Meiner herzlieben Hausfrauen Katharin Lutherin zu Wittenberg zu handen.“

Zu Wittenberg machte damals der Festungsbau den Einwohnern, namentlich

auch der Familie Jonas, viel Verdruß und Aufregung; das Kloster blieb

einstweilen noch verschont.

Während Luthers Abwesenheit waren im Klosterhause Hieronymus Weller als

Präzeptor des kleinen Häuschens. Hieronymus war aber ein von Schwermut

geplagter Mann, und es wurde darum dankbar begrüßt, daß auch sein Bruder

Peter ins Haus zog, der Präzeptor von Luthers Neffen, Polner. Auch der

würdige D. Pommer (Bugenhagen) kam ab und zu ins Schwarze Kloster, um

Frau Käthe zu beraten, und Frau Jonas, die allezeit fröhliche, muntere

Gattin des in Augsburg abwesenden Stiftspropstes, welche freilich

damals ihr zweites Söhnlein bald nach der Geburt verlor[288]. Mit hohem

Interesse wurden Luthers Schreiben empfangen und mit vieler Freude im

Kreise der zurückgebliebenen Freunde vorgelesen. Großen Jubel bei den

Tischgesellen erregte ein humorvoller Brief Luthers vom „Reichstag der

Dohlen und Krähen“, dem lustigen Abbild des Augsburger Reichstags. Da

wird gar ergötzlich geschildert das Ab- und Zureiten „der Malztürken“,

ihr Scharwänzen und Turnieren, ihr „Kecken“ und Kriegsrat wider Korn und

Weizen. Und welche Freude erst war's, als goldene Frühäpfel aus Nürnberg

mit dem Boten von Koburg für die Tischgesellschaft ankamen! Wie

leuchteten aber erst die Augen der Kleinen und seiner Gespielen über den

herzigen Märchenbrief Luthers an sein „liebes Söhnichen Johannes“ von

dem schönen Paradiesesgarten. Wie hat sich da die Mutter gefreut und

Muhme Lene und des Jonas Jost und Melanchthons Lips, die auch in den

Garten kommen sollten, und der „Gruß und Putz“ wird der Muhme Lene von

dem kleinen Hans ausgerichtet worden sein. Hänschen war ein braver Bub

und wird von seinem Präzeptor wegen seines Fleißes und Eifers

gelobt[289].

Aber auch ernste Briefe kamen von Koburg an, welche Frau Käthe und die

Theologen interessierten und im Lutherhaus gemeinsam gelesen wurden,

oder auch unter den Freunden umliefen. Allerdings seine schwersten

Sorgen und Schmerzen schrieb Luther nicht darin, aber allerlei Anliegen

wegen der Zöglinge und an seine Buchdrucker Schirlenz, Weiß und Rau. So

kamen vom 14. und 15. August mit einem Boten zwei Episteln an seine

„herzliebe Hausfrau“[290].

„Gnade und Friede in Christo.

Meine liebe Käthe! Dieser Bote lief eilend vorüber, daß ich nichts mehr

schreiben konnte, nur daß ich ihn nicht wollte ohne meine Handschrift

gehen lassen. Du magst Herr Johann Pommern und allen sagen, daß ich bald

mehr schreiben will. Wir haben noch nichts von Augsburg, warten aber

alle Stunden auf Botschaft und Schrift. Aus fliegenden Reden haben wir,

daß unsers Widerparts Antwort soll öffentlich gelesen sein; man habe

aber den Unsern keine Abschrift wollen geben, daß sie darauf antworten

möchten. Weiß nicht, ob's wahr ist. Wo sie das Licht so scheuen, werden

die Unsern nicht lange bleiben. Ich bin seit Lorenzentag recht gesund

gewesen und habe kein Sausen im Kopf gefühlt; das hat mich fein lustig

gemacht zu schreiben, denn bisher hat mich das Sausen wohl zerplaget.

Grüße alle und alles; ein andermal weiter. Gott mit euch. Amen. Und

betet getrost: es ist wohl angelegt, und Gott wird helfen.

Katharina von Bora: Geschichtliches Lebensbild · 第 38 / 92 题