_Upsala_, d. 20. Mai 1838.
Gewiß entschuldigen Sie, mein hochverehrter Meister, die Dreistigkeit,
mit der ich die jetzt sich darbietende Gelegenheit ergreife, nicht nur
einen jungen Freund, ~Dr.~ _Sredbom_ v. Upsala, zu gütiger Aufnahme,
sondern auch mich selbst zu gütiger Erinnerung zu empfehlen. In
Ihren Schriften seit meiner frühesten Jugend, beinahe täglich lebend
und webend, wie glücklich wäre ich, wenn zu diesem Band geistiger
Vereinigung auch das Zusammenseyn, die räumliche Nähe _persönlicher_
Gegenwart sich gesellen dürfte! Da mir aber dies versagt ist, und ich
Sie nur mit meinem Dankgefühl, meiner Sehnsucht, meiner Liebe, meiner
Ehrfurcht umfassen kann, so muß ich freilich mich damit begnügen,
daß hin und wieder ein reisender Freund, als mein Stellvertreter,
ausführlicher dasjenige ausspricht, was diese armen Zeilen nur dürftig
und scheu andeuten. --
Daß Sie die schwedische Sprache kennen und schwedische Dichter lesen,
haben mir mehrere, z. B. der Buchhändler _Bonnier_, erzählt; ich
werde Ihnen also, wenn Gott Leben und Gesundheit giebt, im künftigen
Frühjahr mit ein paar größeren Dichtungen, die mich jetzt beschäftigen,
aufwarten. Die zwei herausgegebnen Bände meiner gesammelten Gedichte
(die _meisten_ meiner _lyrischen_ Versuche enthaltend) haben
Sie vielleicht schon durch den Bonnier. Im dritten, vierten und fünften
werden die größeren Compositionen folgen. So ist mein Plan; aber
_~homo proponit, Deus disponit~_. -- Mehreres von mir, von
der schwed. Litteratur, und von dem aufblühenden trefflichen Finnischen
Dichter _Runeberg_, wird Ihnen Sredbom erzählen. -- Gott mit Ihnen.
Ihr treuster
_Atterbom_.