Nun starrte der Brahmine eine Weile schweigend und nachdenkl

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder

unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua

gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so

dargestellt=.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

Mark Twains

Humoristische Schriften

Neue Folge. 3. Band

Meine

Reise um die Welt

Von

Mark Twain

Autorisiert

Erste Abteilung

Inhalt:

Im Stillen Ozean -- Australien -- Von Australien

nach Indien.

[Illustration]

Stuttgart

Verlag von Robert Lutz

1903.

Alle Rechte vorbehalten.

Druck von A. Bonz’ Erben in Stuttgart.

Inhalt der 1. Abteilung.

_Im Stillen Ozean._

Kapitel 1--8. Seite 1--115.

Abfahrt. -- Das Dampfboot, der Kapitän und die Mitreisenden.

-- Der Nutzen übler Gewohnheiten. -- Geschichten vom Bumerang

und außerordentlichem Gedächtnis. -- General Grant und Samuel

Clemens. -- Eine Geschichte ohne Ende. -- Honolulu sonst und

jetzt. -- Die Leprakranken auf Molokai. -- Gedanken beim

Passieren des Aequators. -- Der 180. Längengrad und der

verlorene Tag. -- Beglückung der Bewohner des Stillen Ozeans

durch die Fortschritte der Kultur. -- Die Fidschi-Inseln.

-- Höchst belehrende Vorträge über die Fauna Australiens,

insbesondere über das Schnabeltier.

_Australien._

Kapitel 9--17. Seite 116--182.

Ein Meerwunder. -- Der Hafen von Sydney. -- Heiße Winde. --

Sträflingsleben. -- Der australische Squatter. -- Simson und

Hanuman. -- Lustbarkeiten in Sydney. -- Cecil Rhodes und der

Haifisch. -- Die Eisenbahn von Sydney nach Melbourne. -- Ein

unaufgeklärtes Geheimnis. -- Das Preisrennen von Melbourne. --

Buckleys wunderbare Erlebnisse.

Kapitel 18--24. Seite 183--262.

Allerlei Statistisches. -- Das Silberbergwerk von Broken

Hill. -- Der ›Scrub‹. -- Eingeborene als Pfadfinder. --

Gründung der Stadt Adelaide, ihr Niedergang und ihre

Auferstehung. -- Religiöse Toleranz in Südaustralien. -- Das

Nationalfest der Provinz. -- Das ›Weetweet‹. -- Der weiße

Mann und der Australneger. -- Die Kolonie Viktoria. -- Ein

landwirtschaftliches Institut. -- Die Goldbergwerke von

Ballarat und Bendigo. -- Der Mark Twain-Klub.

_Von Australien nach Indien._

Kapitel 25--34. Seite 263--346.

Der Professor aus Neuseeland. -- Die Ureinwohner Tasmaniens. --

Robinson, der ›Versöhner‹. -- Ein Empfehlungsbrief. -- Hobart,

die Hauptstadt Tasmaniens. -- Eisenbahnen in Neuseeland.

-- Frauenbewegung. -- Auf der ›Flora‹. -- In Auckland. --

Gedankentelegraphie. -- Die Maori. -- Gluthitze in Australien.

Erstes Kapitel.

Es kommt vor, daß ein Mensch zwar keine üblen

Angewohnheiten hat -- aber Schlimmeres.

_Querkopf Wilsons Kalender._

Der Ausgangspunkt meiner Vorlesungstour um die Welt war Paris, wo ich

seit ein paar Jahren mit den Meinigen lebte. Wir reisten von dort nach

Amerika, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Das war schnell

geschehen. Zwei meiner Angehörigen beschlossen die Reise mitzumachen

-- desgleichen ein Karbunkel. Im Wörterbuch steht: ein Karbunkel oder

Karfunkel ist eine Art Edelstein. Ich muß gestehen, daß der Humor in

einem Wörterbuch schlecht am Platze ist.

Mitten im Sommer brachen wir von New York nach dem Westen auf; alles

Geschäftliche übernahm Herr Pond, bis zum Stillen Ozean. Es war ein

heißes Stück Arbeit und in den letzten vierzehn Tagen obendrein

rauchig zum Ersticken, weil in Oregon und Britisch Columbia gerade die

Waldbrände wüteten.

Während einer Woche genossen wir den Rauch auch noch am Seestrande, wo

wir eine Zeitlang auf unser Schiff warten mußten. Es hatte im Rauch die

Richtung verloren, war auf den Grund geraten und mußte erst gedockt und

aufgezimmert werden.

Endlich wurden die Anker gelichtet, und damit endete unser

Schneckengang auf dem Festland, der vierzig Tage gedauert hatte. Wir

segelten westwärts über die leicht gekräuselte, glitzernde Sommersee,

die, zum Entzücken klar und kühl, von jedermann an Bord freudig begrüßt

wurde. Am willkommensten war sie mir, nach dem Staub, dem Rauch und der

Hitze, die ich in den letzten Wochen durchgemacht hatte. Die Seereise

verschaffte mir eine dreiwöchentliche, fast ununterbrochene Ruhezeit.

Wir hatten den ganzen Stillen Ozean vor uns, und nichts zu tun als

nichts zu tun und uns gemütlich zu fühlen. Victoria, die Hauptstadt

der Vancouver-Insel, leuchtete nur noch schwach aus ihrer Rauchwolke

herüber und wollte eben verschwinden. Wir legten die Feldstecher

beiseite und ließen uns friedlich auf den Klappstühlen nieder, wie

zufriedene Leute. Aber sie brachen unter uns in Trümmer zusammen und

brachten uns in Schmach und Schande vor allen Passagieren. Zum Preis

von guten Stühlen hatten wir sie aus dem größten Möbelgeschäft von

Victoria bezogen, und dabei waren sie keinen Heller per Dutzend wert.

Im Indischen und im Stillen Ozean muß jeder noch immer seinen eigenen

Klappstuhl mit an Bord bringen, wie das in längst vergangenen Zeiten

auch auf dem Atlantischen Ozean Sitte war -- im finstern Mittelalter

der Seereisen.

Unser Dampfer war sonst recht behaglich eingerichtet; wir bekamen

die gewöhnliche Schiffskost -- gute und reichliche Nahrung, von der

Vorsehung gespendet, aber in des Teufels Küche gekocht. Auch die

Mannszucht an Bord war so gut, wie sie überhaupt in jenen Breiten

zu haben ist. Für eine Fahrt in den Tropen war das Schiff nicht

besonders zweckmäßig ausgerüstet, aber das ist ja durchgängig bei allen

Fahrzeugen der Fall, die man nach den Tropen schickt. An Kakerlaken

litten wir keinen Mangel; auch das ist die Regel auf den Schiffen in

jenen Meeren, das heißt, auf allen, die schon längere Zeit im Dienste

stehen.

Der Kapitän war ein junger, schöner Mann, groß und hübsch gebaut; eine

Gestalt, auf der sich eine kleidsame Uniform besonders vorteilhaft

ausnimmt. Er meinte es sehr gut mit uns und war freundlich und höflich,

wie ein vollendeter Kavalier. Durch sein angenehmes, verbindliches

Wesen verwandelte er jeden Raum, den er betrat, sofort in einen Salon;

im Rauchzimmer ließ er sich nicht blicken. Von schlechten Gewohnheiten

war er ganz frei; er rauchte und schnupfte nicht, kaute auch keinen

Tabak; man hörte ihn weder fluchen noch schimpfen, kein grobes oder

unfeines Wort kam je aus seinem Munde. Er machte keine schlechten

Witze, erzählte keine Anekdoten, lachte nie unmäßig oder erhob die

Stimme lauter, als es die Gesetze der Schicklichkeit vorschrieben;

jeder Befehl, den er erteilte, nahm den Ton einer Bitte an. Nach

Tische erschien er mit seinen Offizieren bei der Gesellschaft im

Damensalon, beteiligte sich am Gesang und Klavierspiel oder wendete die

Notenblätter um. Er besaß eine weiche, angenehme Tenorstimme und sang

mit Geschmack und gutem Vortrag. War die Musik zu Ende, so kam eine

Whistpartie an die Reihe, bis es für die Damen Schlafenszeit wurde.

Im Salon brannte das elektrische Licht, solange die Gesellschaft es

irgend wünschte, im Rauchzimmer aber nur bis elf Uhr. Keine von allen

Vorschriften an Bord wurde so streng gehandhabt wie diese. Der Kapitän

erklärte uns, daß er so fest darauf bestehen müsse, weil seine eigene

Kajüte neben dem Rauchzimmer läge, und ihm vom Tabakgeruch übel würde.

Da sich nun aber die beiden Zimmer auf dem Oberdeck befanden, wo immer

frische Luft wehte, begriff ich nicht recht, wie unser Rauch in seine

Kajüte kommen sollte. Die Zimmer waren durch keine Tür verbunden, und

in der dicken Zwischenwand gab es weder Sprünge noch Risse. Für einen

empfindlichen Magen ist aber vielleicht bloß eingebildeter Tabakrauch

schon schädlich.

Mit seiner sanften Natur, dem feinen, liebenswürdigen Wesen, seiner

Lauterkeit in Sitte und Rede, paßte der Kapitän für den herrischen,

rauhen Seemannsberuf so gut wie die Faust aufs Auge. Er war mir ein

rechtes Beispiel von der Ironie des Schicksals.

Obendrein lastete ein Mißgeschick auf ihm; das wußten die Passagiere

und er tat ihnen leid: In der Nähe von Vancouver hatte er bei

einer engen und schwierigen Durchfahrt, wo der dichte Rauch der

Waldbrände alles in Dunkel hüllte, seinen Kurs verloren und war mit

dem Schiff auf die Klippen geraten. Dergleichen würde unsereins

für einen verzeihlichen Irrtum ansehen; bei den Direktoren einer

Dampfschiffgesellschaft gilt es aber als ein Verbrechen. Zwar hatte

das Admiralitätsgericht in Vancouver den Kapitän von aller Schuld

freigesprochen, aber das konnte ihn nicht trösten. Bei seiner Heimkehr

nach Sydney würde ein strengerer Gerichtshof den Fall untersuchen --

das Direktorium der Gesellschaft, auf deren Schiffen der junge Mann

seit Jahren als Steuermann gedient hatte. Dies war seine erste Reise

als Kapitän.

Die Offiziere an Bord waren wackere und gesellige junge Leute, die

sich an allen Belustigungen mit Vergnügen beteiligten, damit den

Passagieren die Zeit nicht lang würde. Die Reisen auf dem Stillen und

Indischen Ozean sind überhaupt wahre Lustfahrten für die Mannschaft.

Unser Zahlmeister, ein junger Schotte, zeigte sich immer aufgeräumt,

gesprächig und voller Leben, und doch war er ein körperlich kranker

Mensch, das sah man ihm an. Aber sein Geist triumphierte über das

Leiden; er besaß eine wunderbare Selbstbeherrschung, redete nie

von seinen Schmerzen und benahm sich ganz wie jemand, der gesund

und kräftig ist. Zu Zeiten litt er jedoch an den entsetzlichsten

Herzkrämpfen, die oft viele Stunden dauerten. Während eines solchen

Anfalls konnte er weder sitzen noch liegen; einmal hatte er sogar

vierundzwanzig Stunden lang aufrecht stehen müssen, bei dem qualvollen

Kampf auf Leben und Tod. Aber tags darauf sprudelte er wieder über von

Lust und Laune, als ob nichts geschehen sei.

Der geistreichste Passagier an Bord, ein Mensch von glänzender

Begabung, war ein junger Kanadier, dem es die Branntweinflasche angetan

hatte. Er stammte aus einer reichen, angesehenen Familie und schien

bestimmt Großes in der Welt zu leisten, doch nützten ihm alle Talente

nichts, weil er seine Trunksucht nicht bezähmen konnte. Schon oft

hatte er das feierliche Versprechen abgelegt, sich des Trinkens zu

enthalten; aber man weiß ja, wie wenig dergleichen törichte Gelübde

einem Menschen helfen, der nicht einen wahrhaft eisernen Willen hat.

Dies Mittel ist in doppelter Hinsicht gänzlich verkehrt: erstens greift

es das Uebel nicht bei der Wurzel an, und zweitens ist jedes Gelübde

irgendwelcher Art etwas durchaus Naturwidriges. Es gleicht einer

klirrenden Kette, die den Träger ohne Unterlaß daran erinnert, daß er

kein freier Mensch ist.

Ja, ich wiederhole es: das Mittel greift das Uebel nicht bei der Wurzel

an. Nicht das Trinken sollte man bekämpfen, sondern das Verlangen nach

geistigen Getränken. Das ist ganz zweierlei. Zu ersterem gehört nur

Willenskraft, die aber sehr stark und ausdauernd sein muß; zu letzterem

nichts als Wachsamkeit und zwar während einer verhältnismäßig kurzen

Frist. Da das Verlangen natürlich der Tat vorangeht, sollte man ihm

auch die erste Aufmerksamkeit widmen. Was nützt es, immer und immer

wieder der Tat zu wehren und das Verlangen ganz frei und unbehelligt

zu lassen? Es macht sich stets von neuem geltend und endlich trägt es

doch den Sieg davon. Sobald das Verlangen Einlaß begehrt, sollte man

ihm die Türe verschließen; man muß unausgesetzt auf seiner Hut sein

und es beizeiten vertreiben; sonst hat es sich fest eingenistet, ehe

man sich’s versieht. Weist man dagegen ein Verlangen nur vierzehn Tage

lang beständig zurück, so kann man fast mit Sicherheit darauf zählen,

daß es nach Ablauf dieser Zeit stirbt. Das ist die einzige Art, um die

Trunksucht zu heilen. Sich nur immer wieder des Trinkens zu enthalten,

ohne gegen das Verlangen zu Felde zu ziehen, scheint mir die törichtste

Kriegsführung, die sich denken läßt.

Ich habe früher auch Gelübde abgelegt und sie gleich darauf gebrochen.

Das ließ sich nicht ändern, denn mein Wille war nicht stark genug. Auch

ärgert es einen im übrigen freien Menschen, sich irgendwie gebunden

zu fühlen, und er zerrt so lange an seiner Kette, bis sie zerreißt.

Deshalb übernahm ich zuletzt gar keine bestimmten Verpflichtungen mehr

und beschloß nur, das schädliche Verlangen zu ertöten, ohne mich der

Freiheit zu berauben, Verlangen und Gewohnheit wieder aufzunehmen,

sobald ich wollte. Nun hatte ich keine Beschwerde mehr. In fünf Tagen

machte ich meinem Verlangen Tabak zu rauchen den Garaus und brauchte

nun nicht mehr auf der Hut zu sein, denn ich empfand niemals einen

sehr heftigen Wunsch danach. Eines Tages wollte ich wieder anfangen

ein Buch zu schreiben, nachdem ich fünfviertel Jahre so gut wie nichts

getan hatte; aber seltsamerweise kam ich damit nicht von der Stelle. Da

versuchte ich zu rauchen, um zu sehen, ob es mir dann gelingen würde.

Und wirklich -- das half. Nun rauchte ich fünf Monate lang täglich

acht bis zehn Zigarren und ebensoviele Pfeifen, bis das Buch fertig

war. Dann rauchte ich ein ganzes Jahr über gar nicht mehr, bis ich ein

neues Buch beginnen mußte.

Ich vermag jede meiner neunzehn schlechten Gewohnheiten beliebig

abzulegen, ohne daß es mir unbehaglich oder lästig wird. Auch Leute wie

Doktor Tanner und andere, die vierzig Tage lang nichts essen, können

das sicherlich nur durchsetzen, weil sie das Verlangen nach Speise

gleich zu Anfang mit Entschlossenheit unterdrücken. Schon nach wenigen

Stunden wird das Verlangen schwach und bleibt bald ganz aus.

Einmal habe ich meine Methode auch in großem Maßstabe als Kur

angewendet. Ich lag schon mehrere Tage am Rheumatismus zu Bett, und

mein Zustand wollte sich nicht bessern. Zuletzt sagte der Doktor:

»Meine Arzneien können Ihnen unmöglich helfen; bedenken Sie nur,

wogegen ich alles ankämpfen muß; Sie rauchen ungemein stark, nicht

wahr?«

»Jawohl.«

»Und trinken sehr viel Kaffee?«

»Jawohl.«

»Auch Tee?«

»Jawohl.«

»Sie essen allerlei durcheinander, was sich nicht zusammen verträgt?«

»Jawohl.«

»Auch trinken Sie jeden Abend zwei Gläser heißen Grog?«

»Jawohl.«

»Nun sehen Sie, das alles leistet mir Widerstand. Wie soll da die

Genesung Fortschritte machen? Sie müssen sich durchaus in allen diesen

Dingen beschränken und ein paar Tage lang weit weniger davon zu sich

nehmen.«

»Das kann ich nicht, Doktor.«

»Warum denn nicht?«

»Mir fehlt die Willenskraft. Sie mir ganz versagen -- das kann ich.

Aber sie nur mäßig zu genießen, geht über mein Vermögen.«

Er meinte, das werde auch dem Zweck entsprechen; morgen wolle er mich

wieder besuchen. Doch wurde er selber krank und konnte nicht kommen; es

war aber auch nicht mehr nötig. Zwei Tage und zwei Nächte lang enthielt

ich mich aller jener Genußmittel, ja ich aß überhaupt nichts und trank

nur Wasser. Nach vierundzwanzig Stunden verlor der Rheumatismus alle

Kraft und verschwand spurlos. Ich war wieder kerngesund, dankte meinem

Schöpfer und nahm meine frühere Lebensweise von neuem auf.

Das Heilverfahren schien mir sehr empfehlenswert und ich riet es einer

Dame an. Sie war sehr leidend und wurde immer schwächer, bis ihr

zuletzt keine Arznei mehr helfen wollte. Als ich ihr sagte, ich könnte

sie ohne allen Zweifel in acht Tagen wieder gesund machen, bekam sie

neuen Mut und versprach, meine Ratschläge pünktlich zu befolgen. Nun

sagte ich ihr, sie solle vier Tage lang weder trinken, noch fluchen,

noch rauchen, noch zu viel essen, dann würde sie ganz hergestellt

sein. Und ich weiß, meine Prophezeiung wäre auch eingetroffen; aber

sie meinte, sie könne nicht aufhören zu rauchen, zu fluchen und zu

trinken, weil sie so etwas überhaupt noch nie getan hätte. Da lag der

Hase im Pfeffer: sie besaß gar keine Angewohnheiten, an die sie sich

jetzt hätte halten können. Da sie versäumt hatte sich rechtzeitig einen

Vorrat anzulegen, der ihr im Notfall zu gute käme, war ihr nicht mehr

zu helfen. Sie glich einem sinkenden Schiff, das keinen Ballast hat,

den man über Bord werfen kann, um das Fahrzeug zu retten. Irgend ein

paar schlechte Gewohnheiten hätten sie noch retten können, aber es fand

sich nichts bei ihr vor, sie war die reinste moralische Bettlerin.

Als sie noch jung genug war, um sich dies oder jenes anzugewöhnen,

hinderten ihre Eltern sie daran, die zwar in der besten Gesellschaft

lebten, aber die Unwissenheit selber waren. Man muß für dergleichen in

der Kindheit sorgen; wenn erst Alter und Krankheit kommen, läßt sich

nichts mehr nachholen, und man hat kein Mittel in der Hand, um sie zu

bekämpfen.

Als junger Mensch faßte ich, wie gesagt, oft die besten Vorsätze und

gelobte auch sie auszuführen, aber ich habe es nie gekonnt, weil ich

meine Gewohnheiten nicht bei der Wurzel packte und das böse Verlangen

ausriß; mehr als einen Monat setzte ich die Tugend nie durch. Einmal

versuchte ich Maß zu halten und eine Weile ging es auch gut. Ich hatte

mich verpflichtet, täglich nur _eine_ Zigarre zu rauchen; das schob ich

immer auf bis zur Schlafenszeit, und dann schmeckte sie mir wundervoll.

Aber das Verlangen verfolgte mich Tag für Tag, vom Morgen bis zum

Abend. Vor Ablauf einer Woche fing ich an, mich nach größern Zigarren

umzusehen, als ich zu rauchen gewohnt war; dann wählte ich noch größere

und immer größere. Als vierzehn Tage um waren, bestellte ich mir

besondere Zigarren; sie wuchsen fort und fort. Am Ende des Monats war

meine Zigarre zu solcher Länge und Dicke gediehen, daß ich sie als

Krückstock hätte brauchen können. Da erkannte ich denn, daß es töricht

sei, sich auf _eine_ Zigarre zu beschränken, weil es den Menschen doch

nicht vor dem Verlangen schützt. Also warf ich mein Versprechen über

den Haufen und war wieder ein freier Mann.

Doch, um wieder auf den jungen Kanadier zu kommen: er war auf

›Monatsgeld gesetzt‹, eine Einrichtung, von der ich bisher noch nie

gehört hatte und die ich mir von den Passagieren erklären ließ. Die

angesehenen Familien in England und Kanada pflegen nämlich ihre

Taugenichtse nicht auszustoßen, solange noch irgend welche Hoffnung

für sie vorhanden ist. Schwindet aber endlich jede Aussicht auf

Besserung, dann wird der Tunichtgut eingeschifft und bekommt nur so

viel Geld in die Tasche -- nein, in des Zahlmeisters Tasche -- um die

Reisebedürfnisse zu bestreiten. Erreicht er den Ort seiner Bestimmung,

so erwartet ihn dort ein Monatsgeld, und vier Wochen später trifft

wieder ein Wechsel im gleichen -- nicht sehr hohen -- Betrage ein.

Damit pflegt er unverzüglich seine monatliche Kost und Wohnung zu

bezahlen -- der Hauswirt sorgt dafür, daß er diese Pflicht nicht

vergißt -- und den Rest noch am selben Abend zu verprassen. Dann treibt

er sich müßig, voll Kummer, Not und Schwermut umher, bis der nächste

Wechsel kommt. Ein solches Leben erweckt das tiefste Mitgefühl.

Wir hatten noch zwei andere Taugenichtse an Bord, die aber dem

Kanadier in keiner Weise glichen; sie besaßen weder seinen Verstand

noch seine hübsche Außenseite, weder sein anständiges Wesen noch seine

Entschlossenheit, Großmut und Höflichkeit. Der eine mochte etwa zwanzig

Jahre zählen, war aber in Kleidung, Sitte und äußerer Erscheinung

eine lebendige Ruine. Er behauptete der Sprößling eines herzoglichen

Hauses in England zu sein, den man, um der Familie willen, nach Kanada

eingeschifft hatte, wo er alsbald in Ungelegenheiten geraten war; jetzt

wurde er nach Australien befördert. Einen Titel hatte er nicht, wie er

sagte; im übrigen ging er jedoch sehr sparsam mit der Wahrheit um. Bei

seiner Ankunft in Australien brachte er es gleich so weit, daß man ihn

ins Loch steckte, und am nächsten Morgen gab er sich bei dem Verhör auf

dem Polizeiamt für einen Grafen aus, konnte aber den Beweis für diese

Behauptung nicht liefern.

Zweites Kapitel.

Im Zweifelsfall sprich die Wahrheit!

_Querkopf Wilsons Kalender._

Am fünften Tag nachdem wir Victoria verlassen hatten, wurde das Wetter

heiß und alle männlichen Passagiere an Bord erschienen in weißen

Leinwandanzügen. Einige Tage später passierten wir den 25. Grad

nördlicher Breite, worauf sämtliche Schiffsoffiziere auf Befehl die

blaue Uniform ablegten und sich in weiße Leinwand kleideten. Auch

die Damen waren bereits ganz in Weiß. Auf dem Promenadendeck sah es

so verlockend kühl und vergnüglich aus, von allen den schneeweißen

Kostümen, wie bei einem großen Picknick.

Aus meinem Tagebuch:

Es gibt mancherlei Uebel in der Welt, denen der Mensch nie ganz

entfliehen kann, er mag reisen so weit er will. Ist man dem einen

glücklich entgangen, so fällt man dem andern sicherlich in die Klauen.

Die Lügengeschichten von Seeschlangen und Haifischen sind wir endlich

los geworden, das ist ein tröstlicher Gedanke. Aber nun kommen wir in

das Bereich des Bumerangs, und es wird uns wieder weh zu Mute. Der

erste Offizier erzählte, er habe einen Mann gesehen, der sich vor

seinem Feinde hinter einem Baum versteckte; aber der Feind schleuderte

seinen Bumerang hoch in die Luft, daß er weit fortflog, dann kam er

zurück, fiel herunter und tötete den Mann hinter dem Baum. Der nach

Australien bestimmte Passagier hatte gesehen, wie dasselbe Geschick

zwei Männer hinter zwei Bäumen ereilte und zwar mit ein und demselben

Wurf des Bumerangs.

Da bei dieser Behauptung alle schwiegen, weil sie ihnen zweifelhaft

erschien, bekräftigte er sie noch durch die Mitteilung, daß sein Bruder

einmal gesehen hätte, wie der Bumerang einen Vogel auf hundert Meter

Entfernung getötet und ihn dann dem _Werfer gebracht hätte_. -- Es gibt

keine Hilfe gegen derlei Uebel; man muß sie eben ertragen.

Vom Bumerang ging das Gespräch auf Träume über -- gewöhnlich ein

fruchtbares Thema zu Wasser und zu Land -- aber diesmal war der Ertrag

nur gering. Dann kam man auf Fälle von außerordentlichem Gedächtnis

zu reden, das hatte bessern Erfolg. Jemand erwähnte den blinden Tom,

einen schwarzen Klavierspieler, der jedes noch so lange und schwierige

Stück richtig spielen konnte, nachdem er es einmal gehört hatte. Ein

halbes Jahr später konnte er es abermals fehlerlos vortragen, ohne es

inzwischen gespielt zu haben. Das auffallendste Beispiel erzählte uns

aber ein Herr, der im Stabe des Vizekönigs von Indien gedient hatte. Er

las uns vieles aus seinem Notizbuch vor, wo er die ganze Begebenheit

auf frischer Tat eingetragen hatte, damit er sie, wie er sagte, Schwarz

auf Weiß besäße und nicht in Versuchung käme zu glauben, er habe sie

geträumt oder erfunden.

Der Vizekönig machte eine Rundreise, und unter den Festlichkeiten, die

der Maharajah von Mysore ihm zu Ehren veranstaltete, war auch eine

Vorstellung der Gedächtniskunst. Nachdem der Vizekönig mit dreißig

Herren seines Gefolges in einer Reihe Platz genommen hatte, wurde

der Gedächtniskünstler, ein vornehmer Mann aus der Brahminenkaste,

hereingeführt und setzte sich ihnen gegenüber auf den Fußboden. Außer

seiner eigenen Sprache konnte er nur Englisch, erbot sich aber, die

gewünschten Gedächtnisproben auch in jeder beliebigen fremden Sprache

abzulegen. Sein merkwürdiges Programm bestand in folgendem: Er ließ

sich von einem Herrn ein Wort aus einem Satze sagen und den Platz

angeben, den es darin einnahm. Das französische Wort _~est~_ wurde ihm

genannt; es war in einem Satz von drei Wörtern das zweite. Ein anderer

Herr gab ihm das deutsche Wort _verloren_, als das dritte in einem

Satz von vier Wörtern. Von dem nächsten Herrn ließ er sich eine Zahl

zum Addieren, dann eine zum Subtrahieren nennen, auch andere Ziffern

aus allerlei Rechenexempeln. Ferner erhielt er einzelne Wörter aus dem

Griechischen, Lateinischen, Spanischen, Portugiesischen, Italienischen

und andern Sprachen, nebst den Angaben ihrer Stelle im Satze. Als ihm

jeder der Anwesenden das Bruchstück eines Satzes oder eine Zahl genannt

hatte, fing er wieder von vorne an und ließ sich das zweite Wort und

seine Stellung im Satze und die zweite Zahl in der Rechnung nennen, und

so immer fort. Wieder und wieder nahm er alles vom Anfang an durch,

bis er die sämtlichen Teile der Exempel und Sätze beisammen hatte,

aber natürlich ganz durcheinander, ohne irgend welche Reihenfolge. Das

dauerte zwei Stunden lang.

Nun starrte der Brahmine eine Weile schweigend und nachdenklich vor

sich hin und begann hierauf alle Sätze in richtiger Wortstellung zu

wiederholen, die verwirrten Zahlen der Rechenexempel zu ordnen und für

jedes die entsprechende Lösung anzugeben.

Beim Beginn der Vorstellung hatte er die Zuschauer aufgefordert, ihn

zwei Stunden lang mit Mandeln zu bewerfen, er wolle dann sagen, wie

viele jeder von den Herren geworfen habe. Dies unterblieb jedoch, weil

der Vizekönig meinte, das Kunststück wäre ohnehin schon anstrengend

genug, man brauche es nicht noch zu erschweren.

Auch General Grant hatte ein treffliches Gedächtnis, besonders für

Namen und Gesichter. Davon hätte ich ein Beispiel zum besten geben

können, aber es fiel mir gerade nicht ein. Bald nach seiner ersten Wahl

zum Präsidenten kam ich von der Küste des Stillen Ozeans in Washington

an, wo ich fremd war und das Publikum noch nichts von mir wußte. Als

ich nun eines Morgens am Weißen Hause vorüberging, begegnete mir

ein Bekannter, ein Senator aus Nevada, der mich fragte, ob ich wohl

Lust hätte, den Präsidenten zu sehen. Ich erwiderte, daß es mir sehr

angenehm sein würde und wir traten ein. Wenn ich aber gedacht hätte,

ich würde den Präsidenten von einer Menschenschar umgeben finden, so

daß ich ihn von ferne in aller Gemütsruhe betrachten könnte, wie die

Katz den Kaiser ansieht, so befand ich mich im Irrtum. Es war noch

früh am Tage und ich ahnte nicht, daß der Senator sich ein Vorrecht

seines Amtes zu nutze machen wollte, um das Staatsoberhaupt in seinen

Arbeitsstunden zu stören. Ehe ich mich’s versah standen wir vor

ihm, und außer uns dreien war niemand zugegen. General Grant erhob

sich langsam vom Schreibtisch, legte die Feder hin und trat mit dem

steinernen Ausdruck eines Mannes, der seit sieben Jahren nicht gelacht

hat und auch in den nächsten sieben Jahren nicht zu lachen gedenkt,

auf uns zu. Er schaute mich groß an, da schwand mir der Mut und ich

senkte den Blick. Ich hatte noch nie einem bedeutenden Manne gegenüber

gestanden und im Bewußtsein meiner eigenen Nichtigkeit überkam mich

eine erbärmliche Angst.

»Herr Präsident,« sagte der Senator, »darf ich mir erlauben, Ihnen

Herrn Clemens vorzustellen?«

Der Präsident hielt meine Hand einen Augenblick teilnahmslos in der

seinen und ließ sie wieder los; er sprach kein Wort und stand nur

stocksteif da. In meiner Not fiel mir auch nicht das geringste ein, was

ich hätte sagen können und ich wünschte mich hundert Meilen weit weg.

Es folgte eine unangenehme, trübselige, entsetzliche Pause. Da kam

mir ein Gedanke; ich sah empor in sein unbewegliches Gesicht und sagte

schüchtern:

»Herr Präsident, ich -- ich bin in rechter Verlegenheit. Sie wohl auch?«

Seine Züge erhellten sich -- nur ganz wenig -- der schwache Schimmer

eines Lächelns, der volle sieben Jahre zu früh kam, blitzte darin auf.

So schnell wie er wieder verschwand, war auch ich zur Türe hinaus.

Zehn Jahre darauf sah ich Grant zum zweitenmal. Ich war inzwischen

eine bekannte Persönlichkeit geworden und hatte den Auftrag erhalten,

bei einem Bankett, das die Armee von Tennessee dem General nach seiner

Rückkehr von der Reise um die Welt in Chicago gab, einen längeren Toast

auszubringen. Mitten in der Nacht war ich angekommen und stand morgens

spät auf. Alle Treppen und Gänge des Hotels waren dicht voll Menschen,

die General Grant erwarteten, der sich auf den für ihn bestimmten Platz

begeben sollte, wo der große Festzug vorüberzog. Ich drängte mich an

einer ganzen Reihe von überfüllten Wohnzimmern vorbei, bis ich endlich

an der Ecke des Hauses ein offenes Fenster sah, das auf eine geräumige,

mit Teppichen und Fahnen geschmückte Plattform hinausging. Als ich sie

betrat, gewahrte ich unter mir Millionen von Menschen, welche die

Straßen besetzt hatten; weitere Millionen schauten aus allen Fenstern

und von den Hausdächern rings umher. Diese Menschenmassen hielten mich

alle für General Grant und brachen in donnernde Hochrufe aus. Es war

aber ein sehr guter Platz um den Festzug zu sehen, deshalb blieb ich

dort.

Nicht lange, so ertönte von ferne Militärmusik; der Zug kam die Straße

herauf und machte sich Bahn durch die jubelnde Menge. An der Spitze

ritt Sheridan, die kriegerischste Gestalt aus dem ganzen Feldzug, in

seiner Generalleutnants-Uniform.

Da trat General Grant Arm in Arm mit Major Harrison auf die Plattform;

ihm folgten paarweise im Galaanzug die Mitglieder des Empfangskomités

mit ihren Abzeichen. Der General sah genau so aus wie vor zehn

Jahren bei jenem unangenehmen Besuch, eisern und unnahbar in seiner

unerschütterlichen Selbstbeherrschung. Harrison kam und führte mich

zu Grant, dem er mich feierlich vorstellte. Aber ehe ich noch die

passenden Worte finden konnte, sagte der General:

»Herr Clemens, Sie sind wohl in Verlegenheit? Ich nicht.« Und dabei

blitzte wieder, wie vor zehn Jahren, jenes schwache Lächeln in seinen

Zügen auf.

Seitdem sind siebzehn Jahre vergangen, und während ich dies schreibe

ist ganz New York auf den Straßen versammelt, um den sterblichen

Ueberresten des großen Kriegers, die man zu ihrem letzten Ruheplatz

unter dem Denkmal trägt, das Ehrengeleit zu geben. Kanonenschüsse und

Trauergeläute schallen durch die Lüfte und viele Millionen Amerikaner

gedenken des Mannes, der die Union gerettet, ihr Banner hochgehalten

und der Volksregierung zu neuem Leben verholfen hat, so daß sie unter

den segensreichen menschlichen Institutionen ihren Platz dauernd

behaupten wird, wie wir hoffen und glauben.

Eine Geschichte ohne Ende.

Abends, wenn wir Männer uns nach dem öden, einförmigen Tageslauf

im Rauchzimmer erfrischen wollten, vertrieben wir uns manchmal die

Zeit damit, unvollendete Geschichten zu vervollständigen. Das heißt,

jemand erzählte eine Geschichte bis auf das Ende und die andern

versuchten den Schluß aus eigener Erfindung zu ergänzen. Wenn jeder,

der wollte, seine Lesart zum besten gegeben hatte, fügte der erste

Erzähler den ursprünglichen Schluß hinzu und überließ uns die Wahl.

Manchmal gefiel uns eines der neuen Enden besser als das alte.

_Eine_ Geschichte jedoch, mit der wir uns am eifrigsten und längsten

beschäftigten, hatte überhaupt keinen Schluß, man konnte daher auch

keinen Vergleich anstellen, ob eine unserer Erfindungen besser gewesen

wäre. Der Erzähler sagte, er könne die einzelnen Tatsachen nur bis

zu einem gewissen Punkte berichten, weiter wisse er selber nichts.

Er hätte die Geschichte vor fünfundzwanzig Jahren gelesen, sei aber

unterbrochen worden, ehe er ans Ende kam. Nun wolle er demjenigen, der

einen befriedigenden Schluß dazu fände, fünfzig Dollars geben; wir

möchten Richter aus unserer Mitte wählen, die zu entscheiden hätten,

wem der Preis gebühre. Das taten wir und gingen der Geschichte wacker

zu Leibe; aber, obgleich wir uns dies und jenes Ende ausdachten, so

verwarfen die Richter doch alles, was vorgebracht wurde -- und sie

hatten recht. Einen befriedigenden Schluß für diese Geschichte hätte

nur der Verfasser selbst möglicherweise finden können, und wenn ihm

das gelungen ist, so möchte ich wohl wissen wie. Ihr Inhalt ist etwa

folgender:

John Brown, ein guter, sanfter, ängstlicher und schüchterner Mensch

von einunddreißig Jahren, wohnte in einem friedlichen Dorfe des

Staates Missouri, wo er das Amt eines Vorstands der presbyterianischen

Sonntagsschule bekleidete. Das war an sich nichts Großes, aber doch

das Einzige, womit er in die Öffentlichkeit trat. Er betrieb es mit

Treue und Eifer und war in aller Bescheidenheit stolz darauf. Jedermann

kannte seine große Menschenfreundlichkeit und die Leute sagten, er

sei ganz aus Güte und Schüchternheit zusammengesetzt. Auf seine Hilfe

könne man immer rechnen, wo sie gebraucht werde und auch auf seine

Schüchternheit, mochte sie am Platze sein oder nicht.

Mary Taylor, ein sittsames, liebenswürdiges und schönes Mädchen von

dreiundzwanzig Jahren, war sein ein und alles, und auch ihr Herz

gehörte ihm fast ganz. Noch schwankte sie zwar, ob sie ihm ihr Jawort

geben sollte, aber er war doch voller Hoffnung. Ihre Mutter hatte

im Anfang allerlei Einwendungen gehabt; jetzt neigte sie sich zu

seinen Gunsten. Offenbar hatte sein warmes Interesse für ihre beiden

Schützlinge und seine Beisteuer zu deren Unterhalt ihr Herz gerührt und

erobert. Diese Schützlinge waren nämlich zwei alte einsame Schwestern,

die in einer Holzhütte an einem entlegenen Kreuzweg, vier Meilen weit

von Frau Taylors Farm wohnten. Eine der Schwestern war irrsinnig und

manchmal sogar gewalttätig, aber das kam nicht häufig vor.

Eines Tages glaubte Brown, daß der rechte Augenblick für den

entscheidenden Antrag gekommen sei. Er nahm allen Mut zusammen und

beschloß, der Mutter, um sie günstig zu stimmen, die doppelte Summe wie

gewöhnlich zu überreichen. War erst ihr Widerstand gebrochen, so durfte

er eines schnellen Sieges gewiß sein.

An einem schönen Sonntagnachmittag machte er sich also bei mildem

Sommerwetter auf den Weg, gehörig ausstaffiert, wie es die Gelegenheit

verlangte. Er war ganz in weiße Leinwand gekleidet, trug ein blaues

Band als Krawatte und enge Lackstiefel; sein Einspänner war der

feinste aus dem ganzen Mietstall, mit einer nagelneuen, weißleinenen

Wagendecke, deren breiter, gestickter Rand an Schönheit und Kunst

seinesgleichen suchte.

Schon war er vier Meilen gefahren, als er in einsamer Gegend über

eine hölzerne Brücke kam; da flog ihm der Strohhut vom Kopfe, fiel

in den Fluß und wurde stromabwärts getrieben, bis er an einem Balken

hängen blieb. Brown besann sich, was er tun sollte; den Hut mußte er

wiederbekommen, das verstand sich von selbst, aber wie ließ sich das

bewerkstelligen?

Da kam ihm ein Gedanke. Die Straße war menschenleer, nichts regte

sich. Ja, er wollte es wagen. Nachdem er sein Tier an den Rain geführt

hatte, wo es nach Belieben grasen konnte, zog er sich aus, legte seine

Kleider in den Wagen, streichelte dem Pferde den Hals, zum Zeichen

beiderseitigen Wohlwollens, und eilte zum Fluß. Er schwamm nach dem

Balken und gelangte rasch wieder in Besitz seines Hutes; als er aber

ans Ufer zurückkehrte, waren Pferd und Wagen fort.

Der Schrecken fuhr ihm in alle Glieder. Da er aber sah, wie das Pferd

im Schritt den Weg weiter verfolgte, trabte er hinterdrein. »Halt,

halt,« rief er, »warte mein gutes Tier!« Aber so oft er nahe genug

herankam und sich im Sprung auf den Wagen schwingen wollte, lief das

Pferd schneller und vereitelte sein Bemühen. In Todesangst rannte der

nackte Mann immer weiter, jeden Augenblick fürchtend, einen Menschen

zu Gesicht zu bekommen. Er bat, er beschwor das Tier stillzustehen;

aber erst als er nicht mehr weit von Frau Taylors Behausung war, gelang

es ihm endlich, in den Wagen zu springen. Rasch warf er das Hemd

über, band seine Krawatte um, schlüpfte in den Rock und langte nach

den -- aber ach, zu spät! Er setzte sich plötzlich nieder und zog die

Wagendecke in die Höhe, denn er sah jemand durch das Hoftor kommen --

eine Frau, wie ihm schien. Eilig lenkte er das Pferd zur Linken auf

den Kreuzweg. Der war schnurgerade und von allen Seiten sichtbar, aber

in einiger Entfernung kam eine Waldecke, wo die Straße eine scharfe

Krümmung machte. Er pries sich glücklich, als er die Stelle erreicht

hatte, ließ das Pferd im Schritt gehen und langte nach den Ho -- aber

leider wiederum zu spät.

Gerade als er um die Ecke bog, stieß er auf Frau Enderby, Frau Glossop,

Frau Taylor und Mary, die zu Fuß einherkamen und sehr müde und

aufgeregt schienen. Sie traten an den Wagen, schüttelten Brown die Hand

und versicherten alle zusammen aufs lebhafteste, wie froh sie wären ihn

zu sehen und was für ein Glück es sei, daß er da wäre. Frau Enderby

fügte mit großem Nachdruck hinzu:

»Mag es auch wie ein Zufall aussehen, daß er gerade jetzt kommt, so

halte ich es doch für eine Sünde, das anzunehmen -- nein, er ist uns

gewißlich vom Himmel gesendet.«

Alle waren gerührt und Frau Glossop flüsterte mit ehrfurchtsvoller

Scheu:

»Da hast du ein wahres Wort gesprochen, Sarah Enderby. Es ist kein

Zufall, sondern die Vorsehung hat es so gewollt. Als Engel hat sie ihn

uns geschickt; er kommt als ein Retter und Befreier. Nun soll mir noch

jemand sagen, daß es keine besonderen Fügungen des Himmels gibt; wir

haben hier den klarsten Beweis vor uns.«

»Ja,« fiel Frau Taylor begeistert ein, »das ist auch meine

Ueberzeugung. Wahrhaftig, John Brown, ich könnte vor Ihnen niederknieen

und Sie anbeten. Fühlten Sie es nicht im Herzen -- trieb Sie nicht eine

innere Stimme hierher? O, ich könnte den Saum Ihrer Wagendecke küssen.«

Er brachte kein Wort heraus; Scham und Furcht lähmten ihm die Zunge.

»Mag man die Sache betrachten wie man will, Julia Glossop,« fuhr Frau

Taylor fort, »in allem läßt sich die Hand der Vorsehung sichtbarlich

erkennen. Gegen Mittag sahen wir den Rauch aufsteigen. ›Die Hütte der

alten Schwestern brennt, Julia‹, sagte ich. Nicht wahr, du kannst es

bezeugen?«

»Jawohl, Nancy, ich stand dicht bei dir und habe es deutlich gehört. Du

warst ganz blaß geworden und sahst so weiß aus wie hier die Wagendecke.«

»Kein Wunder! Und dann rief ich Mary zu, der Knecht solle gleich das

Gefährt anspannen, wir müßten den Aermsten zu Hilfe eilen. Aber der war

aufs Land gefahren, um seine Angehörigen zu besuchen. Ich hatte ihm

selbst erlaubt, über den Sonntag zu bleiben, es jedoch ganz vergessen.

So gingen wir denn zu Fuß und trafen Sarah unterwegs.«

»Ja, und ich ging mit euch,« fiel Frau Enderby ein. »Wir fanden die

Hütte in Asche liegen; die Irrsinnige hatte sie in Brand gesteckt. Die

beiden alten Geschöpfe waren so schwach und hinfällig, daß wir sie

nicht mitnehmen konnten. Wir führten sie an einen schattigen Platz,

machten es ihnen behaglich so gut es ging und zerbrachen uns den Kopf,

wie wir es anfangen sollten, um sie bis nach Nancys Haus zu schaffen.

Da brach ich das Schweigen, und wißt ihr noch, was ich gesagt habe?

›Wir wollen es der Vorsehung anheimstellen!‹ Ja, das waren meine

Worte.«

»Richtig, das hatte ich ganz vergessen. So wahr ich lebe, du hast es

gesagt. Wie wunderbar!«

»Dann sind wir zusammen zwei Meilen weit bis zu Mosleys gegangen, aber

wir fanden niemand zu Hause, alle waren im Feldgottesdienst. Wir kamen

die zwei Meilen zurück und dann noch eine Meile hieher. Und nun schickt

uns die Vorsehung Hilfe in der Not, das seht ihr ja selbst.«

Alle blickten einander an, hoben die Hände empor und riefen wie aus

einem Munde:

»Es ist zu wunderbar!«

»Wie wollen wir es nun aber machen?« fragte Frau Glossop. »Soll Herr

Brown die alten Schwestern einzeln zu Frau Taylor fahren oder sie alle

beide auf einmal in den Wagen setzen und das Pferd am Zügel führen?«

Brown holte tief Atem.

»Ja, das ist recht schwierig zu entscheiden,« meinte Frau Enderby. »Wir

sind alle todmüde, und wenn Herr Brown die beiden schwachen Geschöpfe

in den Wagen heben soll, so muß eine von uns mitgehen und ihm helfen;

allein bringt er das nicht fertig.«

»Wie wär’s denn aber, wenn ich mit Herrn Brown hinführe?« sagte

Frau Taylor, »und ihr andern ginget nach meinem Haus, um alles in

Bereitschaft zu setzen? Wir heben die eine Alte zusammen in den Wagen

und fahren mit ihr --«

»Wer wird denn aber unterdessen auf die andere acht geben?« fragte Frau

Enderby. »Sie kann doch nicht allein im Walde bleiben -- die Irrsinnige

schon gar nicht. Bis man hin- und zurückkommt dauert’s gute anderthalb

Stunden.«

Alle hatten sich, um auszuruhen, neben den Wagen ins Gras gesetzt und

dachten schweigend nach, um einen Ausweg zu finden.

»Jetzt hab’ ich’s,« rief endlich Frau Enderby, frohlockend. »Daß wir

nicht mehr zu Fuß gehen können ist klar; seit Mittag haben wir neun

Meilen zurückgelegt ohne einen Bissen zu essen -- vier Meilen hin,

zwei Meilen zu Mosley macht sechs, und dann noch bis hierher -- es ist

kaum zu glauben! Also, eine von uns muß mit Herrn Brown hinfahren und

mit einer Alten zurückkommen; Brown leistet der anderen Gesellschaft.

Die übrigen gehen nach Nancys Wohnung, ruhen sich aus und warten; dann

fährt eine von uns zurück, holt die andere Alte, und Herr Brown geht zu

Fuß.«

»Vortrefflich,« riefen die Damen, »das können wir tun, so läßt sich’s

machen!«

Frau Enderbys Plan ward sehr gelobt, und um ihren Scharfsinn zu ehren,

beschloß man, daß sie zuerst mit Brown zurückfahren solle. Glücklich

und leichten Herzens standen alle vom Rasen auf, strichen ihre Kleider

glatt und schickten sich zur Heimkehr an, während Frau Enderby schon

den Fuß auf den Wagentritt setzte, um einzusteigen. Da endlich konnte

Brown Worte finden und stieß keuchend hervor:

»Bitte, rufen Sie die Damen zurück -- ich fühle mich unwohl -- ich kann

nicht zu Fuß gehen -- es ist mir völlig unmöglich.«

»O, lieber Herr Brown, Sie sehen wirklich ganz blaß aus! Weshalb habe

ich das nur nicht gleich bemerkt? Kommt alle zurück, hört ihr! Herr

Brown ist krank. Ach, es tut mir so leid. Kann ich Ihnen helfen? Haben

Sie Schmerzen?«

»Nein, o nein, mir fehlt nichts, ich fühle mich nur in letzter Zeit zu

schwach -- sonst hat es gar nichts auf sich.«

Die Damen kehrten um und waren voller Teilnahme und Mitgefühl. Auch

machten sie sich bittere Vorwürfe, weil ihnen Browns blasses Aussehen

nicht sofort aufgefallen war. Augenblicklich entwarfen sie einen neuen

Plan und kamen bald überein, daß es sich so am allerbesten machen

würde: Zuerst wollten sie alle zu Frau Taylor gehen; dort sollte sich

Herr Brown im Wohnzimmer auf das Sofa legen und sich von Mary und

ihrer Mutter pflegen lassen, während die andern Damen erst eine der

alten Schwestern abholten und dann die andere, welcher eine von ihnen

inzwischen Gesellschaft geleistet hatte, und --

Unter solchen Beratungen waren sie zu dem Pferde getreten und

schickten sich an, den Wagen zu wenden. Aber in der höchsten Gefahr

fand Brown die Stimme wieder und das war seine Rettung.

»Meine Damen,« sagte er, »Sie übersehen einen Umstand, der den Plan

unausführbar macht. Wenn Sie die eine alte Schwester nach Hause bringen

und jemand mit der anderen dort bleibt, so sind drei Personen an

Ort und Stelle, wenn eine von Ihnen zurückkommt, um die andere Alte

zu holen. Aber drei haben nicht Platz im Wagen und jemand muß doch

kutschieren.«

»Ganz recht, so ist es,« riefen alle in großer Bestürzung.

»Was sollen wir nur anfangen?« sagte Frau Glossop seufzend; »eine so

verwickelte Geschichte ist mir noch nie vorgekommen. Die Sache mit dem

Wolf, der Ziege und dem Kohlkopf ist dagegen nur ein Kinderspiel.«

Ganz ermattet setzten sie sich abermals nieder, um sich aufs neue das

Hirn zu zermartern und einen Ausweg zu suchen. Mary hatte bisher noch

keinen Vorschlag gemacht, endlich tat sie aber den Mund auf:

»Ich bin jung, stark und gut zu Fuße,« sagte sie, »auch habe ich jetzt

eine Weile ausgeruht. Bringt Herrn Brown in unser Haus und sorgt für

ihn -- man sieht ihm ja an, wie sehr er der Pflege bedarf. Inzwischen

will ich die beiden Alten behüten, in einer halben Stunde kann ich

dort sein. Ihr andern aber führt unsern ersten Plan aus und paßt auf,

bis ein Wagen auf der Landstraße vorbeifährt, den schickt ihr hin und

laßt uns alle drei holen. Die Pächter kommen jetzt bald aus der Stadt

zurück, da braucht ihr nicht lange zu warten. Der alten Polly will ich

schon zureden, daß sie Geduld hat und guten Mutes bleibt -- bei der

Irrsinnigen ist das nicht nötig.«

Der Plan ward reiflich erwogen und gut befunden; etwas Besseres ließ

sich unter den Umständen nicht tun, und den beiden Alten wurde gewiß

die Zeit schon lang. Brown fühlte sich wie erlöst und von Herzen

dankbar. Wenn er nur erst auf der Landstraße war, wollte er schon

Mittel und Wege finden, dem Unheil zu entgehen.

»Die Abendkühle wird früh hereinbrechen,« sagte jetzt Frau Taylor, »und

die armen Abgebrannten haben nichts, um sich zu erwärmen. Nimm die

Wagendecke mit, liebes Kind, das ist wenigstens ein Notbehelf.«

»Das kann ich ja tun, Mutter, wenn du meinst,« versetzte Mary. Sie trat

zum Wagen und streckte die Hand nach der Decke aus --

* * * * *

Weiter ging die Geschichte nicht. Der Passagier, der sie uns erzählte,

sagte, er sei vor fünfundzwanzig Jahren, als er sie im Eisenbahnwagen

las, an diesem Punkt unterbrochen worden, weil der Zug von einer

Brücke ins Wasser stürzte.

Zuerst glaubten wir, es würde ein Leichtes sein, die Geschichte zu Ende

zu bringen und gingen sehr zuversichtlich ans Werk. Bald stellte sich

jedoch heraus, daß die Sache keineswegs so einfach war, sondern im

Gegenteil höchst verworren und schwierig. Daran war Browns Charakter

schuld -- seine Großmut und Güte, verbunden mit außerordentlicher

Schüchternheit und Befangenheit, besonders in Gegenwart von Damen.

Ferner kam seine Liebe zu Mary mit ins Spiel, die zwar sehr

hoffnungsvoll, aber noch keineswegs der Erhörung sicher war -- das

heißt, gerade in einem Stadium, wo die größte Vorsicht geboten schien,

um weder einen Mißgriff zu begehen, noch Anstoß zu erregen. Und es galt

die Mutter zu berücksichtigen, die noch schwankte, ob sie einwilligen

solle, und die sich vielleicht jetzt oder nie gewinnen ließ, wenn

man sie geschickt zu behandeln wußte. Im Walde warteten die beiden

hilflosen Alten -- ihr Schicksal und Browns künftiges Lebensglück hing

von der nächsten Sekunde ab. Mary streckte die Hand nach der Wagendecke

aus; es war keine Zeit zu verlieren.

Natürlich konnte der Preis nur jemand zuerkannt werden, der die Sache

zu einem glücklichen Ende brachte. Browns Ansehen bei den Damen durfte

nicht geschmälert, seine Selbstlosigkeit nicht in Frage gestellt, sein

Anstandsgefühl nicht verletzt werden. Er mußte helfen die beiden Alten

aus dem Walde zu holen, so daß man ihn als ihren Wohltäter pries, sein

Lob in aller Munde war und sein Name mit Stolz und Freude genannt wurde.

Wir versuchten es so einzurichten; aber auf allen Seiten stellten

sich uns unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Natürlich würde

Brown aus Scham und Befangenheit die Wagendecke nicht hergeben wollen.

Dies mußten Mary und ihre Mutter übel nehmen, und auch die anderen

Damen würden sich sehr darüber verwundern, denn ein solches Benehmen,

wo es den unglücklichen Alten zu helfen galt, paßte nicht zu Browns

Charakter; er war ja als Engel vom Himmel gesandt und konnte unmöglich

so eigennützig handeln. Hätte man eine Erklärung von ihm verlangt, so

wäre er viel zu schüchtern gewesen, um die Wahrheit zu bekennen, und

aus Mangel an Uebung und Erfindungsgeist würde ihm keine glaubhafte

Lüge eingefallen sein.

Wir arbeiteten bis drei Uhr morgens an dem schwierigen Problem herum;

aber noch immer langte Mary nach der Wagendecke. Da gaben wir es auf

und ließen sie weiter die Hand danach ausstrecken. -- Nun kann sich der

Leser selbst das Vergnügen machen, zu entscheiden, was aus der Sache

geworden ist.

Am siebenten Tage unserer Fahrt sahen wir eine ungeheure dunkle Masse

in schwachen Umrissen aus den Fluten des Stillen Ozeans aufsteigen und

wußten, daß dies gespenstische Vorgebirge der Diamantfels war, den ich

zuletzt vor neunundzwanzig Jahren erblickt hatte. Wir näherten uns also

Honolulu, der Hauptstadt der Sandwichinseln, die für mich das Paradies

waren; ich hatte die ganze lange Zeit über gewünscht, sie noch einmal

wiederzusehen. Nichts in der weiten Welt hätte mich so aufregen können,

wie der Anblick jenes Bergriesen.

Bei Nacht gingen wir eine Meile vom Ufer vor Anker. Durch meine

Kajütenfenster konnte ich die Lichter von Honolulu funkeln sehen; zur

Rechten und Linken dehnten sich schwarze Gebirgszüge aus. Das schöne

Nuuana-Tal vermochte ich nicht zu entdecken, aber ich wußte, wo es

lag und sah es in der Erinnerung noch deutlich vor mir. Wir jungen

Leute pflegten dies Tal öfters zu Pferde zu durchstreifen und in einer

sandigen Gegend, wo König Kamehameha eine seiner ersten Schlachten

geschlagen hatte, Totenknochen zu sammeln.

Meine Reise um die Welt. Erste Abteilung · 第 1 / 17 段