Für den Hauptaltar der Kapuzinerkirche zu Köln malte Rubens, etwa um

das Jahr 1638, ein Bild, welches den heiligen Franziskus darstellt, wie

er von dem in Seraphsgestalt ihm erscheinenden Heiland die Wundmale

empfängt (jetzt im Museum Wallraf-Richartz zu Köln; Abb. 94). Er

wiederholte dabei mit unwesentlichen Abänderungen ein Altargemälde,

welches er im Jahre 1632 für die Barfüßerkirche zu Gent ausgeführt

hatte und welches sich jetzt im Museum zu Gent befindet. Der Gegenstand

schloß hier jeden Farbenprunk aus; aber der Meister hat es verstanden,

aus Braun und Grau und goldigem Licht eine wunderbare Wirkung

hervorzuzaubern. Die kaiserliche Ermitage zu Petersburg besitzt den

sorgfältig ausgeführten Studienkopf eines Franziskanermönches zu dem

begeistert aufwärts schauenden Haupt des heil. Franziskus (Abb. 95).

[Illustration: Abb. 93. +Der Kindermord zu Bethlehem.+ In der kgl.

Pinakothek zu München. Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in

München.]

Des Meisters größte Freude war es, seine Angehörigen zu malen. Frau

Helene hatte ihm im Sommer 1633 ein Söhnchen geschenkt, welches den

Namen Franz erhielt; im Frühjahr 1635 folgte ein Töchterchen, welches

nach Rubens’ beiden Frauen Isabella Helena genannt wurde, und im

Frühjahr 1637 ein zweiter Knabe, der des Meisters Namen Petrus Paulus

bekam; das fünfte Kind dieser Ehe, Konstantia Albertina, kam erst

acht Monate nach dem Tode des Vaters, Ende Januar 1641, zur Welt. Als

der kleine Franz etwa drei Jahre alt war, malte Rubens das anmutige

Doppelbildnis von Mutter und Kind, welches sich in der Münchener

Pinakothek befindet: Frau Helene sitzt in einfachem, aber aus kostbarem

Stoffe hergestelltem Kleide, den Kopf von einem breitrandigen Hut

bedeckt, auf dem Vorplatz vor der Hausthür, den ein um die Säulen des

Vordachs geschlungener Vorhang schattiger macht, und hält mit beiden

Händen den Knaben umschlungen, der mit einem Federbarett auf den

goldfarbigen Locken, sonst aber ganz unbekleidet, auf ihrem Schoße

sitzt; beide wenden die fröhlich leuchtenden Augen dem Beschauer zu

(Abb. 96). Ein etwa zwei Jahre später entstandenes Bild im Louvre

führt uns wieder auf die nämliche Terrasse an der Freitreppe des

Hauses, die wohl ein Lieblingsplatz Helenens war; auch hier hat die

junge Frau die beiden Hände um den lieblich heranwachsenden Knaben

geschlungen, den sie mit Lust und mütterlichem Stolz betrachtet,

während er mit hellen Kinderaugen aus dem Bilde herausschaut; das

dickwangige Schwesterchen kommt von der Seite heran, anscheinend etwas

eifersüchtig auf die Liebkosung, die dem kleinen Bruder zu teil wird.

Dieses Bild ist unfertig stehen geblieben; es fesselt den Beschauer mit

dem ganzen unbestimmbaren Reiz eines glücklichen ersten Entwurfs, und

sein sonniger Ton scheint der naturgemäße künstlerische Ausdruck des

dargestellten Familienglücks zu sein (Abb. 97).

Helenens Züge trägt unverkennbar die schöne, mit wunderbarem Ausdruck

emporblickende heilige Cäcilia im Berliner Museum. Auch die ebenda

befindliche prächtige Andromeda, welche vor einigen Jahren aus

der Blenheim-Sammlung erworben wurde, zeigt eine vielleicht kaum

beabsichtigte Ähnlichkeit mit des Meisters Gattin.

Eine andere Andromeda aus Rubens’ letzter Zeit besitzt das Museum zu

Madrid; die dunkle Eisenrüstung des Perseus, der ihre Fesseln löst,

hebt hier das leuchtende Fleisch zu blendender Wirkung hervor. Weitere

mythologische Darstellungen aus des Meisters letzten Jahren sind die

Jagd der Diana -- mit Tieren von Snyders -- im Berliner Museum und das

als Entwurf zu einem Deckenschmuck gemalte kleine Bild in der Sammlung

der Wiener Kunstakademie, welches in den Gestalten des Apollo und der

Diana auf ihren Wagen das Sinken der Nacht und das Aufsteigen des Tages

verbildlicht.

Rubens’ letzte Schöpfungen waren wieder große Altargemälde. Die

Augustiner in Prag bestellten bei ihm im Jahre 1637 zwei Bilder von

gewaltigen Verhältnissen, welche übereinandergestellt den Hochaltar der

ihnen gehörigen Kirche St. Thomas schmücken sollten. Der Gegenstand

des Hauptbildes war der Martertod des Apostels Thomas auf der Insel

Ceylon, diejenige des anderen der heilige Augustin mit dem Knaben, der

das Meer ausschöpfen will. Die Bilder wurden mit Hilfe von Schülern

ausgeführt und im Jahre 1639 nach Prag geschickt, wo sie sich noch an

ihrem ursprünglichen Platze befinden.

Eigenhändig malte Rubens dagegen ein Altarbild, welches für Köln

bestimmt war. Auftraggeber war der Kölner Bankier und Kunstfreund

Jabach. Doch richtete dieser seine Bestellung nicht geradeswegs an

Rubens, sondern bediente sich der Vermittelung eines in London lebenden

Malers mit Namen Geldorp. An den letzteren schrieb der Meister im Jahre

1637, nachdem er die Mitteilung empfangen hatte, daß das Bild nicht,

wie er nach dem ersten Briefe Geldorps geglaubt hatte, nach London,

sondern nach Köln bestimmt sei:

„Mein Herr! Ich habe Euren geehrten Brief vom letzten Juni erhalten,

der alle meine Zweifel beseitigt; ich konnte mir nämlich nicht denken,

zu welcher Veranlassung man in London ein Altargemälde gebrauchen

sollte. Was die Zeit betrifft, so werde ich anderthalb Jahr dazu

gebrauchen, um Euren Freund ungehindert und in Bequemlichkeit bedienen

zu können. Was den Gegenstand betrifft, so würde es zweckmäßig sein,

denselben nach der Größe des Bildes zu wählen; denn manche Stoffe

lassen sich besser auf einem großen Raum behandeln, und andere

erfordern einen mittleren oder kleineren Maßstab. Wenn ich indessen

nach meinem Geschmack einen Stoff wählen oder wünschen dürfte, der

sich auf den heiligen Petrus bezieht, so würde ich seine Kreuzigung

nehmen, wo man ihn mit den Füßen nach oben anschlug. Mir deucht, das

wird Gelegenheit geben, etwas Außergewöhnliches zu machen. Übrigens

überlasse ich die Wahl demjenigen, der die Bezahlung zu leisten hat,

und bis wir werden gesehen haben, wie groß das Bild werden soll. Ich

habe eine große Zuneigung zu der Stadt Köln, wo ich bis zum Alter von

zehn Jahren aufgewachsen bin, und manchesmal, seit so vielen Jahren,

habe ich das Verlangen gehabt, sie wiederzusehen. Indessen fürchte ich,

daß die schwierigen Verhältnisse unserer Zeit und meine Beschäftigung

mich verhindern werden, diesen Wunsch zu befriedigen und so viele

andere. Ich bitte herzlich um Euer Wohlwollen u. s. w.“

[Illustration: Abb. 94. +Der heil. Franziskus Seraphicus.+ Im

Wallraf-Richartz-Museum zu Köln.]

Der von Rubens vorgeschlagene Gegenstand wurde gewählt. Im Frühjahr

1638 war der Meister mit dem Bilde der Kreuzigung des Apostels Petrus

beschäftigt. Am 2. April dieses Jahres schrieb er an Geldorp: „Ich

beeile mich Euch mitzuteilen, daß dasselbe schon vorgeschritten ist,

und ich hoffe sogar, daß es eine der besten Arbeiten sein wird, die

unter meinen Händen hervorgegangen. Das könnt Ihr kühnlich Eurem Freund

schreiben. Indessen würde ich es nicht gern sehen, daß man mich mit

der Vollendung drängte; ich bitte vielmehr darum, daß man das meiner

Verfügung und Bequemlichkeit überlasse, damit ich es nach meinem

Behagen fertig machen kann, da der Gegenstand dieses Bildes mich mehr

reizt als alle, mit denen ich beschäftigt bin, obgleich ich überhäuft

bin mit Arbeit.“ -- In der That wurde das Kölner Altarbild noch eine

von des Meisters gewaltigsten Schöpfungen. So wenig ansprechend der

Gegenstand dem heutigen Gefühl erscheinen mag, dem großartigen Eindruck

wird sich niemand verschließen können, den die in so qualvoller Lage

hängende kraftvolle Greisengestalt des Märtyrers ausübt, dessen

gespannte Muskeln unwillkürlichen Widerstand gegen die Arbeit der

wilden Henker leisten. Mit voller Rubensscher Kraft spricht die

künstlerische Wirkung der Farbe und des Lichtes, das sich blendend auf

der Brust des Heiligen sammelt und in weicheren Tönen das geöffnete

Gewölk durchschimmert, wo ein köstlicher blonder Engelknabe mit

Siegeskranz und Palme herabschwebt (Abb. 98).

Rubens vollendete das Gemälde, welches für die Stadt seiner

Kindheit bestimmt und dem einen seiner Namensheiligen gewidmet war,

eigenhändig bis zum letzten Strich. Ehe er es abliefern konnte,

ereilte ihn der Tod. -- Im Beginn des Jahres 1640 war er noch voll

von Unternehmungslust. Der König von England wollte das Schlafzimmer

seiner Gemahlin, Marie Henriette von Frankreich, im Schloß zu Greenwich

ausmalen lassen. Jakob Jordaens, Rubens’ begabter Kunstgenosse,

wurde für diese Aufgabe in Aussicht genommen, und Gerbier, der als

Geschäftsträger Englands in Brüssel angestellt worden war, erhielt die

nötigen Anweisungen, um durch Vermittelung des Abbate della Scaglia das

Geschäft abzuschließen. Gerbier aber schrieb nach England, er bäte,

es dem König vorzustellen, daß Rubens doch der geeignetere Künstler

für eine solche Aufgabe sei. Er knüpfte bald auch Unterhandlungen mit

Rubens über diese Sache an, und im Mai 1640 machte dieser dem Abbate

della Scaglia seine Vorschläge. Er wollte in der Mitte der getäfelten

Decke das Mahl der Götter darstellen, daneben einerseits, wie Amor sich

in Psyche verliebt, und andererseits, wie Psyche die Unsterblichkeit

verliehen wird. Mehr als diese drei Bilder wollte er nicht übernehmen;

da die zu schmückende Decke aber neun Felder hatte, so schlug er vor,

daß in die übrigen sechs Felder von der Hand eines Anderen Grotesken

oder sonstige Erfindungen gemalt würden, nur nichts Figürliches, damit

nicht die Verschiedenheit des Stils bei gleichartiger Malerei das Auge

des Beschauers störe. -- Wenige Wochen später schrieb Gerbier nach

England, jetzt sei Jordaens der beste Maler in Antwerpen; der ihn

übertraf, war tot.

[Illustration: Abb. 95. +Ein Franziskaner+; Studienkopf. In der

Ermitage zu St. Petersburg. (Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co.,

Braun, Clément & Cie. Nchfl., in Dornach i. Els. und Paris.)]

In einem liebenswürdigen Brief, den Rubens am 17. April 1640 an den

Bildhauer Franz Duquesnoy in Rom richtete, um demselben für einige

übersandte Abgüsse zu danken, sprach er schon den Gedanken aus,

daß der Tod ihm bald die Augen für immer schließen werde. Aber er

glaubte sein Ende doch noch nicht so nahe, wie es wirklich war. Am

27. Mai trat ein Gichtanfall, mit Fieber verbunden, so heftig auf,

daß Rubens sich bewogen sah, seinen letzten Willen aufzusetzen. Das

Vermögen, welches er unter die Seinigen verteilte, war fast ein

fürstliches zu nennen; nicht ohne Grund hatte er in jüngeren Jahren

einmal einem englischen Alchymisten namens Brendel, der sich erbot

ihn die Kunst des Goldmachens zu lehren, geantwortet, diese Kunst

habe er mit seinen Pinseln schon lange entdeckt. Als besonderes

Vermächtnis übertrug Rubens seinem Sohn Albrecht seine Bücher, seinem

Sohn Nikolaus die Sammlung geschnittener Steine und Denkmünzen, Helene

Fourment die Hälfte der Besitzung Steen und deren Kindern die andere

Hälfte. Hinsichtlich seines künstlerischen Nachlasses bestimmte der

Meister, daß derselbe verkauft werden solle, mit Ausnahme eines

Bildes, genannt „das Pelzchen“, und seiner sämtlichen Zeichnungen.

Das „Pelzchen“ verblieb als persönliches Eigentum der Gattin des

Meisters; es stellte diese selbst in ganzer Figur, nur mit einem um

Schulter und Hüfte gezogenen schwarzen Pelzmäntelchen bedeckt, im

Alter von etwa achtzehn Jahren vor; jetzt besitzt die kaiserliche

Sammlung zu Wien dieses unbeschreiblich meisterhafte, freilich

nicht für die Öffentlichkeit gedachte Bild. Die Zeichnungen sollte

derjenige von Rubens’ Söhnen bekommen, der sich der Malerei widmen,

oder diejenige von seinen Töchtern, die einen hervorragenden Maler

heiraten würde. Hinsichtlich seiner Bestattung bestimmte Rubens, daß

ihm eine Grabkapelle eingerichtet werde, deren Altar ein Bild seiner

Hand, Maria mit dem Jesusknaben und verschiedenen Heiligen darstellend,

und eine Marmorfigur der Madonna von seinem Schüler Lukas Fayd’herbe

schmücken sollten. Nach der Landessitte sollte am Tage des Begräbnisses

ein großes Trauermahl die Anverwandten im Sterbehause vereinigen;

außerdem sollte der Stadtobrigkeit eine Trauermahlzeit im Stadthause

hergerichtet, eine dritte der Gesellschaft der „Romanisten“ (der

Künstler und Gelehrten, welche zeitweilig in Rom gelebt hatten), deren

Mitglied er seit dem Jahre 1609 gewesen war, und eine vierte der St.

Lukasgilde gegeben werden.

[Illustration: Abb. 96. +Helene Fourment mit ihrem ersten Söhnchen.+

In der kgl. Pinakothek zu München. Nach einer Photographie von Franz

Hanfstängl in München.]

[Illustration: Abb. 97. +Helene Fourment mit zwei Kindern.+ Im Louvre

zu Paris. (Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co., Braun, Clément &

Cie. Nchfl., in Dornach i. Els. und Paris.)]

Am 30. Mai 1640, um die Mittagszeit, machte eine Herzlähmung dem Leben

des großen Meisters ein Ende. Ganz Antwerpen beklagte Rubens’ Tod.

Bezeichnende Äußerungen von Zeitgenossen sind in Beileidsbriefen

erhalten, welche des Meisters alter Freund Balthasar Moretus empfing

und welche im Museum Plantin-Moretus aufbewahrt werden. „Er war der

gelehrteste Maler der Welt,“ schrieb der Abt Philipp Chifflet; das

hübscheste Wort aber über den Hingang des großen Malers, dessen

ruhmreichstes Feld während seines ganzen Lebens doch die kirchliche

Kunst gewesen war, fand der Abt von St. Germain, indem er schrieb,

derselbe sei gegangen, „im Himmel die lebenden Modelle seiner Malereien

zu schauen.“

Das Leichenbegängnis fand am 2. Juni mit großer Prunkentfaltung statt.

Die gesamte Geistlichkeit der Stiftskirche St. Jakob und diejenige

der Bettelorden begleitete den Leichenzug, an jeder Seite der Bahre

schritten sechzig Waisenkinder mit brennenden Fackeln, die städtischen

Beamten, die Mitglieder der St. Lukasgilde und zahlreiche Freunde

und Verehrer des Verstorbenen aus allen Ständen folgten dem Sarge.

Die Jakobskirche war schwarz ausgeschlagen und an mehreren Stellen

mit den Rubensschen Wappen geschmückt. Die Leiche wurde vorläufig in

der Fourmentschen Familiengruft beigesetzt. Später wurde sie in die

eigene Grabkapelle übertragen, welche die Witwe im Chorumgang der

Jakobskirche erbauen ließ. Gemäß dem Wunsche des Verstorbenen fand auf

dem Altar ein marmornes Standbild der heiligen Jungfrau Aufstellung,

welches Fayd’herbe gemeißelt hatte; von der Hand desselben Bildhauers

rührt wahrscheinlich der ganze obere Teil des Altars und zwei

Engelfiguren, welche denselben schmücken, her. Auf dem Altar prangt

das von Rubens für diesen Zweck bestimmte Gemälde. Das Jesuskind sitzt

auf dem Schoß der Jungfrau unter einer Laube; vorn kniet anbetend

der heilige Bonaventura, hinter Maria steht der heilige Hieronymus

mit der aufgeschlagenen Bibel, von der anderen Seite nahen der heil.

Georg und drei heilige Frauen, in der Luft schweben vier Engel mit

Kränzen und Palmzweigen. Das Ganze ist ein Bild, welches sich in Bezug

auf Farbenzauber den besten Meisterwerken des Meisters anreiht. Die

Überlieferung erzählt, Rubens habe in diesem Gemälde seine Familie

abgebildet: in Hieronymus sei sein Vater, in Georg er selbst, in den

drei Frauen seine beiden Gattinnen nebst Fräulein Lunden dargestellt;

die Ähnlichkeiten mag man finden -- sie kehren überall in Rubens’

Gemälden wieder --, sicherlich aber hat die Überlieferung vollständig

unrecht, wenn sie annimmt, daß der Meister gerade bei diesem Bilde,

über dessen Entstehungszeit übrigens die Meinungen geteilt sind, mit

besonderer Absicht die Bildnisse angebracht habe. -- Die Grabschrift

wurde von des Meisters Freund Gevaerts verfaßt, aber erst im vorigen

Jahrhundert in Stein gemeißelt; sie preist unter Rubens’ wunderbaren

Begabungen insbesondere die Kunde der alten Geschichte und die

Trefflichkeit in allen guten und schönen Künsten, sie nennt ihn den

Apelles nicht nur seines Jahrhunderts, sondern aller Zeiten, hebt

hervor, daß er die Freundschaft von Königen und Fürsten genoß, erwähnt

die Würden, durch welche er von Philipp IV ausgezeichnet wurde, und

rühmt die Verdienste, die er als Gesandter sich um das Zustandekommen

des Friedens erwarb.

Rubens’ wertvollstes Vermächtnis war seine Kunstsammlung, die ein

vollständiges Museum war. Das Verzeichnis derselben zum Zwecke des

Verkaufs wurde in englischer und französischer Sprache gedruckt.

Dasselbe führt außer sonstigen Kunstgegenständen 319 Gemälde auf,

zuerst italienische Bilder, darunter 9 von Tizian, 5 von Paul Veronese,

6 von Tintoretto, einzelne von Pietro Perugino, Palma Vecchio, Ribeira,

Elzheimer; dann 43 Kopien nach Tizian und anderen Meistern, welche

Rubens in Italien und Spanien gemalt hatte; darauf 94 Originalgemälde

von Rubens; ferner einige fünfzig Bilder älterer Meister, darunter eins

von Dürer und mehrere von Johann van Eyck, Lukas van Leyden, Holbein;

zum Schluß eine Anzahl neuerer Bilder, darunter 8 von van Dyck, 17 von

Adrian Brouwer, mehrere, welche Breughel und Saftleven gemeinschaftlich

mit Rubens gemalt haben, und auch noch einige Skizzen von der Hand des

Meisters. -- Der Verkauf der Sammlung brachte einen Ertrag von 280000

Gulden, ungefähr 1000000 Mark heutigen Wertes. Der König von Spanien

kaufte am meisten, 32 Stück, darunter 10 Bilder von Rubens, welche

teilweise zu den vorzüglichsten Schätzen des Madrider Museums gehören.

Weitere Hauptkäufer waren der Deutsche Kaiser, der König von Polen, der

Kurfürst von der Pfalz und der Kardinal Richelieu.

[Illustration: Abb. 98. +Kreuzigung Petri.+ In der Peterskirche zu

Köln.]

Die Handzeichnungen des Meisters wurden ebenfalls verkauft, nachdem der

jüngste seiner Söhne achtzehn Jahr alt geworden war, ohne daß einer

derselben die Malerei als Beruf gewählt oder eine von den Töchtern

einen Maler geheiratet hatte. Rubens’ ältester Sohn Albert, des Vaters

Nachfolger im Amte des Sekretärs des königlichen geheimen Rats,

zeichnete sich durch Gelehrsamkeit in der Altertumskunde aus. Von

Nikolaus erfahren wir nur, daß er im Alter von 37 Jahren starb; Franz

wurde Ratsherr des Hofes von Brabant, und Peter Paul wurde Geistlicher.

Von den Töchtern hat nur eine, Klara Johanna, geheiratet; sie vermählte

sich mit Philipp von Parys, und in den Sprossen dieses Geschlechts lebt

heute allein noch die Nachkommenschaft des Meisters. Isabella Helene

starb im Alter von 17 Jahren, und die nachgeborene Konstantia Albertina

ging ins Kloster.

Helene Fourment, die junge Witwe, vermählte sich 1645 zum zweitenmale;

sie reichte ihre Hand einem Schöffen von Antwerpen, Johann Baptist van

Broeckhoven, der nachmals zum Grafen von Bergeyck ernannt wurde. Sie

lebte bis 1673.

Das Haus in Antwerpen, welches Rubens mit so großem künstlerischen

Aufwand erbaut hatte, wurde schon 1669 von seinem Enkel Philipp

verkauft. Es behielt sein stolzes Ansehen bis zum Jahre 1763, wo es

in dem damaligen Geschmack umgebaut wurde; die größte Mehrzahl der

zum Teil von Fayd’herbe ausgeführten Standbilder, womit die Bauten im

Garten geschmückt waren, wurde damals beseitigt. Später, in unserem

Jahrhundert, verlor das Bauwerk noch mehr; aus dem einen Haus wurden

zwei gemacht, und bei dieser Gelegenheit wurde dessen schönster

baulicher Bestandteil, der Kuppelbau, welcher die Kunstsammlung des

Meisters beherbergt hatte, niedergerissen.

In der belgischen Kunst war Rubens’ Einfluß auf Jahrhunderte hinaus

mächtig. Man darf unbedenklich behaupten, daß nie und nirgends ein

einzelner Künstler so fruchtbringend und nachhaltig auf die Kunst

seines Landes gewirkt hat, wie dies bei Rubens der Fall war. Andere

große Meister sind der Kunst der Jüngeren verderblich gewesen, weil

sie nachgeahmt wurden, und Nachahmung ist der Tod der Kunst. Rubens

aber wurde nicht nachgeahmt, er war unnachahmlich; aber sein Vorbild

wirkte schöpferisch belebend auf allen Gebieten. Wie Rubens der

fruchtbarste Maler war, den es je gegeben hat -- 1300 Gemälde, von

denen mindestens zwei Drittel mehr oder weniger von seiner eigenen

Hand ausgeführt sind, legen Zeugnis davon ab --, so war er auch

der vielseitigste, und darum wirkte er nach so vielen Seiten hin,

ohne die Selbständigkeit der einzelnen zu beeinträchtigen. Was ein

Bildnismaler wie van Dyck, was Schilderer des Volkslebens wie die

Teniers schufen, was die Landschafter und selbst die Stillebenmaler

Belgiens malten, in allem hat Rubens’ anregendes Beispiel

durchgewirkt, so gut wie bei den Werken der Geschichtsmalerei von

jeglicher Gattung. Bildhauer und Baukünstler gingen bei Rubens in die

Lehre; durch das Wiedergeben seiner formensicheren wirkungsvollen

Zeichnungen gelangte die Holzschneidekunst damals in Belgien zu

einer mustergültigen Vollkommenheit, zu einer Zeit, wo es überall

anders gar keinen künstlerischen Holzschnitt mehr gab; an den Werken

des großen Malers schulte sich die Kupferstecherkunst, daß sie jene

breite malerische Wirkung erzielte, die wir an den vlämischen Stichen

des 17. Jahrhunderts bewundern. Die gesamte glanzvolle belgische

Kunst des Barockzeitalters war in der einen Person ihres Begründers

zusammengefaßt.

[Illustration]

Fußnote:

[*] So schrieb die Familie Rubens ihren Namen während des

Aufenthalts in Deutschland, um die heimische Aussprache mit

der deutschen Schreibweise in Übereinstimmung zu bringen.

Rubens(#60502) · 第 9 / 9 段