Seite

+Erstes Kapitel.+ Die Türkei im Weltkrieg 1

+Zweites Kapitel.+ Aleppo 8

+Drittes Kapitel.+ Eine mißglückte Autofahrt 18

+Viertes Kapitel.+ Mein neuer Feldzugsplan 36

+Fünftes Kapitel.+ Auf den Wellen des Euphrat 41

+Sechstes Kapitel.+ Unter Nomaden und armenischen Flüchtlingen 52

+Siebentes Kapitel.+ Deutsche Artillerie auf dem Wege nach Bagdad 73

+Achtes Kapitel.+ Im Reich der Palmen 83

+Neuntes Kapitel.+ Mein Einzug in Bagdad 103

+Zehntes Kapitel.+ Bagdad einst und jetzt 118

+Elftes Kapitel.+ Sommertage in „Dar-es-Salaam“ 145

+Zwölftes Kapitel.+ Zwei Deutsche: von der Goltz und Moltke 181

+Dreizehntes Kapitel.+ Kut-el-Amara 191

+Vierzehntes Kapitel.+ Meine Fahrt nach Babylon 211

+Fünfzehntes Kapitel.+ Bibel und Babel 234

+Sechzehntes Kapitel.+ Die Ruinen Babylons 247

+Siebzehntes Kapitel.+ Eine deutsche Studierstube am Euphrat 276

+Achtzehntes Kapitel.+ Samarra, die Hauptstadt des Kalifen

Mutawakkil 284

+Neunzehntes Kapitel.+ Die Karawane des Herzogs 300

+Zwanzigstes Kapitel.+ Die Königsstadt Assur 314

+Einundzwanzigstes Kapitel.+ Erlebnisse auf einer Etappenstraße 327

+Zweiundzwanzigstes Kapitel.+ Mosul 342

+Dreiundzwanzigstes Kapitel.+ Ninive 364

+Vierundzwanzigstes Kapitel.+ Die Keilschrift und die älteste

Bibliothek der Welt 375

+Fünfundzwanzigstes Kapitel.+ Über Mardin zurück nach Aleppo 385

+Sechsundzwanzigstes Kapitel.+ Assyrien und Babylonien 401

[Illustration: Türkische Soldaten auf dem Wege nach Nesibin, Mosul und

Bagdad.]

Erstes Kapitel.

Die Türkei im Weltkriege.

Stockholm, 7. Mai 1917.

Wer dieses Buch in der Erwartung zur Hand nimmt, eine ausführliche

Schilderung des Anteils der Türkei am Weltkrieg zu finden, wird schon,

ehe er bis Bagdad gekommen ist, enttäuscht ausrufen: Aber das ist ja

kein Kriegsbuch! Das ist ja nur eine Reisebeschreibung!

Er hat vollkommen recht. Nicht der Krieg lockte mich zu neuen

Abenteuern. Davon hatte ich an den europäischen Fronten genug gesehen.

Diesmal sehnte ich mich vor allem danach, die Weltreiche des Altertums,

Assyrien und Babylonien, und die Ergebnisse der modernen Forschung auf

diesem ehrwürdigsten Boden der Erde kennen zu lernen. Ich wollte die

altberühmten Städte sehen, die der Spaten der Archäologen jetzt aus

vieltausendjährigem Schlummer geweckt hat.

Den Leser an der überreichen Fülle meiner Eindrücke teilnehmen zu

lassen, ist die vornehmste Aufgabe dieses Buches. Bald aber wird er

merken, daß meine Reise in kriegerischer Zeit vor sich ging. Er hört

den Schritt marschierender Soldaten und sieht deutsche Batterien

in türkischen Diensten den königlichen Euphrat hinabfahren. Der

Kanonendonner von Kut-el-Amara dringt an sein Ohr, und ich kann ihm

einige Mitteilungen über den Vormarsch der Engländer in Mesopotamien

nicht ersparen. Doch diese Gegenwartsbilder ziehen nur flüchtig vorüber

vor dem machtvollen Hintergrund des Altertums.

Den Kampf der Osmanen gegen Rußland kann ein Schwede nicht aufmerksam

genug verfolgen. Denn er berührt die Zukunft seiner Heimat näher,

als viele meiner Landsleute zugeben wollen. Bisher war Rußland auch

+unser+ Erbfeind -- die nächste Zukunft wird zeigen, ob der

jetzige Umsturz den Erbfeind in einen Freund verwandelt hat. Seit Karl

XII. den Europäern die Augen für die moskowitische Gefahr öffnete

und die Vernichtung des slawischen Großstaates als das unumstößliche

politische Ziel seiner Nachbarn bezeichnete, haben Schweden und die

Türkei das gleiche Lebensinteresse gehabt. Der Sieg des einen war

auch des andern Vorteil, die Niederlage des einen auch der Schaden

des andern. Schwedens Mißgeschick gab den russischen Zaren stets die

Hände im Süden frei. Türkische Niederlagen sicherten ihnen den Rücken

vor gefährlichen Feinden, wenn sie es für angebracht hielten, ihre

Aufmerksamkeit auf unsre Grenzen zu richten.

Das Gemeinsame in den politischen Bedürfnissen Schwedens und der

Türkei hat dennoch nicht vermocht, sie zu förderlicher Zusammenarbeit

zu vereinen, nicht einmal da, wo es nur die Abwehr galt. Und doch hat

die geographische Lage beider, die die Flanken des moskowitischen

Reiches umfaßt, jedem von ihnen mit oder gegen seinen Willen eine

außerordentlich wichtige Rolle aufgezwungen. Schweden hält Rußland vom

Meere ab und sperrt seine Verbindungen mit Westeuropa. Das bisherige

Rußland -- unter dem Zepter des Zaren -- hat unser bloßes Dasein stets

als einen erstickenden Druck empfunden; die Lehren des Weltkrieges

haben diese Wahrheit nur bestätigt. Rußlands auswärtige Politik will

diese Fesseln sprengen. Andrerseits kann die künftige Sicherheit

Schwedens und der Türkei zu keinem billigeren Preise errungen werden,

als durch Verwirklichung der Pläne Karls XII.! Denn die neue

Staatsform, mit der Rußland soeben die Welt überrascht hat, gibt

keinerlei Bürgschaft für die Zukunft. Nichts könnte törichter sein, als

blind auf ihren Bestand zu vertrauen!

[Illustration: +Halil Pascha+, der Nachfolger des Feldmarschalls

von der Goltz.

Bagdad, Babylon, Ninive · 第 6 / 54 题