_Heidelberg_, d. 27. April 1831.
_Hochverehrtester Freund und Gönner!_
Ein Brief von Ihrer Hand, veranlaßt durch Ihre menschenfreundliche
Theilnahme am Schicksale eines würdigen Künstlers, war mir eine
höchst erfreuliche Erscheinung; nur wurde diese Freude durch die
schmerzliche Ueberzeugung getrübt, daß für Herrn Prof. Cauer wegen
einer befriedigenden Anstellung in Heidelberg nicht viel zu hoffen
sein möchte. Ohne Zweifel haben Sie die Hauptsache bereits von Frau v.
Metting erfahren; und in dieser Voraussetzung habe ich, der ich mich
der Trägheit im Correspondiren noch in viel höherem Maaße rühmen darf,
als Sie es von sich gethan haben, die Beantwortung Ihres liebevollen
Schreibens bis auf die Ferien und die Abtretung meines Prorectorats
hinausgeschoben, so daß, weil noch andre Wüste auf ihre Erledigung
warteten, ich erst jetzt dazu komme.
Mit der Stelle eines akademischen Zeichenlehrers oder Professors der
Zeichenkunst und Mahlerei verhält es sich so: Unser seliger Prof. Roux
hatte zwar eine Besoldung von 800 fl.; allein diese hatte er nicht
bloß seinen allerdings sehr anzuerkennenden Verdiensten zu verdanken,
sondern zugleich der kräftigen Verwendung seines berühmten Schwagers
Gensler. In den letzten Jahren haben die Ausgaben unserer Universität
deren Einnahmen um mehrere 1000 fl. überschritten, und es hängt nun
Alles vom gegenwärtigen badischen Landtage ab, ob und um wieviel die
Einnahme vergrößert werden soll. Wenn keine oder eine ungenügende
Verbesserung beliebt werden sollte, so müssen wir auf die Anstellung
eines Zeichenlehrers vor der Hand gänzlich verzichten; aber auch im
günstigsten Falle wird die für einen Solchen auszuwerfende Besoldung
schwerlich 400 fl. übersteigen. So wünschenswerth es nun auch für
unsre Stadt und für unser ganzes Land sein würde, wenn wir mit dem
Zeichenlehrer zugleich einen tüchtigen Bildhauer gewännen, so frägt es
sich, ob Prof. Cauer auch bei einer so geringen Besoldung geneigt sein
würde, die Stelle zu übernehmen. In diesem Falle darf ich Ihnen gar
nicht verbergen, daß noch viele andre Competenten vorhanden sind, von
denen Einige den, vielleicht in den Augen der Regierung in Anschlag
kommenden Vorzug haben, Landeskinder zu sein, andre den Vorzug, daß
sie sich bereits einige Zeit hier aufhalten, und dem hiesigen Publicum
ihren Leistungen nach genauer bekannt sind, wobei sich Koopmann aus
Hamburg und Schmidt aus Rheinbaiern am meisten Anerkennung erworben
haben. Diese Mittheilung soll Herrn Prof. Cauer nicht abschrecken,
sondern nur ihn mit den Verhältnissen bekannt machen. Sollte er sich
daher mit einer so geringen Besoldung zufrieden geben, so lassen Sie es
gefälligst den Hofrath Rau, als jetzigen Prorector und Bekannten der
Frau v. Metting, oder mich innerhalb 4 bis 6 Wochen gefälligst wißen.
Eher wird auf keinen Fall an die Wiederbesetzung der Stelle gedacht.
Was ich dann nach meiner besten Ueberzeugung für Prof. Cauer thun kann,
soll geschehen; nur bleibt bei den angeführten Verhältnissen der Erfolg
immer zweifelhaft. Die Bittschrift des Prof. Cauer nebst den Zeugnissen
befinden sich in den Händen des neuen Prorectors, und Herr Prof. Cauer
hat zu bestimmen, ob ihm die Zeugnisse sogleich zurückgeschickt werden
sollen, oder erst nach ausgemachter Sache.
Unser gemeinschaftlicher Aufenthalt in Baden ist meiner Frau und mir
immer in süßem Andenken. Herzlich bedauert haben wir es, daß nicht Ihre
vorjährige Reise nach und von Baden Sie über Heidelberg führte, und
daß auch wir nicht dahin kommen konnten. Diesen Sommer, Mitte Juni,
gedenken wir dahin zu gehn. Wie schön, wenn wir dort wieder mit Ihnen
zusammenträfen! Unser Malchen Engletz wird uns zwar nicht begleiten;
sie ist seit 1½ Jahren an den Pfarrer Frank in Lich (Hessendarmstadt)
glücklich verheirathet, hat schon ein Töchterchen, und hat uns vor
einigen Wochen mit ihrem Manne auf ein Paar Tage besucht. Durch Ihre
Grüße, die ich größtentheils ausgerichtet habe, habe ich überall viele
Freude erregt. Schlosser, sofern Sie darunter wahrscheinlich den auf
Stift Neuburg wohnenden verstehn, habe ich noch nichts von Ihnen sagen
können, da er sich den Winter hindurch in Frankfurt aufgehalten hat,
und erst in diesen Tagen zurückgekommen ist. Creuzer hat vor 8 Wochen
seine Frau verloren; so sehr ihn dieser Verlust angriff, so befindet
er sich gegenwärtig doch ganz erträglich. Abeggs sind recht wohl, so
bekümmernd auch im letzten Winter die Nachrichten wegen des damals in
Göttingen studirenden und jetzt nach Frankreich geflohenen Sohns waren.
Meine Frau emphiehlt sich Ihnen, Ihrer Frau Gemahlin, Ihren Fräulein
Töchtern und der gnädigen Gräfin Finkenstein auf das Herzlichste, und
ich erlaube mir, wiewohl zum Theil unbekannt, mich hierin meiner Frau
anzuschließen.