Der Holländer löste die Aufregung in Lachen auf: „Mrs. Tschikaügoü als
schützender Engel! Ik hab ja niet gesagt, daß auch noch ein Ziffer vor
die Nulle kommt!“
Dann kam Hei.
Goed rief: „Hei, hei, schau, wer kommt wieder? Vertrau ik meine Augen,
der Herr Hei!“
Der Hei lachte und sagte: „Mijnheer, Sie haben Augen, wie ein
Boa-Constrictor-Jäger. Das ist eine Jagd. Gottverdomme ...!“
Herr Goed hielt beschwörend die Hände vor: „Bitte Jagd, nicht mehr
Jagd! Man fühlt sich seinem Leben niet mehr seuker! Mit all Ihre Boa
Constrictor, Tigers und rasende Elefants und dem Sumatra-Nilpferd. Ik
lauf davon. Komme Sie mit, Mrs. Tschikaügoü?!“
Hei hielt Pirath am Jackenknopf fest: „Für Sie hätt’ ich was,“ sagte
er, als die andern davon waren. „Es reisen so viele, die Jagdmärchen
erzählen, daß einem ehrlichen Jäger, wenn mal einer kommt, niemand
glaubt. Aber hier haben Sie’s schwarz auf weiß, mit Schrift und Kamera
festgehalten.“
Hei zog eine alte Nummer der Woche heraus und schlug eine Seite auf.
Pirath las: Moderne Tropenjagd von Hartmuth Hei. Hei drückte ihm die
Zeitschrift hin. Pirath sollte lesen. Als sie sich später wieder
trafen, fragte Hei: „Glauben Sie mir nun? Sie wenigstens? Auf Sie kommt
es mir an.“
„Weshalb gerade auf mich?“
„Weil ich etwas Großes mit Ihnen vorhab.“
„Nicht möglich!“
„Ja, ich brauch nicht um Diskretion zu bitten, denn ich weiß, daß Sie’s
machen, machen müssen, sobald ich Ihnen die notwendigen Aufschlüsse
gegeben habe.“
„Ich warte.“
„Wir industrialisieren ein großes Jagdgebiet in Hinterindien.“
„Wer ist das: wir?“ fragte Pirath.
„Nun: Sie und ich. Hören Sie, Pirath. Da bin ich mit einem Maharadscha
befreundet, einem Fürsten, einem König von immensen Gebieten. Aber der
$Nervus rerum$, $voilà$, der ging ihm aus. $Cherchez la femme.$ In
seinem Harem hat er tausend Mächens, eins schöner als das andre. Das
kostet sein Vermögen. Denn es müssen immer tausend sein und nicht nur
aus Indien. Da sitzen die schönsten Europäerinnen drunter. Und er ist
bereit, sein Gebiet zur Jagd zu verpachten. Es wimmelt von Elefanten,
von alten Bullen mit Stoßzähnen, wie ein deutscher Eichbaum so dick.“
Pirath wollte ihn los sein und sagte: „Stoßzähne interessieren mich
nicht. Dumdumkugeln noch weniger! Also ...“
„Still! pst!“ machte der Hei und hob den Finger. „Ich hab ja noch etwas
in der Reserve. Weshalb wende ich mich denn gerade an Sie, an Herrn
Peter Pirath, Mitinhaber der Firma Jens Pirath Söhne, unsere größten
Kopraverarbeiter. O, ich weiß, mein Lieber. Tigerjäger und
Schriftsteller! Mitarbeiter der Woche. Abgesandter der ... na, gehst
du, Hei! Maul zu! Diplomatie! Ich weiß, wer meine Mitreisenden sind. Es
gibt, na, raten Sie mal was? Es gibt in dem Fürstentum hinter den
Bergen immense, unbekannte ... un...be e..kann...te! horchen Sie auf,
Pirath, unbekannte Palmenwälder, sozusagen Palmenurwälder. Wir
verbinden Stoßzähne, Kokospalmen mit den schlechten Finanzen des
Haremkönigs Katipatituli und sind jemacht! Nun sprich, Freund! Wat
seggst de nu?! Starr, was?! Un...be...kann...te ...“
Der Hei stand da wie ein Hahn neben einer Henne, der sich eben
überlegt, ob er oder ob er nicht. Seine kleinen grauen Augen, die sonst
verschwommen glänzten, hatten etwas Starres bekommen. Sie lauerten.
Peter überlegte sich rasch. Ganz wahr konnte es nicht sein, was Hei ihm
sagte. Denn solche Palmenwälder warten wohl nicht auf Hei. Aber wenn
auch nur etwas dran wahr wäre? Es lockte ihn, wenn er sich auch
sträubte. Denn Hei war gewiß eine Art von Hochstapler. Hochstapler
können auch einmal in ihrem bewegten Hinundher auf etwas Solides
stoßen. Donnerwetter, Palmenurwälder in einem unbekannten Fürstentum!
Hermann! Hermann! Das wäre was ... Dies Glück! Schon an der ersten
Station!
Hei merkte, daß der Fisch um den Köder herumging.
Er schob ihn noch einmal vor: „Die Stoßzähne übernehm ich. Die Kopra
Jens Pirath Söhne. Und vielleicht fällt etwas von den tausend Weibern
zum Zeitvertreib auch auf uns, wenn wir droben sind.“
Er klapperte mit den schlaffen Augendeckeln und schlug sich auf die
Schenkel.
In diesem Augenblick trat Mrs. Haug auf sie zu und sagte zu Peter:
„Darf ich eine Sekunde Ihre Dienste beanspruchen, Herr Pirath?“ Sie
führte ihn weg. Hei schaute ihr wütend zu und stampfte mit dem Fuß auf.
Er schickte ihr ein unflätiges Wort nach und ging in die Bar, wo der
Holländer Cocktails zum besten gab. „Ich schließ mich an!“ sagte Hei.
„Vor dem Essen ist so ein Cocktailchen doch das Beste. Wie mischen Sie
ihn? Scherry und ... was? ... ’n Schuß Gin! Famos! Aber solche
Scherry-Cocktails wie es die im Haus des Gouverneurs von Waßmann in
Deutsch-Ost gab, als ich dort mit Schillings im Tanganjika auf
Krokodile jagte ...“