Singapore.
[Illustration: Im Dock zu Singapore.]
Unser »König Albert« eilte nun rastlos nach Süden, so daß wir schon nach
vier Tagen, den 21. April mittags 1 Uhr, die Insel Singapore erreichten.
Die Einfahrt in den Hafen ist, wie bekannt, sehr reizend. Schon von
weitem erblickten wir die von Palmen bedeckte Küste der Halbinsel Malaka
und je weiter wir kamen, desto reicher entfaltete sich die Natur; hier
und da tauchten kleine malerische Inseln auf, die Wasserstraße verengte
sich immer mehr und das Schiff dampfte in den bogenförmigen Hafen ein.
So schön nun dieser Hafen auch ist, er ist mit jenem von Nagasaki
nicht zu vergleichen, denn dort hat die Natur mit gütigeren Händen ihre
prächtigen Gaben ausgestreut. Der romantische Anblick des Strandes, die
verschiedensten Arten und Gestalten der Vegetation, jene wunderbaren
Figuren der Felsblöcke des Ufers und dergleichen fehlen hier gänzlich.
Was uns hier auffiel, ist nur das überaus üppige Wachstum der Palmen;
wohin das Auge auch schweift, sehen wir nur Palmen, nichts als Palmen,
diese hochstämmigen Vertreterinnen der echttropischen Natur.
Die Insel Singapore, welche an der Südspitze der Halbinsel Malaka liegt,
steht wie Hongkong unter britischer Oberhoheit. Als die Engländer sie
vor etwa 80 Jahren ihrem ehemaligen Besitzer, dem malayischen Sultan,
abkauften, war sie noch unkultiviert. Dichter Urwald bedeckte sie und
die Bewohner waren in der Hauptsache Fischer und Seeräuber. Jetzt aber
bildet ihr Hafen den Hauptstapelplatz für Borneo, Sumatra, Malaka und
andere Inseln; seit der Eröffnung der japanischen und chinesischen Häfen
hat er erneute, von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung als Zwischenplatz
gewonnen. Die Bevölkerung, deren Zahl sich auf 250 000 belaufen mag,
ist in stetem Zuwachs begriffen; sie besteht aus Chinesen, Malayen,
Javanern, Eurasiern, Tamulen und anderen Mischlingen. Die Chinesen sind
schon jetzt der Kopfzahl nach am stärksten vertreten und werden es auch
wohl bleiben, da immerwährend frischer Nachschub vom Mutterlande kommt.
[Illustration: Malayisches Dorf auf Singapore.]
Doch genug von diesen trockenen statistischen Angaben. Nachdem unser
Dampfer am Quai festgelegt, ging ich mit meinen Freunden an Land und
zwar voll der größten Erwartung, denn wir hatten erfahren, daß der
Kronprinz von England auf seiner Rundreise durch die englischen
Kolonieen in Singapore eingetroffen sei; ihm zu Ehren sollte eine große
Illumination stattfinden, ein großer pomphafter Aufzug sollte Tags
darauf folgen und Gott weiß was nicht noch alles. Jetzt wurde es mir
klar, warum unser »König Albert« beim Einlaufen in den Hafen eine
englische Fahne gehißt hatte, warum auf allen Masten der vor Anker
liegenden Schiffe Großbritanniens Wimpel flatterten. Man kann sich
denken, wie erwünscht mir dieser Zwischenfall war, gab er mir doch
Gelegenheit, dies bunte Volk in seiner Begeisterung und Freude zu
beobachten. Also vom Dampfer herunter und in die Stadt hinein. In die
Stadt? O nein! Von der eigentlichen Stadt war noch nichts zu erblicken,
die lag noch eine ziemliche Strecke landeinwärts, nur ein malayisches
Dorf mit ärmlichen, im Wasser erbauten Hütten war zu sehen. Wir mußten
also einen Wagen nehmen. Und nun begann die Qual für uns. Sogleich
umringten uns halbnackte malayische und indische Kutscher und kreischten
uns in ihrer Muttersprache an, die uns nur wie eine Sammlung von
Keif- und Zischlauten klang. In ihren Bemühungen, uns ihr Gefährt
aufzunötigen, wurden sie sogar aufdringlich und frech. Was sollten wir
machen? Unser Bestreben war, so schnell als möglich fortzukommen. Nach
langer Unterhandlung mieteten wir endlich eine Droschke, bestiegen sie
und kamen bei Einbruch der Abenddämmerung in die Stadt. Wir stiegen ab,
gaben dem Kutscher den verabredeten Lohn und wollten schon weiter,
als dieser unverschämte Bursche lautschreiend das Vierfache des
Ausbedungenen verlangte. Wieso denn? fragten wir entrüstet, und der alte
Gauner, der mit einem Mal ganz gut Englisch sprechen konnte, erklärte
verschmitzt, daß sich der ausgemachte Preis für eine Person, nicht aber
für vier verstände. Wir wollten uns durchaus nicht schröpfen lassen
und machten energisch Anstalt, uns fortzubegeben, doch da hub er ein
so wüstes Geschrei an, daß im Umsehen unsere kleine Gesellschaft von
drohendem Gesindel umgeben war. Da eine Hilfe nirgends zu erblicken
war, so blieb uns nichts weiter übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu
machen und zu zahlen.
Nachdem das Volk sich verlaufen hatte, verließen wir den Platz und
gingen eine ins Zentrum der Stadt führende Straße hinab. Eben bogen wir
um die Ecke -- und wie geblendet standen wir da! Soweit das Auge reichte
-- ein Lichtmeer die ganze Stadt. Von Balkonen und Fenstern, von eigens
für dieses Fest hergerichteten Schaugerüsten, von Mauern und Masten, von
den Dächern sogar, kurz von überall her, wo sich nur irgendwie Lampen,
Laternen und Ballons hatten anbringen lassen, glühte es uns in allen
Farben entgegen. Auch die Bäume hatte man mit ganzen Sträußen farbiger
Laternen geschmückt, welche wie funkelnde Sternchen im Grünen auf uns
herableuchteten. Alles schwamm in Licht und es war uns zu Mute, als ob
wir durch einen Zauber plötzlich in ein lichtes Feenreich, wie wir es
aus den Märchen kennen, versetzt worden wären. Wirklich eine wahrhaft
himmlische Illumination!
[Illustration: Straße in Singapore.]
[Illustration: Verkaufsstand in Singapore.]
Und nun die Straße selbst, welch ein Blick nach oben und überallhin!
Über sie hinweg hatte man in ihrer ganzen Länge und Breite aus roten und
weißen Tüchern eine sie überwölbende Decke ausgespannt, sodaß gleichsam
eine ungeheure lange farbige Festhalle gebildet war, die im Widerschein
von tausenden bunter Lichter erglänzte und prangte. Zu beiden Seiten zog
sich eine Menge von Schaugerüsten hin, deren Wände und Geländer man
mit prächtigen Teppichen ausgelegt hatte. Lustige Stücke wurden auf
den einen aufgeführt, auf anderen sahen feiertäglich geputzte Leute dem
vorbeiflutenden Menschenstrome zu und dort waren allerlei Gegenstände
zur Schau und zum Verkauf gestellt. Die Menschenmenge, die hier
zusammenfloß, war in der Tat bunt genug. Alle Völker Asiens schienen
sich hier ein Stelldichein gegeben zu haben: Chinesen, Javaner, Eurasier
u. a. m. Besonders fielen mir die Tamulen und Malayen wegen ihrer
farbigen Tracht in die Augen. Grelle Tücher hatten sie um ihren Leib
geschlungen, trugen aber sonst kein Kleidungsstück, sodaß sie halbnackt
in dem Menschengewirr dahinschritten.
Bald waren wir mitten im Gewühl, aus allen Nebenstraßen und Gäßchen
strömte neuer Zufluß in die Hauptader, sodaß binnen kurzer Zeit das
Gedränge geradezu lebensgefährlich wurde. Ein Zurück gab es nicht mehr;
wohl oder übel mußten wir uns dem Strome überlassen. Wir kamen aber doch
dabei auf unsere Kosten, da wir reichliche Gelegenheit fanden, das Volk
in seinem Vergnügen und in seiner Festtagsstimmung zu beobachten.
Arg genug ging es allerdings dabei her. Hüben und drüben ein
ohrenzerreißender Lärm! Hier staute sich die Menge vor einer Bude, in
der komische Tänze aufgeführt wurden, dort umgab sie in dichtem Knäuel
ein Brettergerüst, auf dem eine bunt ausgeputzte Musikbande ihre
betäubenden Klänge ertönen ließ, und an anderen Stellen geberdete sie
sich derart toll, daß es uns schließlich nicht übelzunehmen war, wenn
wir so schnell als möglich aus diesem Treiben herauszukommen suchten.
Das gelang uns denn auch, wenn auch erst nach vieler Mühe. Aber wohin
gerieten wir?! Fast möchte ich sagen: vom Regen in die Traufe. Wir bogen
in eine Gasse ein und wurden nur zu bald inne, daß wir uns in anrüchiger
Gegend befanden. Sperrangelweit standen Tür und Fenster der Häuser
offen, und in allen Sprachen der Welt riefen aufgedonnerte und
geschminkte Mädchen die Vorbeigehenden an und suchten sie zum
Nähertreten zu bewegen. Leider, leider sah ich auch unter diesen elenden
Geschöpfen Kinder unseres Volkes, und so angenehm uns sonst der Anblick
einer Landsmännin ist, hier ward er zur wehen Qual. Ich erkundigte mich
nach vielen Einzelheiten dieser häßlichen Einrichtung und stellte vor
allem die Frage, woher es käme, daß Zugehörige unseres Reiches in
diesen von der Heimat so fernen Stätten des Lasters zu finden seien, und
erhielt darauf die bittere Antwort, daß diese Geschöpfe zum großen Teil
auf dem Wege des abscheulichen Mädchenhandels in diesen Sumpf gelangten.
Oft zögen sie aus dem Vaterland in gutem Glauben fort, in der Fremde
bessere und zwar durchaus anständige Stellen zu erhalten. Werden sie
dann eines Tages gewahr, wo sie sich befinden, so ist es gewöhnlich
schon zu spät, um dem sicheren Verderben zu entgehen. Was die
Nationalität anlangt, sollen hier leider unsere Landeskinder am meisten
vertreten sein, wieweit das zutrifft, weiß ich nicht; ich habe aber bei
oberflächlicher Betrachtung gesehen, daß so ziemlich alle mir bekannten
Völker Prostitutionsmaterial stellen. Auch waren alle Altersstufen
vertreten -- von 13jährigen Mädchen bis hinauf zu 50jährigen Alten.
So hatte denn leider unsere so heitere Festesstimmung einen häßlichen
Nachgeschmack bekommen; wir hatten zu nichts mehr rechte Lust und
strebten dem Hafen zu.
Auf dem Rückweg entdeckten wir ein japanisches Restaurant, wie man uns
sagte, das einzige in Singapore. Es gehört einem Japaner, der es in
Gemeinschaft mit seiner, gleichfalls aus Japan gebürtigen Frau leitet,
und gut leitet, wie uns die kurze Einkehr, die wir dort hielten, aufs
beste bewies. Wir tranken ein paar Flaschen Bier, unterhielten uns mit
den erfreuten Wirtsleuten in unserer Muttersprache und brachen dann zu
unserm Schiffe auf. An Bord angelangt, bemerkte einer von uns, daß ihm
sein Portemonnaie abhanden gekommen war, unwillkürlich faßten wir alle
in unsere Taschen -- und siehe da, auch ein zweiter unserer Kameraden
hatte einen Verlust zu beklagen, er vermißte seine wertvolle
Zigarrentasche. Offenbar waren beide Freunde im Gedränge das Opfer
geschickter Taschendiebe geworden.
[Illustration: Jinrikisha in Singapore.]
Am nächsten Morgen gingen wir wieder an Land, um den berühmten
»Botanischen Garten« von Singapore zu besichtigen. Er liegt jenseits der
Stadt und zwar in ziemlicher Entfernung von ihr. Auf dem Wege dorthin
sprachen wir in der Niederlage des reichen japanischen Kaufmannes
Mitsui vor, den ich bereits in meinen Reiseschilderungen über Hongkong
erwähnte. Sein Vertreter, Herr N., der uns von früher her befreundet
war, bot sich uns als Führer an und stellte uns seine Geschäftskutsche
zur Verfügung; leider aber war sie nicht groß genug, um uns alle
aufzunehmen. Wir sahen uns daher nach Mietsdroschken um, wohin wir aber
auch blickten, nirgends war eine aufzutreiben, sie waren längst bei dem
gesteigerten Verkehr dieser Festtage mit Beschlag belegt. Wir mußten
also etwas anderes ausfindig machen und mieteten mit Mühe und Not
endlich ein paar Rollstühle, setzten uns hinein, und heidi, ging es dem
Botanischen Garten zu. Schon waren wir eine Strecke gefahren, da
stellte sich ein neues Hindernis uns entgegen, diesmal in Gestalt von
Schutzleuten, die uns verboten, weiterzufahren, denn in kürzester
Zeit sollte Seine Hoheit vorbeikommen. Wir mußten uns also in das
Unvermeidliche fügen, stiegen aus, und nun verlangten die Kulis, obwohl
wir nur einen kleinen Teil der Strecke zurückgelegt hatten, den Betrag
für die ganze Fahrt. Aus Furcht vor einer Szene, wie wir sie bereits
früher erlebt, wollten wir schon zahlen, als unser mit den dortigen
Verhältnissen genau vertrauter Herr N. uns zu Hilfe kam. Seinen
Geldbeutel ziehend und eine Hand voll Münzen unter die Kulis werfend,
war eins. Gierig stürzten die Leute darüber her, wir aber wollten uns
dabei aus dem Staube machen, was uns jedoch nicht gelang, denn die Kerle
kamen uns nach und erhoben von neuem ihr Geschrei. Da aber machte Herr
N. kurzen Prozeß, nahm seinen Stock und teilte einige so tüchtige Hiebe
aus, daß das Gesindel endlich zurückblieb. Eine Weile gingen wir nun
zu Fuß und sahen uns das Treiben näher an. Auf beiden Seiten der Straße
bildete das Volk dicht gedrängt Spalier, lange Schutzmannsketten standen
davor, und den Damm hinunter fuhr in stetem Hin und Her die offizielle
Welt: Equipagen mit Beamten in großer Uniform, Offiziere mit Orden und
Bändern, festlich gekleidete Damen u. s. w. Die drückende Hitze machte
das Gehen bald unerträglich, wir nahmen daher von neuem ein paar
Rollstühle, erlebten aber damit nur eine zweite Auflage unseres
Reinfalls. Denn bald riefen die Schutzleute wieder: >Halt! Aussteigen!<
-- und das Feilschen um das Fahrgeld mit den Kulis begann wieder. So
erging es uns noch ein paar Mal, bis wir uns trotz der großen Hitze
entschlossen, den Botanischen Garten zu Fuß zu erreichen. Und das Ziel
war noch stundenlang entfernt! Die Sonne brannte senkrecht auf unsere
Scheitel, der alle Glut förmlich aufsaugende Boden blendete den Blick,
der bei jedem Schritt hochaufwirbelnde aschenartige Staub vollendete die
Höllenqual. Zwar standen auf beiden Seiten der Straße Palmen und andere
tropische Gewächse, sie halfen aber gegen diese Backofenhitze so gut wie
garnichts. In Schweiß gebadet, die Kleidung von demselben durchtränkt
bei 45 Grad Celsius, kann man sich vorstellen, in welcher Verfassung wir
uns befanden. Uns wollten fast die Sinne schwinden, so standen wir eine
Weile still. Da mit einem Male hieß es: >Der Prinz von Wales kommt!< Und
wirklich, er kam in prächtigem Aufzuge angefahren, in schöner Kutsche
und umgeben von glänzendem Gefolge. Und dies Gefolge trug zumeist große
Uniform. In dieser Hitze schwere, goldgestickte Uniformen! Was mögen die
Armen gelitten haben, wo uns, die wir doch leicht gekleidet waren, der
Schweiß wie Wasser vom Körper rann!
Wir ließen den Zug vorüber und machten uns wieder auf den Weg. Wir waren
ungefähr eine Stunde fortgeschritten und vor Mattigkeit und Abspannung
mehr tot als lebendig, als uns eine leere Droschke entgegenkam. Das
belebte unsere Sinne. Wir stürzten uns auf den Rosselenker und wurden
auch nach vieler Mühe mit ihm handelseinig. Endlich stiegen wir ein und
fuhren nun noch anderthalb Stunden in der brennenden Sonne dahin, bis
wir ans Ziel gelangten und mit unseren Freunden, die Dank der Umsicht
des Herrn N. alle Beschwerlichkeiten der Straßenabsperrung geschickt
umgangen hatten, wieder zusammentrafen.
[Illustration: Kokospalme.]
Von dem seinen großen Ruf durchaus rechtfertigenden Botanischen Garten,
der viele tropische Pflanzen enthält, kann ich nichts Besonderes
mitteilen. Ich bin ja kein Fachmann, und das geringe, was ich zu sagen
hätte, dürfte zur Genüge bekannt sein. Man weiß hinlänglich, daß sich
die Flora in den tropischen Ländern durch Schönheit, üppige Fülle und
Artenreichtum auszeichnet. Das eine nur möchte ich erwähnen, daß hier
neben den Pflanzen des indischen Kontinents auch die des indischen
Archipels zahlreich vertreten sind; namentlich fielen mir die vielen
Arten von Palmen und tropischen Fruchtbäumen auf. Einer von den
Aufsehern, ein sehr liebenswürdiger Mann, führte uns herum; für ein
Trinkgeld nicht unempfänglich, ließ er es bei der bloßen Führung nicht
bewenden, sondern gab uns auch dankenswerte Erläuterungen an der Hand
von Experimenten. So pflückte er eine Mangofrucht ab, hackte sie mit
seinem Knüttel in Stücke und erklärte uns die Frucht näher. Sie war noch
nicht reif, sah noch ganz grün aus und enthielt einen starken ätzenden
Saft, dessen bloße Berührung gefährlich war. Der Aufseher überreichte
mir auch einen kleinen Zweig von schönen tropischen Blumen, die ich mit
aufs Schiff nahm und später in gepreßtem Zustande nach Hause an meine
Kinder schickte. -- Im Garten sahen wir auch Zwinger, worin sich wilde
Tiere, z. B. Tiger, Riesenschlangen, Orang Utang u. a. m., befanden.
Der Stolz des Botanischen Gartens ist aber die einzig in ihrer Art
dastehende Sammlung von Orchideen. Hunderte von seltenen Exemplaren
sind in ihr vereinigt, und der Gesamteindruck, den diese wunderbare
Farbenpracht auf das Auge macht, ist überwältigend schön. Unser
Reisegefährte, Herr Professor Takahashi, der sich hier als Botaniker
von Fach ganz in seinem Element befand, klärte uns über den hohen
Wert dieser Sammlung auf; in Japan, meinte er, wäre derartiges nicht
heranzuziehen und zu erhalten, weil unser Klima diesen Pflanzen
unzuträglich ist. Damit stand denn auch das in Einklang, was Herr N.
erzählte. »Aus Japan,« so berichtete er, »kommen oft Bestellungen
auf Orchideen. Namentlich hat es sich der bekannte Politiker und
Parteiführer Graf Okuma, der auch als Gartenfreund und Pflanzenzüchter
einen großen Namen hat, angelegen sein lassen, diese Pflanzen in unserer
Heimat einzubürgern, bisher aber leider mit nur geringem Erfolg. In den
weitaus meisten Fällen überdauern sie trotz sorgfältigster Pflege nicht
einmal den Transport und kommen welk am Bestimmungsort an.«
Etwa zwei Stunden brachten wir im Botanischen Garten zu, ruhten unter
dem schattigen Dach der Palmen, der Mangos, der Bananen und Ananas eine
Weile aus und fuhren gegen Abend wieder in die Stadt zurück, wo wir samt
und sonders im größten Hôtel »Raffles« einkehrten. Die Nacht war schon
längst hereingebrochen, als wir unsern »König Albert« wieder erreichten.
Am nächsten Morgen fuhren wir dann ab.
Einer von unserer japanischen Kolonie, Herr Professor Tanaka, blieb
in Singapore zurück. Als Berufsbotaniker wollte er auf kurze Zeit nach
Batavia fahren, um den dortigen Botanischen Garten, der jenen Singapores
noch übertreffen soll, zu besichtigen.