_Stockholm_, den 18. August 1836.
_Theuerster Freund_,
der Ueberbringer dieser Zeilen[4] ist der Königl. Bibliothekar
Rydquist, der zugleich in der Schwedischen Akademie mein ~Amanuensis~
ist, ein in der Geschichte der Litteratur sehr bewanderter Mann, deßen
Schrifte von den hiesigen Akademien mehrmals gekrönt worden, und der
besonders durch zwey Werke, nähmlich eine „vergleichende Characteristik
der älteren und neueren Litteratur“ und eine „Untersuchung über die
ältesten Schauspiele des Nordens“ Aufsehen erregt hat. Er hat überdieß
mehrere Jahre hindurch eine Zeitung für die Litteratur und schöne Kunst
herausgegeben, welche sich vor allen andern in diesem Fach hieselbst
erschienenen rühmlich ausgezeichnet hat. Zu der Reise die er jetzt nach
Italien unternimmt, hat er sowohl vom Könige als von der Schwedischen
Akademie Unterstützung erhalten, und da ich ihm keinen größeren
Gefallen thun kann, als wenn ich ihm eine Gelegenheit verschaffe Deine
Bekanntschaft zu machen, so verlaße ich mich auch diesmal auf die Güte
die Du so vielen meiner Landsleute erzeigt hast, diesem, auf welchen
ich einen besonderen Werth setze, zu Deinen Abendgesellschaften den
Zutritt zu verstatten. Er wird sich wahrscheinlich eine oder ein paar
Wochen in Dresden aufhalten.
Bis jetzt bin ich, Gott sey Dank, von der neuen Amtsgeschäften frey
geblieben, womit ich, laut meines letzten Briefes (vom 19. July)
bedroht war, und ich drücke daher fleißig an dem Werke, welches ich Dir
zu widmen wünsche. (Hr. Rydquist kennt es schon und kan davon einigen
Bescheid geben.) Darf ich meine jetzige Freiheit ungestört genießen, so
hoff’ ich zuverläßig künftigen Sommer eine Reise nach Dresden machen
zu können, wohin wir, meine Frau so wohl als ich, uns so innig sehnen.
Meine Frau empfiehlt sich freundschaftlichst Dir und den Deinigen,
womit ich meinen herzlichen Gruß an Deine ganze Umgebung und alle
unsere Freunde in Dresden verbinde. Lebe wohl, theuerster Freund, und
behalte, wie bisher, in wohlwollendem Andenken