Wien d. 28. März 1835.
_Verehrter Herr!_
Ihre aufmunternden Zeilen über Fortunat kamen eben wenige Tage an
vor der Aufführung dieses Stücks in einem hiesigen Vorstadttheater.
Das Stück -- fiel durch. Das Publikum schien das Volksmährchen gar
nicht zu kennen, wunderte sich über den Sekel u. s. w. Zudem hatten
Saphir mit seinen Anhängern und andere Uebelgesinnte Parthei gebildet;
überdieß besitzen die beiden _Holtei’s_, welche z. 1. M. als engagirte
Mitglieder spielten (Vasko und Rosamunde), keine Freunde unter den
Schreibern der hiesigen Journale, welche, wie fast überall, in den
schlechtesten Händen sind. Am zweiten Abend ging die Sache besser,
u. Holtei’s wurden gerufen. Uebrigens wurde mir bei dieser Sache
klar, daß das Stück auch auf unserm Hoftheater nicht gefallen hätte,
und zwar nicht nur wegen seiner dramatischen Gebrechen, sondern
hauptsächlich deßhalb, weil das Wiener-Publikum für das Freiere und
Phantastische durchaus keinen Sinn mitbringt. So wurde ein Meisterwerk
unserer Literatur „der Prinz v. Homburg“, mit welchem ich meinen
Versuch natürlicher Weise nicht von Ferne zu vergleichen wage, auf den
Hoftheater förmlich ausgelacht. -- Sollten Sie, hochverehrter Herr,
trotz jenes Erfolges dennoch die Aufführung des Fortunat beabsichtigen
(welcher auch vom Berliner Hoftheater angenommen wurde), so werde ich
so frei seyn, Ihnen in der Folge einige Abänderungen und Abkürzungen
vorzuschlagen, welche sich bei der zweiten Darstellung als zweckmäßig
erwiesen. --
Für den übrigen Inhalt Ihres Briefes, welche eine weit bessere Meinung
für mich ausspricht, als ich bisher im Stande war zu verdienen,
danke ich mit aufrichtigem Herzen. Schon in meinen frühesten
Jünglingsjahren hatten, nebst Göthe und Shakespeare, Ihre Werke den
größten Einfluß auf mich ausgeübt. Ich schrieb wohl über ein Dutzend
Stücke beiläufig in den Manieren aller dieser Meister, worin sich
vielleicht ~disjecta membra poëtae~ entdecken lassen; aber das
Ganze blieb stets ungenügend. In der Folge fühlte ich ein brennendes
Bedürfniß, das Theater kennen zu lernen. So kamen denn jene leichten
Lustspiele zum Vorschein, bei denen, ich weiß es wohl, häufig das
Poetische einer gewissen Technik aufgeopfert wurde, die sich aber der
Theater-Schriftsteller durchaus erwerben muß. Dabei erschien mir die
natürliche Auffassung moderner Zustände auch in das Feld der Poesie
zu gehören, u. im bisherigen Deutschen Lustspiel noch wenig bebaut.
-- Schlimm ist’s, daß nun gerade der Versuch, wo ich der Poesie näher
zu kommen dachte, verunglücken soll. Das soll mich jedoch nicht
abhalten, dasjenige, was ich im Gefühl und im Gedanken einmal als das
Richtige erkannt habe, mit Bedacht fortzubilden. Ist meine Kraft zu
gering, dann hilft freilich die gute Absicht zu Nichts. Steht mir nur
der Zeitgeschmack und die Gemeinheit entgegen, dann hoffe ich noch
durchzudringen.
Verzeihen Sie, verehrter Herr, daß ich Sie mit einem so weitläufigen
Schreiben belästige; aber ich fühlte ein wahres Bedürfniß, Ihnen den
Gang meiner poetischen Bildung einiger Maßen darzulegen, da ich Ihnen,
ohne Sie persönlich zu kennen, so Vieles verdanke.
Sollten Sie mir einige billigende Worte entweder selbst schreiben oder
durch Rettich mittheilen wollen, so werden Sie dadurch sehr beglücken