Tilla erschrak. Wieder der Sänger? Sagte er das in einer Absicht? Denn
er konnte von hier aus weder hören noch sehen, ob jemand drunten den
Weg heraufkäme, besonders in der Dunkelheit.
Peter meinte: „Du siehst ihn nicht. Aber ich sehe ihn! Das ist, weil
ich mit den Nachtinsekten sprechen kann, weil ich sechzehn Jahre auf
Kililiki gelebt habe, und weil heute oder morgen, wenn der Mond über
den Anninger steigt, ich sterbe. Gott sei Dank. Ihr habt die Natur
verlassen, deshalb konnte ich nicht mehr zu euch zurück.“
„Aber du bist doch bei uns. Mußt du dich über uns beklagen? Pflegen wir
dich denn nicht gut, sag, Peter?“
„Ja, als Kranken pflegt ihr mich. Ich aber war König von Kililiki und
sah der Welt durch den Nabel. Da ist der Sänger.“
Peter wandte sich schroff um und ging davon.
Hinter den Hecken trat der Sänger hervor. „Servus, Gnädigste! Die Zofe
sagt mir, Sie sind ...“ Er sah den langen Robinson davongehen ...
„Stör’ ich?“ fragte er beleidigt.
Tillas Herz machte einen Schlag. Woher wußte Peter, daß Arnulf kam. Er
hatte es gefühlt. Sie ging rasch den Weg zum Haus hinab. Der Sänger
trottelte hinter ihr drein mit ängstlichen Fragen. Sie wehrte ihm
unwirsch ab. Das Grauen lief wieder über sie hin und her. In ihrem
zwiespältigen Herzen dämmerte etwas auf von der fremd gewordenen Seele
Peters, die sich in die geheimnisvollen Zustände der unentdeckten Insel
in der Südsee zurücksehnte. Erst als sie eine Weile mit dem Sänger im
hellen Zimmer war und über allerlei alltägliche Dinge gesprochen hatte,
wich der Spuk von ihr.
Peter ging in den Wald hinauf. Er lief oben durchs Gestrüpp an der
Ruine vorbei. Dann kam er über die Kalkgruben an die nackte Kante der
Hügel. Der Mond hob sich hinter der künstlichen Ruine in die freie
Nacht und warf sein Licht auf den steilen Buckel des Anninger. Peter
ging bis zu den Felsen, die den Hang einbordeten und die gerade der
erste Mondstrahl streifte. Peter schlich am unebenen Rand entlang, jäh
an der Kante, streckte den müden Kopf steil rückwärts und sagte:
„Bitte, erhöre mich, du Drunten!“
Aber der Mond füllte die Kluft des Kalkbruchs unter seinen Füßen
schnell mit einem dicken Teich von grüner zäher Dämmerung. Er warf
Peters Schatten lang, vielfach gebrochen und dünn vor ihm her über die
Steine und in die Bäume hinein. Im grünen Himmel zogen sich dünne
Wolkenschwaden zusammen und spreizten sich jäh auf über das ganze
Firmament, wie eine weitausgestreckte Hand mit fünf Fingern. Allmählich
erkannte Peter das Bild der Wolken. „Nimmst du mich, Hand?“ fragte er
da.
Er sprang von einem Felsen hinüber zum andern. Es schwindelte ihn ein
wenig beim Sprung. Er fiel jenseits nieder und krallte sich in ein
Eichengebüsch hinein. Ein Fuß trat hinterrücks ins Leere. Das Herz
zuckte veratmend in den tiefen Trichter zurück. Aber Peter ließ die
Hände nicht los und zerrte sich hoch.
Da ging er von den Felsen davon in den dunkeln Wald. Er spürte sein
Blut im Fieber dünn und heiß werden. Wie schmerzende und schneidende
Töne durchfloß es seine Schläfen. „Jetzt singt er Amfortas!“ sagte
Peter, „und sie spielt dazu.“ Er schritt rasch durch den Wald zurück.
Das Fieber stieg hastig. Seine Beine zitterten. Seine Augen fingen das
Nachtbild nur mehr schwankend auf. Er ging zur Villa. Von hinten aus
dem Wald heraus fiel er den Hang hinab in den Garten. Er hörte die
Stimme des Sängers. Sie schwebte durch die Nacht wie eine andre Welt,
und wie ein süßes mächtig wühlendes, steigendes und stampfendes
Segelschiff zog die Musik des Klaviers mit der Stimme daher.
Peter stürzte durch den Garten hinab näher zur Musik hin, die sein Herz
umarmte. Seine Schläfen bebten. Seine Adern durchzogen die mordenden
Schwärme der Malariatierchen, und wie eine unerschöpfliche Kaserne warf
seine Milz immer neue Bruten aus, die erobernd ihn durchstürmten. Der
Schmerz betäubte ihn ein wenig. Sein Gemüt floß in die Töne hinein, die
ihm entgegendrangen.
Da sah er in ein offenes helles Fenster. Er ließ sich in den Rasen
nieder und schaute. Am Klavier saß Tilla. Ihre Bluse war aus weißer
leichter Seide, tief ausgeschnitten, und das Licht drang unter dem
Schirm am Klavier hell auf die starke Brust ein. Ihre Finger rissen
Töne aus den Tasten. Ihre scharfe Nase sprang ins Licht der
Klavierlampe, und der Mund verzerrte sich in der Leidenschaft des
Spiels wie eine Pflanzenranke. Der Sänger stand hinter ihr. Es brannte
im Zimmer kein Licht außer der Klavierlampe. Der schwarze, große und
weiche Kopf des Sängers stand im Dunkeln, nur blaß beleuchtet von dem
grünen Licht, das durch den Schirm aufwärts drang. Man konnte nichts
erkennen in diesem Gesicht, nur daß es abwärts gerichtet war, und daß
sich der große Mund öffnete und ihm das Wunder des Verfluchtseins
entströmte, wie ein Atem Gottes, der willkürlich Lust und Leid
auswirft.
Peter sog die Musik auf. Er ließ keinen Blick vom hellen Fenster, und
während der Sturm des unheilbaren Gemüts herübertoste, voll triefender
Schwärze und ewig strömend, sagte sich Peter: „Ich sehe durch das helle
Fenster wie in einen offenen Menschen. Jetzt wird der Sänger sich
herüberlehnen und sie anfassen, denn sein Blut begehrt ihrer.“
Er war nicht eifersüchtig. Gewiß liebte er Tilla. Aber er starb ja. Die
Musik des Amfortas quoll wie ein Schoß aus, wie ein trächtiger Schoß
voll Ewigkeit, voll Formen und Geruch, peinigend und erlösend und
wieder verstoßend. Und da legte sich langsam der schwere dunkle Körper
des Mannes von hinten an die weiße zarte Bluse an. Eine Hand griff aus
dem dunkeln Teich des Raumes heraus, blätterte rasch um und ging nicht
wieder zurück in den Teich, sondern blieb an dem gehobenen Gewölbe der
wogenden Frauenbrust liegen, die tief im Licht entblößt war, und die
zerrenden Töne der Menschenstimme und die rasenden Schreie des Klaviers
riefen nur heftiger und schmerzhafter auf.
Da wälzte sich Peter wieder davon und eilte in den Wald zurück. Die
Erde sauste kreiselnd vor seinen fieberbedrängten Augen. Der Boden
schaukelte unter seinen fiebergefüllten Beinen davon. Peter keuchte und
stöhnte, sprang und fiel durch die Finsternis des Waldes den Berg
hinan. Oben lief er, über Stock und Stein hinstürzend und sich wieder
hochraffend. Sein Herz schlug wie ein Glockenschwengel, aber es schlug
nicht genug zum Sterben, und er lief und lief. Er hörte seine
Herzschläge wie eine Sturmglocke die nächtliche Heide überbollern.
Dann stürzte er hin. An einer hellen Stelle stürzte er hin, mit dem
Rücken über einen flachen Felsblock, und um den Block krauste sich das
Gebüsch wie verborgen schwarzes Haar. Der Mond schien groß und dumm,
wie die Erde, mitten in seine Augen. Das Herz stieß wie ein
Maschinenkolben in seiner Brust, seinem Willen fremd. Er riß die Augen
auf, denn aus der Tiefe der Gräser und des Buschwerks, der Steine und
aus dem Spalt des Tals und aus den Eichen und Tannen stiegen Heere von
Insekten auf. Der Mond stand wie ein Molochmaul feurig geöffnet in der
Nacht. Die Nacht, allmählich und dunkel erglühend, war wie ein
ungeheurer Ofenbauch aufgewölbt. Die Sterne blitzten wie Löchlein in
den eisernen Flanken, durch die das innere Feuer schlug.
Aus einem Wacholderbusch säuselte das Volk „Grüne Braut“ auf. Es waren
zephirgrüne, zarte Insekten und durchsichtig wie ein Tautropfen, und
die Männer trugen zwei buschige hellbraune Hörner am Kopf. Die Prismen
ihrer Augen funkelten herausgeschoben nach allen Seiten in Gier, und
das Quentchen Blut, das in dem Körperchen war, fühlte sich unversehens,
so im Wirbel des Schwarms, zu ewiger Seligkeit erhitzt. Und eins das
andre in tändelnder Gewalt überhuzelnd, nahmen sie ihren Flug, zu dem
großen feurigen Maul der Nacht, das sich weit und rund über dem
schwarzen Anninger aufriß. Das Volk der zarten Dreischwänze folgte
ihnen gleich aus dem trocknen Gras heraus. Die schwanken drei Fäden am
Steiß steuerten das braune Pünktchen des Leibes sicher durch die grüne
entzündete Luft. Die Fädchen griffen im Steuern nacheinander, fühlten
sich zärtlich ab und hingen auf einmal aneinander. In kleinen erregten
Klümpchen und in ganzen Grüppchen liebegesegnet, stiegen die Tiere auf,
die Luft zischelte leis von ihrer ungeheuren Schar, und der Mond riß
sich ihnen glühend entgegen. Und noch geringere Tiere rasten in Ballen
verführt aufwärts und kreiselten zugleich in wütenden Kringeln um den
Geruch, die Verführung und die Lust des Geschlechts herum, als ob sie
alle an kurzen unsichtbaren Schnürchen an die eine Vorstellung
festgebunden wären.
Die Tannen warfen einen Schwarm von kleinen braunen Motten in die Nacht
aus. Die Flügelschläge schlugen weich und samtig, und der leise
Lufthauch ließ die Flügel süß flattern, wenn sich Mann und Weib trafen.
Ein weißes Heer von Schwänen strömte hinterdrein. Das grüne Zauberlicht
tränkte ihren weißen Staub. Die großen braunen Augen waren mit grünem
Reif des Mondlichts überzogen. Die beiden männlichen Fühler wedelten am
Kopf wie Palmwedel in einem heißen Seewind. Und Eintagsfliegen kamen
aus Tümpeln hoch und kreiselten durcheinander und liebten sich, während
der große runde Mond sie an sich ansog und sie selber wie ein Ball aus
Millionen von Verliebtheiten geradeaus in die Nacht aufwärts zogen, dem
Volk „Grüne Braut“ und den Motten nach. Fliegende Ameisen mit Leibern
wie Tannennadeln, dünn und lang, und geäderten Seidenflügeln schossen
spröd, blind und raschelnd zusammen zur großen Scheibe empor. Dann
entstiegen den jungen Eichen wilde ungebärdige Schwärme von fett
behaarten, dicht bestaubten Schmetterlingen. Wie ein Pusten warfen sie
sich auf, einer über den andern, steil dem Mond zu, und der Staub fegte
von ihren dicken Leibern, wenn die vielen Männchen den geheimen Duft
eines Weibchens trinken wollten und sich über sie herwarfen, dreißig,
fünfzig über eines. In stoßenden verwilderten Schwärmen kugelten sie
dann unglücklich und gewaltsam aufsteigend um die paarweis verbundenen
Glücklichen, die, aneinander gefesselt, der geheimen Süßigkeit des
Mondes zustrebten und in denen Sehnsucht, Begattungsseligkeit und
Fortpflanzung eins waren. So kamen Schwarm um Schwarm von den
Nachttierchen. Alles was Flügel hatte strebte aufwärts an Peters heißen
Augen vorbei.
„He! he! ihr!“ flüsterte er. „Nehmt mich mit! Ich bin ja euer! Von
Kililiki. Wißt ihr denn nicht mehr?“
Sie aber liebten sich und flogen hoch.
Die Schnaken auch hatten sich drunten aus dem trägen Bach erhoben, der
hinter den Häusern die Gärten durchfloß und dessen stinkige Faulheit
von ihrer Blutgier hitzig belebt war. Aus der Dämmerung waren sie
dorthin mit ihrem Raub von Menschenblut zurückgekehrt, und nun zog sie
der Mond hinan, wie er alle Völker aus den Büschen, Gräsern, Steinen
und Bäumen zog. Die Schnakenweiber schwärmten auf, die Ranzen gedunsen
voll Menschenblut; mit den sechs langen Beinen im Flug durch die Luft
rudernd, steuerten sie, den blutgefüllten Schlauch schwer, aber hitzig
geradeaus, und als sie Peter überflogen, leuchtete das Blut ein wenig
himbeerrot durch die Leiber durch. Die Männchen umfuhren sie tänzelnd
im Aufwärtsdringen und wedelten erregt mit den großen Blättern ihrer
Hörner. Eine jede Schnake hatte den Kopf klein und hart unterm Nacken
niedergebeugt wie zum Stoß. Der Saugrüssel stieg steil geradeaus aus
ihm, die Fühlhaare waren fest und geil angepreßt, und er stieß heftig
vor in den Zauber des Mondlichtes wie eine Bohrmaschine.
Da fliegt das Blut Tillas und das Blut des Sängers! sahen die Augen
Peters. Das gestohlene Blut! Und Tilla wird mit ihren marmornen braunen
Fingern jetzt an den Knöchel oder seitwärts ans Knie greifen, wo sie
angezapft wurde. Und der Sänger wird über sie hergehen. Und Hermann ist
arm und fern und unglückselig. Peters Augen flossen über, verdehnten
sich, waren auf einmal Teiche, die in ihm quollen und wie Seen über die
Welt her sich verbreiteten.
Und es kamen noch hinter den Bluträubern die schönen Kotbienen, die wie
Tiger so schön sind, schwarz und gelb beringt, und die wie Maschinen im
Flug auf der Luft stehenbleiben können und die doch verrufen sind, weil
sie von Gestank und Fäkalien leben.
Aber auch sie hörten Peter nicht an, als er rief: „He, ihr! Ihr
wenigstens, nehmt mich mit! Kililiki, Kililiki!“ Sie schnitten in der
Luft übereinander hin wie Torpedos, blieben plötzlich im rasenden
Geradeaus übereinander stehen und schossen dann in sich hinein wie
Kugeln und schnitten hart wie Stahlschneiden von hinten schräg aufwärts
in die andern Völker, die in dichten langen Schwärmen dem Molochmaul
über dem Anninger zuflogen. Peter sah, wie der weite unübersehbare
Schwarm, der trotz der Massen nur zart in die Nacht leuchtete wie ein
verschwimmender Rauch sich hoch und höher zog und fast wie eine Brücke
aus braunem Reif von der Erdenhöhe zum Mond ging. Die getigerten
Torpedos überrannten von hinten alle Schwärme. Die Schnaken wollten
heftig vor ihnen davonstoßen. Aber es war zu spät. Sie sanken getötet
durch das lächelnde Licht des Mondes. Aus den Schwärmen der Motten
flatterte der Staub verzweifelt auf. Der Mond lachte kalt, dumm und
geil und ewig wie Kililiki. Er war Kililiki. Er riß sich weit auf und
die Insekten strebten ihm bebend und totgeweiht zu. Ihre Brut schwebte
schon auf die Erde nieder. Ihr Leben war daran, sich in ihrem Tode zu
erfüllen. Die zarten Dreischwänze waren vom Wind, der sich über den
Bergrücken aufwarf, erdrückt worden und gingen wie ein braungepunkteter
Schnee wieder auf die Erde nieder, ein Schnee von Leichen, die
befruchtet waren. Das Volk „Grüne Braut“ wurde von den Motten
überrannt, die Motten zwischen den Scharen der erregten Schmetterlinge
erdrückt, und die Schmetterlinge, eingeschlossen in die
zusammenpressenden Netze der Schnaken, schlugen nur mehr schwer mit den
Flügeln und sanken scharenweise zu Tode ermattet aus den Höhen, und
alle Tiere, die der grünen neuen Welt, die leuchtend über die Erde
stieg, zustrebten, waren dem Tod verfallen. Sie gingen volkweise unter.
Sie waren Völker und Zeiten, sie waren Gestirne, und die Atmosphäre der
Ewigkeit, die zwischen Erde und Mond lag, zerstörte sie.
Diesen Krieg sah und erlebte Peter Pirath.
Der Vollmond stieg den sich mächtig hebenden Bergrücken steil entlang.
Er stieg über den Anninger wie einst über die Insel im Stillen Ozean.
Bestand sie noch? Sie bestand nicht mehr, seitdem Peter unterging.
Unterging wie die Welten der prismenäugigen Nachttiere. Die Fieber
schwangen sich durch Peters Adern und zielten nach der Quelle des
Bluts. Er sah in sich die Malariatierchen wie Milliardenheere über
seine roten Blutkörperchen einstürzen, sie zerstören und verschlingen
und unwiderstehliche Artillerien weiter auf die Festung im Mittelpunkt
seines Landes zurasen, auf die rote mürbe Herzfestung, die soviel Leben
erlebt hatte. Und dann nahmen die Scharen plötzlich das Gesicht des
Sängers an, das blasse, feiste Gesicht; er öffnete sein großes,
schwarzes Maul und schlang und schlang von Peters Blut, daß seine
Mundwinkel wie Stromfälle troffen, bis die schöne Schwägerin Tilla, die
nebenan stand, sagte: „Unser Robinson spritzt sein Blut dahin!“ Und
dann schlug der Sänger rasch sein Nußknackerkinn zu, und stieg, die
Hand um den hohen Frauenbusen pressend, Amfortas singend, mit dem Weib
in die Wälder. Die Fieber zogen zuhauf in Peter, wie die Insekten nach
dem Mond gezogen waren, wie die Wünsche und Erinnerungen an Kililiki zu
seiner Seele strömten. Er harrte der Erlösung, so wie er einst, wenn
die Fieber wichen, den Eingeborenen die schweren süßen Worte der
Verbrüderung ins Blut senkte ... Es rasten Erkenntnisse durch ihn statt
der Erlösung. Erkenntnisse wie auf Kililiki so roh natürlich, so
gewaltsam selbstverständlich. Blutzusammenhänge von Entwicklungen und
Geschehnissen aus seinem Leben und seinem Untergang. Er rief:
„Erbarmen! Erbarmen!
Mir Armen! Mir Armen!“
Nachtvögel strichen über ihn, tief und heftig sich aus der grünen
Dunkelheit auf ihn niederschleudernd. War es denn noch wahr, daß er die
Völker der Insekten nach dem Mond streben und sterben gesehen hatte? Wo
war der Mond? Er stand wohl schon hinterm Berg. Sahen seine Augen nicht
mehr? Erbarmen! Erbarmen! Sein Herz ging wohl noch. Dann auf einmal
schlug es wie ein Tennisball ins auffangende Netz. Äh! äh! Ich komm’
nicht mehr heraus. Das Strickgewirr der Maschen umsaugt mich. Äh! äh!
erstickt mich ... rief das Herz. Der ewige Reif stieg kalt aus Peters
Blut auf die entsetzten Gewölbe seiner Augen. Und da der Mond versunken
war, konnte die Venus über die Hochebene leuchten. Im bleiernen Glanz
der zwei erstorben aufwärts gerichteten Augkugeln blieb sie mit einem
kleinen blitzenden Widerschein stehen, kalt und hart. Robinson war tot.