Nach einem Lichtdruck von Karl Kuhns Kunstanstalt, München.]

Von Belgischer Künstler großer Lust und Gabe, Grausamkeiten packend zu

schildern

»Die belgische Kunst -- das ist das belgische Volk.«

Ist der Satz richtig, dann müßte doch in den Werken größter belgischer

Künstler ein Zug von Grausamkeit zu finden sein, der stärker vortritt

als in der Kunst anderer Völker.

Denn Generationen unseres Volkes werden nicht vergessen, wie mörderisch

belgischer Pöbel gegen unsere Truppen nicht etwa vorging, nein, sich

feig heranschlich, um bestialisch zu martern und zu morden. Wer kennt

von +der+ Seite belgische Kunst?

[Illustration: Abb. 8. +Rubens+, Der h. Justus.]

Kommen in der besten belgischen Malerei -- also nicht nur in den

minderen Illustrationen internationaler Schauerromane -- mehr grausame

Schilderungen vor als etwa in der deutschen oder italienischen Kunst?

Belgische Künstler haben nie ihre Neigung verleugnet, grausame

Handlungen mit heidnischem Behagen zu genießen und zu schildern. Die

fürchterlichsten Martern Gerechter und Ungerechter haben sie mit so

überlegenen malerischen Mitteln dargestellt, daß Furcht und Abscheu vor

den Henkern, Mitleid mit den Opfern wie vor einem Erlebnis erregt wird.

Und die Maler Belgiens malten mehr Furchtbares als andere, weil

hier ein Volk von Bestellern lebte, das solches wollte -- gewiß oft

genug als drastisches Mittel zu religiöser Erziehung nach einer ganz

bestimmten Richtung. Kein anderer Maler der Welt hat grausamste

Hinrichtungen so festlich, hat das letzte Weltgericht so hinreißend

geschildert wie +Peter Paul Rubens+.

Andre haben vielleicht noch mehr Hinrichtungen dargestellt, aber sie

sind den Aufgaben künstlerisch unterlegen. Rubens schwelgt künstlerisch

auch in den gräßlichsten Vorgängen.

In der Brüsseler Galerie hängt ein großes Bild, das sich jedem fest in

die Erinnerung prägt durch den krassen Gegenstand, die unerschrocken

wahrhaftige Malerei. Es ist das der Märtyrertod des h. Livinus (Abb.

10).

[Illustration: Abb. 9. +Dierick Bouts+, Martertod des h. Hippolytus.]

Starke Kerle haben den alten Bischof auf den Rücken geworfen, einer

hält ihn halb aufrecht am Barte. Der Henker aber hat dem Heiligen

bereits mit einer Zange die Zunge aus dem Schlunde gerissen und wirft

das blutende Fleisch einem Hunde zu. -- »Die rote Zunge glüht zwischen

den sie fassenden Zangen wie ein wundervolles Geschmeide von Korallen

oder Rubinen.«

[Illustration: Abb. 10. +Rubens+, Der Martertod des h. Livinus.]

Das ganze Gemälde wirkt allerdings durch die Verherrlichung des Todes,

durch die Gestalten des Himmels, durch die wie von Leidenschaften

zerrissene Komposition, durch die Glut auch in Farben eher wie ein

prächtiges Fest. Es soll ja auch ein kirchliches Triumphbild sein,

wie so manche Schlacht voll Blut und Leichen ein Bild des Sieges.

-- Aber all diese reinkünstlerischen Steigerungen des großen Flamen

lassen nicht den Glauben zu, er habe den eigentlichen grausamen Vorgang

lindern wollen. -- Das tat Rubens allenfalls bei seinen Bildern des

Leidens Christi und bei dem früheren Gemälde »der Tod des Argus«.

Da ist alles Blutige verdeckt. Aber sonst hat Rubens ganz unleugbar

das Gräßlichste mit derselben Schaulust und Farbenfreude gemalt wie

irgendwelche Feste der Pracht, des Fleisches und des Genusses. Wie

häuft doch Rubens die Frauenleichen auf beim »Tod der h. Ursula« (in

Brüssel), wie echt gesehen ist die Brutalität der Henker, die den

h. Lorenz zurückstoßen auf den glühenden Rost über des Feuers Glut.

(München). -- Wie grauslich, wie noch wahrhaftig lebendig wirkt Rubens

»h. Justus«, der, noch stehend, sein eigenes abgeschlagenes Haupt in

Händen hält. (Abb. 8.) Und all die andern Schreckensszenen des Todes

der Märtyrer Andreas, Petrus, Thomas zeigen Rubens' Geist frei von

jeder Zartheit der Empfindung. Rubens ist brutal wie seine Landsleute,

die solche Themen in Auftrag gaben und gerade mit diesen Gemälden sehr

zufrieden waren. Rubens war, was für einen Zeitgenossen furchtbarster

Ketzerverfolgungen nicht befremdlich sein kann, gegen die Schauder von

raffinierten Hinrichtungsszenen und Foltern kalt wie nur irgend ein

mittelalterlicher Zuschauer. Aber gerade die Pracht und Herrlichkeit

solcher Rubensscher Szenen festigt unser Urteil über diesen brutalen

Betrachter.

[Illustration: Abb. 11. +P. Breughel d. Ä.+, Der bethlehemitische

Kindermord.]

Hier tritt überdies doch Rubens in der rein künstlerischen Bewertung

bald hinter frühere, bald hinter Zeitgenossen zurück. Rubens braucht

zur Wirkung theatralisches Pathos. Wie ganz anders konnte Rembrandt

schaffen. Weil der jedem Theater fernsteht, weil er tiefer, innerlicher

ist, wirkt er bei ähnlichem noch viel stärker als Rubens.

Wer von Rembrandt kommt, empfindet das Pathos des Rubens als

schwülstig, als zu viel. Es bleibt nur die brutale Lust.

[Illustration: Abb. 12. +P. P. Rubens+, Der bethlehemitische

Kindermord.]

Aber auch ein Vorläufer des Rubens, der andere geniale Belgier Pieter

Breughel der Ältere, der noch vor Rubens Geburt in Brüssel starb, hat

gleich grausame Bilder gemalt und er packt uns oft genug gerade durch

ganz gegenteilige Mittel als Rubens. Der Kindermord des Breughel (Abb.

11) ist viel ruhiger, viel sachlicher gehalten als der des Späteren

(Abb. 12). Die beiden Bilder vergleichen heißt zwei verschiedene

Belgier charakterisieren. In Rubens' Münchener Bild ist alles höchste

Ekstase, lautes Schreien, alles leidenschaftlichste Bewegung. Bei

Breughel geht das Furchtbare vor sich in beängstigender Stille. Die

sachliche Geschäftigkeit und Unerbittlichkeit der hohen Polizei. Die

graue Luft über dem verschneiten flämischen Dorf wirkt schwül und

drückend. Die Ruhe der Befehlshaber zu Pferde ist unerbittlich. Und

erstarrend krampft sich das Herz der Mütter. Ohnmächtig sinken die

Mütter hin. Kein Laut durchzittert die Luft, während bei Rubens alles

schreit. Rubens malt den Vorgang fast unruhig wie eine Schlacht.

Die Mütter zerfleischen die Henker. Rubens ist hier ein schlechter

Schauspieler.

Wenn die einfachere Gestaltung die künstlerisch höhere ist, steht hier

sichtlich Breughel über Rubens. Aber beide Maler sind Flamen durch und

durch. Beide malen das Grausen mit derselben natürlichen unverhohlenen

Lust wie irgend etwas anderes. -- Nur zwei Zeitalter trennen sie.

Der eine ist barocker als Shakespeare. Der andere nüchtern wie sein

Zeitgenosse Rabelais.

[Illustration: Abb. 13. +P. Breughel d. Ä.+, »Gerechtigkeit«.]

Den alten Breughel nennen mit vollem Rechte die Belgier selbst

den echten, volkstümlichen flämischen Künstler. Er ist wie Rubens

Realist und Phantast -- aber Rubens ist nie Humorist, nie der milde,

verstehende Spötter wie der geistig festere Breughel. Von den vielen

grausamen Schildereien Breughels ist ein Stich nach ihm (Abb. 13)

bezeichnend für die furchtbare Zeit, bezeichnend für das Sehen dieses

bahnbrechenden Belgiers.

In dem Stiche »Gerechtigkeit« werden so ziemlich alle Arten der

Folterungen und Hinrichtungsweisen jener Zeiten so geschildert, daß

zweifellos viele Henker manch neue oder zeitweise vergessene Folterei

sich davon abgesehen haben werden. Aber Hinrichtungsarten haben schon

vor Breughel auch Deutsche dargestellt. Und der spätere Lothringer

Callot hat ja auch unbewußt ein illustriertes Lexikon für Folterer

geschaffen. Aber Breughels Darstellung hat tieferen Sinn. Es ist eine

Drohung des alten Künstlers gegen das Joch der spanischen Tyrannei.

Zurück zu Rubens.

Rubens als Schilderer des Jüngsten Gerichts!

Da steht er ohnegleichen.

Michelangelo hat ihm die Anregung gegeben wie so vielen anderen in

allen Jahrhunderten und aus allen Völkern.

Aber kein Schüler hat so den Meister übertroffen.

Nur ein Flame, nur ein Vollblutmaler konnte das, nur ein Belgier voll

unerschöpflicher Lust, konnte Qualen nackter Leiber in unübersehbaren

Maßen, unzählbaren Variationen schildern.

So sehr sonst gerade für Belgiens Kunst die Lust der Besteller und

das Vermögen der Maler eins ist -- Rubens' verschiedene Darstellungen

des Jüngsten Gerichts scheiden sich deutlich in zwei Gruppen. Die

schwächeren Bilder dieses Themas, das sind die bestellten. Da hat er

seine grausam schöpferische Phantasie bezähmen müssen, und unter diesem

Zwang ließ er die Bilder lieber von anderen ausführen.

Aber von ganzer, voller, sprudelnder, erfinderischer Lust sind die mit

eigener Hand, wie in einem Zuge des Rausches gemalten kleineren Bilder.

Die kleine Auferstehung der Gerechten, »das kleine Jüngste Gericht« und

»der Höllensturz der Verdammten« in München (Abb. 7).

[Illustration: Abb. 14. +Hans Memling+, Die Hölle.]

Der Höllensturz der Verdammten, das ist belgische Malerei, belgische

Komposition, belgischer Geist. Michelangelo hätte daran wohl keine

Freude gehabt, weil hier jeder Formalismus versagt. Aber unverständlich

bleibt, wie der Belgier Rooses dies Bild tadeln konnte, weil es ein

phantastischer Traum sei, zu unruhig und versplittert, um uns beim

ersten Anblick zu packen, zu derb von Malerei, und zu unedel von Form,

um uns »bei näherer Untersuchung zu befriedigen«.

Die Unruhe ist immer in Rubens und die episodenhafte Reihung, diese

unendliche Verknotung der Einzelbilder ist echt nordisch, ist vom

Geiste Boschs und Breughels und Lambeaux' und Rops'. Und wo anders als

hier wäre diese rassige, germanisch-flämische Komposition künstlerisch

angebrachter, geistreicher?

Dieser Höllensturz, für dessen Komposition auch der holländische

Komponist der »Nachtwache« allen Sinn gehabt haben muß, ist ein Signum

flämischer Stärke.

[Illustration: Abb. 15. +Bosch+, Die Hölle. Flügel eines Gemäldes im

Eskurial.]

Wie wirbeln und überstürzen sich diese Kaskaden verdammter prächtiger

Leiber. Welch vielmaschiges Netz mit unzähligen zappelnden Gestalten.

Welch unlösbare Verkettung von Richtungen und Knäueln. So viel

Richtung in Rubens' Milliarden von Scharen, in der Auferstehung der

Gerechten, so viel unglückseliges, chaotisches Hin und Her hier in

Licht und Schatten, in feurigen Gluten und rotem Rauch. Die Panik der

Weltenmassen gegeben in Farben und Richtungen. Und welches Auge fürs

Einzelne. Wie üppig die rosigen, prallen Leiber, wie fahl und gelb die

schwammigen Alten. Und wie die Teufel die Leiber packen und krallen und

werfen, würgen, zerren, stürzen, spießen und hängen.

Italien konnte anderes. Das konnte nur ein Flame.

Nicht überlegen ist italische Kunst der nordischen. Rubens und

Michelangelo -- jeder in anderer Schale -- halten die Wage im

Gleichgewicht.

Schon lange vor Rubens sind in Belgien Höllenbilder von großer

Vorstellung gemalt worden. Durch die Wirklichkeit nackter Körper ragt

hervor Memlings Jüngstes Gericht (Abb. 14) in Danzig, das für einen

Florentiner Kaufmann gemalt wurde. Das ist bezeichnend für den Ruhm der

damaligen belgischen Malerei. Ihre starke Realistik, ihre Phantastik

mußte auffallen. Höllenmalerei ist und bleibt tatsächlich in Belgien

für lange ein ganz besonders reich beschenktes Gebiet.

Mag immerhin der häufige Anblick grausamster Foltern und Hinrichtungen,

furchtbarster Kämpfe von Stadt zu Stadt, von Haus zu Haus auf die

Zahl dieser Themen mitgewirkt haben; für die Phantasie sind Tatsachen

der Außenwelt nicht ausschlaggebend. Waren doch in jener Zeit überall

öffentliche Hinrichtungen etwas Gewöhnliches. Haben doch die Maler

aller Länder, haben längst die kirchlichen Bildner des Mittelalters

überall gar zu gern dem armen Menschen das Gruseln vorm Jüngsten

Gericht und der irdischen Gerechtigkeit beizubringen versucht. Nur

haben die Maler Belgiens mehr als die anderer Länder schon früh Leiber

der Sterbenden und Toten als etwas den Augen Genußreiches anzusehen

gelernt.

+Zumal Memling.+ Der hat sich tüchtig in den malerischen Anblick

nackter magerer Leiber vertieft. Den Gram, die Qual, das Elend in

erstarrten Köpfen haben auch Spätere kaum besser wiedergegeben. Sein

scharfes Auge macht Memling zum Niederländer.

Das Auge entscheidet, nicht die Masse des vorhandenen

Beobachtungsmaterials. Ja das Ungewöhnliche wird sonst lieber

angeschaut, aufmerksamer, es lehrt besser sehen als das was dem Auge

gewöhnlich. -- Freilich wem hätten die schweren Heimsuchungen der

flämischen Lande nicht die Augen und das Herz öffnen müssen für die

höllischen Qualen ringsum?

Doch hoch über Memling, rein als Höllenmaler gewertet, ragt der kaum

zwanzig Jahre jüngere +Hieronymus Bosch+.

Man vergleiche nur die beiden Höllenbilder dieser Meister. Dann

schwindet die Phantastik des Memling, sein Realismus tritt als das

Entscheidende vor. Beide schöpfen wohl aus gleichen Quellen: dem

Bilderreichtum an den Kathedralen des Mittelalters, der Gemeingut der

nordischen Völker und Kultur. --

Memling macht nur die plastischen Bilder zu Malerei. Macht die

horizontalen Prozessionen der Fassaden zu aufsteigenden Scharen, die

zum Himmel wie zu einem Kirchenportal pilgern, macht die Verdammten zu

herabstürzenden Massen. Memling geht also nur +einen+ Schritt weiter

als die älteren Bildner, macht den bleichen Stein zum farbigen Bild, er

schiebt die regelmäßigen stillen Reihen hin und her, auf und ab, vor-

und rückwärts.

Memling erfaßt mit einem Schlage, wie die besten seiner Zeitgenossen,

wes' Geist die Plastik, wes' Geist die Malerei.

Aber woher hatte Bosch die unendlich reicheren Bilder? Wer erklärt das?

Wer erklärt das anders als aus einem Auge voll Wundern, einem Geist

voll stärkster schöpferischer Kraft?

Haben dem Memling nicht einmal die grotesken, derben Bilder der

Mysterienspiele starke Impulse gegeben -- so wäre ein Bosch von

vornherein als genialster Regisseur von Bühnen zu schätzen, der die

raffiniertesten malerischen und technischen Mittel des Theaters

Jahrhunderte vorausnimmt. Wahrhaftig hat Lafond, Boschs letzter

Biograph, recht: »Bosch ist kein Primitiver. Die Macht des Gedankens

steht im Gleichgewicht zur Fähigkeit, zu gestalten.« Er steht auf der

Höhe seiner Zeit, auf einer malerischen Höhe, die inkommensurabel

bleibt.

Boschs Höllen sind weder Malerei gewordene Domskulpturen, noch

malerische Erinnerungen aus kirchlichen Schauspielen.

So viel sich Dollmayer abgemüht, aus den Dichtungen, aus den Spielen,

aus allen möglichen Dingen der Wirklichkeit, Boschs Vorbilder

festzustellen -- die unerschöpfliche Phantasie, das starke malerische

Können dieses pessimistisch-lachenden Philosophen, alles macht ihn zu

einer gestaltenden Persönlichkeit, die kein Gelehrter von dem Wunder

künstlerischer Synthese jemals wird entschleiern können.

Eher kann das bei jenen Zeichnungen der Fall sein, die Bosch für die

Armen jener angstvoll apokalyptischen Zeiten entwarf -- wie unser Dürer

das tat mit den Holzschnitten zur Offenbarung Johannis.

Ganz wie Dürer wußte Bosch, was für die geistig ärmeren, was für die

reiferen Geister seiner Zeit taugte.

[Illustration: Abb. 16. +A. du Hameel+ nach +Bosch+, Das Jüngste

Gericht.]

Ja, der Stich Alaart du Hameels nach Boschs Zeichnung »Das Jüngste

Gericht« (Abb. 16) war für die damalige Menge zweifellos leichter

verständlich als Dürers apokalyptische Reiter, als Johannes, der das

Buch verschlingt, als das Bild vom Sonnenweib und von der »Eröffnung

des sechsten Siegels«.

So wild grotesk uns auch die Monstra alle auf diesem Weltgericht Boschs

anmuten, so vertraut waren sie dem Volke von damals aus den Skulpturen

und Mummereien. Und wenn jenes Volk solche neuen Bilder doch noch

lieber anschaute als die verwitterten Steinbilder -- so begegnete

sich hier die Bewunderung des flämischen Volkes für einen großen

Zusammenfasser mit dem genialen Verständnis des Künstlers für das

Verlangen der flämischen Rasse. Dieser Künstler wußte von seinem Volke,

daß es gern lachte. Und solche Bilder wollten und sollten auch lachen

machen.

Ein Ästhetizismus, der das vergißt, taugt nichts.

Nicht van Eyck, Bosch ist der erste volkstümliche Künstler Belgiens.

Das Wunderbare der belgischen Kunst ist, daß sie immer volkstümlich und

doch hoch künstlerisch bleibt.

So viel von Bosch als Höllengestalter.

Vom unsterblichen Bosch als Humorist, als Landschafter, als Realist muß

später die Rede sein. Ist doch Bosch ebenso ein Maler der irdischen

Lust. Ihn nur als Maler von Grausamkeiten betrachten, wäre erbärmlich.

Nicht nur das Grauslich-furchtmachende, seine ganze reiche, wunderbar

malerische, phantastische Welt machen ihn zum Genie einer Rasse am Ende

des Mittelalters, das nie so stark an Mitgefühl für Gemarterte war wie

in Bosch. -- Als Maler des Grausamen und seiner Allegorie ist Bosch

stärker und reicher, echter zumal als Botticelli, der Dantes Hölle doch

nur illustriert. Und alles was Qual ist -- spielender schafft es Bosch,

leichter als das Genie Lionardos. Wie mühte sich der Italiener ab um z.

B. Wollust und Schmerz in einer Figur zu versinnbildlichen. Bosch schuf

Tausende von Bildern der Qual und der Lust.

Vielleicht wäre Bosch auch ohne brennende Städte und Scheiterhaufen,

ohne all die hochnotpeinlichen Gerichte seiner Zeit der Maler solcher

Phantasien geworden. -- Er war dazu berufen. Sein Volkstum ist sein

Genie.

Belgiens Volkscharakter, Belgiens Kunst · 第 13 / 24 题