DAISY: Endlich. Ihre Stimme. Ich wartete nicht im Zimmer. Konnte nicht
bleiben. Hielt mich an der Klinke. Sie gab nach.
KEAN: Mein Erstaunen -- verzeihen Sie -- ist nicht geringer als mein
Entsetzen.
DAISY _erstarrt_: Unmöglich. Gott kann so grausam nicht sein.
KEAN: Ein Lokal für Verbrecher und Hafendirnen.
DAISY: Ich habe nicht gezögert, zu kommen.
KEAN: Aber Sie wagen, mir eine Erklärung zu geben, die keine ist.
DAISY: Ich kam auf Ihren Brief.
KEAN: Wer ist hier irrsinnig geworden?
DAISY: Sie bestellten mich hierher. Sie schrieben mir: Kommen Sie; Sie
wohnen unsicher. Ich kann Sie nicht holen, ich bin bewacht. Es gab für
mich nur einen Gedanken: zu folgen.
KEAN: Der Brief.
DAISY: Hier.
KEAN: Sie sehen, welche Seite meines Namens man für kreditwürdig hält.
Tod, Hölle, Heilige. Man hat meine Schrift gefälscht und meinen Namen
ausgenutzt.
DAISY: Ich habe nur an die rechte Seite Ihres Wesens gedacht. So mußte
ich kommen.
KEAN: Sie waren daran, Ihrem Lieblingsteufel ins Boudoir zu laufen.
DAISY: Ich habe Sie nicht gesucht und finde Sie auch in dieser Gefahr
durch die Schickung.
KEAN: Sie schlagen besser dem schönen Zufall ein Stück Nase ab, um ihm
dankbar zu sein, statt ihn aufzubauschen.
DAISY: Ich hatte Sie nie gesucht. Als ich zum erstenmal im Theater Sie
sah, änderten Sie schon nicht nur meinen Weg. Sie retteten mein Leben.
KEAN: Haben Sie keine anderen Entscheidungen wie immer den Tod?
DAISY: Nicht für mich. Ich kam aus dem Kloster, sprach nicht, hörte
nicht, sah nicht. Man gab mir Bäder und Ärzte. Durch eine List lockte
man mich ins Theater, ich hörte Romeo, Hamlet, der Tiefsinn riß auf in
mir.
KEAN: Konstable.
DAISY: Sie werden keine Gewalt ausführen.
KEAN: Sie haben an Edmond Kean appelliert, als Sie zu mir kamen.
DAISY: An Ihre Güte.
KEAN: Ich habe eine Verpflichtung gegen das Unrecht übernommen, die auch
Ihr Einspruch nicht erledigt.
DAISY: Wenn ich Sie bitte, nichts zu unternehmen gegen den Mann, der
mich hierher bestellte, tu ichs, weil ich die Absicht habe, ihm zu
folgen.
KEAN: Dem Entführer ...
DAISY: Ich habe eine Mission. Was kümmert mich alles andere?
KEAN: ... vor dem Sie heut früh noch sterben wollten.
DAISY: Ich werde mich an ihn gewöhnen lernen.
KEAN: Sie sind wahnsinnig.
DAISY: Es wird leicht sein, denn ich weiß, warum ich es tue.
KEAN: Sie opfern sich.
DAISY: Ich tue, was ich vorhabe, mit Liebe und Bedacht.
KEAN: Für eine Mädchenträumerei, eine ideale Hysterie, einen tragischen
Irrsinn.
DAISY: Als ich Ihr Haus verließ, wußte ich, es gab nur eins für mich:
irgend etwas zu suchen, was Ihr Leben auch nur im Geringsten fester
gestalten könnte. Ich will nichts von Ihnen. Aber ich erbitte die
Freiheit, zu tun, was ich muß.
KEAN: Sie glauben, es sei etwas wert, eine der Beschwerlichkeiten, die
einen Tag mir durchschwirren, wegzunehmen, indem Sie das Leben
einsetzen? Sie schwärmen, Kind.
DAISY: Ich hätte gedacht, meine Dankesschuld höher abtragen zu können.
Aber die Gewißheit dieser Kleinigkeit schon wird mich leicht das wagen
lassen, was mir entgegensteht. Es hat keine Schrecken mehr.
KEAN: Konstable! _Zu Daisy_: Kommen Sie. Ich befehle es Ihnen.
DAISY: Wenn Sie mich zwingen, muß ich folgen. Und daran glauben.
KEAN: Konstable!! _Erscheint._ Ich führe diese Dame in ihr Zimmer. Sie
bleiben davor, und wenn Skelette angeritten kommen. Ich bin Kean.
KONSTABLE: Der Boxer?