Aber man wußte nicht, warum. -- --

Man hatte im Laufe der Jahrhunderte gelernt, daß Revolutionen nichts

ändern, daß alles seinen gleichen Gang weiter geht und daß immer dasselbe

kommt und niemals etwas anderes.

Und doch wollte das Volk die Revolution, aufgestachelt durch das

rotglühende Licht des Kometen, dessen entsetzliches Antlitz sich förmlich

hohnlachend über die Erde neigte.

Blut -- hieß die Losung! Blut wollten sie alle! Blut sollte fließen!

Und da die Volksmassen sich selbst nicht morden wollten, so richteten sie

ihr Augenmerk auf die, welche der Pöbel immer haßt, auf die Reichen, auf

die Regierenden.

Hätten sich Romulus Futurus und John Crofton nicht in ein Flugcoupé

gerettet, so wären sie beide verloren gewesen, denn alle elektrischen

Coupés auf den Straßen wurden angehalten, zertrümmert und die Insassen

ermordet.

Der Augenblick für das Losbrechen der Revolution war günstig gewählt

worden, denn das Militär war noch nicht da und die Truppen, die sich in

Berlin befanden, reichten nicht hin, die Aufständischen zu zügeln, die mit

jeder Minute zahlreicher wurden.

Der im Jahre 1908 gebaute Eispalast war als Standquartier der Revolutionäre

eingerichtet worden. Dort weilten die Anführer, unter denen sich einer

befand, der ganz besonderes Ansehen genoß: Peter Cornelius, der Student.

Endlich aber gelang es Romulus Futurus doch, in seine Wohnung zu kommen. Er

entwickelte sofort die Platte und ließ die Photographien

kinematographenartig ablaufen.

John Crofton beobachtete staunend die Maßnahmen seines Freundes, und zum

ersten Male begriff er ganz und gar dessen gigantische Größe, die

fabelhaften Vorteile, die diese Erfindung der deutschen Nation sicherte.

Folgendes erfuhr Romulus Futurus aus dem Apparat:

»Ihr werdet euch täuschen! Von mir werdet ihr nichts erfahren! Ich werde

weder an Miß Happy Head-Divina denken, noch daran, daß sich der Vertrag in

ihren Händen befindet und daß sie ihn unter dem Sitzleder eines

Plüschsessels in ihrem Salon verborgen hält! Ihr werdet euch täuschen! Ich

habe weder an Miß Happy, noch an die Pläne, noch an alles andere gedacht,

und deine Maschine, Romulus Futurus, wird nichts wissen!«

»Nun wissen wir ja alles, was wir wissen wollten!« sagte Romulus Futurus

lächelnd, drückte auf eine elektrische Klingel und setzte sich wieder mit

der Polizeizentrale in Verbindung.

»Die Schauspielerin Miß Happy Head-Divina ist zu verhaften!« befahl er.

Gleichzeitig gab er Auftrag, daß ein hoher Polizeibeamter sich in die

Wohnung der Schauspielerin begeben sollte, um das Dokument in Besitz zu

nehmen und es John Crofton zurückzugeben. Inzwischen war Frau Fabia,

erschreckt durch das lange Ausbleiben ihres Gatten, in das Turmzimmer der

Sternwarte gekommen. Sie warf zufällig einen Blick auf die vielen

Photographien, die in kurzer Zeit von Dr. Diabel aufgenommen worden waren.

Kaum aber hatte sie hingesehen, da stieß sie einen wahnsinnigen

Entsetzensschrei aus.

»Er ist es!« rief sie. »Er ist ein Verbrecher! Er hat mich getötet!« Dann

sank sie in Ohnmacht.

John Crofton und Romulus Futurus sahen sich entsetzt an.

»Was bedeutet das?« fragte John Crofton.

»Wir werden es wohl bald erfahren,« sagte Romulus Futurus nachdenklich.

Der rote Komet Wunder der Zukunft. Romane aus dem dritten Jahrtausend. Band 2 · 第 13 / 16 题