_Dresden_, d. 28t. Juli 1842.
_Hochverehrter theuerster Freund, Ihnen den treuesten liebevollsten
Gruß!_
Eine kleine Mittheilung, aus Ihrem Ziebinger Leben, wo Eine von Ihrer
Milde Beschützte, Ihnen mit den Worten entgegen trat: „Verzeihen Sie
daß ich noch lebe,“ rührte mich durch die innige Weise, wie Sie es
erzählten, damals tief; jetzt möchte ich jene Bitte für mich und meine
Wünsche wiederholen. Also -- verehrter Freund: verzeihen Sie daß ich
noch lebe und, flehend und vertrauensvoll zu Ihnen den thränenschweren
Blick aufrichte und, Sie auf das allerinnigste bitte, Ihr treues Wort,
welches Sie so liebevoll und bestimmt gegeben, ist es irgend möglich
(und was wäre Ihrer Güte und hohen Gesinnung nicht möglich?) auf das
Schleunigste zu lösen. Brockhaus läßt ohne die versprochene Einleitung
den Druck nicht beginnen. Die Welt sieht eben so sehnsuchtvoll den
einführenden Worten des ruhmbekränzten Meister _Ludwig Tieck_
als den Dichtungen des unvergeßlich in seinem Leben, wie in seinen
Schriften so ausgezeichneten Hingeschiedenen entgegen. -- Die
Subscribenten endlich sind des Harrens so müde, daß sie nach und nach
sterben. Drei derselben, deren Namen auf den Listen stehen: Graf
Einsiedel, G. Schwarz, Gräfin Dennewitz Bülow, sind wirklich indessen
aus dem Leben geschieden.
Lassen Sie, viel Verehrter, alles dieses und meine Bedrängnisse, die
Sie ja kennen, zu Herzen sich gehen und senden Sie mir in nächsten
Tagen die verheißene Einleitung. Kenne ich doch Ihre edle hohe
Gesinnung, und weiß daß Sie es mit Freuden thun werden; da Ihnen
ja das Andenken an den Mann, -- der Sie immerdar treu und warm und
_redlich_ geliebt, der Sie, wie vielleicht Wenige, ganz in Ihrem
reichen Werthe kannte und erkannte, -- auch theuer und heilig ist. --
Ihre Worte werden dem Verklärten den wohlverdienten Ehrenkranz reichen,
den er wohl noch im Leben zu empfangen berechtigt war.
Wäre es Ihnen vielleicht bequemer die Einleitung ohne biographische
Notizen zu geben, so ließe eine kurze biographische Skizze sich wohl
leicht beigeben, womit Sie nicht gemüht sein sollten. Wäre es Ihnen
wünschenswerth bei der zu schreibenden Einleitung wiederum einen kurzen
Blick in einige von Försters Poesien zu thun, so wären die Gedichte
über Rafael wohl geeignet dazu, und Sie könnten sie leicht von Försters
Freund, dem Regierungsrath Streckfuß in Berlin erhalten.
Nur um Sie nicht durch längeres Lesen zu belästigen, theile ich
Ihnen nichts von Dresden mit, als was Sie wissen: daß Alle mit großer
Sehnsucht Ihrer Rückkunft entgegen sehen.
Der theuren verehrten Gräfin sagen Sie freundlich mein und meiner
Kinder ehrerbietigsten Grüße. Letztere rufen mit mir im Voraus Ihnen
tausend Segensworte zu für das Liebesdenkmal, welches Sie unserm
Verklärten bringen werden! --