II.

_Darmstadt_, d. 3t. Octbr. 1846.

Auf die mannichfachste Weise werde ich an Sie, verehrungswürdiger

theuerster Freund! erinnert. Jeder Anlaß dazu ist mir eine große

Freude; mir, der ich im Stillen so oft mit innigster Liebe und

Dankbarkeit, mit tiefer Rührung an die Stunden zurückdenke, welche

ich vor einigen Monaten bei Ihnen verlebte. Ihre aufopfernde Güte

widmete und so viele und reiche; -- sie bleiben mir und meinem

Neffen Sartorius, der sich Ihnen ehrerbietigst empfiehlt, --

_unvergeßlich_.

Alle die vielen Verehrer und Freunde, welche sich vor 18 Jahren, (1828)

und mehrmals später, zuletzt vor 5 Jahren, (1841) -- an den Festabenden

um Sie her versammelten -- oder sonst die Gelegenheit suchten und

fanden, Ihnen nahe zu seyn, wollten von mir über Ihr Befinden hören.

Unter diesen war auch Justizrath Buchner, ein naher Verwandter von mir,

deßen Sohn die Freude haben soll, Ihnen diese Zeilen zu überbringen.

Der gebildete junge Mann, den Musen befreundet, wie es sein Vater ist,

(Sie finden unter Ihren Papieren Gedichte, welche _Sie_ feiern,)

gehört zu dem von dem Uebermuth der Zeit noch unberührten, edlen Theil

des jungen Deutschlands, welcher sich den unsterblichen Namen der

Nation noch mit Pietät und dem ehrfurchtvollen Verlangen naht, zu

lernen, zu lieben und zu verehren. Laßen Sie sich den braven Jüngling

empfohlen seyn, wie sich auch sein Vater verehrungsvollst Ihnen

empfiehlt. -- Es ist doch eine Freude, wenn man immer noch kommende

Generationen zu dem Manne senden kann, deßen Name mit jenen Andern,

trotz dem ohnmächtigen Bemühen ephemerer Geister sich an deren Stelle

bedeutend und jene vergessen zu machen, fortleben wird, wenn diese in

dem Munde der Nation und Geschichte längst verschollen sind. --

Zu den mannichfachen Veranlassungen der Erinnerung an Sie,

unvergeßlicher Freund! trug auch wieder der gestrige Theaterzettel bei;

er nannte uns Ihren theuren Namen. „Ein Sommernachttraum“ ward gegeben,

wie sie ihn für die Darstellung eingerichtet haben. Dem reich und

feenhaft, glänzend und schön ausgestatteten, poetischen Traum, folgte,

gleichsam nach dem Erwachen am Schluß, ein stürmischer Beifall. Das

Haus war gefüllter, als es an Werktagen gewöhnlich ist und überhaupt

muß man es den Darmstädtern nachsagen, daß klaßische Namen und

Stücke sie fort und fort _mehr_ anziehen, als die Tendenzen der

Gegenwart, trotz allem eifrigen oder industriösen? modernen Geschrei:

„daß jene Rococo seyen!“ und: „laßt die Todten ruhen!“ u. s. w. u. s.

w. In acht Tagen kommt Jenny Lind zu einer Reihe von Gastrollen. Sie

versicherte: „gern hier verweilt zu haben und gern wiederzukommen!“ Sie

kennen das wunderbar begabte Mädchen, in welchem sich Kunst, Poesie und

der Adel der Persönlichkeit zu _einer_ Wahrheit vereinigen, waren

aber abgehalten, ihren Darstellungen beizuwohnen, in welchen sich wohl

das Vollendeteste zeigt, was musikalisch-dramatische Darstellungskunst

in poetischer Schönheit und Wahrheit zu leisten vermag. -- -- Der

Hoftheater-Intendant, von Dalwigk, der das Mögliche für das Theater

mit unermüdlich thätigem Willen zu thun sucht, hat sich auch dieses

Verdienst um Bestand und Ansehen der Bühne erworben. Er ist nicht der

Letzte gewesen, welcher angelegentlich nach Ihnen gefragt hat und wird

sich freuen von mir zu hören, daß ich ihn in freundliche Erinnerung

gebracht habe. Hatten Sie doch auch mit Antheil seines seligen Vaters,

seiner Mutter und der uns unvergeßlichen Abende bei diesen seinen

verehrungswürdigen Eltern gedacht, und seines unvergeßlichen Oheims,

des uns unersetzlichen Höpfners. --

Auch von dem Geheimrath Hallwachs’schen Hause würde ich Ihnen zu sagen

haben, wollte sich nicht meine Nichte selbst in Erinnerung mit den

ihrigen bringen. So bleibt mir nur noch übrig die ehrerbietigen und

herzlichen Empfehlungen auszurichten, wodurch sich meine Schwester der

Frau Gräfin und Ihnen in Erinnerung bringen will. Damit vereinigt sich,

unter innigsten Wünschen für das Wohl Ihres Hauses,

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 315 / 326 题