Die Karawane hatte einen neuen Unfall erlebt: einer unserer Perser war,
jedenfalls im Schlaf, von einem Wagen gestürzt und überfahren worden.
Jetzt lag er in einer Droschke, und ein Kamerad pflegte ihn. Gebrochen
hatte er nichts, wie sich bei näherer Untersuchung zeigte, aber das
Erlebnis hatte ihn doch mächtig angegriffen.
Nach kurzer Nachtruhe waren wir früh um 4 Uhr wieder auf den Beinen.
Heute mußten der Herzog, Schölvinck, Busse und ich zu vieren mit dem
Auto vorlieb nehmen, da der Weg nach Assur für die Gepäckwagen sehr
beschwerlich war, und alle Pferde gebraucht wurden. Er führte über die
an sich unbedeutenden Hügel, die den Dschebel Hamrin mit dem Dschebel
Makhul verbinden; aber sie sind von Wasser und Wind zu verfitzten
Labyrinthen verarbeitet. Bald boten tiefe Rinnen mit steilen Rändern
lästige Hindernisse, bald war die Straße so schmal, daß das Auto kaum
vorwärts kam, bald lag sie voller Blöcke oder war durch Erdrücken
gesperrt. Unser tapferes Auto überwand aber alle Schwierigkeiten und
konnte schließlich über ebenerem Gelände in beschleunigter Fahrt dem
Tigrisstrom und der alten Königstadt Assur zueilen.
Unsere Reisegenossen aber kamen nicht so glücklich durch. Als
wir nach Besichtigung der Ruinen von Assur ausruhten, langte des
Herzogs Ordonnanz Gustav mit der Nachricht an, ein Jaile sei auf dem
schwierigen Wege umgestürzt und zerbrochen und habe dem Kutscher,
einem alten Manne aus Bagdad, den Oberschenkel zerschmettert. Sofort
schickten wir das Auto, um den Verunglückten zu holen. Konsul
Schünemann und Wachtmeister Schmitt hatten ihn so gut wie möglich
geschient, und wir ließen ihm alle Pflege angedeihen. Der Alte weinte
über sein Mißgeschick, war aber mit einigen Zigaretten schnell
getröstet. Als dann am Abend unter Gepolter und Hallo die übrige
Kolonne mit ihren schwitzenden Gäulen und schwer bepackten Wagen,
die auch noch die Last des verunglückten Jaile hatten übernehmen
müssen, angekommen war, übergaben wir unsere beiden Patienten dem
Bahnhofsvorsteher und ließen einen von der Mannschaft bei ihnen, um sie
nach einigen Ruhetagen auf einem Kelek nach Bagdad zu bringen.
Diese kleinen Mißgeschicke waren aber nur ein Vorspiel dessen, was auf
dem Wege von Assur nach Mosul unser wartete.
[Illustration:
Phot.: Schölvinck.