Penang.
Über die Fahrt von Singapore nach Penang, die anderthalb Tage dauerte,
wüßte ich nichts Besonderes zu erwähnen, es sei denn, daß ich die
Qualen, die uns die furchtbare Hitze bereitete, näher ausmalte. Doch
will ich dies lieber unterlassen: soviel sei nur gesagt, daß der
Aufenthalt in der Kajüte eine Folter war. Viele entschlossen sich daher,
die Nacht auf Deck zuzubringen. Wir folgten indessen diesem Beispiel
nicht, weil der Temperaturunterschied während der Nacht so groß war, daß
die, die sich der kühlen Seeluft ausgesetzt hatten, empfindlich an ihrer
Gesundheit gestraft wurden.
Anfänglich sollte der Aufenthalt in Penang nur sechs Stunden dauern;
da indessen unvorhergesehene große Ladung zu nehmen war, dehnte er sich
länger aus. Sobald wir in den Hafen einliefen, nahten sich schon von
allen Seiten die verschiedensten Frachtschiffe, um so schnell als
möglich ihre Ladung an Bord zu bringen. Hauptsächlich bestand diese
aus Tabakblättern. Wohl Hunderttausende von zusammengeschnürten Bündeln
wurden verladen. Mitten in der Ladung mußte aber eine Pause eintreten,
denn ein heftiges Gewitter entlud sich über uns. Unaufhörlich zuckte der
Blitz, rollte der Donner, und in Strömen goß der Regen nieder. Nachdem
sich das Gewitter verzogen hatte, wurde die Arbeit wieder aufgenommen
und fast die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Unglücklicherweise
befanden sich unsere Kajüten in unmittelbarer Nähe des Ladekrahns. Man
kann sich kaum eine Vorstellung von diesem Lärm machen. In einem fort
rollten die Fässer dahin, die Ketten rasselten mit lautem Getöse auf und
nieder, dazwischen das Hin- und Hergelaufe der Arbeiter, das Fluchen und
Kommandieren der Aufseher -- kurzum, ein ohrenbetäubender Lärm, der an
ein Schlafen, wenn auch nur auf ein Stündchen, nicht denken ließ.
Am nächsten Tag, dem 24., war die Ladung beendigt und zur Mittagsstunde
konnten die Anker wieder gelichtet werden. Aller Gesichter heiterten
sich auf -- doch leider, leider nur auf kurze Zeit. Denn bald begann für
uns eine neue Qual. Es machte sich nämlich in allen Schiffsräumen ein
ganz eigentümlicher Geruch bemerkbar, der vermutlich von den zum Teil
durchnäßt verstauten Tabaksballen herrührte. Überall schlug einem
süßliche, widerliche Stockluft entgegen. Am Ärgsten war es im Eßsalon;
die Speisen wurden denn auch in vielen Fällen in Stich gelassen. Alles
flüchtete sich an Deck, aber auch nach dort verfolgte uns der Geruch.
Einigermaßen erträglich war der Aufenthalt nur auf dem Promenadendeck.
So verbrachten wir denn dort, auf Rohrstühlen lagernd, diesen und die
folgenden Tage.
Der verlängerte Aufenthalt in Penang bot die Möglichkeit, an Land zu
gehen und die Stadt in Augenschein zu nehmen. Viele nahmen auch diese
Gelegenheit wahr. Wir Japaner aber zogen es nach der großen Abspannung,
die uns die schlaflos verbrachte Nacht bereitet hatte, vor, an Bord zu
bleiben. Und wir taten recht daran. Denn als unsere Mitreisenden von
ihrem Abstecher heimkehrten, bedauerten sie lebhaft, daß sie nicht
unserem Beispiel gefolgt wären. So hatten sie beispielsweise den großen
Wasserfall, der eine Sehenswürdigkeit Penangs bildet, nicht in Tätigkeit
sehen können, weil ihn die anhaltende Dürre der letzten Zeit fast ganz
ausgetrocknet hatte; was über die Katarakte hinunter rieselte, war nicht
der Rede wert gewesen.
Soweit wäre der Aufenthalt in Penang nichts als eine Kette von
Unerquicklichkeiten gewesen -- doch halt! Nein, es war nicht ganz so
schlimm. Es gab auch lichte Seiten. Und dazu rechne ich das Fest, das
der Kapitän des »König Albert« zu Ehren des Königs gab, dessen Namen
unser Schiff trug. König Albert von Sachsen hatte am 23. seinen
Geburtstag, der festlich begangen werden sollte. Schon am frühen Morgen
wurde die sächsische Fahne gehißt. Am Abend sollte dann ein großes
Festmahl sein, darauf Illumination und Tanz auf dem Promenadendeck.
Das heraufziehende Gewitter machte indessen einen Strich durch dies
Programm; die Illumination sowie der Tanz mußten ganz ausfallen. Das
Festmahl fand aber statt und verlief in würdiger Weise. Küche und Keller
gaben ihr Bestes her, und in fröhlicher Stimmung sprachen alle den
Kunststücken unseres Hans Küchenmeisters zu.