Zuerst ging es auf den Iltis-Platz, welcher unsere Rennbahn

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| als ~Antiqua~. |

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[Illustration: Ullstein

Kriegsbücher]

Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau

Die Abenteuer des

Fliegers von Tsingtau

Meine Erlebnisse in drei Erdteilen

von

Kapitänleutnant

Gunther Plüschow

[Illustration: 1916]

Verlag Ullstein & Co, Berlin

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten.

Amerikanisches Copyright 1916 by Ullstein & Co., Berlin.

Inhalt

Fliegerfreuden und Fliegerleiden 11

Herrliche Tage in Tsingtau 28

Kriegsalarm -- Meine Taube 37

Allerhand Scherze der Japs 61

Meine Kriegslist 70

Hurra! 79

Der letzte Tag 86

Im Schlamm des chinesischen Reisfeldes 98

Die Fischvergiftung des Mr. McGarvin 108

Sie haben mich! 135

Hinter Mauern und Stacheldraht 148

Die Flucht 188

Schwarze Nächte an der Themse 196

Ein blinder Passagier 237

Der Weg in die Freiheit 239

Wieder im Vaterland! 243

Fliegerfreuden und Fliegerleiden

Es war im August des Jahres Neunzehnhundertunddreizehn, als ich in

meiner Heimatstadt Schwerin anlangte. Mehrere Wochen hatte ich mich in

England aufgehalten, hatte mich vor allen Dingen in London dem Studium

der dortigen reichhaltigen Kunstschätze hingegeben und mich tagelang in

London und seiner Umgebung herumgetrieben. Damals ahnte ich nicht, wie

wertvoll mir diese Streifzüge zwei Jahre später werden sollten.

Eine gewisse innere Erregung und Unruhe hatte mich schon auf der ganzen

Reise befallen, und als ich in Schwerin ankam, wagte ich nicht, meinem

Onkel, der mich abholte, die Frage, die mir seit Tagen auf der Seele

gebrannt hatte, zu stellen. Denn in diesen Tagen sollten die neuen

Herbstkommandierungen der Marine herauskommen, und für mich handelte es

sich darum, ob mein seit Jahren genährter Wunsch endlich in Erfüllung

gehen sollte.

Die Frage meines Onkels: „Weißt du, wo du hinkommst?” traf mich wie ein

elektrischer Schlag.

„Nein.”

„Na, dann herzlichen Glückwunsch, Marine-Fliegerabteilung!”

Vor Freude hätte ich am liebsten mitten auf der Straße einen Handstand

gemacht, doch die guten Schweriner Mitbürger wollte ich nicht zu sehr

in Aufruhr versetzen.

Endlich war also mein Wunsch erfüllt!

Die letzten Tage des Urlaubs vergingen wie im Fluge, und froh

kehrte ich zur Marineschule zurück, um die letzten Wochen meiner

anderthalbjährigen Tätigkeit als Inspektionsoffizier zu vollenden, und

wohl noch nie habe ich mit größerer Freude meine Koffer gepackt, um

meiner neuen Bestimmung entgegenzufahren.

Gerade einige Tage vor meiner Abfahrt kam einer meiner Kameraden zu mir

und rief mir zu:

„Wissen Sie schon das Neueste, wo Sie hinkommen sollen?”

„Ja, Flieger.”

„Mensch, Sie ahnen ja noch gar nicht Ihr Glück, Sie kommen ja nach

Tsingtau!”

Ich war sprachlos und muß ein ziemlich dummes Gesicht gemacht haben.

„Ja, Tsingtau, und zwar als Flieger! Sie Glückspilz, Sie sollen der

erste Marineflieger in Tsingtau werden!”

Es war wohl kein Wunder, daß ich dieses nicht glauben wollte, bevor ich

die offizielle Bestätigung erhielt. Es war Wirklichkeit. So viel Dusel

sollte ich tatsächlich haben.

Drei Monate Wartezeit noch in Kiel, und endlich brach der erste Januar

Neunzehnhundertundvierzehn an, und ich befand mich im geliebten Berlin.

Und die Unruhe! Gar nicht zu bremsen war ich. Und schon am zweiten

Januar stand ich in Johannisthal und dachte, sofort mit dem

Fliegen anfangen zu können. Aber mir ging es wie wohl den meisten

Flugschülern. Zum ersten Male erfuhr ich den alten Erfahrungssatz der

Fliegerei: Nur die Ruhe kann es machen, wer fliegen will, muß vor allen

Dingen warten lernen!

Warten, warten und immer wieder warten. Achtzig Prozent der ganzen

Fliegerei besteht nur aus Warten und Sich-klar-Halten.

Es hatte nämlich Frau Holle gefallen, ihre Daunenkissen auszuschütteln,

und das ganze Flugfeld war unter einer tiefen Schneeschicht begraben.

Fliegen unmöglich. Und wochenlang kam ich jeden Morgen wieder und

dachte: Nun muß doch der Schnee fort sein! Aber enttäuscht kehrte ich

nachmittags wieder nach Hause zurück.

Im Februar endlich wurde es schön. Und am ersten Februar saß ich

glücklich vorn in meiner Taube, und auf ging es zum ersten Male in die

herrliche kalte Winterluft hinauf. Das Wetter meinte es gut in diesen

Tagen, und unermüdlich wurde Tag für Tag geschult.

Die Fliegerei lag mir, das hatte ich bald heraus. Und ich war

ganz stolz, als ich schon am dritten Tage allein fliegen durfte.

Zwei Tage war ich gerade allein geflogen, da kam an einem schönen

Sonnabendnachmittag mein unermüdlicher Lehrer Werner Wieting zu mir und

sagte: „Na, wie wär's, Herr Oberleutnant, wollen Sie nicht gleich Ihr

Pilotenexamen machen? Das wäre doch ein netter kleiner Rekord!”

„Ja, natürlich, ich bin klar!”

Zehn Minuten später saß ich bereits in der Maschine, und lustig

drehte ich mit meinem Täubchen die vorgeschriebenen Kurven. Es war

eine wahre Lust, sich in der herrlichen Winterluft herumzutummeln. Und

als die letzte Prüfungslandung tadellos geglückt war, und als mein

Lehrer mir stolz zum Glückwunsch die Hand reichte, da war mir so recht

wohl zumute, und ein Gefühl der inneren Befriedigung und des Glücks

beschlich mich.

Nun war ich also Pilot. Die Schulzeit war vorüber, und frei und allein

konnte ich von jetzt ab täglich eine der großen hundertpferdigen

Maschinen nach Herzenslust fliegen.

Ein Sonderunternehmen sollte mir damals viel Freude bereiten.

Rumpler hatte einen neuen Eindecker herausgebracht, der besonders

auf gutes Steigen gebaut war. Es galt nun, mit diesem Flugzeug

den Welthöhenrekord zu erringen. Der bekannte Flieger Linnekogel

sollte dieses Flugzeug steuern, und er bat mich, als sein Beobachter

mitzufliegen. Was war selbstverständlicher, als daß ich ja sagte!

An einem der letzten Tage im Februar starteten wir zum ersten Versuch.

Dicht eingehüllt zum Schutz gegen die große Kälte saßen wir in unserem

Flugzeug, und voll Neid blickten uns viele Menschenaugen nach, als

sich leicht wie eine Libelle schon nach kurzem Anlauf der Vogel

erhob. Mit der Uhr in der Hand beobachtete ich die Höhe, und schon

nach fünfzehn Minuten waren zweitausend Meter erreicht, damals eine

außerordentliche Leistung. Nun ging es aber langsam. Die Luft wurde

sehr unruhig, und wie eine Feder wurden wir durch die heftigen Fallböen

auf und ab geworfen. Nach einer Stunde hatten wir endlich viertausend

Meter erreicht, als mit einem Fauchen und Spucken der Motor anfing

zu streiken und nach wenigen Sekunden mit einem Ruck stehenblieb. In

Spiralen glitten wir mit großer Geschwindigkeit dem Boden zu, und

wenige Minuten später stand das Flugzeug wohlbehalten auf dem Flugplatz.

Die Kälte war zu groß gewesen, der Motor war einfach eingefroren und

dieses Hindernis nicht bedacht worden. Emsig wurden Verbesserungen

eingebaut. Schon einige Tage später starteten wir zum selben Versuch,

und dieses Mal schienen wir mehr Glück zu haben.

Ruhig und sicher gewannen wir stetig an Höhe.

Viertausend Meter, viertausendzweihundert, viertausendfünfhundert

Meter, Gott sei Dank, der Rekord vom letzten Male war gebrochen! Die

Kälte war fast unerträglich, und ich glaube, selbst die dickste Pelle

hätte bei dem scharfen Luftzug nichts geholfen.

Viertausendachthundert, viertausendneunhundert Meter! Nun fehlten nur

noch vierhundert Meter, dann war das gesteckte Ziel erreicht. Aber

wie verzaubert weigerte sich das Flugzeug, auch nur einen Meter höher

zu klettern. Es half nichts. Der Betriebsstoff ging auf die Neige,

und wiederum setzte der Motor plötzlich aus, diesmal in Höhe von

viertausendneunhundert Metern.

Ohne einen Tropfen Benzin langten wir wohlbehalten unten an, fast zu

einem Eisklotz erfroren.

_Alles_ hatten wir nicht erreicht, aber doch einen schönen Erfolg: der

deutsche Höhenrekord war glänzend gewonnen!

Der Erfolg spornte uns aber dazu an, auch das letzte Ziel zu erreichen.

Und Anfang März endlich war das Wetter wieder so weit, daß ein neuer

Versuch unternommen werden konnte. Noch dicker eingehüllt wie das

letztemal, mit Thermometer versehen, aber ohne Sauerstoffapparat

verließen wir zu einem dritten Versuche den Flugplatz.

Die ersten Höhen wurden wieder spielend gewonnen. Große Wolken

schwebten am Himmel, die Temperatur war eisig. Als wir durch die

Wolkendecke nach oben in den strahlenden Sonnenschein durchstießen,

hatten wir ein herrliches Erlebnis. Plötzlich sahen wir nämlich vor uns

von der Sonne wunderbar beleuchtet ein Zeppelin-Luftschiff, welches

ebenfalls zu einer Höhenfahrt aufgestiegen war.

Welch wunderbare Begegnung in über dreitausend Metern Höhe! Weitab von

allem Menschengetriebe, hoch über des Alltags Sorge und Last trafen

sich die beiden Maschinen, die so beredt von Deutschlands Kraft und

Können zeugten.

Wir umkreisten den großen Bruder einige Male und winkten ihm mit den

Händen ein stummes „Glück ab” zu!

Dann fing der Ernst für uns wieder an. Und unermüdlich mußten

wir arbeiten, um unser Ziel zu erreichen. Nach einer Stunde

hatten wir viertausendachthundert Meter erreicht, dann kamen

viertausendneunhundert, mein Barograph zeigte bald fünftausend, und

immer noch brummte der Propeller seine gleichmäßige Melodie. Ruhig und

sicher zog Linnekogel seine Kreise. Das Thermometer zeigte bereits

minus siebenunddreißig Grad Celsius, aber wir achteten der Kälte

nicht. Nur die Luft wurde etwas knapp. Ein leises Gefühl der Müdigkeit

beschlich mich, und die Lungen arbeiteten nur noch in ganz kurzen

schnellen Stößen. Jede Bewegung war beschwerlich. Und selbst das

einfache Umdrehen nach dem hinter mir sitzenden Führer war mit großer

Anstrengung verbunden.

Der Himmel war inzwischen herrlich geworden. Die Wolkenbänke hatten

sich verzogen, und wunderbar klar lag unter uns Berlin und seine

Umgebung. Nur so groß wie eine Handfläche sah die Weltstadt aus

dieser enormen Höhe aus. Ein schwarzer Fleck, in dem man aber klar

und deutlich die Straße Unter den Linden und die daran schließende

Charlottenburger Chaussee verfolgen konnte.

Von diesem wunderbaren Anblick gänzlich hingerissen, hatte ich längere

Zeit nicht auf Uhr und Barograph acht gegeben, und voll Schrecken

entsann ich mich meiner Pflichtvergessenheit. Zwanzig Minuten waren

etwa vergangen, seitdem ich das letztemal nachgesehen hatte, daß mein

Barograph auf fünftausend Meter stand, und jetzt mußte eigentlich das

Ziel erreicht sein. Aber wie wurde ich enttäuscht, als mein Zeiger

immer noch auf fünftausend stand. Dabei fing Linnekogel an, mir Zeichen

zu machen, den Flugplatz zu suchen, und deutete mit der Hand nach

unten. Nein, das war mir doch zu arg. Ärgerlich drehte ich mich um,

und als Linnekogel dieses nicht sah, versetzte ich ihm einen nicht

gerade sanften Tritt gegen sein Schienbein. Dabei hielt ich ihm meine

gespreizten fünf Finger vor die Nase und deutete mit der Hand nach

oben. Das sollte heißen: Höher, höher, wir sind ja erst fünftausend

Meter!

Linnekogel lachte nur, er ergriff meine Hand, schüttelte sie kräftig

und zeigte mit der Rechten zweimal fünf. Ich dachte erst, der hat

einen Klaps. Und dies wurde noch bestärkt, als Linnekogel den Motor

abstellte und in einem steilen Gleitfluge (wir waren senkrecht über

Potsdam) in gerader Linie dem Flugplatz Johannisthal zuraste. Nun hieß

es für mich aufpassen, den Flugplatz finden. Und glücklich standen wir

sechzehn Minuten später vor den Rumplerwerken, freudig begrüßt von den

Zuschauern.

Es war erreicht! Der Welthöhenrekord war mit fünftausendfünfhundert

Metern gebrochen.

Eine Stunde fünfundvierzig Minuten hatte im ganzen die Fahrt gedauert.

Stolz standen wir unter unseren untengebliebenen Mitmenschen.

Linnekogel hatte doch recht gehabt; mein Barograph war eingefroren,

der Linnekogels, der besser und wärmer eingepackt war, hatte richtig

durchgehalten.

Die Tage vergingen, und für mich kam die Zeit, wo ich die Heimat

verlassen mußte.

Meine für Tsingtau neu gebaute Taube näherte sich ihrer Vollendung,

und mit einem ganz seltsamen Gefühl flog ich mein zukünftiges Flugzeug

ein, nachdem es die Abnahmebedingungen bestanden hatte. Mich dünkte es

damals das schönste Flugzeug der Welt!

Doch mein Ehrgeiz war damit nicht gestillt. Und unbedingt mußte ich vor

meiner Abreise nach dem fernen Osten einen größeren Überlandflug in

Deutschland ausführen.

Ich hatte Glück. Meine Bitte fand bei Herrn Rumpler Gehör, und er

überließ mir eines seiner Flugzeuge, um mehrere Tage in Deutschland

herumzufliegen. Mein Feldpilotenexamen war schnell gemacht, und

Ende März saß ich an einem Tage früh um sieben Uhr in meiner voll

ausgerüsteten Taube, vor mir als Beobachter mein Freund, der lange

Oberleutnant Strehle von der Kriegsakademie.

Dieser saß heute zum erstenmal in einem Flugzeug. Aber an diesen Flug

wird er, glaube ich, sein ganzes Leben lang denken.

Glänzend war der Start. Und stolz zog ich meine Kreise, bis ich in

fünfhundert Meter Höhe in nördlicher Richtung davonflog. Alles klappte

famos. Die Havelseen wurden überquert, Nauen kam in Sicht, als es

plötzlich anfing, diesig zu werden, und keine zehn Minuten später

war das Pech auch schon da. Dichter Nebel umhüllte uns. Vom Boden war

nichts mehr zu sehen. Das war für den ersten Überlandflug, den ich in

meinem Leben machte, eine etwas harte Prüfung. Aber sorglos, wie man

eben nur als junger Flieger ist, dachte ich bei mir: Nur Mut, die Sache

wird schon schief gehen. Und ruhig flog ich in dem dichten Nebel, mich

nach meinem Kompaß richtend, nach Norden zu, denn Hamburg war unser

Ziel. Nach zwei Stunden konnte ich endlich in dreihundert Metern Höhe

den Boden unter mir wieder sehen, und wer beschreibt meine Freude,

als ich einen großen schönen Acker bemerkte. Im stolzen Gleitfluge,

just als ob ich über dem Flugfelde wäre, glitt ich nieder und stand

bald wohlbehalten mitten auf dem Sturzacker. Leute kamen zu Dutzenden

herbei, und groß war meine Freude, als ich erfuhr, daß ich mich auf

gutem mecklenburgischem Boden befand und vor allen Dingen dort, wo wir

uns nach meines Beobachters und meiner Berechnung befinden mußten.

Es war Feiertag, und so hatten wir den guten Leuten ein schönes

Sonntagsvergnügen bereitet. Als es aufklarte, wollten wir weiter. Aber

der weiche Boden hielt die Räder so fest, daß an ein Hochkommen nicht

zu denken war. Unter Freude und Gelächter, unter Hü und Hott und unter

manchem derben Scherzworte, welches wir über uns ergehen lassen mußten,

zogen die willigen Zuschauer den Riesenvogel über den Acker.

Und nachdem einige Bäume gefällt waren, ging es dann noch über einen

Graben hinüber und auf ein hartes Feld.

Trotzdem wir starten wollten, ließ man uns erst weg, nachdem wir uns an

vorzüglichem Kaffee und Napfkuchen gestärkt hatten.

Nach reichlichem Händeschütteln und vielem Hurrageschrei und

Tücherwinken beim Start waren wir wieder oben und zogen nördlichen Kurs

ein.

Die Freude dauerte nur kurze Zeit. Und schon fünfzehn Minuten später

waren wir wieder in graue Nebelschichten eingehüllt. Nach zwei Stunden

wurde die Sache ungemütlich, denn mit einem Male fing der verdammte

Motor an zu spucken und zu fauchen. Bald machte er dreihundert Touren

zu wenig, bald zweihundert zu viel!

Ich untersuchte alle meine Apparate und Ventile und bemerkte zu meinem

Schrecken, daß der Benzinvorrat rasend abnahm. So gut es ging, hielt

ich mein Flugzeug fest und glitt auf dreihundert Meter herunter.

Aber, o Schreck! Der Nebel verzog sich etwas, und wo war ich? Mitten

über der Alster! Und dabei ein aussetzender Motor und nur dreihundert

Meter hoch und keine Ahnung, wo der Flugplatz Fuhlsbüttel lag. Nun

gab's nur eins: Ruhe und Entschlossenheit. Ein Gedanke durchzuckte

mich: Raus aus der Stadt, und keine unschuldigen Menschenleben

gefährden! Auf einen Zettel schrieb ich meinem Beobachter: „Wir müssen

in fünf Minuten gelandet sein, sonst haben wir keinen Betriebsstoff

mehr und gehen baden!” Suchend spähte mein Beobachter nach unten, und

plötzlich zeigte er freudig erregt mit der Hand nach einem unter uns

liegenden Kirchhof. Der gute Kamerad! Er ahnte ja nicht, in welcher

Lage wir uns befanden und welch ein Hohn eigentlich aus seiner

Armbewegung sprach.

Wir waren bereits zweihundert Meter herunter. Der Motor ruckte

ungleichmäßig, die Benzinuhr zeigte zehn Liter. Ich aber war froh.

Aus der Stadt waren wir glücklich heraus, und wenn auch an eine

glatte Landung in dem Gartengewirr für uns nicht zu denken war,

fremde Menschenleben konnten wir wenigstens nicht mehr gefährden. In

solchen Situationen ist jede Sekunde eine Ewigkeit, und Gedanken und

Überlegungen jagen sich in unheimlicher Geschwindigkeit. Wer da nicht

ruhig bleibt, eisernen Willen zeigt, der ist verloren. Mein Beobachter

fing plötzlich an mit der Hand zu schwenken und nach vorn zu zeigen.

Und ich sehe jetzt noch im Geiste seine strahlenden Augen vor mir, die

mir durch seine Fliegerbrille entgegenleuchteten.

Vor uns schimmerte, von den Strahlen der untergehenden Sonne durch den

Nebel matt beleuchtet, die Luftschiffhalle von Fuhlsbüttel.

Hurra! Unser Ziel war erreicht.

Wer beschreibt meine Freude! Mit dem letzten Liter Benzin machte ich

noch eine Ehrenrunde um den Flugplatz, und nach steilem Gleitfluge

setzte die Taube leicht und sicher auf dem Platze auf.

In der ersten Freude wäre ich meinem Beobachter am liebsten um den

Hals gefallen. Der gute Kerl hatte ja gar nicht geahnt, in welcher

Gefahr wir uns befunden hatten, und war höchst erstaunt, als ich ihm

davon erzählte. Noch jetzt, wo ich wirklich weiß, was fliegen heißt,

überläuft es mich kalt, wenn ich an diesen ersten Überlandflug denke!

Der Versager war bald festgestellt. Der untere Teil des einen Vergasers

war abgebrochen, und das Benzin floß durch die Bruchstelle ab, so oft

durch die Erschütterungen des Motors der Riß erweitert wurde. Daher

auch das schnelle Fallen des Benzins und der ungleiche Gang des Motors.

Daß kein Vergaserbrand entstand, ist mir heute noch ein Rätsel.

Nachdem wir drei Tage bei liebsten Freunden in Bremen zugebracht

hatten, kam endlich der neue Vergaser in Hamburg an. Nun wollen wir

weiter.

Nächstes Ziel: Schwerin in Mecklenburg.

An einem regnerischen, stürmischen Nachmittage setzte ich mich in meine

vollbeladene Maschine. Ein Zug am Hebel, und mit Vollgas schwirrten wir

los.

Heutzutage würde ich bei solchem Wetter nur fliegen, wenn es unbedingt

nötig wäre. Damals besaß ich aber die Naivität und vor allen Dingen

die Begeisterung eines jungen Fliegers. Das Glück im Unglück ließ

auch nicht lange auf sich warten. Das schwergeladene Flugzeug wollte

nicht hoch, die Böen warfen es hin und her wie einen Spielball, und

ich wäre gerne umgedreht. Aber daran war bei der geringen Höhe nicht

zu denken. Nun kamen auch schon die ersten Häuser von Hamburg. Darüber

hinwegzukommen unmöglich! Ich war sechzig Meter hoch, unter mir sah

ich ein kleines Feld. Also kurz entschlossen: Gas weg! Landen! Im

selben Augenblick faßte mich eine Fallbö, ich fühlte, wie das Flugzeug

unter mir weggezogen wurde, und da ich dachte: Jetzt zerschellst du

auf dem Boden, gab ich Vollgas und riß das Höhensteuer hoch, um den

Anprall abzuschwächen. Aber im selben Moment fühle ich einen Ruck unter

mir, und die Maschine stellte sich steil auf den Kopf, als wenn eine

unsichtbare Hand das Fahrgestell festgehalten hätte.

Das Folgende war nur noch ein Werk von Bruchteilen von Sekunden. Ich

riß an meinem Höhensteuer, nahm Gas weg, und schon erhielt ich einen

schweren, harten Stoß. Krampfhaft hielt ich mein Steuerrad fest und

flog mit meinem Kopf hart gegen die Karosserie.

Totenstille um mich herum.

Tiefe Finsternis und furchtbares Schweigen. Durch einen Strom beißender

Flüssigkeit, der über mein Gesicht herabfloß, kam ich wieder zu mir.

Mit den Beinen nach oben, den Körper zusammengepreßt und das Gesicht

gegen meine Brust gedrückt, lag ich still da. Da durchzuckte es mich:

Du bist ja abgestürzt, das Flugzeug kann jeden Moment anfangen zu

brennen, und du bist mit deinem Beobachter verloren! Tastend suchte

ich in meiner zusammengequetschten Stellung nach dem Zündhebel und war

froh, ihn endlich gefunden und die Zündung ausgeschaltet zu haben.

Dann kam langsam das Bewußtsein der Wirklichkeit zu mir zurück, und

ich dachte an meinen armen Beobachter. Der saß ja vorne, hatte den

ersten Anprall abzuhalten und mußte bereits zerquetscht sein, wenn

die Karosserie den Stoß nicht ausgehalten hatte. Als sich vorn nichts

rührte, fragte ich endlich mit gepreßter Stimme, denn ich war so

zusammengequetscht, daß ich kaum noch Luft bekam: „Strehlchen, leben

Sie noch?”

Pause, entsetzliche Stille.

Auf meine zweite Frage vernahm ich dann:

„Ja! Was ist eigentlich los? Hier ist es so dunkel, ich glaube, es muß

etwas passiert sein.”

O, wie frohlockte ich da. Ich schrie förmlich vor Vergnügen:

„Strehlchen, Mensch, Sie sind ja am Leben, das ist die Hauptsache! Sind

Ihre Knochen eigentlich noch heil?” Der gute lange Kerl war in dem

kleinen Raum schrecklich zusammengequetscht, und ich hörte nur noch

sein: „Ja, ich weiß nicht, das wird sich hoffentlich später feststellen

lassen.”

Dann war es wieder still. Das Benzin floß noch aus dem mit

hundertsiebzig Litern gefüllten Tank in Strömen aus, und nach einer

Zeit, die mir die Ewigkeit dünkte, klopfte jemand draußen an, und von

weither erklang eine Stimme:

„Na, lebt da noch jemand drin?”

„Und ob,” rief ich, „nun man dalli, sonst ersticken wir hier noch drin!”

An dem Flugzeugrumpf wurde gehoben. Ich hörte mit Spaten graben, und

endlich drang frische Luft zu uns herein.

„Halt”, rief Strehle, „anderen Weg anlüften, ihr brecht meinen Arm ab!”

Die Helfer versuchten es von der anderen Seite, und endlich wurde mir

mein Sitz abgelüftet, und ich lag frei und weich auf einem wunderbar

duftenden Mistbeet. Da kroch auch schon der lange Strehle hervor, und

nicht oft habe ich einem Menschen so glücklich die Hand geschüttelt wie

diesem treuen Begleiter.

Donnerwetter! Sah das böse aus. Die Maschine vollkommen überschlagen,

ungefähr ein Meter in den weichen Düngerhaufen tief hineingebohrt. Der

Rumpf dreimal gebrochen, die Tragflächen nur noch ein Knäuel von Holz,

Leinwand und Drähten.

Und diesen Absturz hatten zwei Menschen heil und glücklich überstanden!

Strehle hatte sich nur das Rückgrat etwas verstaucht und ich mir zwei

Rippen gebrochen. Das war alles. Nie in meinem Leben schimpfe ich

wieder über einen Misthaufen. Möge ihm und seinen Nachfolgern ewiges

Gedeihen beschieden sein!

Traurig und etwas hinkend legten wir den Rest der Abschiedsreise per

Bahn zurück.

Aber dann kamen Tage voll Sonnenschein und Licht, voller Wärme und

Glückseligkeit und voller Blumen, wunderbarster Blumen in unerhörtester

Schönheit und Fülle.

Und dann kam die Pflicht, und die Fahrt begann.

Herrliche Tage in Tsingtau

Tagelang ging's in der Eisenbahn durch Rußlands Steppen und Wüsten

hindurch der Bestimmung, dem fernen Osten, entgegen.

Endlich Mukden! Peking war bald vorüber ... Tsinanfou! Die ersten

deutschen Laute klangen mir entgegen, dann kamen die letzten zehn

Stunden der Eisenbahnfahrt durch wunderbares blühendes Ackerland voller

Gärten, Felder und Blumen; und endlich lief der Zug langsam auf dem

Hauptbahnhof von Tsingtau ein.

Tsingtau sah ich nun nach sechs Jahren wieder!

Nun war ich wieder auf deutschem Grund und Boden, in einer deutschen

Stadt im fernen Osten.

Meine Kameraden holten mich ab. Unter schnellem Trippel-Trappel zogen

mich die kleinen mongolischen Steppenpferdchen der neuen Heimat zu.

Zuerst ging es auf den Iltis-Platz, welcher unsere Rennbahn war

und gleichzeitig mein Flugplatz werden sollte. Festlich prangte

der Ort, und ganz Tsingtau war hier versammelt. In der Mitte der

weiten Rasenfläche hatte sich ein ungeheurer Kreis von Zuschauern

gebildet, welche den Fußballplatz umgaben. Heute war Festtag, und ein

großes Fußballwettspiel wurde zwischen den deutschen Matrosen und

ihren englischen Kameraden vom englischen Flaggschiff „Good Hope”

ausgetragen.

„Good Hope” weilte zu Besuch in Tsingtau. Es wurde ein glänzendes Spiel

und endete 1: 1.

Wer hätte das damals geahnt! Knapp sechs Monate später traten sich

dieselben Gegner gegenüber, aber dann war es ernstes, furchtbares

Spiel, bei dem es nur Siegen oder Sterben gab. Es war bei der

Seeschlacht von Coronel, in der die deutschen Blaujacken in

siebenundzwanzig Minuten das englische Flaggschiff „Good Hope” in die

furchtbare Tiefe des Stillen Ozeans hinabsandten.

Heute wußte noch keiner etwas von den kommenden Ereignissen, und

froh bewegt und in bester Kameradschaft vereint nahmen die deutschen

Matrosen ihre englischen Gäste mit nach Hause. Zwei Tage später lief

das englische Geschwader aus, kurz hinterher unser Kreuzergeschwader

unter der Führung des Admirals Grafen von Spee.

Und lustig flatterten die Flaggen im Winde, die das Signal der beiden

Geschwaderchefs überbrachten, welches lautete: „Leben Sie wohl, auf

Wiedersehen!”

Wer ahnte es: Bei Coronel sollte es geschehen.

Gleich nach meiner Ankunft und nachdem die dienstlichen Meldungen

erledigt waren, sah ich mich nach meinem Flugzeug um und hoffte schon

in den nächsten Tagen den erstaunten Tsingtauern meinen Riesenvogel

vorführen zu können. Aber Mahlzeit! Ruhig konnte ich wieder einige

Wochen warten, denn mein Flugzeug schwamm noch quietschfidel um Indien

herum, und der Dampfer wurde erst im Juli erwartet.

Na, denn nicht, liebe Tante, sagte ich und hatte nunmehr vollauf

Zeit, mich in Tsingtau umzusehen und mir eine Wohnung zu suchen. Eine

entzückende kleine Villa war bei meinem Flugplatze gerade frei, und

schleunigst wurde diese gemietet, und ich bezog dieses entzückende Heim

mit meinem neuen Kameraden Patzig.

Alles, um mich wirklich glücklich zu fühlen, war vorhanden. Mein

schönes Kommando, das Landkommando der Marine; ich war in Tsingtau,

dem Paradiese auf Erden, meine dienstliche Tätigkeit war die schönste,

die ich mir wünschen konnte, und dabei diese entzückende Villa, hoch

auf einer Anhöhe gelegen mit wunderbarer Aussicht auf den Iltis-Platz

und das weite tiefblaue Meer. Außerdem gehörte ich zur berittenen

Truppe, drei wunderbare Jahre lagen vor mir. Wer sollte glücklicher

und zufriedener sein als ich? Jetzt ging's an die Inneneinrichtung der

Wohnung. Ich hatte eine ganze Anzahl Bilder über Wohnungseinrichtungen

aus der „Kunst”, und mit diesen zog ich zu unserem tüchtigen

Chinesentischler und bestellte danach eine Einrichtung. Es ist geradezu

erstaunlich, mit welcher fabelhaften Geschicklichkeit die Chinesen

alles nachmachen können, und dabei in unglaublich kurzer Zeit und ganz

besonders billig. Als vier Wochen später alles angelangt war, die Möbel

an dem richtigen Platz standen und das Haus von oben bis unten glänzte

und leuchtete, da zogen wir frischgebackenen „Villenbewohner” stolz

und freudig in unser neues Heim. Nichts fehlte. Und besonders war

auch das erforderliche Dienstpersonal vorhanden. Damit der Europäer im

fernen Osten Ansehen vor den Chinesen gewinnt, muß er sich mit viel

chinesischem Dienstpersonal umgeben, und es ist fast eine moralische

Pflicht jedes Europäers, dies zu tun.

Moritz, der Koch, in seinem schönen blauseidenen Ischang; Fritz, der

Mafu (Pferdeknecht), stets grinsend, dafür aber um das Wohl der Pferde

sehr bedacht; Max, der Gärtner, faul wie die Sünde, und endlich August,

der freche kleine Laufjunge, bildeten das Heer unserer dienstbaren

Geister.

Dazu kamen „Herr” Dorsch und „Herr” Simon.

Diese beiden „Herren” waren unsere Burschen, die von der Sitte

des fernen Ostens, daß der Europäer im Beisein der Chinesen nicht

körperlich arbeiten _darf_, redlich Gebrauch machten.

Ein großer Garten umgab unser Haus, in dem sich auch noch der

Pferdestall mit Wagenremise, Autogarage und Chinesenwohnungen befanden.

Das Wichtigste aber war: mein Hühnerstall. Schon zwei Tage nach meiner

Ankunft hatte ich mir eine Bruthenne gekauft, ihr ein Dutzend Eier

untergelegt, und als wir die Wohnung bezogen, hatte ich bereits sieben

lebendigen Küken das Leben geschenkt.

Geflügel ist billig in China. Das Huhn kostet zehn Pfennig, eine Ente

oder Gans eine Mark, und so hatte ich auch bald einen Geflügelhof von

fünfzig Tieren zusammen.

Ja, richtig, ich war ja „Reiter” geworden! Also ein Pferd beschaffen!

Einer der Kameraden hatte einen entzückenden kleinen Fuchs. Wir wurden

handelseinig, und bald darauf stand „Fips” in meinem Stall. „Fips” war

ein entzückendes Tier, gutes Dienstpferd, dabei tadellos für Jagdreiten

und Polospielen. Aber Wamse bekommt er doch, wenn ich ihn mal

wiedersehen sollte; denn während der Belagerung ließ der Lümmel mich

am Tage vor der Einschließung einfach im Stich, als ich ins Vorgelände

geritten war. Da einige Schrapnells in seiner Nähe krepierten, riß er

sich los und lief zum Feinde über.

Das ganze Leben in Ostasien ist für den Europäer recht eintönig. Wenig

Geselligkeit, keinerlei Theater, keine Musik, nichts von alledem, das

man so ungern vermißt. Die einzige Erholung und der einzige Trost sind

eben, daß man etwas besser lebt wie unter den gleichen Verhältnissen zu

Hause, und der Pferdesport. In Tsingtau blühte letzterer ganz besonders.

Mit Begeisterung widmete ich mich dem Poloreiten, und nachdem ich mich

einigermaßen an die ungewohnten Schlinger- und Stampfbewegungen meines

Pferdes gewöhnt hatte, ging die Kiste herrlich.

[Illustration: Der erste Absturz in Tsingtau.]

Mitte Juli wurde endlich meine Sehnsucht gestillt. „Der” Dampfer war

da und hatte die Flugzeuge mitgebracht. Kaum standen die riesigen

Kisten auf dem Kai, als ich auch schon mit meinen Leuten dabei war und

die armen Vögel, die zum Fluge durch Luft und Sonne geboren waren, aus

ihren dunklen Gefängnissen befreite, in denen sie monatelang gesessen

hatten. Da die Kisten zu schwer waren, mußten die Flugzeuge an Ort

und Stelle ausgepackt werden. Hei! Das Hallo unter den chinesischen

Gaffern. Als alles schön ausgepackt war, wurde der Triumphzug

angeordnet. Erst kamen die beiden Flugzeuge, dann kamen drei Wagen mit

den Tragflächen und dann zwei Wagen mit den Zubehörteilen. Die Pferde

zogen an, und stolz durchfuhren wir Tsingtau und zogen im Triumphe in

die Flughalle auf dem Iltis-Platz ein.

[Illustration: „August”, der freche Laufjunge.]

Nun gab es keine Ruhe mehr. Tag und Nacht arbeiteten wir am

Zusammensetzen und Verspannen, und zwei Tage später, ganz in der Frühe,

als noch kein Mensch es ahnte, stand mein Flugzeug klar am Startplatz,

und als die Sonne aufging, gab ich Vollgas und schoß in die wunderbare

reine Seeluft hinaus.

Den ersten Flug in Tsingtau werde ich nie vergessen. Der Flugplatz war

außerordentlich klein, nur sechshundert Meter lang und zweihundert

Meter breit, voll von Hindernissen und rings umgeben von Hügeln und

Felsen. Wie klein der Platz aber wirklich war und wie ungeheuer schwer

zum Starten und Landen, das sollte ich bald noch zur Genüge erfahren.

Mein Freund Clobuczar, ein früherer österreichischer Fliegeroffizier,

der jetzt auf der „Kaiserin Elisabeth” war, sagte mir mal: „Ein

Flugplatz soll das hier sein? Höchstens ein Kinderspielplatz! In meinem

ganzen Leben habe ich noch nicht gesehen, daß ein Mensch in einem

solchen Platze fliegen soll.” Mir ging's ähnlich so. Und ich würde mir

in Deutschland ein solches Plätzchen höchstens mal als Notlandungsplatz

aussuchen.

Aber zu machen war nichts. Es war dies der einzige Platz im ganzen

Schutzgebiete, alles andere war wild zerklüftetes Gebirge, durchzogen

von tiefen Ravinen. Doch an diesem wunderbar sonnigen Morgen kümmerte

ich mich nicht darum, und froh bewegt zog ich über Tsingtau meine

Kreise und scheuchte durch das Gebrumm meines Propellers die gänzlich

überraschten Tsingtauer aus ihrem Schlafe. Als ich zum Landen schritt,

wurde mir doch ein bißchen komisch zumute! Donnerwetter, war der Platz

klein! Und unwillkürlich drehte ich immer länger meine Kreise und

verschob immer wieder den kommenden kritischen Moment der Landung.

Doch ewig oben bleiben konnte ich ja nicht. Und endlich gab ich mir

einen Ruck, nahm Gas weg und stand einen Augenblick später nach

einer tadellosen Ziellandung auf meinem Platz. Nun war ich meiner

Sache sicher. Und den ganzen Morgen bin ich kaum aus meinem Flugzeug

herausgekommen.

Jetzt gings aber wieder an die Arbeit. Das zweite Flugzeug, auch

eine Rumpler-Taube, welches von meinem Kameraden vom Seebataillon,

Leutnant Müllerskowski, geflogen werden sollte, mußte zusammengebaut

und verspannt werden. Nach zwei Tagen, am einunddreißigsten Juli

Neunzehnhundertvierzehn, nachmittags war alles in Ordnung.

Müllerskowski stieg in sein Flugzeug, und nachdem ich ihm einige

Erfahrungen, die ich mit diesem Flugplatz nun schon gemacht, mitgegeben

hatte, zog er Vollgas und schwirrte los.

Das Glück blieb meinem Kameraden nicht hold.

Sein Flugzeug war eben einige Sekunden in der Luft und befand sich

zirka fünfzig Meter hoch gerade an der kritischen Stelle, wo Flugplatz

und gleichzeitig das Land endet und mit steilen Felsen ins Meer

abfällt, als es sich plötzlich zur Seite neigte und wir mit Schrecken

sehen konnten, wie es in sausender Fahrt mit dem Kopf vorneweg in die

Felsen hineinstürzte.

So schnell wir es vermochten, liefen wir zur Unfallstelle. Da sah es

bös aus. Das Flugzeug war vollständig zertrümmert, und zwischen diesen

Trümmern lag Müllerskowski. Schwer verletzt brachten wir ihn ins

Lazarett, wo er bis kurz vor Ende der Belagerung liegenbleiben mußte.

Das Flugzeug war vernichtet.

Inzwischen hatte sich auch in Tsingtau manches zugetragen. Der Juli mit

all seiner Schönheit und Pracht, mit wunderbarstem Sonnenschein und

tiefblauem Himmel war ins Land gezogen. Es ist der schönste Monat für

Tsingtau.

Das Badeleben stand in vollster Blüte; es waren besonders viele

und nette Fremde, in erster Linie Damen, aus den europäischen und

amerikanischen Niederlassungen Chinas und Japans herbeigeströmt, um

sich an Tsingtaus Schönheit zu erfreuen und in dem „Ostende des fernen

Ostens” das Badeleben zu genießen.

Es war eine ganz herrliche Stimmung. Auto- und Reitpartien, Polospiel

und Tennis füllten die dienstfreien Stunden aus, und besonders schön

waren abends die Reunions, bei denen Terpsichore voll zu Ehren kam.

Wie auch in den früheren Jahren waren die Engländerinnen unter den

Gästen am stärksten vertreten, und bald entwickelte sich ein reizender

Verkehr.

Anfang August sollte ein Polowettspiel stattfinden, zu dem wir als

Gegenspieler den englischen Poloklub in Schanghai eingeladen hatten.

Da, am dreißigsten Juli, traf wie ein Blitz aus heiterem Himmel der

Befehl der „Sicherung” in Tsingtau ein!

Kriegsalarm -- Meine Taube

Ich weiß es noch wie heute.

In aller Frühe kam eine Ordonnanz in unsere Villa und überbrachte

Patzig und mir den Befehl, umgehend zum Abteilungskommandeur zu kommen,

es wäre Sicherung befohlen. Wir dachten natürlich, es sei nur eine

Übung, und redlich brummend ob der Störung der Morgenruhe begaben wir

uns an den befohlenen Ort. Hier erhielten wir die Bestätigung der kaum

faßbaren Kunde. Und im Inneren fest daran zweifelnd, daß es Krieg geben

würde, eilten wir auf unsere Gefechtsstationen und begannen mit den

notwendigen Arbeiten.

Der Befehl: „Drohende Kriegsgefahr!”, der am nächsten Tage eintraf,

brachte endlich Gewißheit.

Und dann kam der erste August, die Mobilmachung wurde befohlen. Der

zweite August brachte die Kriegserklärung gegen Rußland und der dritte

die gegen Frankreich.

Diese Tage zu beschreiben, ist kaum möglich.

Man stelle sich bloß vor: Hier war deutsche Kolonie, deutsche Festung,

der größte Teil der Tsingtauer waren Offiziere und Soldaten. Dabei war

Tsingtau aber in seinem äußeren Gepräge international geworden. Russen,

Franzosen und Engländer befanden sich als Gäste mitten unter uns. Es

war ein Gegeneinanderwogen von Meinungen und Gefühlen, ein Zustand, wie

er wohl kaum wo anders auf der Welt angetroffen werden konnte.

Die Hauptfrage, ich möchte sagen, die Frage, die uns alle beschäftigte,

war: Gibt es Krieg mit England?

Nur der, der im fernen Osten gelebt hat, wird ermessen können, was

diese Frage bedeutete.

Am zweiten August wurde gerade unser Angebot an England bekannt, ich

ritt am selben Tage mit einer englischen Dame spazieren, und es war

nur selbstverständlich, daß dieses Thema unsern Hauptgesprächsstoff

bildete. Die Ansicht meiner Begleiterin deckte sich mit der all ihrer

Freunde und Freundinnen, daß ein Krieg zwischen England und Deutschland

undenkbar wäre, sonst würde auch besonders im fernen Osten das Prestige

der weißen Rasse vorüber sein und der gelbe Japs lachend die Früchte

unserer Zwietracht einheimsen können.

Auch uns Deutsche beschäftigte selbstverständlich nur dieser eine

Gedanke, und besonders bei uns Seeoffizieren war von nichts anderem

mehr die Rede. Eine Spannung, schlimmer als vor und während der ersten

Mobilmachungstage, beherrschte uns. Und wie eine Erlösung kam für uns

alle am vierten August die Nachricht:

Der Krieg gegen England ist erklärt!

Nun waren also in Europa die Würfel gefallen.

Daß wir uns alle sehr glücklich fühlten, kann ich nicht behaupten. Ganz

im Gegenteil. Immer und immer wieder sagten wir uns: „Nun sitzen wir

hier in dem fernen Tsingtau, zu Hause da sind unsere Brüder, unsere

Kameraden; die Glücklichen dürfen die wunderbaren Tage der Mobilmachung

miterleben, sie dürfen ausziehen gegen eine Welt von Feinden, sie

dürfen unser heiliges geliebtes Vaterland, dürfen Weib und Kind

verteidigen, und wir Armen sitzen hier und können nicht helfen!”

Schon der Gedanke, wie es in diesen Tagen zu Hause aussähe, konnte

uns rasend machen. Denn das wußten wir: Die Engländer, Russen und

Franzosen, die uns hier draußen an Zahl weit überlegen waren, würden

nicht den Mut finden, uns hier anzugreifen.

Und doch hatten wir immer wieder den einen Funken von Hoffnung: Sie

kommen doch noch!

Ach, wie hätten wir die empfangen!

An Japan dachte selbstverständlich niemand!

In all der Arbeit der Mobilmachungstage wurden unsere Gäste nicht

vergessen. Sie waren zwar fast alle unsere Feinde, aber sie blieben

unsere Gäste.

Die Aufregung unter ihnen ist wohl begreiflich. Vor allen Dingen, da

bereits Nachrichten über die geradezu bestialische Behandlung der

Deutschen durch die Engländer in den englischen Kolonien zu uns kamen.

Daß unser Verkehr mit den Fremden abgebrochen wurde, war

selbstverständlich, aber ebenso selbstverständlich war auch, und das

möchte ich an dieser Stelle ganz besonders den Engländern gegenüber

hervorheben, daß die vielen Angehörigen der feindlichen Staaten mit

einer Rücksicht behandelt wurden, wie es eben nur bei uns „Barbaren”

möglich war.

Den Fremden wurde bekanntgegeben, daß sie sich nach Belieben weiter

in Tsingtau aufhalten oder aber abfahren könnten, ohne irgendwelchen

Zwang, und daß das Gouvernement rechtzeitig ankündigen würde, wenn alle

Fremden die Kolonie räumen müßten. Verlangt wurde nur, daß keiner das

Stadtgebiet verließe und niemand sich mehr den Befestigungen näherte

oder Spionage triebe. Man halte sich hiergegen das Benehmen unserer

lieben Vettern in Hongkong und in so vielen anderen Orten der Welt vor

Augen!

Die, die es miterlebt haben, könnten Bände darüber schreiben.

Ein Trost war für uns: Wir erhielten täglich drahtlose Nachrichten von

Hause!

Den Jubel und die Freude kann man sich kaum vorstellen, die wir beim

Eintreffen der Nachrichten empfanden. Meist kamen die Telegramme

abends, und wir Offiziere saßen zusammen in unserem kleinen Kasino,

selbstverständlich von nichts anderem als vom Kriege sprechend. Und

wenn die herrlichen Siegesnachrichten eintrafen, dann war ein Jubel

ohnegleichen, aber doch empfanden wir dabei eine ganz unendliche

Traurigkeit, denn:

Wir konnten nicht dabei sein!

Dann kam der fünfzehnte August, und wir hielten eine Nachricht von

solcher Ungeheuerlichkeit in der Hand, daß wir an der Wahrheit des

Gelesenen zweifelten.

Die Ankündigung war folgende:

_Extrablatt_

„Wir betrachten es als äußerst wichtig und notwendig, in der

jetzigen Lage Maßnahmen zu treffen, um die Ursachen aller Störungen

des Friedens im fernen Osten zu beseitigen und die allgemeinen

Interessen zu schützen, die im englisch-japanischen Allianzvertrag

festgelegt sind, mit dem Zweck, festen und dauernden Frieden

in Ostasien zu sichern. Dieser Zweck ist die Grundlage des

Übereinkommens. Die kaiserlich japanische Regierung glaubt, daß es

ihre Pflicht ist, der kaiserlich deutschen Regierung zu raten, die

folgenden Vorschläge anzunehmen:

Erstens, die deutschen Kriegsschiffe sofort von den japanischen

und chinesischen Gewässern zurückzuziehen, ebenso die bewaffneten

Schiffe aller Art und diejenigen Schiffe, die nicht sofort

zurückgezogen werden können, zu entwaffnen.

Zweitens, das ganze Pachtgebiet von Kiautschou alsbald, nicht

später als am fünfzehnten September, den kaiserlich japanischen

Behörden ohne Bedingung und ohne Entschädigung zu übergeben, mit

der Aussicht auf evtl. Rückgabe an China.

Die kaiserlich japanische Regierung kündigt zugleich an, daß, im

Falle sie bis zum dreiundzwanzigsten August Neunzehnhundertvierzehn

keine Antwort von der kaiserlich deutschen Regierung erhalte,

in der sie die unbedingte Annahme der Vorschläge übermittelt,

die japanische Regierung gezwungen sein wird, ihre Maßnahmen zu

treffen, die sie in Anbetracht der Lage für notwendig erachtet.”

Darunter stand von unserem Gouverneur geschrieben:

„Es ist selbstverständlich, daß wir niemals darauf eingehen können,

Tsingtau an Japan ohne Schwertstreich auszuliefern. Nach der ganzen

Frivolität der japanischen Forderung kann man sich schon vorher

sagen, welche Antwort allein darauf erfolgen wird. Das aber bedeutet

natürlich, daß wir mit Ablauf der für die Beantwortung gesetzten Frist

auf die Eröffnung der Feindseligkeiten rechnen müssen, und das wird

natürlich ein Kampf bis zum Äußersten sein.

Angesichts des Ernstes der Lage darf jetzt selbstverständlich mit der

Fortschaffung von Frauen und Kindern keinen Augenblick länger gezögert

werden, das Gouvernement wird deshalb heute, Freitag vormittag,

auch noch einen Dampfer nach Tientsin abgehen lassen, der bereits

für die Aufnahme von rund sechshundert Personen vorbereitet ist. Es

ist dringend zu raten, daß von diesen Gelegenheiten, die Züge der

Schantungbahn verkehren ja auch weiter, nun auch von allen Gebrauch

gemacht wird, die nicht hierbleiben wollen.

Tsingtau macht klar zum Gefecht!”

Nun wußten wir, woran wir waren!

Über die Art und Schwere des Kampfes und über seine Aussichten waren

wir uns klar, aber wohl nie ist freudiger und unermüdlicher gearbeitet

worden. Eine Titanenarbeit wurde in diesen Wochen vollbracht. Und vom

ältesten Offizier bis zum jüngsten fünfzehnjährigen kriegsfreiwilligen

Automobilfahrer setzte jeder sein ganzes Können und sein ganzes

Denken, seine ganze Vaterlandsliebe darein, Tsingtau in den

Verteidigungszustand zu setzen.

Ich selber hatte bereits besonderes Pech gehabt. Drei Tage nachdem

Müllerskowski abgestürzt war, startete ich bei herrlichstem

Sonnenschein zu meinem ersten großen Erkundungsfluge und kehrte,

nachdem ich das ganze Schutzgebiet und Hunderte von Kilometern darüber

hinaus aufgeklärt hatte, froh der getanen Arbeit, nach Tsingtau zurück.

Ich war tausendfünfhundert Meter hoch, und die Landung war infolge der

Luftverhältnisse ganz besonders schwierig. Als ich mitten über dem

Platze in ungefähr hundert Metern Höhe noch mal Vollgas gab, um die

letzte Runde zu fliegen und dann gegen den Wind zu landen, sprang der

Motor eine Sekunde lang wieder voll an, fing aber im selben Moment an

zu spucken und versagte ganz. Nur Sekunden brauchte ich, um meine

Apparate nachzusehen, aber die genügten, daß die Maschine bereits so

weit war, daß an ein Landen auf dem Platze nicht mehr zu denken war.

Auch nach rechts oder links konnte ich nicht abdrehen. Rechts war das

Poloklubhaus und ein tiefer Graben, links das Strandhotel und die

Villen.

Daß nichts mehr zu machen war, wußte ich, und nur eins dachte ich:

Halte den Motor heil!

Vor mir war ein kleines Wäldchen, und da hinauf hoffte ich die Maschine

noch setzen zu können. Ich zog das Höhensteuer, aber in der heißen

dünnen Tropenluft sackte die Maschine wie ein Klotz schwer durch. Ich

kam mit dem Kopf gerade noch an Telegraphendrähten klar, dann zog ich

die Knie an und stützte unwillkürlich die Füße nach vorn ab, und schon

gab es einen mächtigen Stoß, ich hörte Krachen und Splittern um mich

herum und flog mit Kopf und Knien recht unsanft gegen den Benzintank.

Dann war es still.

Und als ich mich, selber heil und gesund, im Kreise umsah, da lag meine

Taube mit der Nase im Straßengraben, streckte das Schwänzchen hoch in

die Luft, und die Flügel und das Fahrgestell bildeten ein Knäuel von

zerbrochenen Holzstreben, Leinwand und Drähten.

Ach, mein armes Täubchen! Ausgerechnet am dritten Tage der Mobilmachung

ließ es mich im Stich. Mir war ganz unsäglich hoffnungslos zumute. Ohne

jedoch den Mut ganz sinken zu lassen, schaffte ich die Trümmer in den

Schuppen. Ich hatte ja noch Reservepropeller und Reservetragflächen von

Hause mitbekommen.

Wenn nur der Motor heil geblieben war! Ersatzteile für diesen besaß ich

nicht, und sie wären auch beim besten Willen nicht herbeizuschaffen

gewesen.

Voller Hoffnung ging ich an die Reservekisten und öffnete zuerst die,

worin die Tragflächen lagen. Aber o Schreck! Ein widerlicher Moderduft

schlug mir entgegen, und Böses ahnend, öffneten wir den inneren

Zinkeinsatz.

Der Anblick, der sich uns bot, war geradezu fürchterlich. In der Kiste

befand sich nur ein Haufen von moderndem Gerümpel. Die ganze Bespannung

der Tragflächen war verfault. Die einzelnen Rippen und Spanten und die

Holzklötzchen, die vorher tadellos geleimt und bewickelt waren, lagen

regellos durcheinander, und alles war von einer dicken Schimmelschicht

bezogen.

Ein trauriger Anblick!

Nun wurde die Propellerkiste geöffnet. Da drinnen sah es ähnlich aus.

Die fünf mitgenommenen Reservepropeller hatten sich ebenfalls in

Wohlgefallen aufgelöst oder sich so stark verzogen, daß sie nicht mehr

zu gebrauchen waren. Wenn zu Hause der Propeller mehr als vier bis fünf

_Millimeter_ an den Spitzen ausschlägt, denkt kein Mensch daran, ihn so

zu fliegen. Meine schlugen bis zu zwanzig _Zentimetern_ aus! Nun war

guter Rat teuer.

Aber unverzagt ging mein hervorragender Monteur, der

Obermaschinistenmaat Stüben, an die Arbeit, und am selben Nachmittage

saß ich mit Stüben und meinen beiden Heizern Frinks und Scholl und

noch acht Chinesen von der Werfttischlerei an der Arbeit und baute die

vermoderten Flügel wieder zusammen.

Dann ging ich mit meinem am wenigsten verbogenen Propeller zur Werft,

und hier half mir der treffliche Modelltischler R. aus meiner Not und

ließ unter seiner Anleitung von den Chinesen einen neuen Propeller

bauen.

Das war geradezu eine Glanzleistung.

Man stelle sich folgendes vor:

Sieben Eichenbohlen wurden mit gewöhnlichem Tischlerleim

zusammengeleimt. Dann gingen zwei Chinesen mit Äxten her und schlugen

nach Lehren, die der Modelltischler angefertigt hatte, mit den Äxten

aus dem Bohlenklumpen einen tadellosen Propeller aus. Die Arbeit war,

obwohl mit der Hand ausgeführt, so genau und sorgfältig, wie sie nur

von Chinesen geleistet werden kann.

Mit diesem Propeller habe ich dann meine sämtlichen Flüge während der

Belagerung von Tsingtau ausgeführt!

Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau: Meine Erlebnisse in drei Erdteilen · 第 1 / 12 段