Der Kapitän schaute in der Dunkelheit um sich, griff in die Nagelbank
des Großmastes und zog einen der schweren eisernen Koffeinägel heraus,
um die die Taue befestigt wurden. Er rückte auf die Bande los. Einige,
die zu hinterst standen, gingen wieder zurück. Der Segelmeister, der
ein Finne war, rief frech: „Et schickt sich nicht, daß ein Vollmatrose
von wegen eines ... eines aasigen Langbeins von Spionierer ins Eisen
kommt.“ Peter erschrak oben auf der Brücke. Das war wiederum er.
„Spionierer?“ Und „meinetwegen kam der ins Eisen“? Er schüttelte den
Kopf und wollte ruhig sich bezwingen, hinabgehen und den Finnen um
Rechenschaft bitten.
Aber der Kapitän hatte schon vor sich in die Dunkelheit gegriffen und
hielt einen an der Brust: „Du Finnrusse, du riskierst de Baß! Soll ich
dir $per la maing$ man seggen, wat sich schickt, du Lauseschwein!“
Die Matrosen traten unter dem grob vorrückenden Kapitän zurück. Die
hinten standen, drehten sich um und gingen rasch davon. Der Finne riß
sich los und stieß in die andern, die langsam zurückrückten, hinein. Da
zeigten auch die den Rücken und liefen so rasch sie konnten.
Der Kapitän warf den Nagel ins Meer. „Dadran soll kein anständiges Tau
mehr kommen!“ schimpfte er.
„Die Segel schämen sich sonst!“ — Dann ging er zu seinem Rum.
Peter setzte sich neben dem Kompaß auf die Kante des Rettungsboots, das
dort hereingeschoben stand. Er war verzagt, ärgerlich und wütend.
Sollte der Teufel das blöde Unternehmen holen! Was ihn nur geritten
hatte, sich auf dieses Schiff einzulassen, auf diesen Kasten von
Verbrechern! Wenn er mit dem Dampfer über Sydney gefahren wäre, so säße
er jetzt zwischen gesitteten Menschen, reiste bequem, und alle
Bedürfnisse würden ihm befriedigt, und er wäre bald zu Hause und könnte
die große Arbeit beginnen. Gestohlene Tage sind das hier! Das ist
altertümlich! Ein zeitgenössischer Mensch soll diesen sentimentalen
romantischen Segelschiffabenteuern aus dem Weg gehen. Er spielte in der
Tasche mit seinem großen Browning und hätte ihn gern nach vorne hin
abgeschossen in die Nacht und die elende Verbrecherbande hinein, die
dort hauste, weil sie die ordentliche Gesellschaft der festen Erde
fliehen mußte.
Die Segel fingen an über ihm zu knallen, und das Schiff holte mit einem
mächtigen Schlag auf einmal über. „De Wend schralt!“ hörte er Kluges
Stimme hinten beim Steuerer. „Ach was!“ sagte sich Peter. „Ich geh
schlafen! Ich wollte, ich könnt jetzt mich da unten in die Koje legen
und erst aufwachen, wenn der süße ersehnte, rettende Erdenfleck an der
amerikanischen Küste da ist ...“
Er verweilte noch einige Minuten, schaute den wie rätselhaft
gewaltvollen Bau der vollbepackten Maste hinauf, die in abgebauten
Stockwerken ihre Segel übereinander türmten, wie fremde Pagoden in
verhaltenen Schwankungen mächtig hinüber und herüber pendelten. Dann
ging er. „Wenn nur Damm nicht drunten sitzt! Ich will keinen Menschen
sehen und kein Wort sprechen!“ sagte er sich gereizt. Im Kartenhaus
stand Kluge und klopfte auf das Barometer. „Dat Barometer geiht bannig
dohl!“ sagte der Steuermann. Pirath antwortete nur: „Ich geh schlafen,
gute Nacht!“ und glitt die enge Treppe hinab. Damm schnarchte in der
Lotsenkammer, in der er jetzt immer bei offener Türe schlief. Peter
schloß seine Türe und legte sich ins Bett. Aber er fand keinen Schlaf.
Es lagen alte deutsche Zeitschriften in seiner Kabine. Er begann zu
lesen. Er konnte auch nicht lesen.
Da streckte er sich auf den Rücken und dachte sich heftig, immer
schmerzender, immer trotziger in seine Mißstimmung und seine Wut
hinein, bis er schlief und in langen Träumen in sonderbaren Abarten
noch einmal alles, was ihn plagte, erlebte, viel grausiger und härter,
viel unentrinnbarer und wesenlos wie ein Symbol. Er saß eng eingesperrt
in einem Rohr mit eisernen Wänden, und das Rohr fuhr hoch über der
Erde, und er wußte, es dauert hundert Jahre, bis es daheim ist. Hundert
Jahre lang kannst du kein Glied rühren. Schrei! Brüll’! ... Aber seine
Stimme nahm keinen Ton an. Sie flog wie aus einem dumpf zischenden
Ventil durch seinen Hals. Und wenn du nach hundert Jahren unten bist,
so bist du doch natürlich längst tot, und dein ganzes Leben lang wird
dir nicht mehr die süße Freiheit, dich zu bewegen, wie du willst, ruhig
mit Menschen zu sprechen und deine Zentrifugen schleudern zu sehen. Das
Rohr stieß auf etwas auf. Es gab einen plumpen Schlag. Dann war es, als
ob es polternd und mit Donner in einer engen Schlucht von Wand zu Wand
in heftig aufschlagenden Zickzacken in die Tiefe sauste, und Peter
erwachte in einer Kabine, die toll geworden zu sein schien.
Die beiden Stühle kreiselten durcheinander und schlugen bald diesseits,
bald jenseits an die Wand. Die Lampe tanzte überm Bett in den
kardanischen Ringen, und plötzlich schleuderte das schwarze offene
Ochsenauge einen wilden Strudel von Wasser über Peter und das Bett. Da
sprang er heraus, torkelte in der tanzenden Kabine zu Boden, klemmte
sich irgendwo an und riß die Hose über die Beine, zog sich an und
machte sich hinaus. Im Salon war es finster. Er schlich auf Händen und
Beinen am eingebauten Büfett entlang, in dem die Gläser klingelten und
Scherben berstend sangen.
Die schmale Treppe zog er sich ins Kartenhaus hinauf. Auch dort war es
finster. Er flog wie in einer Schaukel, stemmte vergeblich die Beine
auseinander, um fest zu stehen, trotzdem er sich anhielt. Als er eine
Tür aufschieben wollte, preßte sich, wie ein plump vorwärtsstürzendes
Tier, ein Wind gegen ihn, Wasser prasselte in sein Gesicht wie Nadeln
... Er konnte die Tür nicht mehr schließen, kroch hinaus, die Nacht
raste und schrie, und vorn am Schiff bellten die Segel wie Hunde in der
Nacht, mit langen heulenden Stößen. Und auf einmal schlug ein
knatternder Krach in die bellenden Stöße, und Peter sah weiße Flügel in
die Nacht schlagen und versinken. Die Klüversegel waren abgerissen.
Da schrie mit unmenschlicher Stimme der Kapitän in die tosende
Dunkelheit: „Kluge! Kluge!“
Peter machte sich am Scheinleit fest, das in die Messe hinabführte und
an das das Kartenhaus angebaut war. Er lag halb darüber und krallte
sich ans Gitter der Greetings, mit denen die Scheiben eingedeckt waren.
Bald hörte er zwei Stimmen vor sich, die sich in der Nacht anfuhren.
„Wat makt die Banditen? Is jem de Steert uppe Rahen anwossen?“ Das war
Damm. Kluge brüllte dagegen: „Sie wollen nich! Sie wollen nich!“ Der
Kapitän schrie hundert unflätige Schimpfworte hinauf; er stand vorn auf
der Kommandobrücke, im Mantel, und brüllte in die Nacht hinauf. Kluge
war wieder fort. Pirath wurde steif in seiner Stellung. Aber das Schiff
schlug so im Sturm, daß er sie nicht aufgeben konnte, weil er keinen
andern Halt sah.
„Was ist geschehen?“ fragte sich Peter unglücklich. Der Orkan sprang
wie Kanonenschüsse in die Segel. Die bogen sich, vom Wind gezerrt und
geschlagen, und waren rund gespannt wie Gewölbe, die vor dem Einsturz
erregt aufzittern; sie schienen verzweifelt zu schreien: Wir halten
nicht! Wir können nicht mehr! ...
Der Hinterteil des Schiffes stieg hoch wie ein Turm und setzte,
plötzlich abwärts sausend, aufs Wasser nieder, als ob ein Berg aus der
Nacht ins Meer fiele. Einmal tat die Nacht einen schrillen Schrei, und
neben Pirath schleuderte ein Segel auf den Boden, hob sich wieder
rasend hoch, taumelte brüllend wieder herab, und ein Fetzen peitschte
Pirath über den Rücken. Er ließ vor Schreck und Schmerz los, schlug am
Boden rollend, rasch die Hände nach der offenen Tür des Kartenhauses,
und das auf und ab fahrende Segel peitschte den Scheinleit in Stücke
und flog unsichtbar nach und nach in der Nacht davon. Eine Woge wälzte
sich von hinten übers Steuer, drückte Pirath an die Tür, die krachte,
und schoß strudelnd die Treppe hinab und warf sich zugleich durchs
Scheinleit grell gurgelnd in die dunkle Messe.
Pirath hob sich halb auf, von Wasser triefend. Er sah niemanden mehr am
Steuer. Er wälzte sich zur Reling und kroch an ihr nach der
Kommandobrücke. Der Kompaß stand dort in einer Holzsäule. An die
klemmte er sich an und richtete sich halb auf. Damm sah ihn: „Hier
wassen keine Palmen!“ sagte Damm nur. Da war es, als ob der in weiten
Kreisen, wie ein unnatürlicher, geheimnisvoll rasender Drache durch die
Nacht drehende Großmast, an dem noch sämtliche Segel hingen, einen
Körper aus der Finsternis pflückte und ihn über den Köpfen von Pirath
und Damm hinweg davon spritzte.
Das mittlere Deck unter Piraths Füßen war anzuschauen wie ein in die
Dunkelheit gedeckter fliegender Rauch. Das Meer wälzte beiderseits
darüber. Und einmal wieder, als ob die Nacht entzwei risse, barst das
Gewölbe des Großsegels, flatterte erregt wie zwei große Riesenvögel
beiderseits vom Mast hoch und fuhr in knallenden Flügen hin und her und
peitschte sich Fetzen für Fetzen vom Leib, die brüllend und rasend vom
tobenden Schlund der Finsternis eingesaugt wurden.
„Was ist denn?“ fragte Pirath mit zagender Stimme den Kapitän. Aber der
hörte nicht. Damm stand schweigend und dick in der Dunkelheit und
bewegte sich nicht. Er stand neben Pirath wie ein unheimlicher alter
Baumstrunk. Die zerreißenden Rufe der Segel krachten ununterbrochen
hintereinander über den brüllenden Sturm hinaus. Langsam kam ein Grauen
ins östliche Gewölk, und die weißen durcheinander schlagenden Fetzen
leuchteten auf im Osten des beginnenden Tages. Der Orkan wuchs in
kreiselnder Wut.
Das ganze Schiff warf von Wasser, die Masten bebten, Pirath bebte, und
das Wasser lief an ihm wie ein Brunnen herab. Er sah an dick
umwickelten Rahen einige Menschen. Lebten sie noch? Sie klebten dort
droben unbeweglich wie tote ausgedörrte Fliegen im Winter an einer
weißen Stange. Auf der Bramsaling und der Mars über ihm hockten zwei
Häuflein Menschen aufeinander wie auf zwei Balkonen des Todes. Sie
fuhren mit den Masten wild und wüst durch das immer heller werdende
Grauen.
Da brach über ihnen die Stenge. Sie brach ein, als ob das Gewölbe des
Morgenhimmels zerkrachte. Der schwere Eichenbaum sauste droben lange
hin und her, vom Gut noch gehalten, schlug auf die Pardunen wie auf
einen federnden Amboß. Das Häuflein Menschen auf dem Todesbalkon der
Bramsaling zerstob. Wohin? Als flöge es durch die Luft von einer
Fliegenklappe gescheucht ... Ins Meer? Auf Deck? Wohin? Wer sah’s
genau? Das Meer war eins auf dem Deck drunten. Nur manchmal schaute die
hohe Luke hinter dem Großmast hervor, und auf die fiel auf einmal mit
der Spitze gerade hinein, wie ein Pfeil des strafenden Gottes, die
abgebrochene Stenge.
Sie durchschlug die Luke, verschwand, die Seen stürzten ihr nach wie
eine rasende Meute, preßten das Loch auf, zersprengten die Luke und
waren auf einmal ein unendlicher Haufen von riesenhaften,
widerstandslosen Maulwürfen, die sich in den Leib des Schiffes
hineinwühlten. Der Großmast legte sich nach vorn, sank rasch; die
„Hinnerjette“ durchdrang ein erschütternder Schlag, sie bebte wie eine
Maschinenhalle ... Der Vorderbug war zerspalten, war eine Grube, in die
die zerfleischenden Gebirge des Meeres rasten wie zerspellende
Eisenbahnzüge.
Da fuhr die Stimme des Kapitäns auf, wie ein Trompetenstoß: „Luken
eingeschlagen. Rettungsboote klar ...“
Aber wer war da, der einen Befehl ausführen konnte ...? Peter sank am
Kompaß nieder. Ein Gefühl kam aus der Gefahr über ihn, als ob ein
heißer Strudel rasch durch seine Adern flösse und aus dem Unterleib
heraus in rasendem Drehen versprühte, als ob er dabei selber allmählich
verdunstete. Er stammelte hilflos dagegen an: „Oh! ’s ist ja nicht
wahr! Wir gehen nicht unter! ...“ Und als er Willen und Mut
zusammenraffte, schrie er: „Wenn ich denn doch nicht untergehen will.
Wer arbeitet sonst? Wer macht denn die Gründung zu Ende?“ Er
parlamentierte auf einen energischen Ton mit dem Sturm und dem Wrack,
das ihn noch zwischen Dasein und Jenseits trennte. Aber er wußte: Mein
Wille ist nichts. Wenn ich meinen Willen aus mir nehme, so verschwindet
er wie eine Seifenblase. Es gibt kein Leben mehr. Die Stunde ist da ...
Und während er zunächst darüber so erschrak, daß es war, als raste ein
rotglühender Dolch ihm ins Becken, kam dann bald die gefaßte
Todesbereitschaft über ihn, der er oft in Gedanken obgelegen hatte. In
dem dunkeln Chaos seines Gemüts ordneten sich, wie um Abschied zu
nehmen von dem neuen Leben, rasch die Erlebnisse, die es hatten
mitbilden helfen, und über allem stieg ein Wörtchen auf, aus diesem
urhaften Brunnen und taumelte wie selig über seine Lippen. Er murmelte
es. Es hieß: „Ewe!“ und der Sturm prallte ihm das reiche zarte Wörtchen
von den Lippen. Aber das Wörtchen stieg unversiegbar immer wieder von
neuem auf seine Lippen. Das Wörtchen war wiederum, so wie der Dolch,
ein Sporn, ein ergebenes Mitziehen, und es hielt in seiner großen Brust
die kämpfenden Wagschalen von Lebensbegehren und Sterbensbereitschaft
straff am wagrechten Balken.
Er wollte nicht liegend erwarten, daß sich die Ewigkeit vollzog. Doch
als er sich erhob, prallte ihn ein Körper an, der am Fockstag über ihm
herabgeglitten kam. Der Körper stieß ihn zurück, fiel selber vor ihm
nieder. Peter erkannte Kluge. Kluge raffte sich vor Peter auf die Knie
zusammen. Vom Deck geschaukelt, immer wieder umfallend und sich
aufrichtend, erhob er flehend die verschränkten Hände gegen Pirath,
weinte und stöhnte und machte mit den Händen wie ein scharrendes Pferd.
Er scharrte mit den Händen um Vergebung, daß er verleumdet hatte,
brachte keinen Ton aus der Kehle, außer seinem stöhnenden Ächzen, und
kroch wie eine Krabbe auf allen vieren zum Kartenhaus.
Er sank die Stiege hinab, ins Wasser, das drunten von Wand zu Wand
platschte, drückte sich durch in den Salon und schlug mit einem Stuhl
die Schranktür ein, hinter der Damm seine Flaschen verschlossen hatte.
Er nahm, ohne zu schauen, die erste und soff sie auf einen Zug
hinunter. Es war Brennspiritus. Er sank leblos um und klatschte in das
fußhohe Wasser, mit dem ihn der Tanz des Schiffes widerstandslos von
Wand zu Wand rollte.
Das Schiff neigte sich leeseits. Es vermochte sich nicht mehr
hochzurichten und hing mit besänftigtem Schaukeln schräg in den
zerfließenden Gebirgen der Wogen. Da beugte sich Damm zu Peter hinab.
Der Sturm griff ihm unter den Ölmantel und wehte ihn hinten hoch wie
einen schwarzen Sterz. Der Wind zockelte an den armseligen grauen
Haarsträhnen des nackten Kopfes. Aus dem großen dicken Gesicht hing die
Bergamottenase wehmütig hernieder, manchmal berührte sie Piraths Ohr.
Eine dicke Stimme sagte:
„Wie häwt lävt, häwt sapen und hurt. Davor mott’n ju woll als Held
star’m. Wenn ’t Ihnen drum ist, dat man vielleicht erfährt, wo Sie adje
seggt häwt, so schrieven’s up ’n Zeddel: Flaschenpost. Ick will meinen
Orthograf nicht kompromittieren. Mine Ohlsche is dat ja wohl ooch
piepe, to wäten, up wecker Länge und Breite ick mir zum lieben Jott
bejeben heb.“
Auf einmal hatte er eine Flasche in der Hand. Da war ein Etikett
darauf, wo ein Indianer auf Fässern saß. Er steckte sie tief in den
Mund und goß sich den Rum, ohne abzusetzen, in den Hals. Er zuckte und
strauchelte. Aber er wehrte sich und bekam die Beine wieder gerade und
stand dann steif ans Geländer geschraubt, die Brust herausgereckt, den
Kopf geradeaus in die Luft. Sein Gesicht blieb gespenstig beim selben
Ausdruck. Der Sturm riß den Strick, mit dem er den Mantel zugebunden
hatte, los, und das knarrende Ölzeug fuhr steif um ihn in der Luft
herum wie Fledermäuse, die ihn angreifen wollten.
Er trompetete noch einmal in den Lärm hinein: „Rettungsboote kla...“
Aber dann auf einmal saß er neben Pirath und lachte ihn harmlos an.
„Wat!“ rief er glückselig. „Det Mächen kann’s! Och diese olle seute
Hahnbock. Dat ick dat noch an ihr erlev.“
Peter sah, wie das Meer drunten das Deck schlucken wollte, ein rasendes
Nilpferd. Manchmal stieß ein Beben durch den eisernen Leib und zitterte
die Masten hinauf, die alle gekappt waren. Das Schiff sehnte sich nach
dem Grab.
„Jetzt geht es unter!“ schrie etwas in Peter. Er zerrte sich auf, und
alles war mit einemmal hart und klar in ihm. Das Rettungsboot konnte er
mit der Hand erreichen. Wütend rief er: „Rasch, Kapitän! Ins Boot!“
Aber der sagte bös: „Leck mi im Moars! wech! Ick fahr’ mit der Hahnbock
in den Himmel! Zwischen ihren Beinen ... As hi geiht!“ schrie er dem
Steuerer zu, den das Meer längst vom Rad davongerissen hatte! „As hi
geith! Dunner! Dunner! Wie sie die Flügel hebt ...“
Der letzte Fetzen des Beguins flog mit dem Sturm im Schreien dahin.
„... Un wie sie flattern dut. Dat is fein! Dat harr ick nich dacht von
di, Hahnbock. Und ick häv jümmer ne gute Meenung von di hatt. Aber ...
wie ’n Albatros. Dar häv ji ’n Schluck Rum. ’n deftigen ... Du gute,
seute ...“ Er weinte und hielt dem Schiff die leere Flasche hin. Aber
Peter schlug ihm mit dem Fuß die Flasche aus der Hand. Er bückte sich
nieder, faßte den Bären wild unter den Achseln, um ihn ins Boot zu
zerren. Die Wogen schlugen herauf und jagten über ihre Köpfe hinweg.
Aber der Verrückte zuckte hoch und zischte: „Lat mich, du Oos!“ und
griff wütend nach Pirath. Er bekam ihn an den Beinen, stemmte den
Riesen torkelnd hoch. Wie ein Erdbeben flog es donnernd und zitternd in
der Luft. Es war Pirath, als breche er ab aus den Händen des Wütenden,
als breche er ab aus der Luft des irdischen Lebens. Gewaltvoll und mild
hob sich das Meer hoch um ihn, er fiel und versank und sank, sank durch
Graues und Rosenrotes.