II.

Ohne Datum.

Das Schicksal hat mirs heute gefügt, daß ich an Tieck schreibe, mein

Herz hat an nichts weniger gedacht seit Jahren, doch hat vor Jahren

mein Herz sich gefreut wenn ich dachte ich könnte ihm schreiben, doch

hab ich ihm nie geschrieben weil ich dachte ich könnte ihm nichts

schreiben was ihm werth wäre; und heute wo mein Brief nicht meine

eigne sondern eine fremde Emfehlung enthält hab ich das Herz was ich

vor Jahren da ichs noch deutlich fühlte daß ich eins habe, nicht hatte

ihm einen Mann zu emfehlen der mir zwar nicht so am Herzen liegt, wie

damals mein eignes Interesse mir am Herzen lag, welches Interesse Tieck

selbst war, und ich nicht das Herz hatte Ihm selbst, ihm selbst zu

emfehlen.

Dieser von mir herzhaft emfohlene Mann der gewiß ein Interesse verdient

und hat, was mir mangelt, und nie gewährt wurde heist _de Barante_

ist Gouverneur des Herzogs, reist um die Gesundheit herzustellen, um

deutsche Städte und herrliche große Dichter kennen zu lernen, er ist

hier im Schoos der Familie Savigny mit großer Theilnahme emfangen

worden, wär ich hellsehend so würde ich alle Tugenden die mich

instinktmässig dazu bewogen es zu wagen ihn einem Tieck dem ich mich

nie selbst emfehlen konnte aufs dringendste zu emfehlen hersetzen.

_Bettine von Arnim._

Ich bitte Dich guter freundlicher Freund sey wie ein Kind, gegen diesen

Mann, dann brauchst Du keine Toilette zu machen und bist doch mit allen

Reitzen versehen, die eine gediegne Coquetterie Dir nur gewähren kann.

=Atterbom, Peter Daniel Amadeus.=

Schwedischer Dichter, gedanken- und phantasiereich, geb. d. 19.

Jan. 1790 im Kirchsprengel Asbo in Ostgothland, Hauptvertreter der

idealistischen gegen die alternde Akademie kämpfenden Richtung.

Eine von ihm redigirte Zeitschrift Phosphorus (1810-1813) galt

gewissermaßen für das Organ dieser Bestrebungen. Im Jahre 1822

ernannte man ihn zum Docenten und Professor an der Universität

Upsala, und 1839 nahm man ihn gar als Mitglied in die Akademie auf,

gegen die er so lange gestritten.

Der poetische Kalender (1812-1822) -- die Insel der Glückseligkeit

(1831-1833) -- Samla de Dikter (1836-1837) -- und andere

historische und philosophische Schriften.

Die drei hier von ihm vorgefundenen Briefchen, so kurz und

unbedeutend sie sein mögen, wurden abgedruckt, wie Alles abgedruckt

werden soll, was Zeugniß giebt von Ludwig Tieck’s Bedeutung im

Auslande. Wen die Guten und Edlen fremder Nationen huldigend

anerkennen, den dürfen wir mit zweifacher Berechtigung zu den

Besten der unsrigen zählen.

Briefe an Ludwig Tieck (1/4) Erster Band · 第 87 / 326 题