derartigen Bergtour auszusetzen. Ob Damen überhaupt derartige
Anstrengungen zu empfehlen und zuträglich sind, will ich dahingestellt
sein lassen. Aber jedenfalls sprechen solche Vorkommnisse für meine
Behauptung, daß Europas Bewohner mehr von einem großen, vor keiner
Gefahr zurückschreckenden Unternehmungsgeist beseelt sind als wir.
Darum, japanische Jugend, erwache und gehe kraftvoll und hoffnungsfreudig
an die Arbeit! Die Konkurrenz im großen Völkerwettstreit leidet keine
Ruhe -- und nur dem Mutigen gehört die Welt!
[Illustration]
Druck von G. Bernstein in Berlin.