Geboren den 30. Januar 1789 zu Rantzau. --

Es gehört mit zu den landläufigsten Ungerechtigkeiten der

mystischen sogen. „moralischen Person“ _Publikum_ geheißen, daß

allzuhäufig, wenn vom verdeutschten Shakespeare die Rede ist, wie

er unter der Firma „Schlegel-Tieck“ kursirt, der Name dieses Mannes

verschwiegen bleibt. Ja, sieht man doch Theateranzeigen genug,

auf denen zu lesen steht: „Othello -- oder Lear, übersetzt von

Tieck.“ Gerade diese Dichtungen, so wie noch mindestens zehn andere

in der Sammlung enthaltene Uebertragungen, hat der vortreffliche

Graf geliefert, der nach zurückgelegter diplomatischer Wirksamkeit

in Stockholm, Wien, Paris, sich 1827 zu _Dresden_ niederließ.

Weshalb dort? Das künden uns die schönen Worte im ersten der

nachstehenden Briefe -- (leider haben sich in T.’s Nachlaß nur

deren drei vorgefunden!) -- welche lauten: „_Ich weiß kaum wie ich

vorher gelebt habe, ehe ich Sie lesen und reden hörte?_“ - Drei

feste Bänder: persönliche Freundschaft, poetische Begeisterung,

wissenschaftliches Streben fesselten ihn an Tieck. Er gehörte zu

den Auserwählten, welche von Meister Ludwig nicht mehr _empfingen_,

als sie ihm zu _geben_ im Stande waren. Er hat dem geliebten

Freunde unermüdlich treu, thätig, fördernd und aufopfernd zur Seite

gestanden. Aus dem Schüler ward bald ein selbstständiger Meister.

Nachdem er schon lange vorher (1819) Sh’s K. Heinrich VIII.

in eigner Verdeutschung erscheinen lassen, gab er später (1836)

Ben Johnson und dessen Schule, ein bedeutendes Werk, heraus.

Außerdem rührt von ihm die, durch Tieck eingeführte, Sammlung

Shakspeare’scher (?) Jugendarbeiten: Eduard III. -- Thomas

Cooxwell -- Oldcastle -- Londoner Verschwender in musterhafter

Uebertragung her. Im Jahre 1848 edirte er aus mittelhochdeutscher

Litteratur: Iwein mit dem Löwen und Wigalois.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 95 / 326 题