SALOMON _durch die Tür, verdrückt_: Ist mein Herr da?
HAUSINTENDANT: Wo kommen Sie hierher?
SALOMON: Durch leere Zimmer.
HAUSINTENDANT: Wer bist du?
SALOMON: Souffleur.
HAUSINTENDANT: Warum hast du da einen Herrn?
SALOMON: Warum? Er tritt mich. Wie alle. Verachtet mich. Ich liebe ihn.
HAUSINTENDANT: Wer ist der Stachel, den du liebst?
SALOMON: Kean.
HAUSINTENDANT: Der Schauspieler. Hein?
SALOMON: Der bedeutendste Mann seiner Zeit, wenn er sich zu mäßigen
verstände.
HAUSINTENDANT: Das könnte er, meinst du, in einem Haus lernen, wo eine
Frau herrscht, die so ist wie unsere?
SALOMON: Ich suche ihn nur, irgendeine Frau verlangt nach ihm, das
andere weiß ich nicht. Es kam mir nur in den Sinn, daß er krepieren wird
oder sich festlegen. Die Zeit ist kritisch geworden. Ich kann es nicht
mehr sehen, wie er mich mit sich in seine Launen reißt, Huren,
Prinzessinnen, gut, zornig. Wo soll das hin? Denken Sie nicht, daß er
mich nur tritt, er ist manchmal freundlich zu mir.
HAUSINTENDANT: Lauf davon.
SALOMON: Das kann ich nicht.
HAUSINTENDANT: Der Herr verkehrt nicht bei uns.
SALOMON: Hätten Sie gleich sagen können. Schicksal. Ich gehe. Warum
suche ich ihn hier? _Ab._
HELENE _mit dem Fächer herein_: Sind Spieltische aufgestellt?
HAUSINTENDANT: Zwei Whist, einer Bridge, drei Bac.
HELENE: Die Pagen am Gartentor in neuer Livree?
HAUSINTENDANT: Gelb und rot. Mit silbernen Schnüren.
HELENE: Die Küche?
HAUSINTENDANT: Schwitzt.
HELENE: Sind die Musikanten mit Strafe bedroht, wenn sie unpünktlich
sind?
HAUSINTENDANT: Punkt neun marschieren sie durch den Salon.
HELENE _klatscht in die Hände_: Tee und Punsch dann ins Boudoir.
HAUSINTENDANT _klatscht in die Hände, zu den andern_: Tee und Punsch ins
Boudoir. _Diener ab._
HELENE: Sie verlassen mit keinem Schritt die Soirée. Fehlen Sie einmal
auf meinen Fingerwink, schick ich Sie aufs Land zu Fasanen und Kälbern.
Was sagen Sie?
HAUSINTENDANT: Ich würde eine schlechte Figur machen zwischen Geflügel
und vorziehen, da ich Ihnen nicht mehr dienen kann, mich in die
Kirschbäume zu henken.
HELENE: Chüt. _Sieht ihn an, hebt mit der Fingerspitze sein Kinn, pfeift
leis, jagt ihn mit einer Handbewegung hinaus._
DIENER: Die Gräfin Goswil.
HELENE: Rasch. Rasch. _Zur Eintretenden_: Amy, Süßes, welches Glück, vor
der Soirée noch Ihre Anwesenheit allein zu haben.
AMY: Ihnen zu sagen, daß zwischen soviel Blond und Blau beim Rennen das
Dunkel Ihrer Haare als Bestes fehlte.
HELENE: Unmöglich da, wo Ihre Taille bebte, Ihre Hände winkten.
AMY: Ich winkte. Mein Wettpferd fiel, ein Signal. Sie waren im Theater?
HELENE: In Drury-Lane.
AMY: Es spielte George?
HELENE: Kean.
AMY: Das Pferd, das stürzte, hatte einen grünen Jockey. Der Stall aus
England. Der Name: Kean.
HELENE: Sie machen mich gespannt mit ihren Sprüngen, Liebe.
AMY: Ihr Kean fiel nicht vorm Start?
HELENE: Ausgezeichnet im Start.
AMY: Endlich Begeisterung.
HELENE: Endlich die Frage: Was bedeutet Ihr Lächeln?
AMY: Den Ausdruck aller Gesichter, wenn Ihr Name fällt.
HELENE: Sie reizen meine Neugier lange.
AMY: Aus Furcht, Sie zu verletzen.
HELENE _plötzlich die Brust öffnend_: Ich habe die unempfindlichste
Haut, Liebe.
AMY: Aber Sie tragen sie zu empfindlich ins Theater.
HELENE: Kurz, um was handelt es sich?
AMY: Um Ihre Begeisterung.
HELENE: In Ihrer Sprache ein Mann. Welchen? Reden Sie nun. Offen
gesprochen.
AMY: Der einzige, der in Betracht kommt.
HELENE: Präziser.
AMY: Nicht um George.
HELENE: Miserabler Anfang. Fügen Sie das Ende hinzu.
AMY: Ich trenne mich ungern von Übergängen.
HELENE: Schluß.
AMY: Kean.
HELENE: Welches Terrain! So tief! Es ist nicht Ihre Ansicht. Sie kennen
mich. Man redet so. Gut. Wer?
AMY: Man sagt es nicht. Man lächelt.
HELENE: Gut. Wenn Sie mich heut frügen, an meiner Stelle, ob ich glaube,
daß zwischen Kean und Ihnen etwas bestände ...
AMY: Ich begreife nur, was ich erlebe. Die Frage ist zwecklos. Ich habe
kein Talent für philosophische Entzückungen.
HELENE: Gut. Sie weichen aus. So werden Sie ein Lächeln lernen, das Ihr
früheres hinwegblitzt. Verdacht entwaffnet man nicht mit Beweis. Eher
durch Geständnis. Ich liefre nur meinen Geschmack. Glauben Sie, eine
Sekunde hätte vermocht, mich zu reizen, anzunehmen, daß das, was
zwischen von Damen ausgehaltenen Equipagen und betrunkenen Matrosen
hintaumelt, den Ruhm eines bedeutenden Schauspielers sich zugesellt, zur
Erfüllung von Wünschen auch nur bedacht werden könne, die wahrlich
anderes verlangen als solche Episoden? Mich ekelt. Ich rede frei.
AMY: Ich bin Ihre Freundin. Ich werde es Ihren Freunden sagen.
HELENE: Gut. Aber ... Süßes ... Sagen Sie es nicht Devonshire.
AMY: Sie erschrecken mich.
HELENE: Er ist ein Geschichtenerzähler.
AMY: Sie peinigen mich.
HELENE: Ein galanter Junge. Kavalier. Fit. Sportiv.
AMY: Erlösen Sie mich.
HELENE: Ein Nacken wie ein Mädchen. Schöne Hände, meine Süße.
AMY: Sie nehmen eine furchtbare Revanche, mich zu quälen.
HELENE: Ein Ring daran mit Onyx und Brillanten. Ich erinnere mich statt
dem Onyx Aquamarin gesehen zu haben. Damals trug ihn Ihr Gatte. Zwei
Ösen ausgebrochen, schlecht verbessert. Nehmen Sie einen besseren
Juwelier, Gräfin. Der Ring ist sonst indiskreter wie sein Besitzer.
AMY: Ihre Grausamkeit ...
HELENE: Wiegt Ihr Lächeln auf, Süße. Erzählen Sie Devonshire nicht meine
Geschichte, er könnte sie ins Gegenteil verkehren wie die Ihren.
HAUSINTENDANT _mit Stock meldend_: Graf Koefeld.
AMY: Ich bin vernichtet. Ich kann niemand sehen. _Läuft in den
Nebenraum._