Es gehört mit zu den landläufigsten Ungerechtigkeiten der
mystischen sogen. „moralischen Person“ _Publikum_ geheißen, daß
allzuhäufig, wenn vom verdeutschten Shakespeare die Rede ist, wie
er unter der Firma „Schlegel-Tieck“ kursirt, der Name dieses Mannes
verschwiegen bleibt. Ja, sieht man doch Theateranzeigen genug,
auf denen zu lesen steht: „Othello -- oder Lear, übersetzt von
Tieck.“ Gerade diese Dichtungen, so wie noch mindestens zehn andere
in der Sammlung enthaltene Uebertragungen, hat der vortreffliche
Graf geliefert, der nach zurückgelegter diplomatischer Wirksamkeit
in Stockholm, Wien, Paris, sich 1827 zu _Dresden_ niederließ.
Weshalb dort? Das künden uns die schönen Worte im ersten der
nachstehenden Briefe -- (leider haben sich in T.’s Nachlaß nur
deren drei vorgefunden!) -- welche lauten: „_Ich weiß kaum wie ich
vorher gelebt habe, ehe ich Sie lesen und reden hörte?_“ - Drei
feste Bänder: persönliche Freundschaft, poetische Begeisterung,
wissenschaftliches Streben fesselten ihn an Tieck. Er gehörte zu
den Auserwählten, welche von Meister Ludwig nicht mehr _empfingen_,
als sie ihm zu _geben_ im Stande waren. Er hat dem geliebten
Freunde unermüdlich treu, thätig, fördernd und aufopfernd zur Seite
gestanden. Aus dem Schüler ward bald ein selbstständiger Meister.
Nachdem er schon lange vorher (1819) Sh’s K. Heinrich VIII.
in eigner Verdeutschung erscheinen lassen, gab er später (1836)
Ben Johnson und dessen Schule, ein bedeutendes Werk, heraus.
Außerdem rührt von ihm die, durch Tieck eingeführte, Sammlung
Shakspeare’scher (?) Jugendarbeiten: Eduard III. -- Thomas
Cooxwell -- Oldcastle -- Londoner Verschwender in musterhafter
Uebertragung her. Im Jahre 1848 edirte er aus mittelhochdeutscher
Litteratur: Iwein mit dem Löwen und Wigalois.