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WALDEMAR BONSELS
EROS UND DIE EVANGELIEN
Aus den Notizen eines Vagabunden
67. bis 90. Tausend
1922
* * * * *
Verlag der Literarischen Anstalt
Rütten & Loening
Frankfurt a. M.
Alle Rechte, besonders das der Übersetzung, vorbehalten.
Copyright 1920 by Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt a. M.
Die Einbandzeichnung ist von Walter Tiemann.
Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig.
Die holländische Ausgabe im Verlag »Patria«, Amersfort.
Kapitelfolge
Seite
Der Tod 7
Das Meer 109
Erstes Kapitel
Der Tod
Eines Morgens machte ich die Entdeckung, daß sich am Deckleder eines
meiner Stiefel eine Naht zu lösen begann, so daß eine Spalte klaffte,
wenn ich den Fuß streckte. Es setzte mich in Erstaunen, da meine
Stiefel, mit Ausnahme der Sohlen, eigentlich noch in einem recht
brauchbaren Zustand waren, zumal, wenn man nicht absichtlich den Blick
auf die Absätze richtete, die nicht mehr ganz grade aussahen. Da ich
damals eine für meine Verhältnisse und Ansprüche angesehene Stellung in
einer Buchdruckerei bekleidete, mußte ich Wert auf meine äußere
Erscheinung legen und begab mich deshalb zu einem Schuhmacher, der
Stevenhagen hieß und in der Nähe meiner Behausung auf einem Hofe wohnte.
Er war, wie alle Schuhmacher, ein Mann von Nachdenklichkeit und Bildung,
besonders für die erste seiner Eigenschaften gaben meine Stiefel ihm
Gelegenheit. Er hielt sie mit einer Unnachsichtigkeit ans Licht, die
etwas Rohes an sich hatte, und sah mich dann mit einem Ernst an, der
meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zur Bedeutung des vorliegenden
Falls stand.
»Es handelt sich vorläufig nur um die Naht, ich springe nur eben so auf
meinem Weg zu Ihnen herein« sagte ich.
»So,« antwortete er mit genauer Beachtung meiner Worte, »lange werden
Sie auf diesen Stiefeln nicht mehr springen.«
Der Mann war ohne Takt, er sprach nur zur Sache, ohne in Betracht zu
ziehen, daß zu dieser Sache auch eine Person gehörte. Zudem kostete er
die zufällige Überlegenheit, die die Lage ihm einbrachte, zu auffällig
aus. Ich hätte auch vielleicht besser daran getan, nichts davon zu
sagen, daß ich nur auf einen Sprung zu ihm gekommen sei. Wenn ich die
Stiefel mürrisch und wortlos hingehalten, ins Zimmer gespuckt und
geflucht hätte, so wäre ihm von mir und meinen Stiefeln ein Gesamtbild
entstanden, das er besser überblickt und ohne inneren Widerstand
hingenommen hätte. Offenbar war er jetzt der Meinung, daß ich
beabsichtigt hatte, mehr zu scheinen, als ich war, daß ich gewissermaßen
den schlimmen Zustand meiner Bekleidung als zufällig hinzustellen
beabsichtigte, und mich für etwas besseres hielt, als andere Leute mit
zerschlissenen Stiefeln.
Ich dachte, am besten ist es, man spricht offen mit dem Mann über diese
Dinge, und ich hätte es sicher getan, wenn draußen nicht der Regen vom
grauen Himmel geströmt wäre. Die eintönige Pflicht meines Tages lag mir
schwer im Sinn. Der Sommer ging zur Neige und die ratlose Trauer über
mein Geschick und meine Zukunft quälte mich. Welch eine Kluft gähnte
zwischen meinen Erwartungen und den Aussichten, die sich mir boten, ich
lebte Tag um Tag nur von meiner Hoffnung, sie war mein Brot. Solche
Leute sind vom Sonnenschein abhängig, wer dagegen weiß, was er zu tun
hat, tut es auch im Regen, und ein Ziel läßt sich selbst im Sturm
verfolgen, aber die Hoffnung hängt vom Licht und von der Wärme ab, wie
ein Keim in der Erde.
Ich fühlte, während die Geräte des Handwerkers erklangen, die Unruhe mit
ihrem tödlichen Nachbarn, dem Hang zu zerstören, in mir wachsen. So
erhob ich mich von meinem Sitz auf der Fensterbank und schritt auf
Strümpfen durch die angelegte Tür auf den Hausflur hinaus, nur um mich
zu bewegen, in meinem hilflosen Ungenügen. Die Stube des Schuhmachers
lag zu ebener Erde, ein finsterer Gang führte weiter in das eng und
dürftig gebaute Hinterhaus hinein, rechts und links waren Türen und am
Ende eine Treppe, auf der es zum ersten Stockwerk emporging. Da vernahm
ich in der Dämmerung ein hoffnungsloses Weinen, es wurde durch kein
Schluchzen unterbrochen, es klang wie ein öder, stiller Gesang. Unter
diesen Lauten, die mich festhielten, wo ich stand, brach in meiner Brust
eine Quelle auf und mir war, als sei ihre Leere, an der ich eben noch
gelitten hatte, ausgefüllt wie durch eine jähe Begünstigung. Es wurde
mir warm und ich empfand Dankbarkeit, ohne daß ich mir darüber klar zu
werden vermochte, wie dies geschah, aber wie im Gehorsam gegen einen
inneren Befehl, öffnete ich die Tür, hinter der die Stimme zu klagen
schien, und trat in ein niedriges Zimmer ein, in dem eine Frau an einem
Herd vor dem erlöschenden Feuer kniete und dicht am Fenster ein Bett
stand, in dem ein Mädchen schlief. Aber es war alles still im Raum.
Von den nur leicht verhangenen Scheiben fiel der glanzlose Tagesschein,
eine stille Lichtdecke, auf das Gesicht der Ruhenden, das weiß und
unwirklich schimmernd in das lose Haar eingebettet lag, das schwarz wie
Kohle war. Die Arme waren zur Rechten und zur Linken an den Körper
angelegt, der sich unter der leichten Decke abhob, grade gebettet wie
bei einer Toten. Aber die Ruhende lebte, denn ich sah, wie ihre Brust
sich unter ihren Atemzügen hob und senkte, aber ich erkannte zugleich,
daß sie krank war und an der Grenze ihres Lebens stand. Ich sagte zu der
Frau, die sich langsam aufrichtete und mich wortlos ansah:
»Wenn Sie erlauben, werde ich Sie besuchen.«
Die Frau gab mir zögernd die Hand, nickte langsam und schob mir einen
Stuhl hin, den sie mit ihrer Schürze abwischte.
»Schickt Sie jemand zu uns?« fragte sie.
Die anfängliche Ratlosigkeit ihres von Entbehrungen elenden Gesichts
wich einer ruhigen Aufmerksamkeit, die ohne Neugier in meinen Zügen zu
lesen trachtete. Ich antwortete nicht auf ihre Frage, weil sie meine
Antwort nicht verstanden hätte und weil ich keine Worte machen wollte,
die meinem inneren Zustand nicht entsprachen. Die Traurigkeit gibt den
Menschen eine eigenartige Freiheit, weil sie die Augen aus dem Wirrsal
der kleinen Sorgen auf ein einziges Ziel richtet, so dunkel es auch sein
mag, sie hat mit der Freude die Ausschließlichkeit gemeinsam und richtet
unsere innere Haltung aus den Regionen der täglichen Beengung in eine
Welt höherer Erwartung empor. Vielleicht vermochte diese Frau deshalb
das Seltsame meiner unvermuteten Ankunft nicht als etwas Ungewöhnliches
oder Hinderndes zu betrachten, sie nahm sie gleichmütiger hin als es
andere, in ihren Gewohnheiten gesicherte Menschen, getan hätten.
»Wie geht es Ihrer Tochter?« fragte ich.
Diese Frage wirkte nicht ungewöhnlich, denn eine Mutter setzt immer
voraus, daß die Welt von ihrem Kummer um ihr Kind erfüllt ist, so
antwortete sie einfach:
»Wenn Asja nur ein einziges Mal eine Klage aussprechen wollte, wäre mir
wohler. Ich habe immer gedacht, diese Krankheit bliebe den Leidenden
verborgen, aber sie weiß sie und spricht ohne Kummer von ihrem Tod.«
»Vielleicht ist dies eine Erleichterung«, antwortete ich.
»Es ist doch mein Kind«, sagte sie und sah mich an.
Darauf vermochte ich keine Antwort zu geben und sah zu Asja hinüber. Die
Ruhe ihres Gesichts erfüllte das Zimmer. Die Lider über den Augen waren
das hellste der bleichen Landschaft dieses Angesichts aus Menschenarmut,
Schlaf und Ferne. Neben dem Bett stand auf einem kleinen Tischchen eine
Tasse, eine Kerze und ein Krug. Ein Buch in rotem Einband, aus dem ein
paar lose Blätter Papier hervorschauten, lag zwischen einer Blumenvase
und einem Stück Brot.
»Liest Asja viel?« fragte ich.
Die Mutter nickte. »Ich gehe um Bücher, aber die Leute leihen sie
ungern. Wenn Sie Bücher hätten ...«
»Ich kann bringen,« antwortete ich, »heute noch.«
Die Mutter lächelte.
»Das wäre wirklich schön, Asja wird mit Ihnen darüber sprechen, was in
den Büchern zu lesen steht. Wenn man Tag für Tag und Nacht für Nacht
auf einem Fleck daniederliegt, wird man dankbar und ist mit weniger
zufrieden, als die Menschen wissen, die alles haben, und gehen und
leben, wie sie wollen. Wenn die Toten noch Empfindungen hätten, so wären
sie sicher dankbar für jeden Wassertropfen, der durch ihre Sargwand
sickert. Ich hätte gewiß noch Kraft, vieles zu tun, was dem Kind Hilfe
brächte, aber es gibt keine mehr für uns, und das Warten, ohne etwas
bewirken zu können, macht mutlos, weil keine Hoffnung mehr da ist ...
Oft überwältigt mich dies Leben jetzt und ich meine, es nicht mehr
ertragen zu können.«
»Als ich an Ihrer Tür vorüberging, dachte ich dasselbe.«
»Wenn Sie noch bleiben wollen, bis Asja erwacht ...« sagte die Frau mit
zögernder Erwartung. Sie hatte ein Tuch um die Schultern gelegt, eine
Tasche über den Arm gehängt und schickte sich nun an, das Zimmer zu
verlassen.
»Herr Stevenhagen hat meine Stiefel, es kann noch eine Weile dauern, so
bleibe ich also noch ...«
»Asja wird sich freuen, daß man sie besucht.«
Sie stellte noch eine kleine Glocke neben das Bett, seufzte auf, mit
einem langen Blick auf die Kranke, und gab mir die Hand. »Wenn Sie an
die Bücher denken wollen?«
Ich versprach es und begleitete sie an die Tür. Sie kam noch einmal
zurück: Es stünde Kaffee im Rohr, wenn ich etwas wollte, oder vielleicht
auch, daß Asja darum bäte. Sie selbst ginge bis zum Mittag in die
Papierfabrik.
Als die Tür sich geschlossen hatte, sah ich zu der Schlafenden hinüber
und begegnete ihrem Blick, der groß und dunkel auf mir ruhte. Ein kaum
bemerkbares Lächeln, ein wenig schelmisch, belebte ihre Züge und wurde
zu einem leisen Lachen, als ich meine Gegenwart zu begründen suchte.
»Ich weiß schon,« sagte sie, »Sie warten auf Ihre Stiefel. Aber warum
tun Sie es bei uns?«
»Sie haben gewacht?«
»Die Mutter findet schwer fort, wenn ich nicht schlafe, und da es doch
sein muß, daß sie geht, schlafe ich, damit sie leichter fortfindet. Wie
kommen Sie zu uns?«
»Als ich über den Hausflur ging, hörte ich jemanden weinen und trat ein,
man kann nie wissen ...«
»Niemand hat in diesem Zimmer geweint.«
»Mir schien es so.«
»Sie wollen mir Bücher bringen? Da bin ich doch gespannt, was es sein
wird. Haben Sie viele Bücher?«
»Wenn ich ehrlich sein soll, so habe ich überhaupt keine, sie sind mir
abhanden gekommen, oder liegen auf dem Dachboden meines Elternhauses,
das nicht in dieser Stadt ist. Aber ich werde welche beschaffen, das
wird mir nicht schwer.«
»Machen Sie sich keine Mühe«, sagte sie langsam, lächelte und sah vor
sich nieder. In ihrer Ablehnung, die keinesfalls Bescheidenheit war, lag
trotzdem nichts von einer Kränkung.
Mir war zumut, als habe die Welt, in der ich mich eben noch befunden
hatte, sich jählings gegen eine andere vertauscht, als sei ich aus einer
lauen, bedrückenden Luft, die von Bedürftigkeit und einem vagen Hang zu
bereitwilligem Mitleid gesättigt war, plötzlich in einen herben Windzug
geraten und in einen Bereich, in dem es nicht zu helfen galt, sondern zu
bestehen. Ein leiser Unwille, dessen ich mich schämte, machte mich
unsicher. Ich dachte: da sieht man es nun, jetzt sitzt du hier.
Aber als ich dann den Blick hob und ihn ruhig in die Augen dieses
Mädchens senkte, begriff ich, auf welche Art ich ihr mit dem Gefühl des
Mitleids Unrecht getan hatte. Es wird das beste sein, ich sage es ihr,
dachte ich, und begann zögernd:
»Als ich dies Zimmer betrat und Umschau in ihm gehalten hatte, als ich
Ihre Mutter und Sie gewahr geworden war, hatte ich das quälende
Schuldbewußtsein, in das uns Mitleid zu stürzen vermag, aber seit ich
nun in der ruhigen Helligkeit Ihrer Augen stehe, bin ich nichts mehr
schuldig, Ihre Augen machen das Herz frei.«
Das Mädchen richtete sich auf, stützte sich auf ihre Ellenbogen und sah
mich in so großem Erstaunen an, daß ich, wie vor mir selbst, erschrak.
Was habe ich denn gesagt? dachte ich. Ein leiser Schwindel ergriff mich,
ich besann mich, als hätte ich jahrelang etwas Unnennbares vergessen,
das ich heimlich dennoch gesucht hatte.
»So bist du nun doch gekommen,« sagte das Mädchen schüchtern und
langsam, aber mit großer Deutlichkeit, und als ich den Blick wieder hob,
sah ich, daß sie so bleich war, wie das Leinen ihres Betts.
Da ich keinen Mut hatte, zu glauben, fragte ich zögernd:
»Wen hast du erwartet?«
»Es gibt für uns alle nur einen Menschen, zu dem wir du sagen.«
Nie hat mein Herz so schmerzhaft geschwankt wie unter diesen Worten, nie
war es so von unfaßbaren Gewalten hin und her geworfen. Hoffnung und
Mut, Zweifel, Aberglauben und Zuversicht stürzten sich wie Lichtströme
und Nachtwolken über mich. Die Welt und die Menschen haben mich
verdorben, dachte ich, denn wie kann mein Glaube am Tor dieser Wohltat
zaudern, was hindert mich, den Garten zu betreten und zu sein, was ich
bin, und zugleich immer zu erweisen gehofft habe, mir selbst und allen?
Ich schäme mich, ein Mensch zu sein, dachte ich, daran sind wir alle
krank. Aber darüber ward die Helligkeit der Genesung, die mir
entgegenströmte und die zugleich aus mir hervorbrach, so mächtig in mir,
daß ihr Licht meine Augen blendete.
Asja erhob sich von ihrem Lager, trat auf mich zu und legte ihren Arm um
meinen Hals. Ich sah ihr Gesicht dicht vor meinem und unter der nun
ruhig gewordenen und zuversichtlichen Aufmerksamkeit ihrer Blicke, wußte
ich, daß ich bestehen würde. Da begriff ich, was Dank ist; wieviel
erlebte ich doch in diesen Augenblicken, ein ganzes Leben vermag es
nicht auszumessen. Ich glaube, in Wahrheit leben wir alle nur ein paar
Augenblicke, alles andere ist Ahnung, Erinnerung und Hoffnung. Dies aber
war Wahrheit, und so sagte ich es Asja, denn sonst wußte ich im
drohenden Ernst meines Glücks nichts zu sagen.
Die Lichtabgründe ihrer großen Augen schienen das einzige zu sein, vor
dem ich mich befand. Sie lag nun wieder still und grade vor mir auf
ihrem Lager und sah mich an. Eine Weile sprach keiner von uns, ich ließ
mich so an ihrem Bett nieder, daß ich ihr gegenüber saß, sie öffnete
meine Hand und legte die ihre hinein, warm und fest, mit dem Rücken nach
unten, als bettete sie sie in ein lebendiges Lager.
»Bist du sehr krank?« fragte ich.
Sie nickte und lächelte.
»Wirst du gesund werden?«
Sie schüttelte den Kopf, aber ihr Lächeln blieb.
Ich befand mich in einem Zustand überbotenen Gefühls, wie in einem
Seelenraum, der weder Glück noch Schmerz zu fassen vermag, mir war
zumut, als zöge das Leben ohne mich an mir vorüber, und ich fühlte doch,
daß ich zum erstenmal ganz in seinem Strom trieb. Es sind die Ufer, die
dahinziehen, dachte ich, es erscheint mir als stünde ich selber still
und als zögen die Ufer dahin, aber in Wahrheit bin ich es, der zum
erstenmal in die Bewegung des Lebens geraten ist und ich sehe nun, wie
die Werte alten Bestands davonziehen.
Sie ist krank und wird sterben, dachte ich dann, sonderbar nüchtern,
aber zu erfassen oder zu glauben vermochte ich den Sinn meines Gedankens
nicht. Es kann nicht wahr sein, wie ich es bisher für wahr gehalten
habe, sann ich schwerfällig, denn was bedeutet sonst dieses Lächeln,
dieses Lächeln, das ich aus alter Erinnerung her kenne? So lächelte
meine Mutter, wenn sie mir scherzend eine arge Botschaft brachte, hinter
der sich im Grunde doch eine frohe Verheißung verbarg, sie, die damals
noch alles möglich machen konnte, was mein Kinderherz begehrte, und von
der ich wußte, daß sie es zuletzt doch tun würde, da mein Leid ihr
schmerzlicher war als mir ...
Da sagte Asja:
»Die Gesunden ahnen das Wesen der Krankheit nicht und fürchten sie
immer. Wer aber krank gewesen ist, weiß, daß die Erinnerung an diese
Zeit nicht immer trüb und trostlos ist, wie vorher die Befürchtung war,
sondern daß eine Helligkeit über diesen Tagen und Nächten liegen kann,
die sogar die Schmerzen vergessen läßt. Dieses Licht bricht aus der
Freiheit, in die uns unsere Anspruchslosigkeit führt, die sich langsam
mehr und mehr mit unserem Daniederliegen einstellt. Krank zu werden ist
viel schmerzlicher, als krank zu sein, denn zu Anfang fühlt sich unsere
Seele noch an die Welt der Sinne gebunden, in der sie gefangen lag, und
wir verstehen ihre neue Freiheit nur langsam. Aber sie stellt sich wider
unseren Willen ein, und mehr und mehr gelangen wir aus den Regionen des
Vergänglichen in die Bereiche des Unvergänglichen. Alle Krankheiten sind
Entfesselungen der Seele aus der Welt der Sinne. Ich glaube, daß der Tod
der hellste Wipfel dieser Höhen der Freiheit für unser Bewußtsein zu
werden vermag.«
Das Mädchen sprach eifrig und einfach, aber ohne den Wunsch zu
überzeugen, ich habe niemals im Leben etwas so deutlich gehört wie den
Sinn dieser Stimme. Es war als stünde eine aufrechte Gestalt hinter der
liegenden, eine andere, die doch dieselbe war, ein Wesen, das keiner
Worte bedurfte, um sich verständlich zu machen, sondern das klar und
selbstverständlich dadurch sprach, daß es so und nicht anders beschaffen
war. Eine schweigsame Herrlichkeit der Verkündigung ging von ihr aus,
wie von Wert und Unwert genesen.
Draußen schien der Morgen sich ein wenig aufzuhellen, es regnete nicht
mehr und der Lichtschimmer, der ins Zimmer fiel, verriet, daß Wolken und
Sonnenschein sich hoch über uns im Freien vermischten. Die Gegenstände
des Zimmers, das sorgfältig geordnet war, nahmen in meinen Augen eine
nüchterne Selbständigkeit an, wie Wesen von Sinn und Lebendigkeit, die
in einer erstarrten Bereitschaft warteten. Ich betrachtete diese Dinge
und die Eigenart dieser Morgenstunde beschäftigte mich. Solche
Morgenstunden in einem Wohnzimmer sind mir fremd geworden, dachte ich,
wo war ich denn stets um diese Zeit? Seit meiner frühsten Kindheit habe
ich grade diese Stunden nicht mehr erlebt. Wenn ich krank war und nicht
zur Schule konnte, erfuhr ich sie, oder Sonntags, aber schon dann waren
sie anders.
Asjas Hand lag immer noch in der meinen. Sie hatte die Augen geschlossen
und ich sah auf ihr Gesicht nieder. Das Lebenslicht der Züge floß über
die mattfarbigen Formen der Schläfen und Wangen, deren Töne sich nicht
unterschieden, alles war in ein ruhiges Blaß gebettet. Die Bogen der
Brauen waren breit und tiefschwarz und die Augenlider am hellsten. Die
Wimpern auf den Wangen ruhten dicht und dunkel, wie aus Samt, und der
Mund, dessen Lippen kaum einen Schimmer von rot trugen, war von einer
Lebendigkeit, die mich erbeben ließ. Ich sah mit Grauen und Andacht auf
diese schwermütige Süße, von der es wie Frühlingssonnenschein aufstieg.
Mich ergriff ein Taumel von Armut und Gram, der mich durch und durch
verwandelte, aber zugleich blühte mein Herz. Da wußte ich: Dies ist der
Anfang und das Ende. Es ist die Bestätigung, dachte ich, und nahm das
Urteil hin. Ich hatte das Empfinden uralt zu sein, und maß und erkannte
dies Bewußtsein doch in der Allgewalt einer unbestürmbaren Jugend.
Schlag deine Augen auf und sprich wieder zu mir, ich bin verwirrt und
möchte doch meine Sicherheit nicht an Wesen und Dingen zurückgewinnen,
an die ich nun nicht mehr glauben kann, und die ich niemals wieder
lieben werde. In einem einzigen Augenblick hat das Lebenssinnbild deines
Mundes eine Welt in Trümmer geworfen. --
Wir haben noch mancherlei miteinander gesprochen, dieses und jenes, wie
der Augenblick es uns eingab, aber wenn auch von nichtigen Dingen die
Rede gewesen sein mag, so war doch alles, was uns im Geist begegnete,
von jener reinen Wichtigkeit des Wesens, die die Achtung und die
beglückende Vorsicht der Liebe schaffen. Ich ahnte die Durchsichtigkeit
der Welt, in der diese Seele lebte und meine Begierde wachte mächtig in
mir auf, wie Durst. Als ich gewahrte, daß das Mädchen müde wurde, ohne
daß sie die Erschöpfung ihres Körpers selbst spürte, verließ ich sie und
ging, ohne ihr zu versprechen, daß ich wiederkommen würde, denn es
verstand sich von selbst, und mir wäre eine solche Zusage vorgekommen,
als hätte ich gesagt, daß es Tag sei, oder wieder Nacht werden würde. --
Irgendwo, mir aus weiter Ferne der Erinnerung noch dunkel bekannt, wie
auf einem anderen Stern, saß der Schuster Stevenhagen, der meine Stiefel
in Kur genommen hatte. Er sah mich erstaunt an, als ich bei ihm
eintrat, wies nur schweigend in einen Zimmerwinkel und rückte den Schuh
auf seinen Knien wieder in den Lichtkegel der gläsernen Wasserkugel,
hinter der eine Lampe brannte. Ich suchte mein Eigentum unter den arg
mitgenommenen Fremdlingen heraus, die wie eine Schar flüchtig geordneter
Landstreicherpaare am Boden umherstanden, und fragte nach meiner
Schuldigkeit.
»Das läßt sich aufbringen«, sagte der Alte.
Ich ließ mich auf einem Hocker nieder und zog die Stiefel an.
»Wo sind Sie gewesen?« fragte der Schuster.
Ich sagte es ihm und er hielt in seiner Arbeit inne, wandte sich mir zu
und sah mich an.
»Kennen Sie Asja?«
»Ja,« sagte ich, »noch nicht lange, aber für immer.«
Er fuhr fort mich prüfend zu betrachten, lächelte, scheinbar dankbar
über dieses Bekenntnis, schwieg aber und wandte sich endlich seiner
Arbeit wieder zu. Als ich ihm Geld zum Wechseln gab, schob er die Münze
fort, schüttelte den Kopf und forderte mich durch eine Bewegung auf, das
Geld zurückzunehmen.
Ich verstand plötzlich, nahm die Münze und ging davon.
Ist es so, dachte ich draußen, als ich ziellos und doch eilig die nasse
Straße durchschritt, daß es genügt mit dir bekannt zu sein, Asja, um
alle zu Freunden zu haben, die von dir wissen?
Die Gesichter der Menschen, der Lärm der Straße und die Mauerwände der
Häuser begannen auf mich zu drücken. Wenn ich doch Horizonte, Wiesen
und Pflanzen sähe, dachte ich, ich würde meinen Glauben besser zu wahren
wissen und meine Fröhlichkeit würde standhalten. Was ruft ihr mich an,
bemächtigt euch meiner und zerrt mir die Seele aus dem Leib, ihr Namen
und Bilder, Inschriften und Auslagen, Glocken und Stimmen? Eure traurige
Hast und leere Mühe, eure Sucht ohne Sehnsucht und euer Weh ohne Heimweh
verführen und verraten mich und machen mir alles verächtlich, um dessen
willen ich allein leben möchte. Ihr betrügt die Seele um die Heimat.
Über solchen Gedanken kam mir in den Sinn, daß ich Asja Bücher
versprochen hatte, und wenn ihre Worte, die mich gleichmütig und
zurückhaltend nach diesem Vorsatz gefragt hatten, auch kein sonderlich
starkes Vertrauen zum Wert dessen verraten haben mochten, was ich etwa
bringen würde, so beschloß ich doch mein Vorhaben auszuführen und das
Mädchen womöglich auf das angenehmste zu enttäuschen.
Während ich über die Straße dahinschritt durch den Regen, überfiel mich
plötzlich der Gedanke an meine Beschäftigung, an meine Tagespflicht, an
die Druckerei und meinen Brotherrn. Seit drei Stunden wartete man auf
mich, ich war unentschuldigt ausgeblieben, in Gefahr ernstlich verstimmt
zu haben und entlassen zu werden. Aber als ich auf eine Erklärung sann
und erwog, ob ich die Angelegenheiten Asjas nicht besser in meinen
freien Mittagsstunden erledigen sollte, überkam mich ein jäher
Entschluß, der mir das Bewußtsein einer beseligenden Freiheit
einbrachte. Ich nahm mir vor, überhaupt nicht mehr in die Druckerei zu
gehen, und meine alte Verpflichtung gegen eine wertvollere
einzutauschen, gegen die, Asja zu Diensten zu sein so lange sie noch
lebte. Was galten mir äußerliche Verluste gegen das Glück der inneren
Entbundenheit, in der ich nach diesem Vorsatz, wie neugestärkt,
dahinschritt. Eine noch ungewisse Ahnung, daß ich Vergängliches gegen
Unvergängliches eintauschte, erfüllte mich durch und durch mit
Fröhlichkeit. Auch wußte ich, daß es mir für den Fall der Not nicht
schwer fallen würde, wieder irgendeine Beschäftigung zu finden, die mich
vor Hunger schützte, wie sie einem Menschen stündlich zu Gebote steht,
der bereit ist jede Arbeit zu übernehmen.
Es mochte zwischen zehn und elf Uhr sein. Ich genoß für eine kurze Weile
diese ungewöhnliche Stunde, die ich in den letzten Wochen nur mit
Bedrücktheit und Verlangen von dem nüchternen Zifferblatt der
Geschäftsuhr abgelesen hatte. Es galt aber sie zu nützen, und ich
überdachte, auf welche Art ich mich am besten in den Besitz von Büchern
zu setzen vermöchte. Meine Barmittel waren gering und ich sah ein, daß
ich nicht nur der Gelegenheit, Bücher zu erwerben, sondern zugleich auch
eines wohlmeinenden Rates und teilnehmender Fürsorge bedurfte. Da
erinnerte ich mich dessen, daß ich zuweilen Korrekturbogen aus der
Buchdruckerei zu einem wohlgebildeten und sehr vermögenden Herrn
gebracht hatte, der Doktor der Philosophie, Kunsthistoriker und
Schriftsteller war. Ich war genötigt gewesen, im Vorzimmer dieses Herrn
auf dessen Einblick in die Satzproben zu warten und hatte, als der
Diener in das Arbeitszimmer trat, einmal durch die Tür eine gewaltige
Bücherwand erblickt, die bis an die Decke hinauf in den gedämpften
Gold- und Farbtönen alter und neuer Bücher glitzerte. Ohne Besinnen
entschloß ich mich einen Versuch zu machen, hier zu Büchern zu gelangen,
und indem das Ungewöhnliche meines Vorhabens mir die Brust ein wenig
beengte, erwachte zugleich jene unbändige Lust am Wagnis und am
Besonderen, jener Hang, alle Fesseln einer hergebrachten Lebensform
gegen die einfache Bewegung eines mutigen Menschentums einzutauschen,
der mir meine ganze Jugend hindurch viel Leid und Seligkeit eingebracht
hat, Erniedrigungen und Triumphe, Haß und Liebe.
Während ich den Weg in die Gartenvorstadt nahm, in der das Landhaus des
wohlbekannten, ja auf seinem Gebiet berühmten Mannes lag, verbannte ich
alle Vorsätze zu einer bestimmten Art des Auftretens aus meinen
Erwägungen und beschloß, mich ganz der Gunst oder Ungunst des
Augenblicks zu überlassen und nur dem zu gehorchen, was die Lage mir
eingab und zumutete. Werde ich abgewiesen, dachte ich, so befinde ich
mich bald wieder an dieser Stelle der Straße, auf der ich mich jetzt
bewege, und ich befinde mich hier sehr wohl. Aber dann wurden meine
Gedanken in einen verschleierten Ernst hinübergezogen, denn Asjas
Gestalt stand vor ihnen auf und ihr Lächeln begleitete mich. Da glaubte
ich zu wissen, daß alles kommen würde, wie es kommen mußte, und fühlte
mich im Recht.
Als ich an dem hohen, eisernen Gartentor anlangte, setzte ich die Glocke
in Bewegung und wartete darauf, daß der Hausdiener den Kiesweg
herabkommen würde, um die Gruppe der Lebensbäume herum, die den
seitlichen Eingang zum Haus verdeckte. Es war aber diesmal ein
Stubenmädchen. Sie machte nicht auf, sondern fragte mich durch das
Gitter, was ich wollte.
»Hinein«, sagte ich einfach.
»Ach so,« meinte sie und musterte mich, »Sie kommen von der Druckerei.«
Sie wartete meine Antwort nicht ab, sondern zog die Gittertür auf,
schloß sie sorgfältig hinter mir und schritt mir dann voran, bis in das
Wartezimmer, das ich kannte. Vorsichtig begab sie sich dann an die Tür
zum Arbeitszimmer, beugte sich vor, zögerte eine Weile und pochte dann
leise und außerordentlich zurückhaltend dreimal. Es sah aus, als wäre
die schwere Eichentür zerbrechlich. Mir schien, daß der Gemeinte, wie
manche verwöhnten Leute, durch allzu große Rücksicht auf seine Wünsche
ungeduldig wurde, denn es ertönte ein sehr unfreundliches »Was ist los?«
und das Stubenmädchen wagte kaum die Tür zu öffnen. Sie tat es, nachdem
sie mir einen inhaltslosen Blick zugeworfen hatte, einen Blick, wie ihn
Leute haben, deren innere Augen anders gerichtet sind als die äußern.
»Ein junger Mann von der Druckerei ist da«, sagte sie auf der Schwelle.
»Also. Was bringt er? Geben Sie her!«
Das Mädchen winkte mit der Hand eifrig zu mir hinüber, damit ich ihr
einhändigen sollte, was sie für ihren Herrn bei mir vermutete.
»Ich bringe nichts,« sagte ich, »ich möchte den Herrn Doktor sprechen.«
Jetzt trat sie ganz ein, lehnte aber die Tür nur hinter sich an, so daß
ich die laute männliche Stimme deutlich vernahm.
»Etwas abholen? Ich habe nichts, es ist alles geschickt worden.«
Als die Tür sich wieder öffnete, rief der Herr Doktor mich selbst an:
»Was ist denn? So kommen Sie herein.«
Ich trat ein und war erstaunt über die vornehme Pracht dieses großen
Zimmers. Ein schwerer roter Teppich fing mich auf, von den Erkerfenstern
brach gedämpftes Licht auf den mächtigen Schreibtisch, der mitten im
Raum stand, umlagert bis zur Decke hinauf von hohen Bücherschränken und
-borden, die in die Wände eingelassen waren. Ein dunkler Eichentisch mit
rundlehnigen Ledersesseln bot sich zur Rechten, aus dämmrigem
Hintergrund, den Augen dar, und neben ihm stand ein breites Ruhebett,
belastet mit gewirkten Decken und einer großen Menge vielfarbiger
Kissen, deren Zahl ich in der Eile auf etwa hundert schätzte.
Der Herr Doktor saß an seinem Schreibtisch und hatte sich mir zugewandt,
die eine Hand auf die Lehne des Sessels aufgestützt, so daß er über
seinen emporgestemmten Ellenbogen hinweg nach mir hinübersah. Zwischen
den Fingern hielt er eine Zigarre, so groß und dick wie ein
Tannenzapfen, von der eine hellblaue Rauchlinie emporstieg, deren
lichtes Leben wundervoll über die Dämmerung des Hintergrunds dahinzog.
Mir schien, als mißfiele dem Herrn die Aufmerksamkeit nicht, die ich
seinem Zimmer entgegenbrachte, erst nach einer Weile sagte er mit einem
etwas selbstgefälligen Lächeln:
»Also, was ist denn?«
Ich trug mein Anliegen in einfachen Worten vor, ohne daß ich ihnen durch
ungebührliche Wendungen oder unbescheidene Selbstverständlichkeit den
Anschein einer heimlichen Anmaßung verlieh, es war nicht meine Schuld,
daß unser Gespräch bald darauf einen Fortgang nahm, der den Hausherrn
aufbrachte.
»Bücher wollen Sie von mir?« fragte er gedehnt und mit einer Betonung,
als hätte ich von einem Schreiner einen Schuh verlangt. »So ohne
weiteres, das ist denn doch ... muß ich sagen, ein höchst sonderbares
Anliegen. Wer sind Sie denn überhaupt, ich meine eigentlich ...«
»Ich will Ihnen meinen Namen und meine Adresse später aufschreiben, wenn
Sie mir Bücher gegeben haben. Als ich im Auftrag der Druckerei einmal
bei Ihnen war, sah ich durch die Türspalte den Reichtum an Büchern, über
den Sie verfügen, und ich dachte an Sie, als ich heute früh bei der
Kranken war.«
»Und daraufhin ... ich glaube, Sie sind verrückt. Nehmen Sie es mir
nicht übel, aber einem daraufhin ohne weiteres mit dieser Bitte zu
kommen, ist denn doch wohl mehr als ungewöhnlich. Sie glauben wohl in
mir einen Dummen gefunden zu haben?«
»Nein,« sagte ich, »man kommt nicht immer gleich auf das Rechte.«
Der Angeredete schien den Satz daraufhin zu prüfen, ob sein Sinn
eindeutig sei, und schaute dabei auf den Teppich nieder, als läse er ihn
noch einmal in seinen Ornamenten nach, dann erhob er sich und schritt
auf mich zu.
»Das war allerdings kaum das Rechte, so mir nichts dir nichts bei mir
einzufallen. Gibt es nicht Buchhändler oder, wenn es Ihnen an
Barmitteln fehlen sollte, Leihbibliotheken genug? Aber es wird wohl
zuguterletzt auf etwas anderes herauskommen.«
Er zog seine Geldbörse und begann mit kurzsichtigen Augen darin zu
suchen, während sein Finger die Münzen hin und her schob. »Wundert mich
nur, wie Sie es fertiggebracht haben, bei mir einzudringen. Sie haben
das Vertrauen Ihres Chefs mißbraucht, mein Lieber ... Bücher! Wie lange
kennen Sie denn dieses Mädchen schon?«
Ich wollte bei der Auswahl des Geldstückes nicht stören und wartete
deshalb ab, auf welches die Wahl meines erzürnten und unfreiwilligen
Gastgebers fiele. In Erfahrung gebracht habe ich es niemals, denn es
wurde mir mit viel Takt in der geschlossenen Hand geboten; jeder andere
hätte die Münze sicherlich zwischen zwei Fingern erhoben dargereicht.
»Sie sind sehr freundlich,« sagte ich ohne zurückzutreten, »aber mir ist
mit einer kleinen Geldsumme nicht gedient. Wenn Sie keine Bücher
verleihen wollen, so muß ich unverrichteter Sache wieder meines Wegs
gehen. Aber ich will es nicht tun, ohne einen letzten Versuch zu machen,
Sie davon zu überzeugen, daß weder ein unbedachter und leichtfertiger
Einfall, noch die Gier nach einem unverdienten Vorteil mich zu Ihnen
geführt haben. Wenn ich den Reichtum an Unterhaltung, Belehrung und
Erhebung, an menschlicher Freude und menschlichem Erleiden überdenke,
den Sie in Ihrem Zimmer angesammelt haben, all das erschlossene und
unerschlossene Glück, das diese Bände bergen, so erscheint es mir für
einen Augenblick ungerecht, daß diese farbige Welt mit ihren
Landschaften der Seele und der Erde hier verborgen und unbenutzt liegen
soll, während ein paar Häuser weiter ein Mensch, der dies alles und mehr
in kurzer Zeit für immer aufgeben muß, Verlangen danach trägt, für eine
Stunde seine Armut und sein Geschick zu vergessen.«
Es entstand eine kleine Pause, als ich schwieg. Ein sonderbarer Blick
voll Gift und Staunen traf mich, haftete wider Willen an meinen Zügen,
umglitt mich, verächtlich geworden, und löste sich endlich in einem
Lächeln, voll Neugier und Herablassung.
»Schon gut, schon gut,« sagte er, »Sie werden mich nicht beschwatzen.«
Nach diesen häßlichen Worten brach plötzlich eine befangene Gutmütigkeit
im Ausdruck seines Gesichts durch, die ich nicht erwartet hatte, und die
ich mir nicht erklären konnte, obgleich sie das einzige war, was auf
mich wirkte. Wahrscheinlich hat er mir zuvor seine Kraft beweisen
wollen, ehe er mir seine Schwäche verrät, dachte ich und darüber wurde
ich mutlos, denn ich erkannte aufs neue, was unter den Menschen als
stark gilt und was als schwach.
Da es in meiner Art und unbewußten Neigung lag, den Fortgang eines Wegs
immer dort zu suchen, wo ich am tiefsten durch das Wirrwarr der
Erscheinungswelt blickte, sprach ich als Antwort von dem, was ich
erkannte und sagte:
»Nun Sie mir durch Ihr Wort bewiesen haben, wie wohl Sie gegen meine
Tücke gewappnet sind, wird Ihr Herz einen freien Weg für seine Güte
finden können.«
Mein Gegenüber lachte breit und ungeschickt auf, so daß ich ihn für
einen Augenblick bedauerte, aber ich gab dieser Ablehnung nicht nach,
sondern wappnete mich aufs neue, ich war entschlossen, zu meinem Ziel zu
kommen. Ein leise quälender Zweifel nagte tief in mir und für einen
Augenblick haßte ich diesen Mann, der den Wert der feinen Fügung meiner
Gedanken verstieß, als spräche ein Narr zu ihm. Ich haßte die Kraft in
ihm, die nichts als Roheit war, die ich hassen werde, solange ich atme,
die am Tor aller Vernunft und Freiheit lauert und sich Männlichkeit
nennt. Da er nun auch noch sagte: »Das war nicht schlecht geantwortet«,
verzagte ich fast, denn ein Lob aus der Welt, die wir verachten, ist
ärger als ein Tadel aus der Welt, die wir lieben.
»Woher kommen Sie denn eigentlich, wer sind Sie, haben Sie eine Schule
besucht? Nun antworten Sie einmal.«
»Lassen Sie mich in Ruh«, sagte ich schroff. »So wohlfeil werden Sie Ihr
Gefühl der Überlegenheit, das Sie vermissen wie eine Krücke, nicht
zurückbekommen. Was geht Sie das an, woher ich komme? Wollen Sie mir ein
Mittel geben, Sie sichtbar zu täusche, damit es Ihnen leichter wird, mir
nicht zu glauben? Sie glauben mir längst. Ich lasse mich nicht auf ein
Gebiet locken, auf dem Sie schon deshalb recht behalten, weil Sie eine
hohe Haltung gegen eine niedrige vertauschen.«
»Das ist also einfach eine Unverschämtheit«, sagte mein Gegner
freundlich, lachte und setzte sich breit und sicher mitten auf seinen
Sessel.
»Nehmen Sie Platz«, fuhr er in einem veränderten Ton wohlwollenden
Befehls und skeptischer Neugier fort, in dem seine Niederlage lag. »Sie
haben vollständig recht. Ich müßte ein Lump sein, wenn ich das nicht
zugäbe. Aber Bücher bekommen Sie keine.«
Welch ein armseliger Seitenweg ist diese halbe Freundlichkeit, dachte
ich. Er zieht die Pfeile aus seiner Brust, bricht sie ab, und tut, als
seien sie stumpf gewesen. Eher werden die Ströme zu den Bergen
zurückfließen, als daß einem Menschen meiner Zeit sein fanatischer
Glaube an den Triumph der Mittelmäßigkeit abhanden kommt. Ich fürchtete
den aufsteigenden Ekel, der mich noch immer entwaffnet hat, und warf
mich übereilig auf die Bahn eines neuen Mittels. Ich darf nicht auf
diese halbe Belustigung eingehen, wußte ich, dieser Mann reißt mich
anders in seine Niederlage hinein, und am Ende erhalte ich doch noch die
Münze, die er immer noch zwischen den Fingern drückt, als stammte sie
aus einem Taschendiebstahl. Zudem kam mir über dem Gedanken an diese
Münze in den Sinn, daß ein paar Bücher, die ich vielleicht doch endlich
leihweise erhielt, der Freundin wahrscheinlich wenig genug bedeuten
würden, denn nicht nur ihre Frage nach meinen Beständen, sondern auch
ihre Miene hatten mir verraten, wie schwer ihrem Anspruch Genüge getan
werden konnte. Auch erschien es mir, als sei der ganze Kraftaufwand
dieser Stunde schon viel zu groß, als daß ein paar entliehene Bände ihn
endlich zu rechtfertigen vermöchten. Ich mußte viel mehr erreichen. Mein
Mißerfolg lag daran, daß mein Kraftaufwand in keinem Verhältnis zu
meiner Forderung stand; was konnte diesen bedrängten Ungläubigen
mißtrauischer machen, als meine Anspruchslosigkeit?
Während ich sann, betrachtete mein Gegenüber mich mit unverhohlener
Aufmerksamkeit, mit einer etwas benommenen Neugier, deren Lebenslicht
mir aber keineswegs die Furcht einjagte, er möchte mich mit diesen
aufgetanen Augäpfeln auch durchschauen. So sagte ich, meiner selbst
sicher:
»Wenn ich den Ring betrachte, den Sie an Ihrem Finger tragen, der sicher
nur einen geringen Teil Ihres großen Besitzes ausmacht, und bedenke, daß
schon in ihm die Macht liegt, einem Menschen, der bald sterben wird,
noch einmal die irdische Landschaft in Freuden und Ruhe zu erhellen, so
meine ich, Sie müßten ihn mir geben, um Ihrer Freude und Ruhe willen.«
Der Angeredete lächelte betroffen und überlegen, aber nicht mehr
mißbilligend. Vielleicht war er mir, ohne es zu wissen, dankbar dafür,
daß ich die Haltung nicht einnahm, die er vorgeschlagen hatte, und derer
er sich heimlich schämte.
»An diesen Ring fesselt mich eine Erinnerung, ein teures Andenken. Nun?«
Die Herausforderung in diesem letzten Wort empörte mich, die lässige
Aufforderung darin, in meiner Mühe fortzufahren, war herabwürdigend.
»Und nun haben Sie dieses Andenken entweiht«, sagte ich rasch.
»Was habe ich getan? Junger Mensch -- wenn eines mich wundert, so ist
es, daß ich Ihnen nicht längst die Tür gewiesen habe ...«
»Ich will Ihnen sagen, wie ich denke, damit Sie sich nicht erzürnen«,
antwortete ich und faßte mich. »Ist dieser Ring ein teures Andenken an
einen Menschen, der Ihnen in Liebe nahesteht, oder gestanden hat, so ist
er ein Sinnbild der Gemeinschaft, unvergänglichen Guts, heiligen Daseins
über allem, das verfällt. So ist die Sendung, die ihn gehen und wirken
hieß, mit der er untrennbar behaftet ist, wie mit seinem Glanz, die des
wahrhaftigen Lebens, und nur indem es sich mit ihm erfüllt, ist die
Erinnerung an den Geber geheiligt. Ich nehme nach Ihren Worten an,
dieser Mensch liegt begraben, Ihnen oder uns allen; wird es nicht sein,
als sei er auferstanden, wenn die teure Glut in heimlicher Glorie um
seine Gabe neu ersteht, als fiele sie auf ihn zurück, nach dem Kreislauf
ihrer Bestimmung, und schlösse ihn in ihr Licht ein? Sie aber drängen
mit Ihrem Hang nach totem Besitz den lebendigen Geist in sein kaltes,
goldenes Grab zurück.«
Es wurde still im Zimmer, der Angeredete sah starr vor sich hin, ohne
daß mir irgendein Zeichen verriet, ob meine Worte ihn im Guten bewegt
oder aufs neue erzürnt hatten. Dann sah er langsam auf, sein Blick
überging mit beinah trauriger Entschlossenheit die prächtigen Dinge
seines Raums, die Geräte seines Schreibtisches, die Blätter und Bücher
darauf, und wurde endlich, als habe er sein eigenes Leben verloren, in
das Leben des Lichts gezogen, das durch das Fenster eindrang, und dort
verirrte er sich im wesenlosen Geist der Helligkeit.
Ich dachte daran, daß Asja nun auf ihrem Lager lag und in das gleiche
Tageslicht schaute, und mir wollte scheinen, als müßten sich die Blicke
dort drüben und draußen in der Höhe begegnen, so daß der Fremde von dem
Ausdruck in Asjas Zügen überwunden würde, wie vor kurzem ich selbst,
und mir so das Ende des schweren Wegs erspart bliebe.
»Hören Sie einmal«, sagte da plötzlich die tiefe Stimme und das
langbärtige Gesicht wandte sich mir zu. »Sei das, wie es wolle, ich
möchte nicht dieses oder jenes, nicht Wohltaten tun, noch Segen stiften,
aber ich möchte einmal wieder glauben, auch an mich. Sie haben da eine
Erinnerung in mir wachgerufen, auf eine eigene Art wachgerufen, das will
ich Ihnen lassen. Weit mehr taucht mit ihr mein eigenes Leben vor mir
auf, als dasjenige der Toten, von der dieser Ring stammt. Ich weiß
nicht, wer Sie sind und welch merkwürdiges Unterpfand des Wesens Ihnen
diese Kraft gibt, ich möchte es nicht prüfen noch ergründen, denn ich
fürchte mich vor Eingeständnissen, für die ich noch nicht alt genug bin.
Ich will Ihnen glauben, lassen Sie sich daran genügen, ich will es, es
ist mir gleichgültig, ob Sie es verdienen. Diesen Ring selbst werde ich
nicht fortgeben, jetzt weniger als je, denn die Macht seiner Mahnung ist
von dieser Stunde ab größer geworden und ich bedarf ihrer, mehr
vielleicht als andere, mehr sicherlich als Sie. Aber der Sinn, den Sie
diesem Ring beimessen, soll sich nach Ihrer Erwartung erfüllen, und ich
werde Ihnen die Summe zur Verfügung stellen, die seinen bezahlbaren Wert
ausmacht. Es wird Ihnen gleichgültig sein, ob ich ihn Ihnen abkaufe oder
ein Händler. Dann können Sie Bücher und alles beschaffen, was Sie wollen
und brauchen, oder was Ihre bedürftige Freundin nötig hat.«
»Gut. Handeln Sie so.«
»Sie danken mir nicht, nun das ist wohl auch in Ordnung so ... Mir liegt
die Zeit im Sinn, in der ich noch so jung und so erwartungsvoll, so
zuversichtlich und gläubig war, wie Sie. Damals, als ich diesen Ring
erhielt, stand ich im Beginn meiner Laufbahn, ich fing damals an berühmt
zu werden, man las mein erstes Buch, es ist jetzt vergessen. Die Zeit
geht eben rasch; nun, es kamen andere Werke und trugen meinen Namen in
die Welt, aber wissen Sie, was mir über Ihren Worten vorhin so durch den
Sinn gegangen ist -- daß diese anderen Bücher auch einmal -- vergessen
sein könnten ... Aber nicht das allein, sondern vielmehr eine seltsame
Gewißheit, als sei jene vergangene Zeit, ohne Ruhm und Besitz, durch
einen ganz bestimmten Wohlstand reicher gewesen, als die heutige es ist,
mit ihrem Erfolg.«
»Sagen Sie mir das nicht,« lehnte ich ab, »ich wollte Sie nicht
demütigen.«
»Demütigen? Sonderbarer Mensch ...«
Unsicher und gequält sah ich ins Leere. Mir war, als habe ich unrecht
getan, aber erst später sollte ich erfahren, worin dies Unrecht
bestanden hatte.
»Also gut denn,« hörte ich ihn wieder sprechen, »lassen wir ruhen, was
ruht, und leben, was leben soll. Ich biete Ihnen tausend Mark an Stelle
des Rings und der Bücher; sind Sie einverstanden?«
»Ja, aber Sie sind es nicht.«
»Ich bin es. Sie hatten recht, meine Anwandlung zu Eingeständnissen,
meine melancholische Selbstbetrachtung, abzulehnen. Vielleicht hoffte
ich, mich von einer Niederlage wiederherzustellen, indem ich ein
geringes Bild von mir entwarf, um, wenn Sie davongingen, in dem
Bewußtsein zurückbleiben zu können, daß ich doch um einiges mehr sei,
als ich Sie zuzugestehen genötigt hatte. Der Ruhm verdirbt, wir sind
unehrliche Leute vor uns selbst geworden, um die Ehrlichkeit zu retten,
um derer willen uns die anderen, die Welt, Bekenner und Eroberer nennt.
Sie hat noch keinen Wahrhaftigen ihren Erlöser genannt ...«
»Also tausend Mark wollen Sie geben?«
Er schwieg, mit schräg gesenktem Blick.
»Sie nehmen mir die Freude daran«, sagte er langsam und in erkennbarem
Verdruß über sein erneutes, unfreiwilliges Geständnis. Aber er holte
dann zögernd, mit zurückgelegtem Oberkörper seine Schlüssel hervor,
öffnete ein Schubfach des Schreibtisches, räumte etwas zur Seite, als
seien es seine lästigen Gedanken, und entnahm einer Stahlkassette eine
lederne Brieftasche.
»Hier,« sagte er kurz und unsicher, als fürchtete er durch sich selbst
bei einem Diebstahl überrascht zu werden, »nehmen Sie und stiften Sie
Segen und Gutes.« Er tastete an den Geldscheinen herum, als wollte er
ihnen noch einmal, vor dieser Willkür, seine ganze besorgte Neigung
zukommen lassen, und doch schien er diese Finger zu verachten, die den
Wert des Papiers zu genießen trachteten. »Möge das Geld auf einen Acker
fallen, besser bereitet, als es mein Herz noch ist. Und Sie, Sie
selbst ... Wer sind Sie denn, so reden Sie doch. Dies alles ist doch
höchst eigentümlich. -- In die Hosentasche stecken Sie die Scheine?«
Plötzlich befiel mich eine wilde, heiße Fröhlichkeit. Es war mir, als
erwachte ich mit dem Bewußtsein dieses Erfolges endlich aus einer Welt
von Beziehungen, Kräften und Verstrickungen, die nichts mit jener zu
schaffen hatte, in die ich nun gehen wollte, um der Freundin den Weg zu
ihrer Gesundheit und zu glücklichen Tagen zu ebnen.
»Ich ----?« fragte ich plötzlich wie verwandelt, »ich komme mir vor wie
Einer, der sich beim Satan eine Leiter geliehen hat, um Gott in den
Himmel steigen zu lassen.«
»Auch ein Dank«, sagte er verständnislos und sah mich beinahe gierig an,
mit einem Ausdruck, den ich so wenig auf seinen Ursprung zu prüfen
vermochte, wie er meine Worte.
»Grüßen Sie Ihre Freundin,« sagte mein Gastgeber, als er sah, daß ich
meinen Hut nahm, »berichten Sie mir, lassen Sie sich einmal wieder
sehen, tun Sie es, vielleicht wird Ihre Teufelsleiter doch noch zu einer
Brücke zwischen uns zwei.«
Ich ließ es offen.
»Weiß der Kuckuck, was mir dies bedeuten soll, nun, was geschehen ist,
soll recht bleiben, leben Sie wohl. Wie eilig Sie es haben.«
Er gab mir die Hand, als sollte ich ihr Gewicht prüfen, ich fühlte mich
erlöst und eilte rasch von dannen, seltsam benommen in einem
merkwürdigen Unterbewußtsein, in dem mir zumut war, als freute meine
Freude mich nicht, und als sei ich für meine Kraft nicht stark genug
gewesen. --
Wohl drängte es mich, mit meinem Schatz zu Asja zu eilen, aber ich
wartete und begab mich zuvor in meine Behausung. Ich beschloß, eine
Reihe nützlicher und erfreuender Einkäufe zu machen, führte meinen
Vorsatz jedoch nicht aus, da alles mir in heimlichem Widerspruch zu den
Bedürfnissen dieses Mädchens zu stehen schien. Auch fehlte es mir an
Erfahrungen, und ich schämte mich, an jene belanglosen oder nur
äußerlich nützlichen Dinge zu denken, für deren Beschaffung den Frauen
ein so sonderbares Talent eigentümlich ist, das in gleichem Maße von
Liebesbereitschaft, wie von glückhafter Schamlosigkeit zeugt. Sie
bringen es fertig, Pulswärmer, Zahnstocher, Pfeifenreiniger, oder
unbedeutende Bruchteile von Nahrungsmitteln durch Ankauf in ihren Besitz
und durch Schenkung in die Hände geschätzter Persönlichkeiten zu
bringen. Auch auf kleinere Vasen, auf Löschblätter oder Bleistifte
verfallen sie zuweilen, und die Anmut ihrer Darbietungen läßt uns in
bestürzter Rührung erkennen, daß diese Dinge in kleinen, schwachen
Händen zu Sinnbildern der großen, ewigen Liebe zu werden vermögen. Wir
Verdorbenen und Ungläubigen dagegen vermögen uns nur auf Blumen oder
Bücher zu beschränken, weil wir an die Allmacht der Liebe nicht glauben
können, wenn unsere Gabe nicht schon ein Sinnbild der Geisteswelt ist.