gehorsamster Diener
~Dr.~ _Schorn_.
_Verehrtester Freund._
Ich kann mirs nicht versagen, diesem Briefe ein paar flüchtige Zeilen
beizufügen und Ihnen ~Dr.~ S. als einen sinnigen KunstFreund zu
empfehlen, den ich seit mehreren Jahren freundschaftlich kenne, und
nun Hr. v. Cotta zum Redacteur des neuen Kunstblatts vorgeschlagen
habe. Ich weiß wohl, es ist ein gewagter Versuch mit einem periodischen
Blatt über Kunst, wenn man darin einen edelen würdigen Geist erhalten
will. -- Indeß hoffe ich die Zeitungs Form wird durch das Interesse
_historischer_ Notizen von allen Kunst Ergebnissen -- in äußerer
Rücksicht -- sichern, und was das innere und wesentliche betrift, so
bin ich überzeugt, daß dies immer bedeutend und höchst würksam bleiben
wird, wenn man auf die Theilnahme von Männern, wie Sie, rechnen kann.
Denn der Raum, der für beurtheilende Aufsätze und Abhandlungen über
allgemeine Gegenstände übrig bleibt, ist, ohne im einzeln zu sehr
zu beschränken, im Ganzen doch so klein, daß man ohne unbescheidene
Ansprüche an solche Theilnahme zu machen, hoffen darf ihn gröstentheils
von ihnen benuzt zu sehen.
Möchten Sie nicht einzelne Stücke aus dem Neuen Sternbald, oder sonst
einiges aus Ihrem Vorrath über Kunst mittheilen. Es würde im Anfang --
da man sich gern empfehlen mag -- doppelt willkommen seyn. Ich denke
verschiedenes zu den Biographien von Eyck -- Hemmeling und andern, dann
über die alt Cölln. Schule -- und wieder über altdeutsche Architecten
einiges zu geben; aber nur nach und nach. Ich habe gar zu viel mit der
Herausgabe des Doms zu thuen, die ich in Paris veranstalten muß. Ich
bin und bleibe nun einmal der alte Narr, der mit niederländischem Ernst
nicht nachläßt, bis die Ausführung so weit gebracht ist, als _aufs
strengste_ nach den Umständen gefordert werden kann. Im Frühjahr, hoffe
ich, soll endlich dieses Admiral-Schiff vom Stapel gelaßen werden.
Mein Bruder und Bertram empfehlen sich mit mir Ihrem freundschaftlichen
Angedencken.
_Sulpitz Boisserée_
~eiligst.~