Konsul Richarz’ Hof.]

Regelmäßig Ende Mai, bei Beginn der großen Hitze, pflegte Richarz seine

Winterwohnung zu verlassen und auf „Sommerfrische“ zu ziehen. Der Umzug

war nicht weit, bedeutete aber doch in seinem Leben einen jährlich

wiederkehrenden wichtigen Abschnitt: Er begab sich einfach zwei Treppen

tiefer in sein „Särdab“, einen Kühlraum, in den kein Sonnenstrahl

drang. Hier unter der Erde verbrachte er den ganzen Sommer, und wer an

den kleinen Luken des Särdab vorüber kam, konnte am hellichten Tage die

himmlischen Akkorde von Beethovens Mondscheinsonate aus der Kellertiefe

herauftönen hören.

Bei dem Herrn des Hauses traf ich auch meinen prächtigen Freund von

der deutschen Westfront Rittmeister Schölvinck, den Adjutanten des

Herzogs. An der gemeinsamen Frühstückstafel auf der Veranda des Konsuls

in der regenfrischen Morgenluft gab es so ein behagliches Plaudern;

im Mittelpunkt der Unterhaltung standen natürlich der vor einer Woche

gemeldete Fall von Kut-el-Amara und seine voraussichtlichen Folgen.

Später am Tage sah ich auch meinen lieben Reisekameraden Graf

Wilamowitz wieder, der von seinem 800-Kilometerritt von Aleppo her

mancherlei zu erzählen wußte. Und nachdem ich den Abend wieder in

Konsul Richarz’ Salon verbracht hatte, fuhr ich im Auto des Herzogs

nach Hause. Im Licht der blendenden Scheinwerfer hatten Bagdads enge

Straßen ein phantastisches Aussehen; die gelben Lehmhäuser mit ihren

kleinen, festen Straßentüren und die feierlichen Palmen, deren Federn

über die Hofmauern blickten, glichen den Kulissen einer Bühne. Auf den

noch nassen Straßen lungerten herrenlose Hunde herum, die den Rädern

des Autos nur zögernd und unter grimmigem Knurren ihren angewärmten

Schlafplatz preisgaben.

[Illustration: Bagdad.

Bagdad, Babylon, Ninive · 第 10 / 54 题